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Pestizide

Hoffen auf Nachahmer

Südtiroler Gemeinde Mals kämpft gegen Pestizide

Jedes Jahr landen immer mehr Pestizide auf konventionellen Äckern. Eine kleine Südtiroler Gemeinde wollte da nicht länger mitmachen. Die Bewohner von Mals im Vinschgau fordern ihr Recht auf gesunden Boden, gesunde Luft und gesundes Wasser ein: In einem europaweit einmaligen Referendum haben sie vergangenen Sommer gegen den Einsatz von Pestiziden in ihrer Region gestimmt.

Die Gifte gehen jeden etwas an: Sie belasten die Böden und Gewässer, zerstören die Artenvielfalt und bedrohen durch Abdrift auch die Felder und Plantagen von Biobauern. Der Anbauverband Bioland hat das Malser Referendum unterstützt. Bioland-Präsident Jan Plagge mahnt zusammen mit dem Malser Bürgermeister Ulrich Veith ein Umdenken in der Pestizid-Politik an. In Mals stimmten 75 Prozent für eine pestizidfreie Region.

Wie es in der Gemeinde nun konkret weitergeht, ist derzeit noch unklar. Eindeutig sind hingegen die Erwartungen der Bürger. Bürgermeister Veith sieht in dem Referendum einen klaren Auftrag. „Wir müssen die Ressourcen Luft, Wasser und Boden schonen, die Biodiversität fördern und die Gesundheit unserer Bürger schützen. Der Verzicht auf den Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln hilft uns, dieses Ziel zu erreichen. Wir hoffen auf viele Nachahmer“, ssagte Veith.  

Bioland hatte bereits im November auf der Bundesdelegiertenversammlung in Fulda eine entsprechende Resolution verabschiedet und ein sofortiges Verbot besonders gefährlicher Gifte und eine Pestizidabgabe nach dem Verursacherprinzip gefordert. „Die Pestizidindustrie muss endlich an den externen Kosten des chemischen-synthetischen Pflanzenschutzes beteiligt werden“, so Bioland-Präsident Jan Plagge. Gemeint sind versteckte Kosten für Umweltschäden, Artenverlust, Brunnenschließungen oder Krankheitsbehandlungen. Im Gegensatz zu konventionellen Produkten zeigen Biolebensmitteln den Kunden ihren echten Preis.

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