Start / Ausgaben / BioPress 71 - Mai 2012 / Beste Rohstoffe & attraktive Kreationen bei Bio-Eis

Eis

Beste Rohstoffe & attraktive Kreationen bei Bio-Eis

In den warmen Monaten erlebt Eis seine Hochzeit. Doch beweist gerade der Absatz an Haushaltspackungen, dass es eigentlich das ganze Jahr über Saison hat. Kaufleute, die ihren Kunden dabei auch Bio-Speiseeis anbieten, zeigen auf diesem Weg Kompetenz in der Truhe.

Sieben bis acht Liter Eis schleckt jeder Deutsche pro Jahr, wobei der Anteil an Bio-Produkten noch gering ist. Im Zuge des steigenden Qualitätsbewusstseins auch im Süßwarenbereich könnte sich das aber durchaus ändern.

Dazu kommt, dass das Angebot an Bio-Speiseeis für den qualitätsorientierten Handel und den Außerhaus-Verzehr kontinuierlich wächst. „Der Abverkauf von Bio-Eis ist mit dem des Trockensortiments nicht vergleichbar. Trotzdem haben wir es als Sortimentsabrundung mit aufgenommen“, sagt Einkäufer Mark Pickert von den Edeka Märkten Georg in Idstein und ergänzt: „Wer A sagt, sollte auch B sagen und auch nicht so starke Warengruppen mit ins Sortiment aufnehmen.“

Getreidekaffee? Amarena-Swirl? Holunderblüte und Quitte? Matcha-Eis? Oder lieber das klassische Trio aus Schoko, Vanille und Erdbeer? Die Auswahl an fruchtigen Bio-Sorbets und cremigen Sahneeis-Kreationen ist beeindruckend groß. Zugleich überzeugt sie durch authentischen Geschmack, was auch für die vielen milchfreien Varianten gilt.

Daher eignen sich die hochwertigen Bio-Eissorten ebenso als Genuss für zwischendurch wie als krönendes Dessert. Interessant ist hier eine Idee von Is fra Skarø aus Dänemark, Milchspeiseeis und Sorbets in besonders geformte kleine Cups zu füllen, die der Verbraucher zu Hause gut stürzen und als Nachspeise servieren kann.

Ebenso wie Is fra Skarø haben die meisten Anbieter inzwischen diverse Kundengruppen im Blick. Insofern führen sie für den Einzelhandel, Supermärkte oder Lieferservice 400- oder 500-Milliliter-Haushaltspackungen so­wie Multipackungen und für den spontanen Kauf in Eiscafés, Bistros oder Kinos Portionsbecher oder Stiel-Eis. Häufig erweitert eine Auswahl in stabilen zwei bis fünf Liter-Boxen für Restaurants, Kantinen und ähnliche Großabnehmer das Lieferprogramm. Um die Produkte dann auch aufmerksamkeitsstark zu präsentieren, sind als extra Service teilweise sogar separate Eisschränke und Point-of-sale-Zubehör erhältlich.

Gefrorene Köstlichkeiten

In Zeiten hoher Rohstoffpreise für Milch, Kakao und Zucker, bietet es sich an, durch besondere Qualität oder Zutaten Mehrwerte zu schaffen und so den Absatz zu steigern. Hinsichtlich Güte der Rohstoffe und die Sauberkeit der Rezepturen spricht alles klar für Bio. Milch, Sahne und Eier stammen von artgerecht gehaltenen sowie nicht mit Gen-Soja gefütterten Tieren und kommen bevorzugt aus der Region. Da die Hersteller auch bei Geschmackszutaten wie Früchten, Nüssen oder Gewürzen nicht mit der Menge geizen, erübrigen sich Aromastoffe ganz von selbst.

Mit handwerklichem Können und entsprechendem Wissen gelingt es den Bio-Eisherstellern, ohne funktionelle Zuckerstoffe oder billiges Palm- oder Kokosfett gleichmäßig schmelzendes Eis zu produzieren. Gerade die echten Eismanufakturen zeichnen sich außerdem durch die frische Herstellung aus. Als Süßungsmittel dient im Bio-Bereich überwiegend (Roh)-Rohrzucker oder Agavendicksaft.

