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Patentverfahren auf genveränderte Rinder vorläufig eingestellt

München, 30.07.2020 | Die US-amerikanische Firma Recombinetics hat 2014 einen Patentantrag auf genetisch hornlose Rinder gestellt. Die Hornlosigkeit wurde durch Genmanipulation unter Einsatz der Gen-Schere TALEN erzeugt. Nun liege das Patentverfahren glücklicherweise auf Eis.

Ein Patent auf Rinder mit dieser Eigenschaft hätte weitreichende Konsequenzen. Die Zuchterfolge der letzten Jahrzehnte von Bäuerinnen und Bauern könnten vom Unternehmen auf diese Weise gekapert werden, denn Hornlosigkeit bei Rindern kann auch ohne den Einsatz von Gentechnik erreicht werden.

Patenterteilung auf Tiere erschwert

Seit vielen Jahren setzt sich das Umweltinstitut München e. V. gemeinsam mit zahlreichen Verbündeten gegen Patente auf Pflanzen und Tiere ein. Nun endlich scheine eine Trendwende erkennbar, zumindest was genmanipulierte Tiere angeht. Denn erst Anfang dieses Monats konnte das Institut über einen großen Erfolg berichten: Das Europäische Patentamt (EPA) habe zwei Patente auf gentechnisch veränderte Menschenaffen aus ethischen Gründen für ungültig erklärt. Ein Bündnis aus Tier- und Umweltschutzorganisationen hatte jahrelang gegen diese Patente gekämpft.

Die Entscheidung des EPA wirke sich anscheinend auch auf andere Patentverfahren aus. Denn das Verfahren auf genmanipulierte Rinder der US-amerikanischen Firma Recombinetics wurde vorläufig eingestellt. Die Anmeldung gelte als zurückgenommen. Das Umweltinstitut nimmt an, dass sich Recombinetics keine Chancen mehr auf eine Patenterteilung ausrechnete und deshalb davon abgesehen hat, weiter auf ein Patent zu pochen.

Was genau wurde mit den Rindern gemacht?

Das Erbgut der Rinder wurde so genmanipuliert, dass ihnen keine Hörner mehr wachsen. Um dies zu erreichen, wurde eine Gen-Schere (TALEN-Nukleasen) verwendet. Diese Gen-Schere wird oft als besonders präzise propagiert. Doch als die Genome der Rinder 2019 von der U.S. Food and Drug Administration (FDA) analysiert wurden kam heraus, dass der Eingriff zu erheblichen ungewollten Veränderungen geführt hat. Unter anderem fand die Behörde vollständige Genkonstrukte, die eine Resistenz gegen Antibiotika vermitteln können. Würden solche Gentechnik-Rinder zur Zucht eingesetzt, könnten sich die unerwünschten Gene rasch in Milchkuh-Herden verbreiten.

Aneignung züchterischer Arbeit

Die mit Gentechnik erzeugten Eigenschaften und auch die Lebewesen, die sie tragen, können von den Firmen, die sie entwickeln, patentiert werden. Wenige Konzerne eignen sich damit die Grundlagen unserer Ernährung und das Erbgut von Tieren und Pflanzen an. Im Fall der Kühe würden auch hornlose Rinder, die aus herkömmlicher bäuerlicher Züchtung hervorgehen, unter das Patent fallen.

Der Patentantrag auf hornlose Rinder könnte in der Zukunft wiederaufgenommen werden. Das Umweltinstitut werde diesen Fall daher weiter beobachten und sich auch künftig gegen Patente auf Pflanzen und Tiere einsetzen.

Klöckner pro neue Gentechnik in Deutschland

Für Deutschland sei zu beobachten, dass sich Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) immer öfter öffentlich für die Nutzung von Gentechnik auch in der deutschen Landwirtschaft ausspreche. Wenn es nach ihr gehe, solle den neuen Gentechnologien wie CRISPR/Cas auch hierzulande Tür und Tor geöffnet werden: In den USA wurde erst kürzlich das erste mit der neuen Gentechnologie CRISPR/Cas manipulierte Kalb geboren.

Erstes CRISPR-Kalb in USA geboren

Dem Embryo wurden mittels Genschere künstlich zwei Gene eingesetzt, die dafür sorgen sollen, dass das Kalb unabhängig davon, ob es männliche oder weibliche Chromosomen besitzt, in jedem Fall als phänotypisch männliches Tier mit Hoden geboren wird. Mit dieser Technologie sollen Rinder für die massenhafte Fleischproduktion optimiert werden. Denn männliche Rinder setzen schneller und mehr Fleisch an. Risiken und Tierleid blieben ausgeblendet.

 

Das Umweltinstitut München bietet ausführliche Informationspakete zu den neuen Gentechnologien an:

Zur Infokampagne Gentechnik 2.0 : Risiken und Nebenwirkungen

 

Quelle: Umweltinstitut München e. V.


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