Start / Ausgaben / BioPress 58 - Februar 2009 / Biologisch-regionaler Erlebniseinkauf

Biologisch-regionaler Erlebniseinkauf

BESH schafft Wolpertshausen einen attraktiven Markt auf dem Land

Der Regionalmarkt Hohenlohe ist mehr als eine ­Verkaufsstelle für regionale Lebens­mittel. Durch Bio-Produkte und ein klassisches Supermarkt-­Sortiment kann der tägliche Bedarf gedeckt werden. Dazu gibt es noch ein voluminöses Zusatz­paket mit Gastronomie, Reisebüro, Spielplatz, Kräutergarten und vieles mehr. Das wertet die Einkaufsstätte zu einem Erlebnis-Supermarkt auf. „Das ist eine Wallfahrtsstätte für Hohen­lohe und seine Spezialitäten”, meint Rudolf Bühler. Die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH) eröffnete im ­Oktober 2007 am Ortsrand von Wolpertshausen nahe der Autobahnauffahrt zur A6 den Regionalmarkt ­Hohenlohe. Die 980 Mitglieder der BESH erzeugen ­EU-registrier­tes Qualitätsfleisch vom Hällischen Schwein und das Boeuf de Hohenlohe, betreiben einen eigenen Schlachthof, eine von DLG-Medaillen prämierte Metzgerei und ­Gewürzprojekte in Indien, Serbien und Hohenlohe. Im Ecoland-Verband sind die Bio-­Betriebe der BESH zusammengefasst. Der Bio-­Anteil im BESH-Supermarkt liegt bei rund 20 Prozent.


Einen eigener Bio-Kräutergarten für den Biologie-Unterricht und die Versorgung der O + G-Abteilung hat der Markt der BESH vorzuweisen.

„Das Projekt Regionalmarkt Hohenlohe dient zum einen der Nahversorgung der ört­lichen Bevölkerung, und zum anderen dient der Regionalmarkt Hohenlohe als touristisches Tor in die Region und gleichzeitig als Wallfahrtsort zur Bäuerli­chen Erzeugergemeinschaft Schwä­bisch Hall mit ihrem neuen Flagship-Store, wo es alle Spe­zialitäten rund ums Hällische Landschwein und Boeuf de Hohenlohe konzentriert zu erwerben gibt“, erklärte BESH Vorsitzender Ru­dolf Bühler.


Das Wurst, Fleisch und Käse-Angebot des Regionalmarktes Hohenlohe überzeugt ebenso wie der Service.

Bio-affines Modelldorf Wolpertshausen

Das ländliche Marktzentrum mit 950 Quadratmeter  Fläche versorgt nicht nur die Ge­meinde Wolpertshausen mit ihren rund 2.000 Einwoh­nern. Durch die verkehrsgünstige Lage an der Autobahn reicht das Einzugsge­biet 20 Kilometer weit rund um Wolpertshausen. Die Ein­kaufs­­stätte lockt natürlich Kunden aus der fünfzehn Auto-Minu­ten entfernten Kreisstadt Schwäbisch Hall mit ihren 37.000 Einwohnern an. Rund 20.000 Artikel, davon 4.000 regionale Artikel und 3.000 Bio-Artikel stehen zur Aus­wahl. Die Edeka Südwest lie­fert das Grundsortiment, das von zahlreichen regionalen und Bio-Lieferanten ergänzt wird. „Damit sind wir ein leistungsfähiger Vollsortimenter“, erklärt Bühler. Als Öko-Mo­dell­dorf ,it 75 Prozent regenerativer Energie hat Wolperts hausen natürlich eine bio-affine Be­völkerung, die im Regionalmarkt mit seiner vierstelligen Zahl an Bio-Produkten gerne einkauft. Hohenlohe im Nordosten des Südweststaats ist eine länd­liche Gegend mit einer star­ken bäuerlichen Bio-Landwirt­schaft. Im Zentrum stehen Fleisch und Wurst der BESH, die auch im Regionalmarkt an einer langen Theke und in Selbstbedienung verkauft wer­­den. Dazu kommt die Käse­theke mit zahlreichen, regio­nalen und biologischen Sor­ten. Der Markt lohnt sich für Menschen, die der Fleischeslust nicht frönen, genauso. 60 Artikel an
frischem Obst und Gemüse weisen deutlich über den Schnitt in deutschen Supermärkten hinaus. Ein Teil kommt aus dem eigenenBio- Gar­ten vor dem Markt, ein Teil von Erzeugern aus Hohenlohe, ergänzt um Artikel des Edeka Fruchtkontors und des Groß­händlers Ecofit aus Stuttgart. So kommt ein Vollsortiment zusatnde. Frisch, bunt und ge­pflegt sieht die Abteilung aus. Da macht einkaufen Spaß. Sie ist durch eine Wand abgetrennt von der übrigen Fläche und bekommt dadurch einen eigenständigen Charakter. Die Eier kommen von regio­nalen Bioland-Höfen. Sie werden im Sechser- und im Zehner-Karton in der Kühlung ver­kauft. Da wird schon sehr sorg­fältig mit den Produkten umgegangen. Die Vegetarier können sich im Kühlregal mit Bio-Tofu von Rome aus Unter­schwaningen im Nachbar­kreis Ansbach eindecken. Ge­kühlte Getränke gehören zum Service. Die Bio-Schorle Fruca­­de, die Marke der Eico Quel­le aus Wallhausen in Hohen­lo­he, ist in den Ge­schmacks­­rich­tungen Apfel/Birne, Grapefruit/Piment und Kirsche abgefüllt in der klassischen Glasflasche vertreten. 

