Start / Ausgaben / BioPress 73 - November 2012 / Gewürz- und Früchtetee

Gewürz- und Früchtetee

Wellnessreisen im Alltag – auch ganz ohne zugesetzte Aromen

Bio-Gewürz- und Früchtetees bringen immer wieder Abwechslung ins Regal, ob als verheißungsvoll duftende Lifestylegetränke oder rote, gesunde Fruchtklassiker. Im Winter haben sie Hochsaison. Dabei sind Tees ideale Einsteigerprodukte für Bio-Neukunden, zumal sich mit ihnen auch Verkostungen problemlos durch­führen lassen.

Dank der erstaunlichen Sortenvielfalt an Bio-Gewürz- und Früchtetees kann der Kaufmann leicht Kunden mit unterschiedlichen individuellen Bedürfnissen und Interessen entgegen kommen. Passende Bezeichnungen, die teils sachlich-erklärend und teils verheißungsvoll sind, und auch die fantasievolle äußere Gestaltung tun ihr Übriges.

Was für viele Verbraucher neben dem Geschmack zu den ausschlaggebenden Kriterien für ein Bio-Produkt zählt, ist der Verzicht auf Farb- und Aromazusätze oder zumindest der Einsatz natürlicher Bio-Aromen.

Innovative Rohstoffe, Herkunft aus garantiert pestizidfreiem Anbau und schonende Verarbeitung sind weitere Pluspunkte für Bio. Gepaart mit erstaunlicher Kreativität bei den geschmackvoll aufeinander abgestimmten Rezepturen und einem oft hohen Erfahrungsschatz.

Zwar gibt es nach wie vor reine gewürzte Schwarz- und Grüntees beziehungsweise Früchtetees, doch die Grenze verschwindet zunehmend.

Dafür sorgen Chai-Mischungen mit einzelnen Früchten und Früchtetees, denen ein oder zwei Gewürze dezent ein individuelles Geschmacksprofil verleihen. Insgesamt sind die praktischen Beuteltees eindeutig mehr gefragt.

Die Würzigen mit exotischem Charakter

Fragt man Verbraucher, was ihnen zu „Chai“ einfällt, denken viele sofort an Indien, Yoga oder Ayurveda. Tatsächlich bezeichnet Chai eigentlich einen Tee, der nach traditioneller indischer Zubereitungsart getrunken wird: Schwarztee, verfeinert mit ayurvedischen Heilpflanzen oder exotischen Gewürzen wie Kardamom, Ingwer, Zimt, Nelken, Pfeffer sowie Fenchel und Anis. Chais harmonisieren hervorragend mit warmer Milch und Honig.

Nachdem vor allem die Firma Yogi Tea solche Gewürztees vor rund 30 Jahren in Deutschland bekannt gemacht hat, sind sie heute zu einem Trendgetränk avanciert. Längst erweitern Chais auf Basis von Grüntee oder koffeinfreiem Rooibos, Honeybush und Kräutern das Angebotsspektrum.

Eine umfassende Auswahl an klassischen Chais und Yogi Tees bieten Yogi Tea, La Alternativa und Fruteg. Die Marke Yogi Tea ist heute in allen Marktsequenzen vertreten und entsprechend bekannt. Das Sortiment umfasst stolze 40 Sorten. Dabei zeichnen sich die Tees durch ihr charakteristisches, würziges Geschmacksprofil aus, welches sie original yogischen und ayurvedischen Rezepten verdanken.

Frauen zwischen 18 und 38 zählten zu ihren häufigsten Kunden, heißt es bei Yogi Tea. Generell sprächen sie aber Konsumenten mit überdurchschnittlichem Interesse an Fitness, Yoga und Gesundheit und einer vergleichbar guten Ausbildung an.

Eine ähnlich spirituelle Ausrichtung haben auch die aromatischen Gewürz- und Kräutertees von La Alternativa, die es seit ein paar Jahren unter den Marken Hari Tea und Shoti Maa im Bio-Handel gibt. Die meisten ihrer Tees bieten sie in auffällig exotisch gestalteten Verpackungen an, so auch die neue Linie an 5-Elemente Tees.

Fruteg aus Hessen versorgt als spezialisierter Bio-Teefachhändler vor allem den LEH und SEH, daneben Fachgeschäfte, einige Hotels und Kindertagesstätten. Bei der Entwicklung der diversen Teemischungen, die sowohl unter der eigenen Marke als auch unter Private Label erhältlich sind, profitiert Fruteg von langjährigen Erfahrungen aus Teefachgeschäften. Diverse Sorten, das heißt konkret 60 Sorten Ayurveda- und Yogi Tees in Teebeuteln und ebenso viele Früchte- und Gewürztees in 100-Gramm-Klarsichttüten!

Wie auch einige andere Bio-Hersteller bieten sie dazu auf Wunsch passende dekorative Displays an, damit der Händler die Tees zusätzlich im Kassenbereich oder als sonstige Zweitplatzierung präsentieren kann. Bei ihren Neuheiten orientieren sie sich an aktuellen Trends und Nachfragen seitens der Abnehmer.

