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Nüsse

Von knackig bis soft

Bio-Nüsse und -Trockenfrüchte auf weiter aufsteigendem Ast

Von knackig bis soft © bioPress, LT

Nüsse und Trockenfrüchte sind genauso als Einzelsortiment wie in Form aromatischer Mischungen erfolgreich. Verbraucher genießen sie als gesunde und energieliefernde Snacks, zum Müsli oder fürs Salattopping. Sie geben warmen Speisen einen internationalen Kick, sind eine beliebte Backzutat und mehr. Die Pandemiesituation hat für einen zusätzlichen Aufschwung gesorgt.

Die Menschen knabbern und snacken gerne, sie legen aber auch vermehrt Wert auf eine bewusste Ernährung. Nüsse bieten hier eine gute Alternative zu typischen salzigen Snacks, ebenso wie Trockenfrüchte Müslimischungen und Riegel pfiffig aufpeppen können. Für Bio-Ware spricht dabei unter anderem, dass sie aus ökologischem Anbau ohne Pestizide stammt und Schwefel oder andere chemische Mittel bei der Nacherntebehandlung ausgeschlossen sind. Dazu kommen eine transparente Herkunft – und eine erstaunliche Vielfalt.

Bio-Anbieter sorgen in dem Doppelsortiment immer wieder für Abwechslung, indem sie Dauerbrennern wie Mandeln, Wal- oder Haselnüssen beziehungsweise Rosinen oder Apfelringen auch Trend- und ausgefallene Sorten von Cashewnüssen oder Cranberries bis zu Macadamia oder Deglet Noir Datteln zur Seite stellen.

Bei den Kombinationen, die die Auswahl weiter vergrößern, finden sich reine Nuss- beziehungsweise Fruchtmischungen sowie verschiedene Nuss-Frucht-Kreationen vom klassischen Studentenfutter bis zum Exotik-Mix. Speziell bei den Schalenfrüchten können Händ- ler ihren Kunden zugleich neben ganzen bereits zerkleinerte oder geröstete Nüsse anbieten.

In den letzten Jahren haben sich zudem weitere veredelte Produkte etabliert. Mit feiner Bio-Schokolade umhüllte  Nüsse werden von mild gesalzenen und scharf gewürzten Varianten begleitet – bei Bio-Qualitäten wieder ohne synthetische Aromen und Zusatzstoffe.

Den Markt für Nüsse und Trockenfrüchte teilen sich Markenanbieter meist mit einer vielfältigen Auswahl und seltener mit einzelnen Spezialitäten wie Macadamia oder Kokosnussprodukten. Im- und Exportunternehmen versorgen den Handel und Großhandel mit eigener Kleingebinde-Linie neben dem B2B-Sortiment für Großverbraucher. Nicht zu vergessen ist, dass Händler oft auch lose Ware für Unverpackt-Stationen, Rohkost-Qualitäten oder fair gehandelte Produkte ordern wollen.

Auswahl satt: Von Ananas bis Zedernnuss

Als wertvolle und nährstoffreiche Grundnahrungsmittel mit guter Lagerfähigkeit haben Nüsse und Trockenfrüchte nach wie vor eine hervorragende Marktsituation. So heißt es bei Egesun, die den Erfolg auch im verstärkten Interesse an einer veganen und eiweißreichen Ernährung begründet sehen. Dem kommt das Unternehmen mit einem umfassenden Sortiment entgegen, in dem einige Artikel zusätzlich das Naturland-Siegel tragen.

Unter der Marke One Organic nature wird schwerpunktmäßig der LEH/SEH und unter der noch stärker bekannten, größeren Stammmarke MorgenLand der Bio-Fachhandel versorgt. One Nature solle dabei das Sortiment der Schnelldreher des Stammsortiments im Lebensmitteleinzelhandel abbilden.

Dazu kämen einige ausgewählte Artikel, damit der Handel einen vollständigeren Baustein für das Bio-Sortiment aufbauen könne, heißt es bei EgeSun. Insofern finden sich hier unter anderem Hasel- und Walnüsse, Cashewkerne, Kokosraspel, Paranusskerne, süße Aprikosen, Cranberries, Deglet Noir Datteln, Sultaninen, Feigen oder Mangostücke.

