Start / Ausgaben / BioPress 71 - Mai 2012 / Fertiggerichte für die moderne Bio-Küche

Fertiggerichte für die moderne Bio-Küche

Mit ihren frischen, farbigen Verpackungen, appetitlichen, verlockenden Sorten und hohem Conveniencegrad eignen sich Bio-Fertiggerichte für den Einzelhandel hervorragend. Das gilt nicht nur für Geschäfte in besten Citylagen. Schließlich gibt es auch außerhalb der Stadt berufstätige Mütter, Pendler und weitere passende Zielgruppen. Das zur Verfügung stehende Angebot ist nicht übermäßig groß, aber fein und vielseitig.

Fertiggerichte lassen sich auf verschiedene Weise strukturieren. Der Handel wird in der Regel die Einteilung in Trockenfertiggerichte und frische Gerichte für die Kühlregale oder Tiefkühltruhe wählen. Hier gibt es wiederum vegetarische beziehungsweise vegane und fleischhaltige Fertiggerichte. Schließlich lassen sich von den eigentlichen Fertiggerichten noch die Teilfertiggerichte abgrenzen, bei denen der Verbraucher einzelne Komponenten selber zufügen kann oder muss. Trotz aller Vielgestaltigkeit - von der Gemüsepfanne über Pizza bis zum Geschnetzelten - eint die Produkte ihre schnelle und einfache Zubereitung.

Dabei heben sich Bio-Fertiggerichte äußerst positiv von der Masse ab. Statt eines salzigen Einheitsgeschmacks, genießt der Verbraucher individuelle, fein aufeinander abgestimmte Rezepturen. Unterschiedliche Getreidesorten wie Reis, Quinoa, Couscous oder Polenta, bei denen die Bio-Branche von einer jahrelangen Erfahrung profitiert, sowie Nudeln liefern wertvolle Kohlenhydrate.

Außerdem sparen die Hersteller nicht an gutem Gemüse oder wertgebenden Gewürzen, und wenn Fleisch, dann ist es von hoher Qualität. Allergiker setzen ebenfalls zu Recht hohes Vertrauen in Bio-Ware, da sie hier vor Sulfit, Farbstoffen, synthetischen Glutamaten und ähnlichen Zusatzstoffen sicher sind.

Abwechslung durch landestypische Kreationen

Aktuell liegen vor allem haltbare Bio-Pfannengerichte im Trend, so wie sie etwa die Antersdorfer  Mühle, Davert, Hübner oder Marap im Portfolio haben. Frischen Wind ins Regal bringen außerdem das Handelsunternehmen Urtekram aus Dänemark, 24 Letter Mantra aus Indien und andere Hersteller auf dem globalen Bio-Marktplatz. Die Basis dieser Fertiggerichte stellen Getreide und Gemüse dar, die zu typischen Länder-Spezialitäten verarbeitet werden.

So gehören  zu den Neuheiten von Urtekram unter anderem ein Thailändisches Wokgericht mit Vollkornnudeln und Gemüse sowie ein Marokkanischer Eintopf mit Reis, Curry und Zimt-Chicken. Jeweils nur mild-gewürzt, eignen sie sich für die ganze Familie und könnten damit auch den deutschen Handel interessieren.

Wer auf der Suche nach wirklich authentischen Rezepturen ist, wird bei Sresta mit der Marke und Ladenkette 24 Letter Mantra fündig. Hier stehen seit diesem Frühjahr intensiv würzige Masalas, Dals (mit Linsen als Basis) oder Pilafs (mit Reis) zur Wahl, mit denen Verbraucher in kurzer Zeit ein typisch indisches Gericht zubereiten können.

Interessant ist nicht zuletzt die  ganzheitliche Philosophie des Unternehmens, wonach nur Bio-Lebensmittel die ideale Kombination der vier Elemente garantieren können. Das dazu von Sresta ins Leben gerufene Bio-Projekt ist in Indien so gut angenommen worden, dass sich mittlerweile ein Netzwerk aus Kleinbauern mit insgesamt rund 4.000 Hektar Land gebildet hat.

Das Auge isst und kauft mit

Generell wecken die Anbieter von Bio-Fertiggerichten bereits durch ihre Bezeichnungen bestimmte Erwartungen an den Geschmack. Wichtig ist, dass diese nicht enttäuscht werden. Denn wie im konventionellen Bereich, gibt es auch bei Bio durchaus Qualitätsunterschiede. Ob sie nun technologisch bedingt sind oder an der Zubereitungsart liegen.

