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Qualität und Genuss in Bio

Dornseifer Frischemarkt in Siegen punktet mit Demeter-Produkten

Ihr Frischemarkt Friedhelm Dornseifer gibt es 16 Mal in Nordrhein-Westfalen. Das inhabergeführte Unternehmen betreibt Supermärkte im Sieger-, Sauer- und Bergischen Land. „Qualität und Genuss stehen bei uns an erster Stelle. Das kann auch Bio sein. Bio ist für uns eine Ergänzung in Premium“, umreißt Jörg Dornseifer, Geschäftsführender Gesellschafter des Familienunternehmens, sein Konzept. Im neuesten Markt in Siegen sind das 2.500 Bio-Produkte. Viele davon aus biologisch-dynamischem Anbau, denn Dornseifer hat für den Markt in Siegen mit Demeter einen Handelsvertrag geschlossen.

In Siegen, einer 100.000 Einwohnerstadt in Nordrhein-Westfalen, betreibt Dornseifer fünf Märkte. Siegen ist traditionell eine Industriestadt. Heute ist es von der Universität, Verwaltung und Gewerbe geprägt. Die Kaufkraft liegt knapp unter 100 Prozent, also leicht unter dem Schnitt. Im Stadtteil Waldrich in zentraler Lage liegt das Flaggschiff von Dornseifer. 40.000 Artikel werden insgesamt auf der Großfläche angeboten, 2.500 davon sind Bio.

Damit werden rund fünf Prozent des Umsatzes erwirtschaftet. „Bio wächst bei uns leicht stärker als der Gesamtmarkt. Im Moment gibt es keine großen Sprünge nach oben wie vor fünf sechs Jahren“, erläutert der Inhaber.

Der Bio-Anteil schwankt stark je nach Warengruppe. „Bei Obst und Gemüse haben wir einen hohen Bio-Anteil zwischen zehn und 15 Prozent. Das schwankt je nach Saison“, berichtet Dornseifer. Während der deutschen Hochsaison mit niedrigen Preisen sinkt der Anteil des Bio-Produkts.

Werden deutsche konventionelle Erdbeeren für 1,49 Euro pro Pfund angeboten, hat es die Bio-Erdbeere mit 2,99 Euro schwer. „Bio-Kunden legen Wert auf gute Ernährung und sind bereit, mehr auszugeben als der Durchschnitt. Eine gewisse Preissensibilität ist aber vorhanden“, erläutert Dornseifer.

Kunden kommen wegen Bio

Auf 3.300 Quadratmeter wird qualitätsorientiert verkauft. Der Umsatz von 15 Millionen Euro ergibt eine Flächenleistung von 4.500 Euro. Der Durchschnitts­bon liegt bei nur 18 Euro. Dafür ist die Kundenfrequenz hoch.

Frische steht im Vordergrund. 60 Prozent des Umsatzes wird mit frischen Produkten erzielt. Der Markt beherbergt eine Cafeteria. Umgeben von Bürogebäuden macht das Haus ein starkes Mittagsgeschäft.

Das sieht nach Nahversorgung aus. Ist es aber nicht. „Der Markt hat Strahlkraft. Die Leute nehmen bis zu 20 Kilometer Anfahrt in Kauf“, berichtet Jörg Dornseifer. Der Lebensmittelhändler weiß auch, warum die Leute so weit fahren: „Unter anderem, um Bio zu kaufen und weil es alles unter einem Dach gibt.“

Seit 15 Jahren verkauft Dornseifer auch Bio. „Forciert haben wir das vor sieben bis acht Jahren. 2005 haben wir einen Demeter-Handelsvertrag abgeschlossen. Das hat ein halbes Jahr Überzeugungsarbeit gekostet,“ erinnert er sich. Marktleiter Bastian Klein hat damals das Bio-Sortiment aufgebaut.

„Tegut hat im deutschen Lebensmittelhandel gezeigt wie Bio geht. Dann haben sich auch andere damit beschäftigt“, blickt Dornseifer zurück. Die Bio-Produkte sind zugeordnet, wie es heute Standard ist im Einzelhandel. Vereinzelt gibt es noch Blöcke und zum Teil Doppelplatzierungen.

Geringer Anteil bei Bio-Fleisch

Bei Fleisch und Wurst ist der Bio-Anteil gering. Da liegt er unter ein Prozent. Dornseifer betreibt eine eigene konventionelle Metzgerei für seine Märkte. Frische Fertiggerichte mit Fleisch stellt Dornseifer ebenfalls her. Diese werden auch extern verkauft. „Bio ist in unserer eigenen Produktion nicht vorgesehen. Wir stellen obere Mittelkasse her und ragen zum Teil in Premium und Feinkost hinein“. 