Rundumqualität – sozial, Bio und Qualität

Gerade unter den Pionieren legen viele Anbieter von Bio-Tee bei der Beschaffung der Rohstoffe Wert auf vertrauenswürdige und sozialgerechte Zusammenarbeit mit den Erzeugern. Gewürztees mit erkennbarer, garantiert fairen Herkunft findet die zunehmende Anzahl an Verbrauchern, die darauf achten, unter anderem bei den Fair Handelsunternehmen Gepa und dwp sowie bei Ethiquable.

Zwei Chais bietet die Gepa an, bei denen auch die Gewürze aus fairem Handel stammen. Dabei ist der Exotic Chai im Beutel in einer hellen, quadratischen Schachtel und der lose Indische Chai in einem Standbeutel aus handgeschöpftem Karton verpackt. Die Aufmachung lässt den veränderten Ansatz des Unternehmens erkennen, ihre Produkte als fair, modern und hochwertig zugleich zu präsentieren.

Ganz im Sinne des Verbraucherinteresses enthalten die Chais außerdem keine zugesetzten Aromen mehr. Einen anderen Weg, um zusätzliche Mehrwerte zu generieren, schlägt dwp ein und nutzt die Naturland Fair-Zertifizierung. Das grün-weiße Siegel findet sich nicht nur auf zahlreichen ihrer Rooibos und anderen Tees, sondern der Weltladen-Partner ist auch als Betrieb zertifiziert.

Während die Marke Ethiquable in Frankreich einen guten Bekanntheitsgrad besitzt, baut Ethiquable Deutschland den Markt in Deutschland derzeit gerade auf. Bislang beliefert das junge Großhandelsunternehmen mit ihren Tees und anderen Trockenprodukten überwiegend den SEH und LEH, möchte aber gern noch Reformhäuser und Drogeriemärkte als Kunden gewinnen.

Interesse wecken könnten dabei auch ungewöhnliche Sorten, wie etwa der zuletzt eingeführte Minze-Orange-Eukalyptus-Tee. Die Rohstoffe oder soweit wie möglich die fertigen Produkte bezieht Ethiquable ausschließlich von kleinbäuerlichen Produzentenorganisationen. Daneben engagieren sie sich auch finanziell und aktiv bei Entwicklungsprojekten.

Je nach Stimmung oder Saison

Die Zahl derer, die weniger betont gewürzte Tees suchen, dürfte noch wesentlich größer sein. Diesen Wunsch kann der Handel mit Bio-Wellnesstees und den gerade jetzt wieder häufig angebotenen Tees für bestimmte Stimmungen und individuelle Bedürfnisse problemlos erfüllen.

Unter den rund 20 Kräuterteemischungen von Pukka Herbs gibt es gleichfalls viele Thementees. Durch die auffälligen Faltkartons mit apartem Ranken- und Blütendekor heben sich die Tees schon optisch von anderen Marken ab. Original ayurvedische Rezepturen bilden wiederum die Grundlage für geschmackvolle Kompositionen. Shatavari Wurzeln und Rosenblüte sollen die Harmonie unterstützen.

Drei authentische Chais gehören neuerdings ebenfalls zum Programm, die außerdem das Fairtrade Siegel tragen. Pukka Tees werden im deutschen und österreichi­schen Naturkost- und Reformwarenhandel über den Großhandel oder im Direktvertrieb angeboten.

Eine entsprechende Linie gehört auch zu den Herbst-Neuheiten von Lebensbaum. Unter dem gemeinsamen Motto Teezeit zum … gibt es bislang vier Sorten, beispielsweise zum Kraft tanken. Wiederum runden außergewöhnliche Zutaten – diesmal unter anderem Sternanis, Süßfenchel, Mate oder Tulsi – das Aroma individuell und sanft zugleich ab. Äußerlich kommt die Zielrichtung durch die in sanften Farben gehaltenen Verpackungen mit fast verspielten Abbildungen zum Tragen.

Lebensbaum gehört zu den Unternehmen, die regelmäßig saisonale Tees auf den Markt bringen. Aktuell einen würzigen Schietwetter Tee, der mit einem Foto von Firmenchef Ulrich Walter in gelber Öljacke zugleich ein besonderer Blickfang ist.

Neben dem alljährlichen Adventskalendertee gibt es außerdem neue Wintertees, mal würzig mit Schwarztee, Rooibos und Gewürzen, mal süß mit Früchten und mal mit Kräutern. Zwar setzen diese sich ähnlich zusammen wie die Chais im Sortiment, doch schmecken die Gewürze dezenter heraus, und die Kundenansprache ist durch die winterlich gestalteten Verpackungen ebenfalls eine ganz andere. 

