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LEH kehrt auf Biofach zurück

Messe in Nürnberg deutet auf Sortimentserweiterung hin

Petra Wolf, Mitglied der Geschäftsleitung, NürnbergMesse erklärte: „Biofach und Vivaness haben ebenso wie die Branche mit Vielfalt, Qualität und Dynamik überzeugt. Wirtschaftliche und politische Relevanz zeichnet sie ebenso aus wie die Leidenschaft für die präsentierten Produkte. Neben dem schönen Besucherplus sind wir besonders glücklich über die gute Stimmung in den Hallen.“

Die Stimmung bei den Ausstellern war positiv. Das ist aufgrund der Statistik des letzten Jahres gerechtfertigt. 2014 gaben die deutschen Haushalte 4,8 Prozent mehr Geld für Bio-Lebensmittel und Getränke aus als im Vorjahr. Der Umsatz betrug rund 7,9 Milliarden Euro,  so der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW).
Die Zahlen sind ein Produkt des Marktes. Dort stehen die Zeichen für  2015 weiter auf Wachstum. Durch den Handel könnte nach dieser Biofach ein Ruck in der Sortimentsentwicklung gehen. Die Einkäufer waren in den vergangenen Jahren nicht mehr in großer Zahl erschienen. Dieses Jahr war der Handel zurück auf der Biofach. Vom Kaufland bis zu Tegut sind alle gekommen. Das neue Qualitätsbewusstsein befördert den Bioumsatz.
Der SEH zeigte sich ebenfalls. Die Selbstständigen wissen, dass die Vorstufe nicht alles leisten kann und gehen deshalb auf die Biofach. Rösner Vertrieb hat bei Messekontakten erlebt, dass der qualitätsorientierte Einzelhandel nicht mehr auf Zentrallistungen wartet. Kaufleute haben sein gesamtes Sortiment selbst geordert. Es soll in einer Sonderplatzierung präsentiert werden. Die Artikel, die laufen, werden dann im Regal aufgenommen. Vegan war hier der Türöffner und verhilft nun Bio-Süßwaren mit hohem Fruchtanteil und damit hoher authetischer Qualität ins Regal.

Vegan, Rohkost und Superfoods standen im Mittelpunkt. Der LEH nutzte hier die Biofach zur Orientierung. Keine andere Plattform kann das in diesem Maß leisten.
Bei dieser Biofach stand die Politik im Fokus. Die EU-Kommission hat am grünen Tisch eine praxisferne Totalrevision der EU-Ökoverordnung gezimmert. Bei der Eröffnungsfeier drückte es der deutsche Agrarstaatssekretär Robert Kloos deutlich aus: „Die Bundesregierung will keine vollständige Neugestaltung der EU-Ökoverordnung, sondern an bewährte Regelungen anknüpfen.“  Der Vorschlag der Kommission müsse vom Tisch, forderte Kloos.
EU-Kommissar Phil Hogan nannte als Ziele der Kommission, den Verbraucher zu stärken und Bio-Skandale zu vermeiden. Dass die konventionelle Landwirtschaft die großen Lebensmittelskandale der letzten Jahre verursacht hat, die Bio zusätzlichen Auftrieb gaben, hatte er ausgeblendet. Brüssel steht auf dem Kopf und muss zurück auf die Füße.
Die Niederlande waren nach 2004 zum zweiten Mal Land des Jahres. Agrarministerin Sharon Dijksma sprach bei der Eröffnung ebenfalls die EU-Ökoverordnung an: „Lieber Phil, mache neue Vorschläge für die Ökoverordnung mit weniger und einfacheren Regeln und mache die Bauern nicht zu Buchhaltern“.
Landwirtschaftsminister Christian Schmidt fehlte am Eröffnungstag wegen der Beerdigung Richard von Weizsäckers. Aber am zweiten Tag trat er in Nürnberg an. Ein Zeichen für einen politischen Wandel pro Bio in der Berliner Ernährungspolitik.
In den Hallen präsentieren sich die Aussteller mit immer größeren Auftritten. Das Gefühl sagte schon nach den ersten beiden Tagen, dass mehr Besucher auf die Messe strömen als 2014. Die Zahlen bestätigten es am Ende mit einem Plus von 1.600 Besuchern.
„Die Messe war sehr gut. Wir haben neue Distributeure in Europa gefunden. 2017 spätestens 2018 werden wir selbst in Europa produzieren“, sagte die Vertreterin von Amy’s Kitchen aus den USA.
„Die ersten beiden Tage waren unglaublich. Wir stellen ein zunehmendes Qualitätsinteresse fest und Respekt für den Preis von Premium-Produkten“, freute sich Ludger Teriete von Dwersteg Destillerie aus dem Münsterland.
„Ich bin sehr zufrieden mit der Messe. Die Kunden bestätigen unsere Arbeit“,  sagte Geschäftsführer Robin Roth von Fairtrade-Hersteller Gepa aus Wuppertal.
„Die Messe war sehr gut besucht. Für uns war es stressig. Die Biofach hat wieder aufgeholt. Der Vegan-Trend hat sich schon auf der ISM in Köln gezeigt und spielt sich hier noch stärker ab“, stellte Geschäftsführer Andreas Meyer von Schokoladen-Hersteller Vivani fest, der mit iChoc ein veganes Sortiment aufgelegt hat.
Anton Großkinsky

 
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