Super BioMarkt

Michael Radau wirbt für Elektroautos und grünen Strom

SuperBioMarkt-Gründer Michael Radau führt in seinen 17 Filialen in Nordrhein-Westfalen nicht nur ein nachhaltiges Bio-Sortiment. Der Münsteraner praktiziert Nachhaltigkeit umfassend vom Ökostrom bis zur Förderung der Elektro-Mobilität. Nachhaltigkeit von A bis Z ist die Devise. Mit Bio-To-Go entwickelte er ein modernes Konzept für den Außerhausverzehr. Mit der Gründung der Bio Supermärkte 1993 begann Kaufmann Radau, seinen nachhaltigen Weg zu gehen.

Beim regionalen Filialisten SuperBioMarkt in der Grevener Straße in Münster können die Kunden während des Einkaufens tanken, allerdings kein Benzin. Vorstandsvorsitzender Michael Radau eröffnete dort im Juli 2011 die erste E-Tankstelle vor seinen Märkten. Die E-Tankstelle hat der Bio-Händler zusammen mit den Stadtwerken Münster realisiert. Inzwischen sind für weitere Märkte in Münster, Wuppertal und Osnabrück Stromzapfstellen für Elektro-Autos in Planung. 4.000 bis 5.000 Euro kostet die Installation einer Ladestation.

Nach dem Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität der Bundesregierung von einer Million Elektroautos im Jahr 2020 müssten in Münster 3.500 lautlose E-Autos unterwegs sein. Bio-Supermarkt-Betreiber Radau kann sich Strom-Tankstellen nicht nur als Kunden-Service vorstellen: In einigen Jahren könnte es ein Geschäftsmodell sein. Parken vor dem Supermarkt, Auto an die Ladestation anschließen, einkaufen und anschließend ist der Akku wieder voll. Aktuell ist das Tanken von Strom noch kostenlos.

Mit dem E-Auto durch Münster

Radau fährt inzwischen ein Elektro-Auto als Firmenwagen. Mit dem auffälligen Renault Fluence ist er im Stadtgebiet ein Botschafter für die Mobilität der Zukunft. Das Auto ist mit mehreren Werbeaufschriften unter anderem der Stadtwerke Münster versehen. 150 Kilometer Reichweite ermöglichen auch Fahrten zur Filiale in Dortmund. Auf der Autobahn fällt die Ladeanzeige allerdings wie ein Stein nach unten. Im Stadtverkehr ist das anders, da werden die Akkus beim Bremsen nachgeladen.

26.000 Euro kostet der Wagen. Die Akkus sind gemietet für 82 Euro im Monat und schrauben damit den Anschaffungspreis nicht hoch. Mit 100 PS ist das Auto 135 km schnell. Radau öffnet den Kofferraum. Dort sind die Batterien. Es bleibt genügend Platz für einige Getränkekisten. 317 Liter Stauraum bietet das Elektro-Auto. „Ich bin überzeugt, dass in zehn bis 15 Jahren zehn bis 15 Prozent der Autos elektrisch fahren“, prognostiziert Radau.

Der Ökostrom in den 17 SuperBioMarkt-Filialen ist ein weiteres nachhaltiges Element in Radaus Strategie. Die Kühlregale, Tiefkühltruhen und Beleuchtung werden von Strom aus erneuerbarer Energie gespeist. „Wir sind mit Ökostrom von den Stadtwerken Münster sauber unterwegs“, sagt Radau.

Aber Radau will noch mehr. „Ein Standort in Osnabrück hat eine Solaranlage, ist aber noch nicht autark. In absehbarer Zeit, in zirka fünf bis sechs Jahren, werden wir den ersten energieautarken SuperBioMarkt bauen“, ist Radau überzeugt. Bis dahin heißt es Strom sparen.

