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Gentechnik – warum muss und wie kann sich der Bio-Markt da raushalten?

ANUGA 2009 - Bio-Kompetenzzentrum

Mit der Frage nach der Einmischung in das Vordringen von Gentechnik in die Landwirtschaft und somit unser Essen befassten sich auf der Anuga Klaus Freidler (Alb-Gold), Thomas Dosch (Bioland), Joseph Jacobi (Upländer Molkerei) und Erika Karner (Agrarmarkt Austria Marketing Österreich, AMA).

Die große Mehrheit der Verbraucher will keine Gentechnik in Lebensmitteln. Schließlich sind weder die Unsicherheiten bezüglich der Auswirkungen von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) geklärt noch haben sich versprochene Vorteile bestätigt. Die Diskussionsrunde machte klar, dass das Hauptproblem mittlerweile daher eher bei den Futtermitteln liege.
Neben Soja als wichtigen Eiweißlieferanten betrifft das die zugesetzten Mineralstoffe und Vitamine, sagte Joseph Jacobi. Im Bio-Landbau sei Gentechnik auf allen Stufen der Produktion tabu. Um den Ansprüchen der Wirtschaft zu entsprechen, müssten aber auch Bio-Bauern teilweise zufüttern. Erst ihrer beharrlichen Nachfrage sei es zu verdanken, dass es mittlerweile überhaupt ‚saubere’ Futtermittel gibt. Thomas Dosch sagte: „Es gibt zwar das Versprechen einer Wahlfreiheit. Doch in der Realität ist das von allen Betroffenen schwierig zu leben.“

Während die Verbraucher bei konventionellen Produkten wie Eiern, Milch oder Wurst nichts über die Futterqualität erführen, müssten Bio-Landwirte ihre Erzeugnisse auf eigene Kosten vor GVO-Verunreinigungen schützen. So bestehe etwa die Gefahr, dass verunreinigtes Saatgut eingeschleppt wird oder dass Insekten veränderte Pollen übertragen. Raps kreuzt sogar direkt auf Wildpflanzen aus. Der Bioland-Präsident verwies außerdem auf die lange Überlebenszeit von Saatgut. Noch nach zehn Jahren seien zum Beispiel GV-Rapssamen im Boden aktiv.

Bioland-Bauern setzen statt Eiweißfutter aus dem Ausland heimische Ware ein, was die Gefahr einer Kontamination verringere. Als Alternative sprach er sich für den ganzheitlichen Ansatz der ökologischen Landwirtschaft aus. Dazu zählten zum Beispiel der Anbau von alten widerstandsfähigen Sorten oder resistente Pflanzen, die durch traditionelle Züchtung entstanden sind. Auch würden Bio-Bauern Unkräuter nicht sofort mit Herbiziden vernichten. Vielmehr nutzten sie diese als Zeigerpflanzen für den Gesundheitszustand des Bodens.

Im Folgenden stellten die Teilnehmer einige Privatinitiativen vor. Erika Karner berichtete aus Österreich. Die Ausgangssituation sei dort im Prinzip recht gut, da auch ein Großteil der konventionellen Anbieter gegen Gentechnik sei. Andererseits habe die Marketingorganisation AMA vor drei Jahren eine Aufklärungskampagne gegen Gentechnik abbrechen müssen, weil einflussreiche konventionelle Betriebe und Politiker protestierten.

In Deutschland gilt die Upländer Bauernmolkerei mit ihrer 2006 eingeführten erfolgreichen Fair-Bio-Milch als Vorreiter für eine Kennzeichnung gentechnikfreier Lebensmittel. Aktuellen Datums ist dagegen die Aktion ‚Spätzle für Saatgut’ von Alb-Gold. Der Nudelhersteller, der sich ebenfalls schon lange zu einer gentechnikfreien Produktion bekennt, unterstützt mit jeder verkauften Packung einen Fond. Dieser soll Forschungsprojekten zugute kommen, die sich um den Erhalt der natürlichen Saatgutvielfalt ohne Gentechnik kümmern.

Das im Sommer von Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner vorgestellte Siegel ‚ohne Gentechnik’ sei an sich nicht verkehrt, hieß es bei der folgenden offenen Diskussion. Der Erfolg wurde allerdings in Frage gestellt, da das Ministerium das Siegel in die Hände eines zu noch gründenden Wirtschaftsvereins legen wolle.

Statt mit Resignation endete die Runde mit dem Appell: Kurs halten! Gefordert sei eine Zusammenarbeit der Bio-Branche ebenso wie Kaufleute und Verbraucher, die durch ein kritisches Einkaufsverhalten ihre Macht über den Markt zeigen.

Bettina Pabel

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