Bei beiden Marken zählen die Cashewkerne und die Datteln zu den Bestsellern, wobei es erstere auch als preiswertigeren Bruch, geröstet und gesüßt oder Chili-gewürzt gibt. Erfahrungsgemäß seien der Herbst und die Weihnachtszeit die Hauptsaison für den Abverkauf von Nüssen, während die Snacks ebenso wie die Trockenfrüchte dem Unternehmen zufolge das ganze Jahr über gleichbleibend gut liefen.

Eine Besonderheit ist, dass ein großer Teil der Nüsse und Trockenfrüchte aus eigenen Bio-Projekten stammt. Beispielsweise Kokosnussprodukte aus Sri Lanka, Macadamias aus Südafrika oder Pflaumen und Wilde Walnüsse aus Kirgistan. Die persönliche Zusammenarbeit sei die Grundlage für verbindliche Strukturen zur Sicherung der Lieferfähigkeit und Qualität.

Trainings sowie Hilfe bei der Einführung von QS-Systemen und der Bio-Zertifizierung sollen helfen, nach europäischem Standard zu produzieren und den Erzeugern ein nachhaltiges gutes Einkommen zu sichern.

Klassische Anbieter wie C.W.Clasen und Herbert Kluth gehören zu den Unternehmen, die ihr konventionelles Programm seit ein paar Jahren mit einer wachsenden Zahl an Bio-Produkten ergänzen. Naturbelassene Produkte würden in Bio ihrer Erfahrung nach am stärksten nachgefragt.

Demensprechend reicht das von Kluth unter Biofarm angebotene Sortiment von Apfelringen, Aprikosen oder Cranberries bis zu Cashewkernen, Kokoschips, Mandeln oder Walnusskernen. Dazu kommen einige Snackvarianten und die besonders in der Sommersaison gefragten Pinienkerne.

Dass es die meisten Bio-Sorten auch in konventioneller Qualität gibt, stellt für Sven Schenkewitz, Marketingleiter bei Kluth, dank der deutlichen zwei-Marken-Differenzierung kein Problem dar. Die Ursprungsländer von bio-zertifizierter und konventioneller Ware seien meist identisch, die Früchte stammten aber in der Regel von unterschiedlichen Betrieben.

Für die Regalgestaltung empfiehlt Kluth eine klare Orientierung, indem Produkte innerhalb des Sortiments auch nach der jeweiligen Produkt-Art sortiert sind. Außerdem wolle man den Handel mit einem speziellen Biofarm-Regal und Displays für den Point-of-Sale bei der Platzierung im Markt unterstützen.

Freie Auswahl auch in der Menge

Nüsse und die meisten Trockenfrüchte eignen sich bestens für Unverpackt-Stationen, an denen sich Verbraucher flexibel und ohne Verpackungsmüll ihre gewünschten Mengen ziehen können. In Ecoterra finden Händler dafür einen erfahrenen Anbieter mit einem attraktiven Bio-Vollsortiment an Nüssen, Nussmischungen und Trockenfrüchten. Bei Interesse liefert der Hersteller auch passende Spender und hilft bei der erforderlichen Dokumentation, der Zertifizierung oder der Sortimentsoptimierung.

Als Alternative oder Ergänzung sind neuerdings – ebenso wie etwa bei Fair Food und seit Ende des Jahres bei Egesun – zahlreiche Produkte im hellen Pfandglas zu bekommen. Abgerundet wird das Lieferprogramm Ecoterras mit einer Reihe an Nussspezialitäten aus hauseigener Produktion unter der Marke Nutfields. Den Schwerpunkt bilden Macadamia-Kerne, bei- spielsweise in Honig geröstet oder mit Meersalz und Chiaöl dunkel geröstet, sowie Cashews in entsprechenden Veredelungsstufen.

Gut vernetzt auf der Welt

Im Osten Hamburgs hat Bode Naturkost als einer der größten Bio-Importeure Deutschlands einen optimalen Standort in der Nähe des Hafens, über den auch ein großer Teil der gelieferten Trockenprodukte kommt. Die Rohstoffe werden teils im B2B-Handel angeboten, teils unter der eigenen Marke in Kleingebinden verpackt und vertrieben oder für Private Label verarbeitet. Nüsse und Trockenfrüchte in umfangreicher und vielfältiger Auswahl ergänzt der Großhändler mit verschiedenen Verarbeitungsformen.
Vertraute Klassiker und Schnelldreher à la Sultaninen, Datteln, Mandeln, Wal- und Haselnüsse sind ebenso im Portfolio zu finden wie ausgefallene Sorten.

