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Globus

Kundenmagnet Bio

Globus verzeichnet 20 Prozent Bio-Wachstum im Jahr – ein Besuch in Koblenz-Bubenheim

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Das Familienunternehmen Globus mit Sitz im saarländischen St. Wendel hat sich über viele Jahre zu einem der führenden Handelsunternehmen in Deutschland entwickelt. Sein jährliches Wachstum mit Bio-Produkten liegt zwischen 15 und 25 Prozent. 2014 öffnete der modernste Markt in Koblenz-Bubenheim seine Pforten. Mit 2.100 Bio-Artikeln ist er bezüglich des Bio-Sortimentumsfangs der drittstärkste Globus-Betrieb.

Jede Woche strömen 50.000 Kunden in den Koblenzer Globus-Markt. Verteilt auf 10.000 Quadratmetern und zwei Etagen finden sie über 60.000 Lebensmittelprodukte. Niedrige Regale, breite Gänge, LED-Beleuchtung und die Aufteilung der Sortimente in Warenwelten sorgen für eine schnelle Orientierung und angenehme Einkaufsatmosphäre.

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Hinter dem Eingang empfängt die Besucher der große ‚Marktplatz der Frische‘ mit Obst und Gemüse, Fisch, Sushi, Käse, Salaten und Antipasti. Die Auswahl an Bio-Produkten ist vielfältig: Kunden können zu Süßkartoffeln, Lauch, Zwiebeln, Kartoffeln, Champignons, Avocados, Snackpaprikas, Orangen, Zitronen, Mangos, Äpfeln, Kokosnüssen und weiteren Artikeln aus ökologischem Anbau greifen. Hauptlieferant ist Alnatura.

Daneben befindet sich der Backwaren-Bereich, in dem Bäcker und Konditoren Brote, Brötchen und Kuchen in konventioneller und Bio-Qualität mehrmals täglich zubereiten. „Das Angebot soll noch mit Produkten regionaler Bio-Bäcker erweitert werden“, sagt Patrick Schlüter, Geschäftsleiter in Koblenz. Als SB-Ware liegen unter anderem Toastbrote der Reform- und Mühlenbäckerei Bösen, Finn Brød von Ibis, Knäcke-Snacks von Dr. Karg, Reiswaffeln von Alnatura sowie Brote von Barbara Rütting und Mestemacher in den Regalen.

Auflösung des Bio-Blocks

„Die Anzahl an Bioprodukten wächst stetig. So führte unser Bio-stärkster Markt im saarländischen Güdingen vor zehn Jahren noch 900 Artikel“, erinnert sich Jutta Weber, die für den Bio-Trockenbereich in allen Märkten verantwortlich ist. Heute verfüge der Globus in Saarlouis mit 2.200 Produkten über das größte Bio-Angebot. „Inklusive lokaler Lieferanten beläuft sich das gesamte Bio-Sortiment auf 3.200 Bio-Artikel.

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Dirk Strubel, Bereichsleiter Food in Koblenz, Patrick Schlüter, Geschäftsleiter in Koblenz.

Durchschnittlich stehen 1.700 bis 1.800 von ihnen in den Globus-Märkten.“
Setzte das Unternehmen anfangs noch auf das Platzieren von Bio-Produkten im Block, werden sie mittlerweile in 38 Märkten den Warenwelten zugeordnet. „Wir müssen nur noch acht Betriebe umbauen, dann haben wir alle angepasst“, sagt Weber und verweist auf die Problematik, die diese Maßnahme mit sich bringt:

Die Auflösung des Blocks wirkt sich auf alle anderen Regale aus. „Löst man eine Warenwelt auf, muss sich der Kunde umgewöhnen und ist natürlich erst einmal irritiert. Kommunikation spielt dabei eine wichtige Rolle. Der Kunde soll ja schließlich die Ware finden.“ Deshalb biete es sich an, erst bei einem Umbau oder in einem neuen Markt die Anordnung zu ändern.

Dirk Strubel, Bereichsleiter des Trockensortiments in Koblenz, beschreibt die Vorteile der Umstellung: „Kunden, die Bio für teuer halten, gehen nicht in die Bio-Abteilung. Jetzt können sie konventionelle und Bio-Produkte direkt vergleichen und sehen, dass sie gar nicht viel teurer, manchmal sogar günstiger sind als konventionelle.“

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Jutta Weber, Sortimentsmanagement Food Trocken, und Steffen Schmidt, Leiter des Sortimentsmanagements Food Trocken, sind überzeugt vom Konzept des Familienunternehmens Globus.

