Gentechnik
Feldbefreier nutzen Regenpause
Weit über einen Hektar Genmais unschädlich gemacht
Durch Gewitter und Regengüsse ließen sie sich nicht beirren; wie vorher öffentlich angekündigt trafen sich heute in Altreetz im Oderbruch Gentechnikgegner zu einer freiwilligen Feldbefreiung. Als der dichte Regen gerade eine Pause machte, setzte sich der Demonstrationszug mit über 400 Menschen in Bewegung, um gegen den Anbau von gentechnisch manipuliertem Bt-Mais zu protestieren.
Viele Teilnehmer verließen trotz großer Polizeipräsenz die angemeldete Demonstrations-Route, um ganz nah an den Genmais heranzukommen. Quer über ein schlammiges Stoppelfeld konnte die Polizei den flinken Leuten kaum folgen, etwa 50 Personen erreichten das Genmaisfeld nördlich des Ortes Altmädewitz.
Viele der Gentechnikgegner steckten, sobald sie die Mantelsaat um das Genmaisfeld herum durchschritten hatten, einen Genmaiskolben in eine mitgeführte Tüte. "Der Mais ist für uns ein Beweismittel: Obwohl Landwirtschaftsminister Horst Seehofer es verboten hat, das für Tiere und Pflanzen schädliche Maissaatgut in Umlauf zu bringen, wächst er auf über 2000 Hektar bundesweit.
Die Folgen sind jedoch gravierend", sagte Eckart Kuhlen, als die Polizei ihn in Gewahrsam nahm. Er forderten die Beamten auf, eine Strafanzeige gegen den Genmais-Anbauer, den Konzern Monsanto und die Landwirtschaftsminister sofort aufzunehmen.
Mehrere Kleingruppen nahmen eine umfangreiche Befreiungsaktion vor. Der Imker Michael Grolm schuftete gemeinsam mit einer Gärtnerin, einem Bioladner und mehreren Bauern rund zwei Stunden im Mais: "Wir haben weit mehr als einen Hektar Genmais unschädlich gemacht! Der illegale Genmais muss flächendeckend entsorgt werden.
Wir lassen uns doch nicht für dumm verkaufen: Den Warnungen der Landwirtschaftsminister in Berlin und Potsdam müssen Taten folgen! Meine berufliche Existenz als Imker wird durch Verseuchung des Honigs mit genveränderten Pollen zerstört, genauso wie die Lebensgrundlage vieler anderer Menschen in der Landwirtschaft. Einmal freigesetzt können sich genmanipulierte Pflanzen verbreiten und mit anderen kreuzen. Sie lassen sich nie mehr aus der Natur entfernen."
Für Michael Grolm wird die Aktion auf dem Feld juristische Konsequenzen haben. Ihm war zu Beginn des gentechnikfreien Wochenendes eine einstweilige Verfügung zugestellt worden. Laut dieser Verfügung droht ihm eine Haftstrafe oder eine hohe Geldstrafe, wenn er das Feld betritt.
Grolm: "Wir werden die Vertreter des Konzernes Monsanto vor Gericht wiedersehen. Wenn ich auf der Anklagebank sitze, ist das falschherum, gemeingefährlich im Wortsinn ist der Gentechnikkonzern! Aber ich bin bereit, juristische Folgen der Aktion in Kauf zu nehmen, da der persönliche Schaden für mich weit geringer wiegt, als der Schaden, den Gesellschaft und Natur durch den Anbau gentechnisch veränderter Organismen erleidet. Noch gibt es in Deutschland nur wenig Gentechnik in der Landwirtschaft. In vielen Teilen der Welt ist es schon zu spät, um eine gentechnikfreie Landwirtschaft zu erhalten, hier haben wir noch eine Chance und müssen sie jetzt nutzen."
Mehr Informationen:
Michael Grolm 0170 / 10 87 17 4
Anja Becker 0176 / 52 23 25 80
Jutta Sundermann 0175 / 86 66 76 9