So zählen zu den Früchten neben Sultaninen auch Korinthen, Weinbeeren und grüne Rosinen, Datteln Deglet Nour neben großen Medjool Datteln, Goldfeigen und Minifeigen sowie Aronia- und andere Beeren mit Superfruit-Charakter. Zudem stehen verschiedenste bunte Nuss-, Nuss-Saaten und Nuss-Frucht-Mischungen mit oder ohne Rosinen zur Auswahl.
Als Besonderheiten hebt Bode in diesem Segment die Macadamianuss-Mischungen, ihren Superfood-Mix und den Couch Crunch sweet & salty mit gesalzenen Nusskernen hervor.

Spezialisten

Einige wenige Unternehmen haben sich auf Mono-Produkte spezialisiert. Bei Limbua mit Sitz in Berlin sind es Bio-Macadamianüsse verschiedener Größen und mit Geschmäckern wie honig-, chili- und BBQ-geröstet, die Öle und anderes ergänzen.

Die Bäume mit den teuren Edelnüssen wachsen in Kenia, wobei Manufakturen in der Nähe der Kleinbauernbetriebe für kurze Wege sorgen. Ihre Nüsse würden schonend unter 45 Grad Celsius getrocknet und behielten dadurch ihre Rohkostqualität, beschreibt Limbua die Produktion. Die Nüsse werden zudem manuell mit speziell entwickelten Nussknackern geknackt. Der Handwerksgrad sei hoch, so dass man über 700 Mitarbeiter beschäftigen könne.

Hierzulande werden die Produkte in erster Linie als Rohware weiter vertrieben. Die Qualität garantieren dabei die Zertifizierungen EU-Bio, Bio Suisse oder NOP, dazu kommt Fair for Life.

Viel Bio für viele Zielgruppen

Bio-Nüsse und -Trockenfrüchte sprechen die unterschiedlichsten Zielgruppen an: Veganer und Vegetarier, Sportler und mobile Berufstätige sowie generell ernährungsbewusste Verbraucher. Dazu kommen Rohköstler und alle jene, die gerne kreativ kochen und backen. Ideen für Sonderplatzierungen und Aktionen gibt es insofern reichlich. Warum nicht zusätzlich im Knabberartikel-Regal, bei den Frühstückscerealien oder beim Obst und Gemüse präsentieren? Außerdem lassen sich bestimmte regelmäßige Ereignisse für Extratische nutzen, etwa der Schulanfang, die Faire Woche oder konkret neue Ernten, zum Beispiel wenn zum Herbst die neuen Feigen kommen.

Bettina Pabel

 

Corona und kein Ende? Stimmen aus der Branche
„Da wir einen Großteil unserer Rohwaren über Schiffsfrachten erhalten, sind wir von den Entwicklungen durch die Coronapandemie betroffen: Transportkosten haben sich erhöht, die Zeiten haben sich verlängert, Zollabfertigungen dauern länger, in den Ursprungsländern herrschen teilweise Lockdowns, sodass keine Produktion stattfinden kann“, beschreibt Egesun die Herausforderungen im letzten Jahr.
„Wie alle produzierenden Unternehmen mussten auch wir unsere Planung und Maßnahmen immer wieder flexibel an die Gegebenheiten anpassen. Trotz massiver Engpässe bei der Rohwarenverfügbarkeit und Verzögerungen in allen Teilen der Lieferketten durch Corona und Klimaeinflüsse konnten wir mit unseren langjährigen Vertragspartnern aber Konzepte zur Belieferung erarbeiten. Außerdem haben wir die Bestände für Rohware und Verpackung teilweise erhöht, um Lieferengpässe besser ausgleichen zu können“, heißt es bei Herbert Kluth
„Durch die Pandemie waren alle Lieferketten belastet und unvorhersehbare Preisschwankungen immer möglich. Die langjährigen direkten Partnerkontakte in den Ursprungsländern erwiesen sich in dieser Situation als äußerst wichtig und hilfreich“, weiß Eco Terra zu berichten.
 

Bildstrecke: Anuga 2021_Sortimente_Nüsse, Trockenfrüchte, Kerne