Start / Ausgaben / BioPress 58 - Februar 2009 / Bio trotzt der Rezession

Bio trotzt der Rezession

93. Markant Handels-Forum in Karlsruhe

In Zeiten von Rezession seien Werte wie Kundennähe, Verlässlichkeit und Persönlichkeit wieder gefragt, so der Tenor auf dem jüngsten Handels-Forum Food bei dem die Gesundheit im Mittelpunkt stand. Darüber hinaus gebe es Wachstumsmärkte. Mit Spannung blickt die Branche dabei auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs, welches das bestehende Fremd- und Mehrheitsbesitzverbot im Apothekenmarkt aufheben soll.
Auf dem Handels-Forum Food lieferten Experten aus der Gesundheits- und OTC-Welt Orientierungshilfen. Wenn der Vertrieb von Gesundheitsprodukten  neu geordnet wird, könnten der Lebensmittelhandel und die Drogeriemärkte die Gewinner sein.
Bio-Lebensmittel sind ein weiterer aktueller Wachstumsmarkt.
Die bioVLog präsentierte auf dem Markant Handels-Forum eine Vielfalt an Bio-Marken. Zabler rückte Paradiso Bio in den Vordergrund (u.l.). Cosa-Naturprodukte stellte ihr Bio-Sortiment für den LEH vor. (u.r.)

In der Ausstellung mit dem Schwerpunkt Gesundheit haben auch Bio-Produkte wieder Akzente gesetzt. Fruchtsafthersteller Albi präsentierte sein Bio-Sortiment, das am 1. Dezember 2008 eingeführt wurde. „Wir sind nicht die ersten, die Bio-Fruchtsaft anbieten. Unser Anspruch ist es, dem Handel ein Vollsortiment zu liefern. Was der Markt verlangt,  das produzieren wir“, erklärte Markus Ullrich. Der Umsatz mit den reinen Fruchtsäften ist leicht rückläufig. Dennoch haben die Safthersteller keine Durstrecke, denn andere Segmente legen zu. „Nektare und Bio-Säfte gewinnen“, weiß Ullrich.

Vöslauer Biolimo aus Österreich ist mit den drei Sorten Zitrone, Himbeere und Orange in den deutschen Markt eingetreten. Für die Gastronomie gibt es die 0,33 Liter Glasflasche  und für den Handel die 0,1 und 0,5 Liter PET-Flasche. Das Geschmacksprofil unterscheidet sich von herkömmlichen Limos durch weniger Süße, die von Bio- Zucker kommt.


Darbovena röstet fair

Die Gepa war mit ihrem biologisch fairen Sortiment vertreten. Sie hat eine starke Präsenz bei den Markant-Partnern. Kaffeeröster Darboven aus Hamburg hatte den Bio und Fairtrade Kaffee dabei. Die Rösterei äußerte sich zufrieden mit dem Absatz. In Deutschland sei man flächendeckend vertreten. Nudel-Hersteller Zabler aus Bruchsal hatte seiner Pardiso Bio Linie einen großen Aufbau gewidmet. „Wir sind auf allen Großflächen mit Bio vertreten“, war vom Vertrieb zu hören. Das Sortiment wurde um einen Artikel erweitert. Die neuen Tagliolini passen hervorragend zu Fisch.

Die bioVLog aus Fulda präsentierte ihre breite Produktpalette, die allen Vertriebskanälen offen steht. Nahezu 600 hochwertige Bio-Artikel von rund 30 Herstellern  sind aktuell im Sortiment, das ständig erweitert wird. Das reicht von Süßwaren der Marke BioPrimissimo, über Saphir Gewürze und Tütensuppen bis zu Wein des Bio-Großhändlers Naturian und Öko-Wasch-, Reinigungs- und Putzmittel.      

Im Fachgespräch Supermarkt zeigte Christoph Soika den Managern im Handel die Chancen des Bio-Sortiments auf. Mit Dennree und Alnatura sind inzwischen zwei Bio-Handelshäuser unter den Top 50 angekommen. Die Frage des Referenten nach einer Definition von Bio-Produkten konnten die Manager nicht eindeutig beantwortet. Der Handel ist also noch nicht komplett von Bio-Gedanken infiziert und überzeugt. Es fehlt deutlich an den Grundlagen für das Verständnis von der nachhaltigen Sichtweise vieler Verbaucher. Die scheinen weiter zu  sein mit den Ansprüchen als das Management mit ihren Angeboten.

Natürlich warf die Finanzkrise einen Schatten. Wie wird es den hochpreisigen Bio-Produkten ergehen? „Die Kunden achten auch bei Bio auf den Preis“, ist sich Soika sicher. Bei den oft noch vorhandenen überzogenen Spannen ist viel Luft drin. Wer auch bei Bio mit gesunder Kalkulation ans Rechnen geht, dürfte den sich auch in der Krise weiter abzeichenenden Hype für sich nutzen können.

Bio-Lebensmittel sollten im Preis  wie die konventionelle A-Marke positioniert werden, empfahl Soika. Außerdem sind die Bio-Sortimente noch nicht stimmig aufgebaut: „Einige Warengruppen sind mit Dubletten überbelegt andere wie Süßwaren kaum besetzt.“

Bio raus aus der Verpackung

Die Präsentation lässt nach seinen Beobachtungen oft zu wünschen übrig: „Zu viel verpacktes Bio O+G wird angeboten. Die Bio-Früchte müssen lose daher kommen, um mehr Drehzahl zu erzeugen. Auch die Beratung überfordert so manchen Supermarkt. „Einfache Fragen können vom Personal oft nicht beantwortet werden“, spricht Soika aus der täglichen Praxis. Bio wird nach seiner Auffassung auch zu wenig verkostet im Vergleich zu herkömmlichen Produkten. „Vernünftige Konzepte, vernünftige Sortimente und vernünftige Preise“ forderte der Bio-Fachmann.   

Werden die Hausaufgaben gemacht, steht einem nachhaltigen Wachstum nichts im Weg. Er sieht mittelfristig ein Bio-Potenzial von 7,5 Milliarden im deutschen Handel und keine Bio-Krise: „Lebensmittel müssen täglich gekauft werden“. Anschaffungen können dagegen auf bessere Zeiten verschoben werden. Der Lebensmittelmarkt unterliegt allerdings einem Wandel: immer stärker wird nach dem Gesundheitsaspekt gefragt. Traditionell suchte der Kunde dazu das Reformhaus auf. Inzwischen kriselt es in diesem Vertriebskanal „Das Format Reformhaus ist konzeptionell überholt. Die Funktion in der Ernährungsberatung könnte in Zukunft der gut aufgestellte LEH übernehmen“, meint Soika.

In weiteren Vorträgen wurden Fakten zu Herz- und Kreislauferkrankung und zum Thema Zöliakie geliefert. Hier bieten sich Profilierungschancen für Drogerie- und Lebensmittelhändler, wenn sie sich die Kompetenz erarbeiten. Die Bio-Hersteller sind mit glutenfreien Produkten und Sortimenten für Allergiker gut aufgestellt und für die Zukunft gerüstet.

Anton Großkinsky

 


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