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Bio-Fisch auf den Tisch

Nachhaltig und gesund aus Teich und Meer

Ein- bis zweimal pro Woche Fisch auf den Tisch, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Der Hunger auf die Meerestiere steigt bei gleichzeitig überfischten Beständen. Deshalb ist nachhaltige Fischerei geboten, wie sie der MSC zertifiziert. Die Aquakultur als Gegenstück zur Landwirtschaft ist eine zweite Möglichkeit, die Fische vor dem Aussterben zu bewahren. Konventionelle Fischzucht zerstört die Umwelt ebenso wie die konventionelle Landwirtschaft. Hohe Besatzdichten erfordern Medikamenten-Einsatz, damit sich Krankheiten nicht ausbreiten. Die Käfige werden mit Chemikalien gereinigt, die das Meer verschmutzen. Ausweg ist die biologische Aquakultur.


 


Deutsche See demonstriert Bio-Kompetenz.
Pionier und größter Zertifizierer in Deutschland ist Naturland. Doch auch Bio-Aquakultur ist umstritten. Demeter arbeitet bei seinem Wild ocean Programm nur mit Wildfang, der mit Bio-Zutaten zu Tiefkühlprodukten verarbeitet wird. Der Biokreis in Niederbayern lehnt Meeresaquakultur ab und befürwortet die Teichwirtschaft. Bioland hat lediglich Richtlinien für Teichwirtschaft entwickelt, aber nicht für Meeresfische.

Die Mengen aus dem Fischfang können kaum noch gesteigert werden, da die Meere zum Teil schon überfischt sind. Die Teichwirtschaft kann den Bedarf ebenfalls nicht decken. Die Aquakultur im Meer ist dagegen noch ausbaufähig. Die konventionelle Aquakultur mit hohen, nicht artgerechten Besatzdichten zählt zur Massentierhaltung. Vorbeugende Medikamentation ist notwendig. Die Käfige werden mit Chemikalien gereinigt, die das Wasser verschmutzen. Die bessere Variante ist die ökologische Fischzucht nach den Richtlinien der EU oder der Bio-Verbände.

Artgerechte Fischzucht

Erst seit 2009 ist Fisch in der EU-Ökoverordnung verankert. Vorher gab es nur Verbandsrichtlinien. Naturland, größter deutscher Fisch-Zertifizierer, begann Mitte der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts. Die junge Bio-Aquakultur ist noch nicht im Bewusstsein der Verbraucher angekommen.

Für die meisten Konsumenten ist Fisch gleich Fisch. Die Meerstiere gelten als natürliche und gesunde Kost. Den Unterschied zwischen Wildfang und Zuchtfisch nimmt der Verbraucher kaum wahr. Dabei hat der Zuchtlachs mit dem Wildlachs soviel zu tun wie das Hausschwein mit dem Wildschwein. „Die für die Aquakultur wichtigen Fischarten sind seit vielen Generationen domestiziert und damit keine Wildtiere mehr“, erklärt Naturland.

In der Ökologischen Aquakultur gilt das Prinzip der artgerechten Tierhaltung durch niedrige Besatzdichten. Der Lachs wird vor Erreichen der Geschlechtsreife abgefischt, also bevor der Wandertrieb einsetzt.

Beim Futter gilt das Prinzip der Nachhaltigkeit. Der tierische Anteil für die Raubfische stammt bei Naturland-Betrieben aus der Speisefischverarbeitung, also von Fischen, die ohnehin für den menschlichen Verzehr gefangen wurden. Futter-Fischfang ist nicht zugelassen.

Der Bio-Fisch hat bis zu den Tellern im Binnenland einen weiten Weg, ist aber kein Flugfisch, sondern kommt per Schiff. Hier gilt das gleiche wie bei pflanzlichen Bio-Produkten. Banane, Kaffee, Tee, Kakao muss weit reisen zum deutschen Verbraucher. „Der Kunde entscheidet, ob er Öko-Lachs oder -Dorade kaufen möchte.


Das Lachs-Land Norwegen liefert Bio-TK-Fisch portioniert.
Der Verbraucher kann mit dieser Wahl dazu beitragen, die Produktionsweise im Herkunftsland positiv zu beeinflussen und Erzeugern eine Zukunftsperspektive im Bio-Bereich bieten“, erklärt Naturland-Sprecher Carsten Veller. Der schlafende Riese Konsument kann hier mit bewusstem Einkauf Politik machen.