Mopro-Regal als Bio-Schmuckstück

Bei den Milchprodukten hat der Markt einen ganz großen Auf­tritt, schließlich liegt die demeter-Molkerei Schrozberg in der Nachbarschaft. Bio-Jog­hurt gibt es in verschiedenen Gebindegrößen von der 150 Gramm Portion über den 500 Gramm-Becher bis zum Kilo-Gebinde. Die Sortenvielfalt erstreckt sich neben dem Standard Erdbeer, Kir­sche, Himbeere auch auf Kir­sche-Holunder, Vanille, Stracciatella, Pfirsich-Maracuja, Ananas-Passionsfrucht, Prei­selbeere-Rosmarin und Dörr­pflaume-Lavendel. Natürlich gibt es die Fettstufen 1,5 und 3,5 Prozent.  Eine Reihe bio­lo­gischer Milchgetränke sind verfügbar wie Milchkaffee, Kakao-Milch, Fruchtmolke, Schwedenmilch und Buttermilch. Das ist längst nicht alles: Andechser Trinkjoghurt, Molke und Lassi wird in der verbrau­cherfreundlichen Pet-Flasche angeboten. Bio-Desserts auf Milchbasis sind vorhanden: Pudding von Andechser, Milch­reis von Söbbeke und Tira­misu von Racheli. Hier kann sich der Kenner tatsächlich etwas gönnen. Regionale Spezialitäten krönen das Sortiment: Bio-Schaf­milch aus dem nahen Gei­fertshofen zum Preis einer Flasche Wein kann für Kuhmilch-Allergiker bekömmlich sein. Aus dem benachbarten Bühlerzell kommt Joghurt aus Schafmilch in den Markt. Bio­verde Ziegenjoghurt wird eben­falls verkauft.  Schwarz­wälder Bioland Butter von Breisgau Milch fehlt auch nicht. Eingefleischte kennen das Produkt noch unter der Marke Faller’s nach der Fern­sehserie. Die Freiburger Molkerei nutzt diese Marke nicht mehr für ihre Bio-Range.Das Käse-Angebot ist ebenso bunt und reicht von Bio-Fe­ta bis zu Bio-Käse-Ecken von der ÖMA zum Streichen. Weis­sen­horner Räucherkäse in Bio-Qua­lität ist vorhanden. Andechser Mondscheinkäse ist im Sortiment. Käse noch und nöcher gibt es hier neben der A6. Bio-Milchersatz-Produkte für Allergiker oder Veganer gibt es in Form von Provamel Bio-Soja oder von Natumi biologische Reis- und Hafer- Ge­tränke oder von dem Veggi-Life Sortiment, um nur drei zu nennen. Hier bleiben kaum Wünsche offen.