Eine interessante Idee hatte  die Bioland-Imkerei Familie Kreß mit Eis aus sahniger Schafmilch und heimischen Früchten, das sie mit unterschiedlichen Honigsorten abrunden. Is fra Skarø arbeitet dagegen mit Algenzucker, Birnen- oder Birkensaft, wobei letzterer zusätzlich den Eigengeschmack der verwendeten Früchte verstärkt.

Novescor will bei den klassischen und innovativen Rezepturen für die Bio-Marke Melicena traditionelle Handwerkskunst mit moderner Herstellung verbinden. Im­mer wieder würden Medienberichte über Schummeleien und reichlich Luftaufschlag im Speiseeis-Sektor die Verbraucher wachrütteln - zumindest kurzzeitig. An erster Stelle stehe hier aber ganz klar der Geschmack, heißt es bei Novescor. Daher wolle man das Sortiment in Partnerschaft mit den Kunden und damit auch den Endverbrauchern kontinuierlich weiterentwickeln und „nicht nur da sein“.

Wie generell in der Eisbranche, zeige die Verkaufsstatistik, dass Klassiker à la Vanille oder Haselnuss nach wie vor besonders gut laufen. Trendige Sorten wie Jogurt, Latte Macchiato oder Aprikosensorbet würden dem aber kaum nachstehen. Dazu passt das neue farbstarke Design der Melicena-Becher, die die Besucher der BioFach bereits in natura erleben konnten.

Für den Herbst plant Novescor außerdem einen Gesamt-Relaunch der Marke. Immerhin peilen sie einen Umsatz von einer Million Euro an, wozu auch das wachsende Interesse von Ländern wie Polen oder Holland an deutschem Qualitäts-Bio-Eis beitragen soll. Events und Promotion-Aktionen sollen zur Bekanntheit der Marke beitragen.

Auch Australien will mit stilvollen schwarzen Bechern jetzt in Deutschland auf ihr ungewöhnliches Premium-Eis aufmerksam machen. Das Niederländische Unternehmen teilt das Sortiment dabei in drei Grup­pen ein. Da gibt es einmal Superfruit Sorbets mit einer Fruchtmischung, die jeweils eine Superfrucht enthält und einmal Frozen-Yoghurt Mischungen mit Sorbets. Nummer drei sind gestrudelte Sahneeisvariationen mit originellen Extras, zum Beispiel Vanille mit crunchy Macadamia und Karamelsauce.

Dänisches Eis hat unter Eis-Fans einen sehr guten Ruf, der dem von italienischem Eis schon recht nahe kommt. Auch mehrere attraktive Bio-Angebote stehen bereit. Unter anderem lässt sich hier Skee Is nennen, die bereits in deutschen Handelsketten gelistet sind und stets frisch auf Auftrag produzieren. Bei ihren zahlreichen Sorten von Himbeer-Sahneeis bis zu Holunderblüte legen sie Wert auf beste Rohstoffqualität.

Milch und Jerseysahne beziehen sie von der bekannten Thise Mejeri. Andere Zutaten wie Madagaskar-Vanille oder Nicaragua-Kaffee kommen aus Fairem Handel. Abgerundet wird das Angebot durch laktosefreies Eis auf Milch-Sahnebasis und vier Sorten Protein-Energie-Eis in leichten, stabilen Polystyrol-Bechern.

Hinter Peters Eis steht die Philosophie, dem Bio-Eis durch die Balance von Sahne, Rohrzucker und geringem Luftgehalt einen vollmundigen, harmonischen Geschmack zu verleihen. Zugleich wollte man auch etwas Innovatives schaffen.

Von daher sind die Eissorten mit dänischem Gebäck wie Haselnusswaffeln oder Heidelbeertorte und Belgischer Schokolade aus fairem Handel verrührt. Mit den Sorten Vanille und Schokolade finden sich seit diesem Jahr aber auch die beiden reinen Klassiker im Programm.

Hansens Flødeis rundet die nordische Auswahl ab. Neu im Sortiment sind bei ihnen Johannisbeere- und Schokolade-Karamell-Sahneeis aus Single-Estate-Produktion. Dafür bezieht Hansens die Milchprodukte von dem etablierten Bio-Kollektiv Svanholm, verarbeitet sie in der eigenen Molkerei nach traditionellen Rezepturen und Herstellungsweisen und füllt sie in charakteristische pastellfarbene Becher oder als Stiel-Eis ab.