Bio-Fleisch und Wurst gibt es nicht in Bedienung, nur in SB. Hier fährt der Lebensmittelhändler das Rewe Bio Fleischprogramm. Eine eigene Bäckerei für die Brottheken im Vorkassenbereich betreibt das Unternehmen ebenfalls. Bio-Brot wird zugekauft von der Mühlenbäckerei in Bergisch-Gladbach.

Bio wird im Hause Dornseifer genauso kalkuliert wie konventionell. Es werden prozentual keine höheren Aufschläge genommen. Natürlich werden die Preisschwellen beachtet. Die Hälfte des Bio-Sortiments liefert die Rewe West.

„Rewe Bio legt hohe Qualitätsmaßstäbe an“, weiß der Händler. Zwei Naturkost-Großhändler sorgen für Breite und Tiefe. „So bekommen wir vieles aus einer Hand und haben nur wenige Dispositionsvorgänge“, nennt Dornseifer die Vorteile.

Einige wenige regionale Bio-Anbieter kommen noch dazu. Die Bio-Dichte ist im Vertriebsgebiet der Frischemärkte allerdings gering. „Hier ist kein großes An­bau-Gebiet für Bio“, erläutert er. Die Land­wirtschaft in den Mittelgebirgen ist von der konventionellen Milchkuh geprägt.

Regionale Bio-Lieferanten wie der Demeter-Hof Wilmsdorf oder Gut Rosenthal sind willkommen. „Wer sich als Erzeuger oder kleiner Hersteller mit Qualität und deren Vermarktung beschäftigt im Handel, dem geht es gut“, ist sich Dornseifer sicher. Ein Produkt auf dem persönlichen Speiseplan von Jörg Dornseifer ist immer biologisch.

„Wer einmal ein Bio-Ei gegessen hat, isst nie mehr ein anderes. Nur bei wenigen Produkten schlägt die Fütterung so stark auf das Endprodukt durch.“ Regional lobt Dornseifer nicht aus. „Mit regional tun wir uns schwer. Wir schaffen Transparenz und der Kunde entscheidet für sich, ob es für ihn regional ist“, sagt Dornseifer.

Kein Bio-Leitsystem

Der Markt hat keine Einlassschranke. Auch der Einkaufwagen kostet kein Pfand. „Bei uns kommen auch nur fünf Einkaufswagen im Jahr weg“, nennt er den Grund. Durch die Regalhöhe von 1,60 Meter entsteht eine offene einladende Atmosphäre. Die bedrückende Enge schmaler Gänge und hoher Regale wird vermieden.

Im Markt selbst gibt es wenig Verkaufsimpulse. Regalstopper mit regional, Angebot oder ein Bio-Leitsystem gibt es nicht. „Wir machen keine 100prozentige Kundenführung. Wir bieten nur Orientierung. Der Kunde hat sein eigenes Zeitbudget und will dann seinen Einkaufszettel abgearbeitet haben“, so Dornseifer. Der Kaufmann glaubt nicht, dass er ihn länger im Supermarkt halten kann.

Er will vor allem zufriedene Kunden. Das bedeutet für ihn, nicht am Personal zu sparen. So hat er mit Erika Brauhardt eine Bio-Fachkraft im Markt. Sie kommt aus dem Naturkostfachhandel, optimiert das Sortiment, schult die Kollegen und beantwortet die Fragen der Kunden.

Der Demeter-Handelsvertrag bedeutet Schulungen des Verkaufspersonals durch den biologisch-dynamischen Verband. Viel Aufwand für fünf Prozent des Sortiments. Das lässt der Kaufmann aber nicht gelten: „Mit diesem Argument können Sie alles abschaffen, auch die Fleischtheke.“

Bio-Fachfrau Erika Brauhardt leitet zusätzlich die Mopro-Abteilung. Trotz geballter Bio-Kompetenz greifen die meisten Kunden zu konventionellen Milchprodukten. „Die Kunden, die sich Gedanken machen, sind schnell bei Bio-Milch“, weiß sie.

Bei Mopro ist das Bio-Angebot gut. Das zieht sich aber nicht durch alle Warengruppen. „Die Abteilungsleiter arbeiten hier selbstständig und können ihr Sortiment gestalten.“, berichtet sie. Kollegen, die bioaffin sind, bestellen viele Bio-Produkte. So gibt es Abteilungen mit mehr oder weniger Bio.

Brauhardt hat nicht alle Wunschartikel: „Wir bekommen viele Produkte nicht. Der Großhandel wehrt sich nach wie vor.“ In der Kosmetik-Abteilung wollte Brauhardt Tautropfen führen. Der Großhändler hat aber nicht prompt geliefert, sondern beim Hersteller angefragt. Der Tautropfen-Vertrieb hat sich die Verkaufsstelle angeschaut und für gut befunden.

