Forschung
Humusbildung im Ökolandbau: nicht mehr, aber nachhaltiger
Studie des Thünen-Instituts liefert neue Erkenntnisse
© Thünen-Institut/BZE-LW
Bio-Äcker bevorraten im Mittel nicht mehr Bodenkohlenstoff als konventionelle. Entscheidend seien die gewählten Bewirtschaftungsmaßnahmen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des Thünen-Instituts. Dabei geschehe die Humusbildung im Ökolandbau mit weitaus weniger negativen Umwelteffekten. Bio-Verbände heben die ganzheitlichen Klimaschutz- und Umweltleistungen der Bio-Landwirtschaft hervor.
Die bisherigen Erkenntnisse zur Wirkung des Ökolandbaus auf den Bodenkohlenstoff basieren hauptsächlich auf kontrollierten Feldexperimenten. In der neuen Studie werden sie für die Praxis nicht bestätigt. Ausgewertet wurde der Humusgehalt von knapp 3.000 Ackerflächen.
Die Forscher um Professor Axel Don rechneten standortbedingte Unterschiede heraus und verglichen den Einfluss verschiedener Bewirtschaftungsfaktoren. Demnach führte etwa der Einsatz mineralischer Dünger und chemischer Pestizide im konventionellen Anbau zu durchschnittlich gut 30 Prozent höheren Erträgen. Die resultierenden Biomasse-Erträge und damit Wurzeln sowie Ernte-Reste wirkten humussteigernd. Dagegen lagen die Bio-Äcker in den Fruchtfolgen mit 39 Prozent Humusmehrern wie Kleegras deutlich vor den konventionellen Äckern mit elf Prozent.
„Diese Studie ist ein Weckruf: Die Landwirtschaft kann und muss mehr für Humus tun“, kommentiert Peter Röhrig, geschäftsführender Vorstand des Bunds Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). Wie Humus langfristig und effizient aufgebaut werden kann, wird derzeit im HumusKlimaNetz erforscht, das vom BÖLW und vom Deutschen Bauernverband gemeinsam koordiniert und vom Thünen-Institut wissenschaftlich begleitet wird.
„Im Ökolandbau wird Bodenkohlenstoff mit weitaus weniger negativen Umwelteffekten durch die humusfördernden Fruchtfolgen aufgebaut“, stellt Erstautor Axel Don zum Status quo fest. Der Beitrag von synthetischem Dünger zum Humusaufbau sei teuer erkauft, bemerkt Röhrig: durch Kohlendioxid bei der Herstellung, Lachgas und Stickstoff-Verluste, die als Nitrat ins Grundwasser gelangen.
Als „kreislauforientiertes Low-Input-System“ hebt Bioland-Präsident Jan Plagge den Mehrwert des Ökolandbaus hervor. Die Produktion mineralischer Stickstoffdünger benötige enorm viel fossile Energie und verursache entsprechend hohe Treibhausgasemissionen.
„Der Ökolandbau verfolgt einen Systemansatz, der Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität, Wasserschutz, Tierwohl und regionale Kreisläufe integriert“, ergänzt Naturland-Präsident Eberhard Räder. Diese in Studien belegten systemischen Vorteile der Bio-Landwirtschaft hinsichtlich ihrer Umweltleistungen hätten weiter Bestand.







