Start / Ausgaben / BioPress 60 - August 2009 / Biofino konzentriert sich auf LEH

Biofino konzentriert sich auf LEH

Geschäftsführer Christoph Reents sucht auch Bio-Gelegenheitskäufer

Der Geflügelverarbeiter Biofino aus Emstek/Niedersachsen ist in den neun Jahren seines Bestehens zur Nummer eins in dem Segment aufgestiegen. Mit einem Marktanteil von mehr als 50 Prozent in Deutschland hat das Bio-Unternehmen die Konkurrenz überflügelt. Bio-Hähnchen- und -Puten werden vermarktet. Das abwechslungsreiche Sortiment bietet Frisch-Geflügel, Convenience und Brüh-Wurst. Mit dem zunehmenden Wunsch der Verbraucher nach hochwertigen und gesunden Bio-Produkten sind die Wachstumsraten groß, das Volumen noch eher klein. 0,5 Prozent beträgt der Bio-Anteil bei der Hähnchen-Erzeugung und ein Prozent bei der Putenerzeugung. Bei Eiern sind es rund acht Prozent.

Das Flächenland Niedersachsen ist eine Geflügelhochburg in Deutschland; das gilt auch für Bio. In Emstek im Kreis Cloppenburg ist Biofino zuhause. Bis 2007 firmierte das Unternehmen als GWE Bio Feinkost GmbH (Grünes Weser Ems) und hat den Marken-Namen dann zum Firmennamen erkoren. Das Werk in Emstek ist ein reiner Bio-Betrieb. Die 35 Mitarbeiter in Emstek zerlegen, veredeln, verpacken, kommissionieren und verwalten. Schlachtung, Convenience- und Wurstproduktion geschieht in Lohnverarbeitung bei benachbarten Betrieben.

Bio-Geflügel ist Qualitätsfleisch

Christoph Reents führt die Geschäfte seit 2007. Der Landwirt und Agrarökonom  war als Berater für die Lebensmittelindustrie tätig und ist seit Jahren in der Geflügelbranche zuhause. Reents war auf seinen bisherigen Stationen Geschäftsführer beim Geflügelverarbeiter Stolle in Gudensberg und Velisco Geflügel in Ahlhorn. Der Geschäftsführer kennt den Markt und pflegt selbst den Kontakt zum Handel. „Von Hause aus bin ich nicht Bio. Ich kenne aber die ganze Wertschöpfungskette vom Feld bis zum Handel“, erzählt Reents. Der Ökonom weiß auch um die Qualitätsunterschiede: „Bio-Geflügel ist von der Konsistenz, von der Wasserhaltung und vom Geschmack hochwertiger als konventionelles.“

Schwerpunktmäßig beliefert Biofino den LEH. „Da sehe ich die besseren Wachstumschancen als auf dem Fachmarkt. Das Wachstum wird sich fortsetzen, wenn auch nicht so dynamisch wie in den letzen beiden Jahren“, schätzt Reents den Markt ein.

Auch den Discount zählt das Unternehmen zu den potentiellen Abnehmern. Natürlich muss die Rechnung stimmen. Die Forderung heißt: die ganzen Vögel müssen biologisch vermarktet werden. Setzt der  Discounter viele Edelteile ab, fällt viel Verarbeitungsfleisch an. Neben den Edelteilen müsste er auch die andren Teilstücke oder alternative biologische Geflügel-Wurst oder Convenience-Artikel abnehmen. Die Alternative sind halbe oder ganze Hähnchen. Als ganze Vögel werden aktuell nur circa fünf Prozent  vermarktet. 95 Prozent der Schlachtkörper werden zerlegt abgesetzt.

Die großen nationalen Ketten vertreiben Bio-Geflügel.  Aktuell geschieht das unter ihren Bio-Eigenmarken. Oft verbirgt sich dahinter Biofino. Bei einer weiteren Differenzierung des Marktes wird die Hersteller-Marke in Zukunft eine größere Rolle spielen.

Biofino kann dann mit Naturland-Zeichen punkten und damit zusätzliche Qualitätskriterien sichtbar machen. Die Herstellung nach Naturland-Richtlinien erfordert in der Landwirtschaft eine Gesamtbetriebsumstellung, während nach den gesetzlichen Bestimmungen eine Teilumstellung möglich ist. Zusätzlich müssen reduzierte Transportzeiten und -strecken eingehalten werden. Die EU-Verordnung schreibt keine Begrenzung vor.

Synergien in der Logistik

In der Logistik profitiert Biofino von Synergien mit dem Schwesterunternehmen Agrimeat. Durch die Zusammenarbeit wird der Transport kostengünstig erledigt. Der halbbeladene LKW ist weder ökonomisch noch ökologisch sinnvoll.
Gefragt und beliebt beim Verbraucher sind die Edelteile. 25 Prozent beim Hähnchen und 30 Prozent bei der Pute gelten als Edelteile. Das Verarbeitungsfleisch kann an Lebensmittelhersteller verkauft
werden. Biofino hat  zum Beispiel Produzenten für Kinder-Nahrung als Abnehmer.