Einige Anbieter wollen nicht nur mit verheißungsvollen Namen das Interesse der Verbraucher wecken, sondern den Blick schon durch farbkräftige Verpackungen auf die Produkte ziehen. Neben Urtekram hat beispielsweise Davert diesen Weg gewählt und präsentiert die Fertiggerichte unter der LEH-Marke Davita jetzt in einem deutlich frischeren Verpackungslayout.

Farblich klar zu unterscheiden, wirkt das Sorten-Trio exotisch-edel. Für einen mal indischen, mal orientalischen und mal spanischen Charakter sorgt die wohlüberlegte Kombination der Zutaten. Bei der Orientpfanne sind das Hirse, Aprikosen sowie typische Gewürze und bei der Paella Reis, buntes Gemüse mit Safran und weiteren Gewürzen.

Die entsprechende Linie für den Fachhandel umfasst gleich sieben Sorten – also ein komplettes Wochenprogramm. Zuletzt kamen hier die Thaicurry- und die Taboulé-Pfanne hinzu. Mengenmäßig hat Davert die Produkte beider Marken so konzipiert, dass jede Packung ein bis zwei großzügige Portionen ergibt. Das gilt generell für die meisten Fertiggerichte. So enthalten auch die Beutel mit Fertiggerichten von Marap, wo der Kunde mit 15 Sorten, einer Asia- und ein paar Süßspeisen eine noch größere Auswahl hat, je 250 oder 120 Gramm.

Antersdorfer und Hübner haben Beutel als Verpackung gewählt. Dank der Klarsichtfolie können die Kunden beim Kauf den Anteil an namensgebenden Zutaten schon beim Kauf sehen, zum Beispiel die Steinpilze in der Minutenpolenta oder im Tomaten-Risotto von Antersdorfer. Insgesamt stehen bei dem etablierten Bio-Unternehmen neun herzhafte Sorten plus Milchreis zur Auswahl. Ergänzt werden sie durch eine Reihe von Pfannengerichten wie Djuvec Basmati- oder Masala Bulgur-Pfanne, die sich entweder als kleine eigenständige Mahlzeit oder als Beilage zu Fisch, Fleisch und Gemüse eignen.

Vergleichbar ist die umfangreiche Hübner-Bio-Line aus 22 verschiedenen Trockenfertiggerichten im Beutel. Couscous Ali Baba, Taboulé, Bulgur mit Gemüse und anderes stehen einmal mehr Pate dafür, wie sich durch Variation der Getreidegrundlage, Gemüse, Pilzen und nicht zuletzt dem großen Reichtum an Gewürzen immer wieder für appetitliche Abwechslung sorgen lässt. Eine Spezialität sind hier auch die fertig komponierten Linsengerichte, etwa Linsen mit Gemüse und einer feinen Note von Curry und Kokos.

Neben dem Vorteil einer großen Auswahl weiß Hübner um den förderlichen Einfluss von POS-Aktionen. Aktuell lädt das junge Unternehmen daher mit Sparsets aus jeweils drei Produkten und einem passenden Bio-Öl zum Kennenlernen ein.

Haltbare Bio-Fertiggerichte in Konserven oder Gläsern sind etwas seltener zu finden. Nennen lassen sich hier exemplarisch die Produkte von Zimmermann Bio, Ökoland, Bruno Fischer sowie von Danival aus Frankreich. Gerade im klassischen Einzelhandel sind Konserven für viele Verbraucher immer noch die gelernte Verpackungsart.

Die Fleischwerke Zimmermann legen dabei viel Wert auf die Qualität der Bio-Zutaten und dazu auf die produktschonende Herstellung. Diese konsequente Philosophie kommt auch bei den klassischen Eintopfgerichten positiv zum Tragen.

Glas ist dagegen vor allem für viele Bio-Kenner nach wie vor das bevorzugte Verpackungsmaterial. So hat denn auch Danival Gläser für das stetig gewachsene Sortiment von Gemüse-Couscous über Chili con Seitan bis zum herzhaften Cassoulet-Eintopf gewählt. Das französische Fachhandels-Unternehmen ergänzt sein Sortiment jetzt noch mit drei attraktiven Linsengerichten mit Linsen aus der Gascogne.

Mit Frische-Bonus

Bis auf Pizzen ist die Sortimentsbreite bei tiefgefrorenen Bio-Fertiggerichten noch ausbaufähig. Zumal die Nachfrage steigt - nicht zuletzt im GV-Bereich. Zu den Unternehmen, die sich in dem Bereich schon länger stark engagieren, zählt Ökoland. Erst kürzlich wurde deren Fachhandelssortiment aus Ravioli, Bratwürstchen und mehr wieder ergänzt, diesmal um den deutschen Klassiker Hühnerfrikassee.