Der größte Teil des Bio-Fisches auf dem deutschen Markt wird nach Naturland-Richtlinien erzeugt. Aus dem Süßwasser kommen Forelle, Karpfen, Saibling, Tilapia und Pangasius; aus Meereskultur Dorade, Wolfsbarsch, Lachs und Shrimps. Außerdem läuft bei Naturland ein Projekt für nachhaltige Fischerei von Nilbarsch in Afrika. Die Auswahl ist inzwischen groß.

Die klare Nummer eins im Volumen ist der Lachs. Am häufigsten wird Bio-Lachs geräuchert und geschnitten in SB angeboten. Bio-Räucherlachs ist vom Discount bis zum Naturkostfachhandel in allen Vertriebsschienen vertreten. Mit drei Euro pro 100 Gramm markiert der Discounter Netto mit BioBio den Preiseinstieg. Beim Vollsortimenter muss der Kunde einen Euro mehr dafür aus dem Gelbbeutel holen.

Lachsspezialist Laschinger

Laschinger Seafood aus Bischofsmais in Bayern hat sich bei Bio auf Räucherlachs für die Vertriebskanäle LEH und Discount spezialisiert und verarbeitet Fisch von Naturland-Betrieben, wie das Unternehmen mitteilt.

Oft versteckt sich die Verbandsware hinter der Eigenmarke des Handels. Auch wo Naturland nicht drauf steht, kann Naturland drin sein. So gibt es im Fachhandel tiefgekühlte Bio-Shrimps von Ristic mit Naturland-Siegel. Bei Aldi gibt es das Bio-TK-Produkt von Ristic ohne Verbandssiegel.

An der Theke wird Bio-Fisch meist in Supermärkten verkauft, die von Deutsche See beliefert werden. Im Naturkostfachhandel ist Fisch in Bedienung die Ausnahme. Hier wird TK bevorzugt. „Bio-Fisch hat den Weg schneller in den konventionellen Handel geschafft als in den Naturkosthandel“, erklärt Category Manager Andreas Lippmann von Deutsche See.

Deutsche See mit größtem Bio-Sortiment

Marktführer Deutsche See verfügt über das größte Bio-Fisch-Sortiment. Damit reagiert die Fischmanufaktur aus Bremerhaven nicht nur auf die stetig steigende Nachfrage nach Bio-Produkten, vielmehr wird dieser Trend ganz bewusst gefördert. Denn obwohl sich der Verkauf von Bio-Produkten schon in den vergangenen Jahren sehr positiv entwickelt hat, bietet der Markt noch Steigerungspotenzial für die Zukunft.

Außerdem ist Deutsche See schlichtweg von der Qualität und der nachhaltig-ökologischen Produktion von Bio-Fisch, Bio-Meeresfrüchten und Bio-Feinkost überzeugt.

„Der Run auf Bio-Fisch wird sich mit Sicherheit fortsetzen. Die zunehmende Orientierung der Verbraucher hin zu Fisch aus ökologischer Aquakultur ist Ausdruck einer gesellschaftlich übergreifenden Bewusstseinsveränderung, die sich in den Ernährungsgewohnheiten niederschlägt“, betont Andreas Lippmann.

Bio-Karpfen aus der Oberlausitz

Der ideale Ökofisch ist der Süßwasserfisch Karpfen. Der Friedfisch kann sich fast komplett aus dem Teich ernähren. Zu einem Teil muss zugefüttert werden.

Oberlausitzer BioKarpfen ist eine gemeinschaftliche Vermarktungsinitiative dreier Teichwirtschaften in der Oberlausitz und der Biosphärenreservatsverwaltung Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft. Von der Haltung der Laichkarpfen bis zum fertigen Speisefisch liegt die Produktion in der Hand einer kleinen Gruppe von Teichwirten, die Mitglieder im ÖKO-Verband GÄA sind.

Der Karpfen wird regional und national vermarktet in den Vertriebskanälen Naturkosthandel und LEH. Bio-Karpfen wird regional lebend, ausgenommen und als Filet angeboten. National gibt es Bio-Karpfen-Filets in TK oder geräuchert. „Potenzial ist da, wenn der Handel Fahne zeigt und nur noch nachhaltigen Fisch von MSC oder Bio-Fisch anbietet“, erklärt Mario Uecker von Bio-Karpfen Oberlausitz.

Anton Großkinsky


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