Start / Ausgaben / BioPress 73 - November 2012 / Stanford-Studie nicht Anti-Bio

Stanford-Studie nicht Anti-Bio

AoeL erkennt positives Bild

„Stanford-Anti-Bio-Studie“, „Studie entlarvt Bio-Mythos“, „Bio-Lebensmittel sind kaum gesünder“ – dies sind die Schlagzeilen, welche in den Medien zur Meta-Analyse der Universität Stanford „Are organic foods safer or healthier than conventional alternatives?“ zu finden sind. Doch so Anti-Bio ist diese Studie nicht, teilt die AoeL (Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller) aus Bad Brückenau mit. Sie ist lediglich in einer Art und Weise geschrieben, die in ihren Schlussfolgerungen Raum für Interpretation lässt und eine Definition von gesunden Lebensmitteln bietet, die hinterfragt werden sollte.

Ziel der Studie war es, eine Darstellung der bisher veröffentlichten Literatur zu den gesundheitlichen, Nährwert- und Sicherheitskriterien von Bio- und konventionell hergestellten Lebensmitteln zu erarbeiten.

Die Autoren haben dafür 237 Studien ausgewählt, die als Grundlage einer Meta-Analyse dienen.
Ein wesentliches Merkmal dieser Analyse ist, dass die Studien uneinheitlich sind. Dies lässt die Autoren zu dem Ergebnis kommen, dass die Erkenntnisse mit Vorsicht zu betrachten sind, da eine heterogene Datengrundlage die Aussagefähigkeit begrenzt.

Die drei wichtigsten Gründe für diese Heterogenität sind die Unterschiede in den Methoden, die unterschiedlichen agronomischen und klimatischen Einflüsse und Unterschiede in den Öko-Anbau-Methoden.

Nur Studien in Englisch berücksichtigt

Außerdem wurden nur englischsprachige Studien gewählt. Dies bedeutet, dass viele Ergebnisse gar nicht einbezogen wurden. Eine weitere Begrenzung sind die ausgewählten Parameter, die eher unter physiologischen Gesichtspunkten direkte Gesundheitswirkungen aufgreifen, neuere Erkenntnisse elektrochemischer Parameter fehlen gänzlich. Veränderungen im Ernährungsstil oder Umweltauswirkungen der Produktionspraxis spielten ebenfalls keine Rolle.

Insgesamt nennen die Autoren drei wesentliche Ergebnisse. Zuerst stellen sie fest, dass für konventionelle Lebensmittel ein 30 Prozent höheres Kontaminationsrisiko mit Pestiziden besteht als für Bio-Lebensmittel.

Ihre zweite Erkenntnis ist, dass kein Unterschied zwischen konventionellen und Bio-Lebensmitteln bezüglich des Risikos für eine Kontamination mit pathogenen Bakterien besteht.

Und das dritte Hauptergebnis ist, dass konventionelles Hühnchen- und Schweinefleisch im Vergleich zu Biofleisch ein erhöhtes Risiko für eine Kontamination mit Bakterien aufweist, die resistent gegen drei oder mehr Antibiotika sind.

Gesetzlich erlaubte Pestizidrückstände werden nicht bewertet

Diese Ergebnisse sind eindeutig positiv für ökologische Lebensmittel zu bewerten. Die Autoren der Studie relativieren die höheren Rückstandsmengen der Pestizide auf den konventionellen Lebensmitteln dadurch, dass diese im rechtlich vorgegeben Bereich seien und damit keine klinische Relevanz für die Gesundheit haben.

In welchem Ausmaß die an Tiere verfütterten Antibiotika an der Anzahl der antibiotika-resistenten Bakterien bei Menschen beteiligt sind, gilt es nach Meinung der Autoren zu diskutieren. Die Hauptursache für die resistenten Bakterien sei der unsachgemäße Gebrauch von Antibiotika der Menschen selbst.

Bio-Kinder sind gesünder

Zusätzlich zu diesen drei Hauptergebnissen stellen die Autoren auch einige Ergebnisse aus den untersuchten Studien vor, welche aber ihrer Meinung nach nur bedingt aussagekräftig sind, da die Anzahl der Studien zu gering ist. So konnte eine Studie zeigen, dass Kinder im Alter von zwei Jahren, die zu 90 Prozent mit Bio-Lebensmitteln ernährt wurden ein geringeres Risiko aufwiesen, an Hautausschlägen zu erkranken, als Kinder, die nur zu 50 Prozent mit Bio-Lebensmitteln ernährt wurden.

Eine andere Studie stellte fest, dass im Urin von Kindern, die Bio-Lebensmittel essen signifikant weniger Pestizid-Metabolite auftreten als bei Kindern, die konventionell ernährt werden.

Ein weiteres Ergebnis war, dass Bio-Milch verglichen mit der konventionellen Alternative signifikant mehr essentielle Omega-3 Fettsäuren aufweist. Dies unterstreicht auch Erkenntnisse, die bereits andere Meta-Studien belegen.

Werden die gefundenen Ergebnisse vor dem Hintergrund der methodischen Begrenzungen der Studie betrachtet, so ergibt sich ein sehr positives Bild für Bio-Lebensmittel.

Bio ist mehr als nur Gesundheit - Ziel ist auch intakte Natur

Es ist nicht das ausschließliche Ziel der ökologischen Lebensmittelherstellung, ein Produkt zu erzeugen, das nährstoffreicher als ein konventionelles Produkt ist, sondern es geht da­rum, ressourcenschonend zu arbeiten, die Umwelt so wenig wie möglich zu belasten und Tieren eine artgerechte Haltung zu ermöglichen, wie die AoeL erläutert. Im Zusammenhang mit der Stanford-Studie stellt sich also auch die Frage, ob der Gesundheitsaspekt eines Lebensmittels nur auf seine Inhaltsstoffe begrenzt werden kann.

Der Gesundheitsbegriff für Bio-Lebensmittel ist umfassender und kann mit „gesunder Boden, gesunde Pflanze, gesundes Tier, gesunde Umwelt, gesunder Mensch“ am prägnantesten dargestellt wer­­den. Die Verbraucher ha­ben dieses Konzept verstanden.

Die Verbraucherbefragung des Ökobarometer 2012 ergab, dass der wichtigste Grund für den Kauf von Bio-Lebensmitteln nicht deren Gesundheitswert ist, sondern eine artgerechte Tierhaltung, regionale Herkunft und die Unterstützung regionaler Betriebe, sowie eine geringe Schadstoffbelastung.


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