„Insgesamt können wir feststellen, dass sich mehr Bio-Produkte verkaufen, wenn sie den Warengruppen zugeordnet sind“, sagt Steffen Schmidt, Leiter des Sortimentsmanagements Food Trocken der Globus-Gruppe. „Bio ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die Entwicklung unseres Bio-Angebots gibt uns da Recht.“

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Dass auch Zweitplatzierungen und Aktionen zu einem größeren Absatz von Bio-Produkten führten, zeige der Markt in Saarlouis, der die meisten ökologischen Artikel anbiete – bis jetzt noch im Block.

Viele kauften Bio nicht nur wegen der gesünderen Zutaten, des besseren Geschmacks oder aus Gründen des Tierschutzes, sondern auch, weil es sie im konventionellen Angebot nicht gebe, fügt Weber hinzu. Wichtig sei es, die Bio-Artikel zu kennzeichnen, damit der Kunde auf sie aufmerksam werde.

Sortimentsmanagement

Die Produkte werden bei Globus in Warenwelten wie etwa ‚Frühstück‘ oder ‚Vorratsschrank‘ präsentiert. Deshalb spreche man im Unternehmen auch von Sortimentsmanagement, statt Einkauf, erklärt Schmidt. „Wir betrachten nicht nur den Regalausschnitt, sondern denken aus Kundensicht in ganzen Sortimenten. Die Aufteilung der Produkte in Warenwelten, die wir mit ihnen vor einigen Jahren zusammen erstellt haben, hilft bei der Orientierung.“

Bis auf die Fleischtheke, in der auch Fleisch- und Wurstspezialitäten der eigenen Fachmetzgerei präsentiert werden, gibt es in allen Sortimenten Bio, wobei Alnatura-Produkte den größten Teil ausmachen. Mehr als 90 Prozent des Alnatura-Angebots sind in den Globus-Regalen zu finden – vor allem im klassischen Trocken- und Frischesortiment.

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„Unsere Kunden kommen vielfach wegen der Bio-Produkte zu Globus“, so Schmidt. Das familiengeführte Unternehmen habe den Anspruch, ein Bio-Vollsortiment zu bieten. Mit Alnatura habe man einen starken Partner gefunden. „Wir haben das größte Bio-Sortiment im Umkreis von Koblenz“, fügt Schlüter hinzu.

„Alnatura ist bei Verbrauchern für ein gutes Preis-Leitungs-Verhältnis bekannt. Durch die Marke werden sie auch an Bio-Produkte anderer Hersteller herangeführt. Mittlerweile fragen immer mehr Kunden nach bestimmten Marken“, sagt Weber. „In den Bereichen, in denen Alnatura nicht breit oder tief genug aufgestellt ist, ergänzen andere Bio-Artikel, etwa Rinatura oder BioGourmet, das Angebot“, ergänzt Schmidt.

Allein im Trockenbereich gibt es über 60 Bio-Marken: Neben Alnatura und Alnavit finden die Kunden auch Bio-Fachhandelsmarken wie Rosengarten. „Da wir ein bodenständiges Familienunternehmen und kein Konzern sind, bekommen wir auch Marken geliefert, die oft nur Bio- und Naturkostläden vorbehalten sind“, sagt Strubel. Das meiste wird über Strecke oder von Bio-Großhändlern geliefert.

Warenwelt Frühstück

Vor dem Müsli-Regal haben Bio-Käufer die Wahl zwischen Produkten von Rosengarten, Alnatura, Mogli, Seitenbacher, Whole Earth und SooNahe, der Regionalmarke aus dem Hunsrück. Strubel: „Im Gegensatz zu den Cerealien werden Müslis bei unseren Kunden immer beliebter. Deshalb bauen wir das Sortiment in Zukunft noch weiter aus.“

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Für ein großes Angebot an Bio-Marmeladen sorgen Produkte von Zuegg, Alnatura, Rigoni di Asiago, Frusano und dem kleinen saarländischen Familienbetrieb Oranna’s Naturprodukte. Neben Alnatura gibt es auch Brotaufstriche von Rinatura. „Unsere Strategie ist es, den Kunden durch eine vielfältige Auswahl etwas Besonderes zu bieten“, erklärt Schmidt.

Am Anfang des Kaffee-Regals sind zwölf Sorten von Gepa, zwei von Alnatura und eine von Darboven platziert. Die Auswahl an Kaffeebohnen wird ergänzt mit Produkten von der Kaffeerösterei Hubert Tempelmann und der Kaffeemanufaktur Blank Roast.

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Auch unter den Bio-Tees gibt es mit verschiedenen Sorten von Yogi Tea, Kräutergarten Pommerland, stick & lembke, Alnatura und Bünting eine große Auswahl. Verschiedene Säfte liefern Haus Rabenhorst, Alnatura und Van Nahmen.

