Start / Ausgaben / bioPress 84 - Juli 2015 / Ökologische Innovationen für ein reines Gewissen

AlmaWin

Ökologische Innovationen für ein reines Gewissen

AlmaWin bringt Flaschen aus über 95 Prozent Recycling-Kunststoff auf den Markt

Im baden-württembergischen Winterbach befindet sich das Unternehmen AlmaWin Reinigungskonzentrate. Seit 1993 werden in dem kleinen Ort bei Stuttgart ökologisch zertifizierte Wasch-, Reinigungs- und Putzmittel der Marke AlmaWin produziert. Mit der Marke Klar EcoSensitive wurde die Produktpalette 2002 um eine duftfreie Variante erweitert.

„Es war kein leichter Weg, mit AlmaWin an den Markt zu gehen“, sagt Geschäftsführer Rudolf Bund, als er an die ersten Jahre nach der Markeneinführung zurück denkt. Neben seinem beruflichen Erfolg mit der Schwesterfirma Remsgold, die seit 52 Jahren Wasch- und Reinigungsprodukte hauptsächlich für den gewerblichen Sektor herstellt, wollte er alternative umweltfreundliche Produkte entwickeln, die dem Menschen nutzen und die Natur weniger belasten. „Unsere AlmaWin-Philosophie lautet: in Harmonie mit Mensch und Natur. Übertragen auf die Produkte heißt das, sie müssen leistungsfähig, umweltfreundlich und dermatologisch verträglich sein“, sagt Bund.

Geschäftsführer Rudolf Bund und Vertriebsleiter Ignaz Muttenhammer

AlmaWin hat im Februar die deutschlandweit ersten Flaschen auf den Markt gebracht, die aus über 95 Prozent Recycling-Kunststoff bestehen. Da sie erneut wiederverwertet werden können, fließen sie zu 100 Prozent zurück in den Wertstoffkreislauf. „Dadurch werden wertvolles Erdöl, Energie und Kohlendioxid eingespart“, erklärt Bund.

Das Bunt- und Feinwaschmittel Cleanut Palmölfrei und das Waschmittel für Dunkles und Schwarzes sind die ersten Produkte in diesen Flaschen. „Wir müssen abwarten, wie die grünen und schwarzen Gebinde von den Verbrauchern angenommen werden. Da es noch kein weißes Granulat gibt, können wir auch keine weißen Flaschen herstellen lassen“, sagt Bund. Bei entsprechender Nachfrage sollen auch die anderen Wasch- und Reinigungsmittel schrittweise in wiederverwertbaren Flaschen abgefüllt werden.

„Mit Cleanut haben wir auch das erste palmölfreie Produkt in Deutschland auf den Markt gebracht“, sagt Vertriebsleiter und Prokurist Ignaz Muttenhammer. Als Alternative für Palmöl, für dessen zunehmenden Anbau Regenwälder zerstört werden, setzt AlmaWin auf die indische Waschnuss und das in ihrer Schale enthaltene Saponin. Es zeichnet sich durch seine schmutzlösende Wirkung aus, glättet die Fasern und macht sie weich. Die Waschnüsse stammen aus Wildwuchs aus Indien. Das Extrakt wird vor Ort aus ihnen gewonnen und dann in Winterbach verarbeitet.

Die Ideenschmiede für neue Rezepturen und das Testlabor, das auch für Remsgold-Produkte genutzt wird, befinden sich im Bürogebäude. „Von der Idee bis zum fertigen Produkt dauert es in der Regel ein Jahr oder länger“, sagt der Leiter der Entwicklung Roland Hanf.

Das Entwickeln eines Verfahrens   zum Herstellen eines Flüssigwaschmittels mit Waschnuss habe drei Jahre in Anspruch genommen. 2006 kam das deutschlandweit erste Produkt dieser Art unter der Marke Klar auf den Markt. Der Waschnuss-Extrakt wird zurzeit in sieben Produkten eingesetzt, darunter auch im neuen EcoSchwamm mit Bio-Seifen-Depot, das wieder nachgefüllt werden kann.

Nebenan im Produktionsraum werden Flaschen und Beutel durch kleine und große Abfüllmaschinen befüllt. „Die kleineren Maschinen haben den Vorteil, dass sie innerhalb von 20 Minuten auf andere Produkte umgestellt werden können“, sagt Bund. Mitarbeiter schleusen zwischen 3.000 und 5.000 Flaschen pro Maschine durch.

Bei den vollautomatischen Anlagen, die vier Flaschen gleichzeitig und bis zu 16.000 Flaschen pro Tag befüllen, benötigt man für das Umstellen auf ein anderes Produkt einen dreiviertel Tag. Neben den eigenen Artikeln werden in der Produktionsstätte auch ökologische private Labels gefertigt.

Bund zeigt auf ein Gitter im Boden: „Unter uns befindet sich das Klärwerk, in dem die Produktionsabwässer gefiltert, neutralisiert und dann ins kommunale Kanalisationsnetz eingespeist werden.“ Gegenüber von der Maschine steht ein Regal mit großen leeren Kanistern. „Manche Kunden geben uns die Behälter wieder zurück. Hier werden sie mit einer speziellen Spülmaschine gereinigt und für bestimmte Produkte wiederverwendet. Dadurch sparen wir pro Jahr 23.000 Kanister“, so Bund.

Seit anderthalb Jahren werden die Produkte in FSC-zertifizierten Verpackungen transportiert. „Wir erstellen wöchentliche Produktionspläne, damit wir auch spontane Aufträge bearbeiten können“, sagt Muttenhammer. Pro Jahr würden rund fünf Millionen Gebinde produziert – von 125-Milliliter-Flaschen bis 1.000-Liter-Containern. Neben dem Wareneingang, in dem sich die angelieferten Flaschen stapeln, befinden sich drei große Rohstoff-Silos. Die Pulver werden über Zuleitungen in die Mischer im Produktionsraum gesaugt. Ähnlich verhält es sich mit den flüssigen Rohstoffen. Je einer der fünf Tank-Behälter fasst 30.000 Liter.

AlmaWin verzichtet auf den Zusatz von Füllstoffen wie Sulfate oder zu viel Wasser und produziert nur reine Konzentrate. Deshalb sind die Flaschen kleiner als herkömmliche. Die gleichwertige oder zum Teil höhere Ergiebigkeit von Konzentraten erkenne man an der hohen Anzahl an Waschgängen im Vergleich zum Volumen, so Bund. Auch im gewerblichen Markt wachse der Nachhaltigkeitsgedanke. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, könne aber bei Gastronomie-Produkten nicht auf konventionelle Mittel verzichtet werden.

Der Fertigwarenbereich hinter dem Wareneingang bietet Platz für 2.000 Paletten. „Wir beliefern 35 Länder mit Produkten von AlmaWin und Klar – darunter Russland, China, Japan, Rumänien und Bulgarien“, sagt Muttenhammer.

Für AlmaWin und Remsgold arbeiten 135 Mitarbeiter. Der Gesamtumsatz liegt bei 18 Millionen Euro. „Wir streben jedes Jahr ein Wachstum von acht bis zehn Prozent an“, so Bund. Vertrieben werden die Produkte zum größten Teil über Reformhäuser und Naturkostläden.

Sina Hindersmann

 


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