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Dalgaard setzt auf Bio

Dänischer Supermarkt ist innovativ und kreativ

Die Dänen haben mit 143 Euro pro Jahr die höchsten Pro-Kopf-Ausgaben für Bio in Europa. In Deutschland geben die Verbraucher 74 Euro aus. In Dänemark läuft der Vertrieb von Bio-Produkten fast ausschließlich über Supermärkte. Einen nennenswerten Marktanteil hat der Fachhandel nicht zu verzeichnen. Den SEH, in Deutschland ein Motor der Bio-Entwicklung, gibt es in Dänemark nur vereinzelt. Der Dalgaard Supermarkt in Hörsholm auf Seeland ist eine Ausnahme. Lisbeth Dalgaard ist Köbmand (Kaufmann/frau). Feinkost, Bedienung, Catering, eigene Herstellung und Bio zeichnen Dalgaard aus.

„1971 habe ich den Markt hier aufgemacht“, berichtet Dalgaard senior. Es ist der einzige Markt, den die Familie betreibt. „Früher hatte ich mehrere Märkte. Irgendwann habe ich mich auf diesen einen Markt konzentriert“, erzählt er aus seinem Kaufmannsleben. Heute sitzt Tochter Lisbeth Dalgaard auf dem Chefsessel. 29.000 Artikel sind auf 1.600 Quadratmeter untergebracht. 90 Prozent davon sind Lebensmittel. Ungefähr 1.500 Bio-Artikel verbergen sich im umfangreichen Sortiment. 500 davon kommen aus Dänemark.

„In den 90er Jahren haben wir angefangen, Bio-Produkte ins Sortiment zu nehmen. Das Bio-Sortiment wächst nach wie vor. Monatlich kommen Produkte hinzu. Je nach Warengruppe entwickelt sich der Bio-Absatz unterschiedlich: „Obst und Gemüse steigt, Fleisch ist eher rückläufig. Die Leute in Dänemark geben wenig Geld aus für Lebensmittel. Nur zehn bis elf Prozent ihres Einkommens. Bei teuren Produkten wie Bio-Fleisch merken wir es im Absatz, wenn die Leute weniger Geld haben“.

Schwer tut sich der Bio-Fisch und wird nicht in der Theke angeboten, nur in TK. Die Leute vergleichen  Wildfang und Ökologische Aquakultur statt ökologische und konventionelle Aquakultur. Dalgaard versucht im Kundengespräch die Informationen zu vermitteln. Das geht aber nur Stück für Stück.

Lisbeth Dalgaard will den aufgeklärten Verbaucher, ist innovativ und orientiert sich an Qualität. Aktuell führt Dalgaard Bio-Ziegenfleisch von Knuthenlund ein. Das Bio-Gut ist bekannter dänischer Hersteller von Molkereiprodukten aus Schaf- und Ziegenmilch. Für den dänischen Verbraucher ist Ziegenfleisch ein neues Geschmackserlebnis.

Ziegenfleisch hat einen leichten Wildgeschmack und ist cholesterinarm. Bisher ist nur die Milch auf dem Markt. Das Fleisch spielt im Gegensatz zum Lamm keine Rolle. Kauffrau Dalgaard möchte das ändern.  „Wir lassen das Fleisch hier im Markt probieren, damit es kein Experiment ist für die Kunden, wenn sie Ziegenfleisch kaufen“, sagt Lisbeth Dalgaard. Bio-Wurst von Aalbäck Spezialitäten ist ebenfalls im Sortiment.

„Mopro, Gemüse und Mehle sind die erfolgreichsten Bio-Produkte. In Dänemark ist es populär, selbst zu backen“, klärt Dalgaard auf. In der Tat nimmt die Backzutat Bio-Mehl breiten Raum im Regal ein.

„Aktuell haben wir einen Trend zu nordischen Produkten. Wir führen auch regionale Bio-Produkte. Äpfel, Beeren und Erbsen sind von hier“, so die Kauffrau. Im Kühlregal sind neben Bio-Kuhmilch-Produkten auch Schaf und Ziege vertreten. „Wir verkaufen viel Bio-Käse und -Milch“, verrät sie. Die Öllingegaard Meierei liefert die weiße und gelbe Linie in Bio-Qualität.

Convenience -Produkte in Bio führt der qualitätsorientierte Supermarkt nicht. Der Familienbetrieb betreibt ein eigenes Catering und stellt frische Convenience her, allerdings nicht biologisch: „Wir produzieren unser Sushi selbst“, nennt Dalgaard ein Beispiel.

Das Trockensortiment kommt überwiegend vom dänischen Hersteller Urtekram. Ein Pionier im Trockensortiment ähnlich der Bio-Zentrale in Deutschland. Müsli, Teigwaren, Reiswaffeln usw. sind vertreten. Bei den Süßigkeiten sind in Bio-Qualität Schokolade und Fruchtgummis im Sortiment. „Süßwaren sind ein Umsatzträger. Aber wir führen nur wenig davon, weil wir wollen, dass die Leute Obst und Gemüse essen“, liefert sie eine Begründung.

Im Vorkassenbereich bietet die Großbäckerei Emmerys Bio-Brot, -Brötchen und –Fein-Backwaren an. Die Wurst auf den belegten Brötchen ist biologisch und sogar ohne Nitritpökelsalz. Der Espresso ist aus biologischem Kaffee geröstet. Die Präsentation ist im Vergleich zu den deutschen Vorkassen-Bäckern schlichter.

Dalgaard sucht ständig neue Bio-Produkte im Internet, liest Fachzeitschriften oder fragt beim Verband Organic Denmark. „Viele Produzenten kennen uns und fragen an, ob wir an einem neuen Produkt interessiert sind“, so die Kauffrau. Vom Großhändler Supergros beschafft Dalgaard konventionelle und biologische Lebensmittel. Vom Bio-Großhändler Solhjulet (Sonnenrad) bezieht der Händler Obst und Gemüse.

Anton Großkinsky


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