Dafür gestaltetet sich das Angebot an kühlpflichtigen Bio-Fertiggerichten mittlerweile äußerst abwechslungsreich, besonders wenn man gefüllte Teigwaren dazuzählt (siehe Marktübersicht Nudeln). Hier sind die Kurhessischen Fleischfabriken kff aktiv dabei. Mit typischen Produkten der deutschen Küche unter der  Linie ‚köstlich - fertig - frisch‘ werden sie gleichzeitig ihrem Firmennamen gerecht, denn bei einigen dieser Gerichte spielt Fleisch die Hauptrolle.

Die abwechslungsreiche Auswahl umfasst neben Sahne-Kartoffelgratin nach Rhöner Art und anderen vegetarischen Produkten auch Gerichte wie Hähnchenbrust auf Ratatouillegemüse, Kasselerbraten mit Sauerkraut oder Kalbsrücken mit Sahnesauce und Spätzle. Als Verpackung hat kff die typischen Mehrkomponentenschalen (Menüschalen) gewählt, wobei das Abpacken unter Schutzgas die erwartete Hygiene und Haltbarkeit sichert.

Als moderne Alternative bieten sich frische Pizzen aus der Kühltheke an. Auf der BioFach wurden sie von Bio par Coeur aus Frankreich, La Spigo Bio aus Italien und von Market Endeavour aus den Niederlanden dem internationalen Publikum vorgestellt. Die Bio-Branche hat aber noch mehr Ideen parat.

Eine interessante Neuheit für den deutschen Bio-Markt stellen etwa die französischen Spezialitäten von Bio par Coeur dar: Tarte mit Spinat und Ziegenkäse, sowie mit Zwiebeln oder Frühlingsrollen mit Camarque-Reis dürften sicherlich für Aufmerksamkeit sorgen.

Vollwertige Snacks

Frühlingsrollen bilden die Brücke zu Convenience-Produkten beziehungsweise Fertig-Snacks. Neben den Franzosen bietet sie auch Soto, neuerdings in der Mini-Version mit Thai-Nudeln. Die Rollen sind vegan und kommen damit der wachsenden Nachfrage nach einem kompletten Verzicht auf tierische Zutaten entgegen. Pizza-Ecken Calzone mit Tomaten, zweierlei Käse und Oliven sollen die Verbraucher verführen. Als Renner unter den vegetarischen oder veganen Bio-Snacks gelten ansonsten die vielen verschiedenen Soja-, Tofu- und Seitan-Produkte.

Bio-Unternehmen wie Taifun und Topas versorgen den Markt hier regelmäßig mit zeitgemäßen Neuheiten. So präsentierten erstere würzig panierte vegane Tofuscheiben in origineller quadratischer Form, die sogenannten Tofrittos zum Braten. Topas wiederum zeigte mehrere Neuheiten auf Basis von Weizeneiweiß: Kleine, zarte Seitan-Medaillons in der Vakuumverpackung, eine Chorizo Bratwurst mit herzhaftem spanischen Charakter und drei Sorten bratfertigen Vegankebab (Döner,Curry und Gyros) in modernen flachen Faltschachteln.

Erwähnen sollte man schließlich noch, dass es längst auch traditionelle deutsche Alternativen gibt und zwar fertige frische Frikadellen. Die Fleischwerke Zimmermann sind hier mit Mini-Frikadellen in der 5er-Packung dabei. Von Heirler-Cenovis kommt das fleischlose Pendant, in der Produktbezeichnung durch den Zusatz „wie…“ kenntlich gemacht. Die gewürzten Hackbällchen aus Weizen- und Sojaeiweiß im Vorratspack reihen sich in ein stetig wachsendes kühlpflichtiges Sortiment ein, vom vegetarischen Schnitzel bis zu Cordon Bleu. Außerdem sind sie zusammen mit Gemüseburger und Hamburger Teil eines kompletten Grilltellers.

Für sich allein stellen diese Produkte in der Regel keine vollständige, sättigende Mahl­zeit dar. Meist wird zumindest ein frischer Salat oder Brot dazu gegessen. Die passenden Bei- oder Unterlage in Bio zu finden, ist unproblematisch. Schließlich gibt es Semmelknödeltaler von kff oder Bruno Fischer, Wraps von Market Endeavour, Ready-to-eat Pappadam-Brotfladen von 24 Letter Mantra und manches andere mehr.

Bettina Pabel


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