Start / News / Bio-Tops / Umweltinstitut München: Geheime Absprachen zwischen Kommission und Glyphosat-Herstellern

Glyphosat

Umweltinstitut München: Geheime Absprachen zwischen Kommission und Glyphosat-Herstellern

Am 4. April veröffentlichte EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis einen offenen Brief an die ‚Glyphosate Task Force‘, in der die Hersteller des Pestizidwirkstoffes zusammengeschlossen sind. Der Kommissar forderte die Unternehmen auf, bisher unter Verschluss gehaltene Studien zur Krebsgefahr von Glyphosat zu veröffentlichen. Das Schreiben des Kommissars erweckte den Eindruck, dass hier stärkere Transparenz für das Zulassungsverfahren gefordert wurde. In Wirklichkeit war der Brief vorab mit der Industrie abgesprochen. Das belegen Dokumente, die das Umweltinstitut München heute veröffentlicht hat.

Auch der von der Industrie als „Reaktion“ veröffentlichte Vorschlag, Leseräume für die Studien einzurichten, sei bereits Wochen zuvor mit der Kommission abgestimmt worden. Der EU-Kommissar müsse jetzt erklären, ob er die Öffentlichkeit mit seinem Vorstoß gezielt täuschen wollte, fordert das Umweltinstitut. Falls ihm tatsächlich an Transparenz gelegen sein sollte, stelle sich außerdem die Frage, warum er sein Anliegen nicht weiterverfolgt habe: Weder seien die Studien im weiteren Verlauf des Wiederzulassungsverfahrens veröffentlicht noch die angebotenen Leseräume von der Industrie eingerichtet worden.

Das Protokoll der Absprachen und alle Hintergründe finden Sie hier.


Ticker Anzeigen

Das könnte Sie auch interessieren

Erfolg vor Gericht: Schadenersatz für Glyphosat im Honig

Entscheidung zugunsten der Brandenburger Imkerei Seusing

Erfolg vor Gericht: Schadenersatz für Glyphosat im Honig © Aurelia Stiftung

Die Imkerei Seusing aus Brandenburg erhält Schadensersatz für ihren mit Glyphosat verunreinigten Honig. Das hat das Landgericht Frankfurt/Oder in der vergangenen Woche entschieden. Die Aurelia Stiftung begrüßt das Urteil als richtungsweisendes Signal für die Landwirtschaft und Politik. Bisher blieben Imkereien auf den fremdverursachten Schäden sitzen, wenn ihr Honig durch Pestizide aus der Landwirtschaft belastet ist.

30.06.2022mehr...
Stichwörter: Glyphosat

Koalitionsvertrag bietet Chancen für Agrarwende

Pläne für 30 Prozent Ökolandbau und Ernährungsstrategie

Gestern haben die Ampelparteien ihren Koalitionsvertrag vorgestellt. Geplant sind 30 Prozent Ökolandbau bis 2030, eine verbindliche Tierhaltungskennzeichnung ab 2022 und eine Ernährungsstrategie bis 2023. Der Pestizideinsatz soll beschränkt und Glyphosat bis Ende 2023 vom Markt genommen werden. Verbände, die sich für Agrar- und Ernährungswende einsetzen, sehen den Grundlagentext als positives Signal. Jetzt gelte es, die nötigen Strategien und Maßnahmen zügig zu konkretisieren.

25.11.2021mehr...
Stichwörter: Glyphosat

Schadensersatz für Glyphosat im Honig?

Landgericht entscheidet am 10.8. über Glyphosat-Schaden bei Brandenburger Imkerei

Wegen hohen Glyphosat-Rückständen im Honig musste der Imker Sebastian Seusing seinen Familienbetrieb aufgeben. Jetzt fordert er Schadensersatz von der verantwortlichen Landwirtschaftsgesellschaft. Am 10. August wird das Landgericht Frankfurt (Oder) den Fall verhandeln.

03.08.2021mehr...
Stichwörter: Glyphosat