TK-Abteilung gut mit Bio bestückt

Die TK-Abteilung bietet mehr Bio-Produkte als der Durchschnitt im LEH. Naturlust Bio-Pizza von Wagner gibt es. Darüber hinaus die Fleisch-Convenience von Salomon, Meeresfrüchte von Biopolar und followfish in Bio-Qualität oder Wildfang mit MSC-Siegel.

Moin Bio-Backwaren, TK-Kartoffelprodukte der Bio-Range von Schwarmstedter, Bio Gemüse der Marken Natural Cool und Bio Inside sind vorhanden.

Bio-Eiscreme von Rachelli in Demeter-Qualität und das Premium-Eis von Roggenkamp aus Westfalen sind neben weiteren Produkten in den TK-Truhen.

Demeter-Produkte sind auch im Supermarkt gefragt: Die Molkerei Schrozberg aus Hohenlohe ist mit ihrer weißen Linie vertreten, ebenso De Rit mit Konserven. Bei alkoholfreien Getränken führt Dornseifer die Demeter-Säfte von Voelkel. Das sind einige der vielen Demeter-Artikel im Markt.

Im Trockenbereich hat Dornseifer das Basic-Sortiment, das von Claus ausgeliefert wird. Basic liefert hierzu das Regal mit. Dornseifer platziert es aber in den eigenen Regalen. Der Kaufmann gestaltet den Markt. Die Hoheit darüber gibt er nicht an externe Hersteller und Lieferanten ab.

Obst und Gemüse ist im LEH die meistgekaufte Warengruppe. Mehr als 50 Artikel des grünen Sortiments bietet Dornseifer seinen Kunden in Bio-Qualität. Am liebsten verkauft Dornseifer lose. Aber Rewe Bio ist immer abgepackt.

Dank Bio-Großhändlern als weiterer Bezugsquelle kann er Einiges lose anbieten. So Tomaten, Bohnen. Avocados, Zitronen, Mandarinen, Äpfel, Birnen und Kiwis. Geschnittene Salate des Bio-Betriebs Käpplein und Bio-Pilze werden gekühlt.

Die Kühlregale sind gut mit Bio bestückt. Andechser und Söbbeke stehen nebeneinander. Berchtesgadener Land ist mit seiner weißen Bio-Linie vertreten. Frischer Tofu von Taifun ist vorhanden.

Landlinie beliefert die Käsetheke mit Bio. Von Söbbeke etwa sind der Wilde Bernd und der Grienkenschmid erhältlich. Die Edelkäserei Kalteiche Maustal, ein Demeter-Hof mit Schaf- und Ziegenhaltung steuert Ziegen-Frischkäse und Camembert zum Sortiment bei. Regional und biologisch wird hier geboten.

Bio-Nudeln im Kartoffel-Land

Dornseifer platziert frische und getrocknete Teigwaren zusammen. In der Nudelabteilung stehen deshalb zusätzlich Kühlregale. Hierls bayrische Teigwaren sind dort in der Kühlung zu finden. Im Trockensortiment führt der Markt BioGourmet und Alb Gold. Im Kartoffelland NRW gibt es reichlich Auswahl an Bio-Nudeln.

Bio wird oft in Kopfplatzierung präsentiert. Das Fair-Handelshaus Gepa ist am Gondelkopf platziert. Die biologisch-fairen Kaffees sind vorhanden, unter anderem das anspruchsvolle blaue und schwarze Sortiment. Darboven Bio darf nicht fehlen. Von Großröster Jacobs ist auch ein Bio-Kaffee im Sortiment.

Spärlicher wird die Auswahl bei den Bio-Süßwaren. Gepa-Schokolade hat auch in Siegen ihren Platz. Knabbergebäck von BioGourmet ist dabei. Dann wird es dünn. Insgesamt hat Dornseifer ein anspruchsvolles Bio-Sortiment mit Lücken bei Fleisch in Bedienung und Süßwaren.

Anton Großkinsky

 

Dornseifer Frischemarkt
Leimbachtalstraße 17
57074 Siegen

 

Eröffnet: 2007
Marktleiter: Bastian Klein
Mitarbeiter: 100
Verkaufsfläche: 3.300 qm
Artikelanzahl: 40.000
Anzahl Bio-Artikel: 2.500
Umsatz: 15 Millionen €
Bio-Umsatzanteil: 5 Prozent
Kundenfrequenz: 15.000 pro Woche
Öffnungszeiten: Mo-Sa 7-22 Uhr
Parkplätze: 200


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