Früchtetees von traditionell bis trendig

Früher bestanden Früchtetees meist aus Apfelstücken, Hagebuttenschalen und Hibiskusblüten. Heute kommen Sorten wie Holunder, Johannisbeere, Orange sowie tropische Früchte hinzu. Das Bio-Angebot umfasst sowohl Mono-Tees als auch Mischungen, wobei letztere immer abwechslungsreicher werden. Neben verschiedenen Früchten sorgen Kräuter und Gewürze für spannende Potpourris.

Im Gegensatz zu den Chais und anderen Gewürztees gibt es durchaus viele lose Früchtetees. So füllt Fruteg die fruchtigen Sorten zu 95 Prozent in aromadichten Klarsichttüten ab: Die Kunden sollen sehen und fühlen und dann auch riechen, was im Beutel steckt.

Vielen Verbrauchern falle die Umstellung vom Teebeutel noch schwer, meint Geschäftsführer Alfred Pawelka dazu. Beim Ausschank sorge die unglaubliche Geschmacksvielfalt jedoch immer wieder für Begeisterung. Er vermutet daher, dass der Anteil loser Bio-Teesorten im Einzelhandel steigt – wenn besser über die einfache Zubereitung und den verbesserten Geschmack informiert wird.

Die Kräuter- und Früchtetees von Kräutergarten Pommerland werden gleichfalls überwiegend lose angeboten, alternativ teilweise zusätzlich als Kannenbeutel ohne Klammern, ohne Faden und ohne Klebstoff in Papier-Filterbeuteln verschweißt.

Um den Geschmack zu erhalten und zu verbessern, setzen sie außerdem auf großblättrige Zutaten. Diese, inklusive der gern verwendeten zarten, farbigen Blüten, kommen bevorzugt aus regionalem Anbau. Der Standort nahe der Ostseeküste gegenüber der Insel Usedom ist ideal mit seinem trockenen und sonnigen Klima.

Jeweils mehrere Varianten bietet die Bioteemanufaktur bei ihren Früchtetees an, sei es als Doppelkammerbeutel in der Faltschachtel und lose, sei es als Teefilter-ähnliche Origami Bags in der Teedose und im Nachfüllbeutel.

Bei Früchte- und Gewürztees ist der konsequente Verzicht auf zugesetzte Aromen besonders wichtig, ebenso der Einsatz von hochwertigen und schonend verarbeiteten Rohwaren. Davon ist auch Lebensbaum überzeugt.

Geschmacksintensive Rohstof­fe und innovative Trendzutaten machen Aromen überflüssig. Exemplarisch lassen sich Cranberry, Granatapfel oder Süßes Brombeerblatt nennen, mit denen zum einen Stammkunden überrascht und zum anderen neue Kunden von Bio überzeugt werden sollen.

Trotzdem: Da sich Bio-Tees ohne Aromen deutlich von den konventionellen unterscheiden, hätten sie es schwerer sich durchzusetzen, stellt Marketingleiter Nicolaus Müller fest. Er hält eine Änderung der Kaufgewohnheiten aber ebenfalls gut für denkbar.

Kinder stehen auf rote und auf süße Noten

Unter dem großen Angebot an Bio-Früchtetees finden sich viele, die entweder optisch oder geschmacklich für Kinder konzipiert sind. Neben Früchten eignet sich auch der südafrikanische Rooibos (oder Rooibusch) gut als Basis. Dafür sorgen sein milder Geschmack und die bernsteinfarbene Tassenfarbe.

Die Fachhandelsmarke Heuschrecke ergänzt ihre bisherigen Kindertees wie Zimtzicke und Krawallbrause oder den Kinderpunsch-Tee jetzt mit einem Kinder-Rooibusch.

„Nicht alle Kinder mögen Früchtetee, und saurer Früchtetee ist auch nicht das Richtige für alle Kinder“, erläutert Ursula Stübner. Ihr Kinder-Rooibusch mit Erdbeerflocken, Vanille und aromatischen Kräutern ohne Aromastoffe sei da eine milde und duftige Alternative. Den Rooibusch importieren sie von der Wuppertaler Kleinbauernkooperative, die sie mit einem erhöhten Absatz unterstützen wollen. Deshalb führen sie unter anderem auch einen Rooibusch-Gewürztee und -Chai.

Ungewöhnlich ist schließlich eine neue Linie von der Traditionsmarke Goldmännchen, und zwar Beuteltees mit Bachblütentinkturen. Bei einem Großteil der insgesamt neun Sorten für spezielle emotionale Bedürfnisse handelt es sich um Früchteteemischungen. Für Kin­der empfehlen sie vor allem die Sorten Konzentration oder Wertschätzung.

Abschließend noch der Hinweis, dass auch Stilltees im Prinzip zu den Gewürztees zählen. Immerhin verdanken sie ihre wohltuende Wirkung nicht zuletzt Anis, Fenchel oder Kümmel. Gerade junge Eltern sind hier sehr offen für sichere und gesunde Bio-Produkte.

Bettina Pabel


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