Das Verarbeitungsfleisch selbst zu veredeln, um die eigene Wertschöpfungskette zu verlängern, ist die optimale Variante. Genau das tut Biofino mit der Brühwurst und Convenience. Wenn das Verarbeitungsfleisch konventionell abgesetzt werden muss, geht die Rechnung nicht mehr auf.

Marktführer bei Bio-Geflügel

Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als Marktführer. Im LEH bietet der konventionelle Geflügel-Riese Wiesenhof noch Bio-Geflügel an. In Süddeutschland sind Huber und Freiland Puten Fahrenzhausen auf dem Markt. Auf dem kleinen Markt gibt es noch relativ wenig Anbieter. Die Wachstumsraten sind dagegen  hoch. Die Geschäftsführung sieht weiteres Potenzial, auch wenn der Preisabstand zum konventionellen groß ist. Das ist erklä­­­­- rungsbedürftig.
Geringe Besatzdichten und vier Quadratmeter Auslauf für Hähnchen und zehn für Puten verteuern die Erzeugung. Der Bio-Futterpreis liegt weit über dem konventionellen Preis, und die Mastdauer ist fast zweimal so lang. Das verdoppelt die Futterkosten und halbiert den Durchlauf. Hat ein konventioneller zum zweiten Mal den Stall geräumt, macht es der Bio-Mäster zum erstenmal. So ist SB-Bio-Geflügelfleisch zwei- bis dreimal teurer als konventionelles. Bei rund 20 Euro liegt der Endverbraucher-Preis für ein Kilo Bio-Edelteilstücke.

„Unsere Zielgruppe ist nicht nur der intensive Bio-Käufer. Die Zahl der sporadischen und Gelegenheitskäufer ist gestiegen“,erklärt Rents. Hähnchen und Pute sind Ganzjahres-Produkte. Zu Weihnachten an Feiertagen und in der Grillsaison gibt es Verbrauchs-Spitzen. Der „Grill-Ausschlag“ nach oben ist bei Bio nicht so groß wie im konventionellen Bereich.

Das Schlachtgeflügel stammt überwiegend von den Naturland-Bauern des Bio-Geflügel-Erzeugerverbund Wildeshauser Geest (BGE) mit derzeit circa 20 Standorten. Der Geschäftsführer des größten deutschen Bio-Eiervermarkters Wiesengold und Anteilseigner bei Biofino, Heinrich Tiemann,  ist der bekannteste der Landwirte. Vom  dynamischen Wachstum profitieren die eigenen Bauern, die expandieren. „Es kommen auch Anfragen von Bauern, die liefern wollen, und wir sind auch auf der Suche nach Bio-Erzeugern. Die Erzeugung soll in Norddeutschland bleiben.

Produktsicherheit hat Vorrang

Die Kost für das Geflügel wird von der Naturmühle Höltinghausen geliefert, in der ausschließlich Bio-Tiernahrung produziert wird. In der Mühle werden Bio-Weizen, -Gerste, -Triticale, -Roggen und -Mais einem Sicherheits-Check unterzogen, bevor sie angenommen und gereinigt werden. Dann wird das Bio-Getreide mit Eiweißkomponenten wie Bio-Erbsen, Bio-Bohnen, Bio-Lupinen oder Bio-Sojabohnen zu hochwertiger Bio-Geflügelnahrung gemischt.

Das Futter wird mit dem wissenschaftlich  entwickelten Agro-Isocode auf natürliche Weise markiert. Mit Hilfe der Isotopenanalyse lässt sich dann die Herkunft des Bio-Geflügels sicher überprüfen. Damit ist eine optimale Rückverfolgbarkeit gegeben. Produkktsicherheit genießt Priorität. 
In Erzeugung und Verarbeitung bleibt das Unternehmen regional, obwohl national distribuiert wird. Morgens zwischen vier und sechs werden die Schlachtkörper angeliefert. In Emstek wird zerlegt, veredelt, verpackt und kommissioniert. Am gleichen Tag wird noch ausgeliefert, was bestellt ist. Das kurze Verbrauchsdatum macht es nötig. 

Schutzatmosphäre in der Tiefzieh-Schale mit Oberfolie ist derzeitiger Stand der Verpackungstechnik. Selbstbedienung ist die häufigste Angebotsform. 15 Prozent gehen über die Bedienungstheke zum Verbraucher.

Das Sortiment umfasst SB-Teilstücke, Brühwurst und Convenience. Die gefragtesten Teile sind Hähnchenbrust und Putenschnitzel. Die Puten-Oberkeule mit Knochen ist schon nicht mehr so begehrt. Hackbällchen, Frikadellen, Nuggets und mariniertes Geflügelfleisch für die Grill-Party werden angeboten. „Der Convenience-Gedanke dominiert. Kleine Verpackungseinheiten ohne Knochen verlangt der Kunde. Die hochwertigen  Artikel entwickeln sich am besten“, erläutert Reents. Besonders die Bio-Hähnchenteile werden immer beliebter. An neuen Produkten wird gearbeitet. Bio-Geflügel-Wiener und ein attraktives Herbst-Winter-Sortiment könnten auf der Anuga unter den Neuheiten sein. An einem  TK-Sortiment wird ebenfalls entwickelt.  „Bio-Geflügel ist fettarm, leicht und gesund. Die Vorteile sind klar“, weiß der Agrarökonom.

Anton Großkinsky


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