Molkereiprodukte

Die Käsetheke befindet sich hinter dem Obst und Gemüse im Eingangsbereich. Kunden haben die Auswahl zwischen 300 Klassikern und Spezialitäten aus verschiedenen Ländern und Regionen. Im Bio-Sortiment befinden sich 30 Käsesorten, hauptsächlich von Andechser.

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Auch im Mopro-Bereich stehen viele Produkte der Bio-Molkerei aus Oberbayern – von Joghurts über Kräuterquarks bis hin zu Puddings, Kefir und Milch. Schwarzwaldmilch ist unter anderem mit Sahne und Milch vertreten.

Backwelt und Vegan-Block

In der ‚Backwelt‘ finden Kunden verschiedene Zucker von Gepa, Alnatura, Südzucker sowie Kokosblütenzucker von Java Kiss. Backpulver gibt es von Alnatura. Kakao wird von Gepa angeboten. Auf das neue Trendgetränk Koawach – Kakao mit Koffein – wird durch die Präsentation im Block aufmerksam gemacht.

Auch vegane Grundnahrungsmittel, etwa von Soto, werden im Block präsentiert. „Wegen der kleineren Auswahl würden die Produkte sonst zu schwer zu finden sein“, sagt Schmidt.

Tierwelt und Wasch- und Reinigungsmittel

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In der ‚Tierwelt‘ in der oberen Etage finden Frauchen und Herrchen Bio-Kost von Yarrah und Biopur. Einige Schritte weiter befinden sich die Wasch- und Reinigungsprodukte. In Bio-Qualität gibt es Artikel von ecover und Bioclean, der LEH-Marke von AlmaWin. Dass auch Naturkosmetik immer beliebter wird, zeigt die breite Auswahl an Produkten von Lavera, Weleda und alviana.

Unternehmenskultur

„Der Vorteil bei Globus ist, dass jeder Markt entscheiden kann, welche Produkte er ins Sortiment aufnimmt. Wir Händler testen auch die Erzeugnisse kleinerer Produzenten und tauschen uns mit den anderen Globus-Märkten aus“, sagt Strubel.

„Ich persönlich finde Bio-Lebensmittel im Verhältnis zu konventionellen nicht zu teuer. Der Unterschied macht sich direkt im Geschmack bemerkbar. Da unsere Mitarbeiter in unseren Schulungen auch die Produkte selbst testen, können sie den Kunden besser erklären, warum sie für manche etwas tiefer in die Tasche greifen müssen. Wenn sie hinter einem Produkt stehen, verkauft es sich auch. Und die Kunden danken es ihnen.“

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Auch Schlüter, der seit zwei Jahren bei Globus arbeitet, ist überzeugt vom internen Unternehmenskonzept: „Bei Globus gefällt mir das gemeinsame Entscheiden. Das differenziert uns von anderen Händlern.“ Das sei ganz im Sinne des Inhabers Thomas Bruch, denn es fördere sowohl die Mitarbeiter- als auch Kundenzufriedenheit, betont Schmidt.

Weber nimmt mit Kollegen im Sortimentsmanagement und Vertretern der Märkte mehrmals im Jahr an Bio-Sitzungen teil. „Wir verfolgen die Entwicklungen im Bio-Bereich. Die enge Zusammenarbeit zwischen Sortimentsmanagement und Betrieben finde ich wichtig. Entscheiden wir uns für Produkte kleinerer Bio-Lieferanten, unterstützen wir sie auch bei der Vermarktung, indem wir unsere Kunden zum Beispiel durch Verkostungen auf sie aufmerksam machen“, sagt sie.

Bio-Vermarktung und Kundenveranstaltungen

Neben Verkostungen setzten größere Bio-Produzenten häufig auf Displays bei der Zweitplatzierung ihrer Produkte. „Darüber hinaus weisen wir in unseren wöchentlichen Faltblättern auf verschiedene Aktionen mit nationalen, regionalen und lokalen Produkten hin“, erklärt Weber. Das Medium werde nicht komplett zentral gestaltet. Jeder Markt könne seine individuellen Artikel und Aktionen präsentieren, so Schlüter.

Neben Marktführungen und Verkostungsaktionen bietet Globus seinen Kunden auch regelmäßig Seminare an. Je nach Themengebiet geben in- oder externe Fachleute Auskunft über Whisky, Käse, Wein, Fisch, Sushi, Honig und Essig/Öl. Demnächst sei auch ein Wasser-Seminar geplant, so Strubel.

Der Markt in Koblenz-Bubenheim ist nicht nur Vorreiter im Kundenservice, sondern trägt, ausgestattet mit einem Blockheizkraftwerk, moderner Gebäudeleittechnik und einer Photovoltaikanlage auch der Umwelt Rechnung.

Sina Hindersmann

Store-Check: Globus Koblenz Bubenheim