Nahrungsmittel-Allergiker im Blick

Dass der Verzicht auf Kuhmilch, Eier, Getreide und andere potenzielle Allergene nicht mit Verzicht auf Genuss einhergehen muss, wird bei Bio-Speiseeis besonders deutlich. So zeigten auf der BioFach wieder mehrere Unternehmen aus Italien alternativ Eis-Linien mit und ohne Kuhmilch. Gildo Rachelli, deren Eis in demeter-Qualität über Demeter Felderzeugnisse fast flächendeckend im deutschen Bio-Handel zu finden ist, kommt der Nachfrage zum Beispiel mit gluten-, ei- und laktosefreiem Eis in den Sorten Schokolade oder Vanille entgegen. Kaufleute mit einem demeter-Handelsvertrag können diese Variante problemlos beziehen.

Schwerpunkt bleiben aber nach wie vor die diversen Sorten Milcheis und Sorbets, die teilweise zusätzlich das Fairtrade-Siegel tragen. Rachelli gehört zu den Herstellern, die ihr Becher-Sortiment durch Stiel-Eis ergänzen, welches als Bio-Mini-Eis oder Sorbetti besonders Kinder ansprechen dürfte.

Ungewöhnlich ist die Milch-Alternative von La via Lattea, die ebenfalls schon lange auf dem Markt sind: Ihr Naturice Mandorlatte basiert auf der sehr bekömmlichen, wertvollen Mandelmilch. La via Lattea betont nicht nur einen überwiegend regionalen beziehungsweise fairen Bezug der Rohstoffe, sondern auch die schonende Verarbeitung. So würden etwa die Früchte nicht erhitzt, um Nährstoffe und Geschmack zu erhalten.

Neben Hörnchen sowie Portions- und Familienbechern stehen Supermärkten auch Ein-Liter-Boxen mit einem guten Preisleistungs-Verhältnis zur Verfügung. Schließlich sollten nicht nur Stammkunden von kleinen Bio-Fachhandelsgeschäften in den Genuss kommen.

Erwähnt werden sollte auch Naturattiva, ein Unternehmen der Valsoia Firmengruppe. Bei ihnen stehen Soja-, Reis- und Milcheis zur Auswahl, wobei die Sortenauswahl allerdings überschaubar ist.
Die Gelateria Ghisolfi schließlich, produziert die eigene Marke in insgesamt über 40 Mono- und Duo-Sorten. Dazu versorgt das Unternehmen auch noch den Eigenmarken-Sektor. Beide Schienen profitieren wiederum von einer flexiblen Auswahl an Milch- und Zuckerarten.

Bio-Eis weckt Ideen

Beim Gang über die BioFach fiel zum einen auf, dass neben Novescor noch weitere Anbieter das Design ihrer Verpackungen farbenfroh modernisiert haben. Zum anderen konnte man viele junge Unternehmen treffen, die mit kreativen Bio-Eisprodukten ihrer Überzeugung für Bio Ausdruck verleihen wollen. BizzIce aus Frankfurt startete 2009 mit der handwerklichen Eis-Herstellung, wobei sie komplett auf Fertigmischungen verzichten.

Heute umfasst das Sortiment schon über 30 Sorten im Becher, die an rund 80 Orten im Bio- und selbstständigen Einzelhandel sowie Gastro-Betrieben zu finden sind und verheißungsvolle Namen wie etwa Blue Velvet (Brombeer-Joghurteis) tragen. Aus der Quetschtüte kommt dagegen das auf der Messe neu vorgestellte Blutorange-Vanille-Sorbet mit frisch gepresstem Saft.

Die drei Firmengründer von Mammas und Pappas hatten mit „Glück am Stiel“ ihren ersten großen öffentlichen Auftritt. Bei den drei Fruchteis-Sorten, zum Beispiel Mango-Kokos-Traube, handelt es sich quasi um gefrorene, haltbare Smoothies ohne Zuckerzusatz. Die Verarbeitung findet als Kooperation mit den Hoffnungstaler Anstalten Lobetal in eigener Manufaktur statt.