Stromsparen mit Verglasung

„Energie ist der Kostentreiber im Lebensmittelhandel“, weiß auch Radau. Strom sparen lässt sich mit Beleuchtung und Kühlmöbeln. Verglasen der Kühlregale und TK-Schränke ist in den vergangenen drei bis vier Jahre Trend im Handel. Radau geht ebenfalls diesen Weg.

Protec aus Rheinland-Pfalz rüstet die Märkte aus. Am Standort Osnabrück ist das geschehen, in Münster in den Arkaden ebenfalls. Die entspiegelten Ganzglastüren beeinträchtigen nicht die Sicht auf das Produkt. Für den Griff ins Regal muss der Kunde erschwerend die Türe öffnen. Das ist aber kein Verkaufshindernis. „Definitiv nicht“, so Radau. „Zuhause lässt auch niemand den Kühlschrank offen stehen, damit er einfacher an den Inhalt kommt.“

Die TK-Truhen sind mit der eleganten gebogenen Glashaube abgedeckt. In den älteren Märkten, die kurz vor dem Umbau stehen, wird nicht mehr verglast. Nachtrollos sind überall selbstverständlich. Wer diese nicht hat, verschenkt nachts das Geld, das er tagsüber verdient hat. „Kühlmöbel-Verglasung ist ökologisch und ökonomisch sinnvoll. Im Markt in Gelsenkirchen haben wir es akribisch nachgerechnet“, sagt Radau. Die Amortisationszeit beträgt nur drei Jahre.

Inmitten der Münsteraner Altstadt liegt das Einkaufszentrum Arkaden. Im Erdgeschoss befindet sich ein SuperBioMarkt. Es ist Vorzeigemarkt des regionalen Bio-Filialisten. Der barrierefreie Zugang lädt die Kunden ein. Der Hauptlauf beginnt mit Obst und Gemüse. Die Bio-Äpfel unterscheiden sich optisch von konventionellen Äpfeln. Sie sind nicht ebenmäßig, eher kleinkalibrig und nicht alle frei von Schalenfehlern. Auch Demeter-Qualität ist vorhanden.

Die Käsetheke mit fünf Meter Länge und 170 Käsen ist ein Aushängeschild. Geschulte Verkäuferinnen können beraten, nicht nur wiegen und verpacken. Großhändler Weiling und die Bio-Molkerei Söbbeke, beide aus dem Münsterland, sind die Hauptlieferanten und bieten Käse-Kurse für das Personal an. Die Theke ist übersichtlich geordnet und gut gekennzeichnet.

Der Kunde wird mit einem Farbleitsystem durch das Sortiment geführt. Der Genießer erkennt die Rohmilch-Käse an einem roten Punkt auf dem Schild. Allergiker finden durch einen gelben Punkt zum lactosefreien Käse. Die Kalorienbewussten greifen zu den fettreduzierten Sorten mit dem grünen Punkt. Die Vegetarier achten auf den blauen Punkt für Käse, der mit mikrobiellem Lab hergestellt wurde. Das Vorverpacken geschieht in Eigenregie.

Die Fleischtheke überzeugt ebenfalls. Die EZG Biofleisch NRW ist der Lieferant. Hier wird reichlich Ware ausgelegt und appetitlich präsentiert. Die Vielfalt lockt Kunden an. Da macht Fleisch kaufen Spaß.

Die Weinabteilung ist ein weiterer Glanzpunkt in den Arkaden. Großhändler Weiling leistet hier die Vorarbeit. Im Weinkatalog werden Geschichten rund um den Wein erzählt. Michael Radau hat in diesem Herbst ein Weingut besucht und einen Tag bei der Lese verbracht. „Bio-Wein ist ein spannendes Thema“, findet er.

Große Naturkosmetik-Abteilung

Naturkosmetik wird in den Arkaden breiter Raum gewidmet. Durch den Boden mit Holzoptik wird Aufmerksamkeit erweckt. Eine Fachkraft ist nur für die Naturkosmetik zuständig. „Wenn die Beratungsqualität nicht gegeben ist, funktioniert das nicht“, verrät Radau. Die kleineren SuperBioMärkte haben keine so große Naturkosmetik-Abteilung.