Healthy Planet mit der Marke Das Eis war dieses Jahr nicht in Nürnberg vertreten, zählt aber ebenfalls zur Gruppe der jungen Kreativen. Das Unternehmen ist schon länger als BizzIce auf dem Markt und überrascht immer wieder mit pfiffigen neuen Sorten. Der Clou für diesen Sommer sind Frozen Flowers, das heißt echte Blüten im Eis, und reizvolle Sorten-Kombinationen. Dazu gehören unter anderem Japanische Kirschblüte auf Vanille, Jasminflower in grünem Tee sowie Schoko-Aronia oder Espresso Baobab.

Seinen intensiven aromatischen Geschmack verdankt das Eis hochwertigen, möglichst saisonalen und regionalen Zutaten.

Auch bei den Materialien werden hohe Ansprüche an den Ressourcenschutz gestellt. Für das Konzept, bio, glutenfrei, vegan, fairtrade und Solarstrom-Herstellung in einer Marke zu kombinieren, wurde Healthy Planet im März sogar mit dem Fairtrade Award geehrt. Geliefert wird bundesweit an den Außer-Haus-Markt und an Bio-Läden. Zwar habe man es nicht eilig, in den Einzelhandel zu kommen. Wer allerdings proaktiv auf sie zukomme, werde selbstverständlich gerne bedient, meint man bei Healthy Planet.

Der Appetit auf Eis kommt spontan

Indem sich Bio-Eis auch in Eisdielen oder Cafés langsam durchsetzt, werden das positive Image und die Bekanntheit weiter gestärkt. Hier trifft man unter anderem auf Vision EiZ. Der Anbieter, die Eis Zauberei, verfolgt dabei die Idee, mit natürlichen Zutaten von Früchten, Nüssen, Gewürzen bis hin zu Matcha-Tee und einer Eisbasismischung auf Milch- oder Reismilchbasis 1001 Sorten Eis kreieren zu können.

Dank einer speziellen Technik tritt beim Wechsel der Geschmacksrichtungen keine Vermischung ein. Die Eis Zauberei stellt ihren Partnern auch eine kleine Eisbar inklusive Eismaschine zur Verfügung. Die Zutaten sollten dagegen bevorzugt regional und saisonal bezogen werden, sind auf Wunsch aber ebenfalls Teil des Lieferprogramms.

Noch neu auf dem Markt, erregte fresh five premium food aus Heilbronn mit ihrem samtigweichen Frozen-Yogurt auf der BioFach reichlich Aufmerksamkeit. Der Mix, für den fresh five den Alleinvertrieb inne hat, wurde gemeinsam mit Deutschlands größter Demeter-Molkerei Schrozberg entwickelt. Zur Wahl stehen derzeit die erfrischenden Softeissorten Natur und Holunder, die mit nur 1,5 Prozent Fett auch dem Trend einer gesunden, leichten Ernährung optimal entgegen kommen.

Der Mix ist frei von jeglichen kennzeichnungspflichtigen Zusatzstoffen, kann mit beliebigen Toppings variiert werden und ist in allen gängigen Maschinen einsetzbar. Wer Frozen-Yogurt vielleicht erst einmal für eine Saison testen wolle, könne auch eine Eismaschine gestellt bekommen, versichert das Unternehmen.

Mec3 geht sogar noch eine Stufe weiter und bietet ihr DolceBio Konzept als Franchise-System an. Das italienische Unternehmen stellt nicht nur verschiedene Basismischungen zur Verfügung, sondern auch die hochwertige Ladeneinrichtung inklusive der Maschinen. Die Geschmackszutaten können gleichfalls bezogen werden, was bei der weltweiten Herkunft – seien es Pistazien aus Italien oder Kokosnussmark aus Sri Lanka- durchaus praktisch ist.

Convenience für den Hausgebrauch darf mittlerweile nicht mehr fehlen. Eisblümerl bietet in diesem Segment zwei Sorten Eispulver im Paket an, das auch für Menschen mit Fruktoseinoleranz oder Zöliakie geeignet ist. Dazu kommen die Eis-Duett-Mischungen für Frucht-, Pistazien- und Vanille-Schoko-Eis, die auf Sonnenblumenkernmus basieren.

Den Geschmack bestimmt der Kunde bei der einfachen Herstellung durch Zugabe von Frucht oder Saft selbst. Das entsprechende, neue Eispulver in den drei klassischen Geschmacksrichtungen von Bio vegan wird dagegen im Portionsbeutel angeboten, ist aber ebenfalls für Vegetarier und Allergiker gut verträglich.

Bettina Pabel

 

 


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