Eine Eigenmarke-Strategie fährt der regionale Bio-Filialist nicht. Einige bioladen-Artikel von Weiling sind im Regal. Einen eigenen Kaffee lässt der SuperBioMarkt von der Röstbar Münster machen. In der Vorkassen-Bäckerei wird Bio-Kaffee in einer Siebträger-Maschine zubereitet. „Wenn ich mich geschmacklich auf einem hohen Level bewegen will, ist das unerlässlich“, meint Radau.

Preissensible Kunden werden eher nicht die SuperBioMärkte aufsuchen. Lebensmittelhändler Radau braucht den anspruchvollen und aufgeklärten Konsumenten. Im monatlichen Kunden-Magazin lockt er zwar mit Angeboten. Die Rabatte sind mit zehn bis 20 Prozent aber moderat und sprechen nicht den Schnäppchen-Jäger an.

Auch Infos und Meinung gibt es zu lesen. NRW-Umweltminister reflektiert über die Macht des Einkaufszettels. Folgt der Leser den Ausführungen des Ministers, landet er bei Bio.

Mit dem Digital Signage (Beschilderung)  hat Radau ein modernes Marketing-Instrument am POS geschaffen. In den Arkaden hängen Fernsehbildschirme, auf denen Angebote und Filme über Hersteller und Produkte laufen. Marktfernsehen statt Marktfunk heißt die Zukunft der Kundenansprache am POS. „Das ist unsere eigene Entwicklung“, sagt Radau stolz.

Super BioMarkt
Ludgeristraße 100
48143 Münster

Eröffnet: 2005
Marktleiter: Silke Meyer-Feldmann
Verkaufsfläche: 700 qm
Öffnungszeiten: 8:30 bis 20 h
Artikelanzahl: 7.000
Mitarbeiter: 35
Durchschnittsbon: 11 Euro

 

Der etwas andere Imbiss

Gegenüber dem SuperBioMarkt betreibt Radau seit 2011 den Imbiss Bio-To-Go. Die Rechte hat er bei der Übernahme des Bio-Filialisten Supernatural erworben. Die Ladenbauer setzten bei der Einrichtung ein nachhaltiges, ressourcenschonendes Konzept um. So werden bei der Beleuchtung energiesparende LED verwendet, und die Abwärme der Kühlung wird für die Heizung genutzt.

Zum sofortigen Verzehr kann sich der Gast auf einem der 26 Sitzplätze nieder­lassen. Salate auf Nudel-, Cous-Cous-, Linsen-Basis, Obstsalat, Fruchtquark und Suppen können bestellt werden. Zum Trinken stehen frisch gemach­te Säfte und Smoo­thies auf der Karte. Auch die Außer-Haus-Verpflegung kann nachhaltig sein. Ein gesunder Imbiss jenseits von Hamburger und Döner ist möglich. Bio-To-Go macht es vor.

In den Arkaden wirbt ein Kleinwagen für den Bio-Supermarkt. Er ist in den Vereinsfarben von Borussia Dortmund lackiert und trägt die Unterschriften von Fußballprofis. Dortmund-Fan Radau hat den Wagen auf einer Benefiz-Veranstaltung ersteigert. Soziales Engagement zählt für den Vorstandsvorsitzenden zu einer nachhaltigen Unternehmensführung. So unterstützt er auch die Sarah-Wiener-Stiftung, die Kochkurse an Münsteraner Schulen organisiert. Die Kinder sollen weg von McDonalds und Coca-Cola hin zu vernünftiger Kost geführt werden.

SuperBioMarkt legt keinen Nachhaltigkeitsbericht vor, obwohl sich dank der Initiativen einige Seiten bedrucken ließen.

Anton Großkinsky


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