Bio-Teigwaren in Fülle

Den Süden Deutschlands schmeckt man an seinen Nudeln. Ein kompetentes regionales Bio-Sortiment ergibt sich bei der Fülle der Anbieter fast von selbst. Im Kühlregal ist Albgold aus Trochtelfingen mit frischen Bio-Nudeln ver­treten. Pasta Nuova aus dem Raum Karlsruhe ist mit fri­schen deutsch-italienischen Bio-Teigwaren präsent, ebenso Nudelmacher Hierl aus Bayern mit seinen Spezialitäten. Der schwäbische Maulta­schen König Bürger ist im Regal vetreten. Bei den trockenen Nu­deln sind auch kleine lokale Bio-Hersteller dabei wie der Hofladen Berres aus Walldürn-Gerolzahn im Odenwald. Da­ne­ben gibt es die aus den Edeka-Märkten be­kann­­ten Bio-Lieferanten. Aufstriche gehören zum Frühstück wie der Kaffee. Für Kinder stehen die beliebten Nuss-Aufstriche in Bio-Qualität von Vivani, der Gepa und Bio-Wertkost im Regal. Zusätzlich bereichert Eisblümerl mit seinen biologischen Nuss-Musen den Frühstückstisch. Bio-Fruchtaufstriche, zum Beispiel die Maintal Marmeladen sorgen für Abwechslung. Getreideprodukte sind beliebte Bestandteile eines Bio-Frühstücks: Bode Cornflakes, Dr. Oetker Vitalis in der attrak­tiven Faltschachtel und Sei­tenbacher Müsli im Schlauch­beutel werden geführt. Sei­tenbacher aus dem 50 Kilometer entfernten Buchen im Neckar-Odenwaldkreis zählt hier zu den regionalen Produkten. Die Nürnberger Bio-Originale bieten moderne Popps in der attraktiven Falt­schachtel. Den morgend­li­chen Kaffe gibt es von der Ge­pa. Tee-Trinker  können sich Gepa oder Oasis Produk­te kaufen. Die Heimatsmühle schafft eine Verbindung von Bio mit regional. In Aalen wird Bio-Getreide von Ecoland, dem Bio-Verband der BESH, zu Mehlen verarbeitet. Weizen, Roggen, Dinkel in verschiedenen Ty­pen wird geboten. Für Ernäh­rungsbewusste gibt es demeter Goldkeimlinge als wert­volle Backzutat.


Knabberartikel und Schokolade in Bio-Qualität von baden-württembergischen Herstellern

Edle Ecoland-­Gewür­­ze aus eigenen Projekten

Die edlen Ecoland-Gewürze der BESH aus eigenen Projekt en in Indien, der Vojvodina/Serbien und Hohenlohe werden in der Kilo-Packung und als Kleinpackung in dekorativen Säckchen angeboten. Nelke, Koriander, Kardamon, Pfeffer, Kümmel usw. werden angeboten. Außerdem gibt es mit Herbaria und Sonnentor Alternativen. Im Hohenlohe Markt gibt es nicht mehr vom Gleichen, sondern das Besondere. Hier ist Vielfalt von Acker und Feld aus der Heimat und aus der ganzen Welt sichtbar. Bei den Süßwaren zeigt Ritter und Sarotti mit Bio-Schokolade in der Klasse unter zwei Euro/ 100 Gramm Präsenz. Steinmann aus der Schweiz ist in der gehobenen Preis­klasse bis drei Euro angesiedelt. Bei ­Knab­berartikeln erfreut die knusprige Dr. Karg Knäcke aus dem angrenzenden Fran­ken. Huober Brezeln, Mayka Sticks und Trafo Chips die ­Freu­nde des salzigen Genus­ses. Der Kunde muss auf nichts verzichten. Eines der Lieblingsgetränke des Deutschen ist und bleibt sein Bier: Binger Lammbräu, in Baden-Württemberg gebraut, kann als unfiltriertes Pils im Sechserpack abgegrif­fen werden. Moderne Härtsfelder Mischgetränke mit Apfel, Cola und Lemon spre­chen auch Jugendliche und Frauen an. Die Familienbrau­erei von der Schwäbischen Alb hat natürlich auch klassische Bier-Sorten im Programm. Die Wein-Abteilung ist ein Schmuckstück mit Bio-Trop­fen aus den nahen Anbaugebieten Württemberg und Baden. Die anderen deutschen Regionen wie die Mosel sind vertreten. Auch die große Wein­nation Frankreich trägt Biologisches zum reichhaltigen Angebot bei. Rund 50 Bio-Weine sind im Sortiment, wie Fachverkäufer Sven Zerwas mitteilt. „Den Wein beschaffen wir uns über Großhändler mit Bio-Sortiment oder von Genossenschaften“, berichtet Zerwas.
Biologische und regionaler Gerstensaft geben den Ton an vor den Fernseh-Bieren.
Der Markt will Eigenständigkeit beweisen und unabhängig werden von der Ede­ka Weinkellerei. „Wir ver­kaufen hier über Beratung. Unsere Kunden kommen ge­zielt hierher und suchen Spezialitäten“, weiß der Wein-Verkäufer. Bei den Alkoholfreien Ge­tränken (AfG) werden die klassischen Rotbäckchen Bio-Säfte in der Flasche geführt. Beutelsbacher aus dem Länd­le hat eine prominente Kopfplatzierung bekommen für seine Bio-Säfte. Bioland-Hersteller Jacoby aus Südbaden setzt bei  seinen Säften auf den handlichen Tetrapack. Die mo­dernen Bio-Frucht­schor­len von Eiszeit-Quell aus Schwa­ben oder die Haldina-Limo­naden gehören zum Sortiment. Offen und hell mit niedrigen Regalen gestaltet macht das Einkaufen Spaß. Die Verkäufer geben Aus­kunft und heben die ge­wohnte Super­markt-Ano­nym­ität auf. Natürlich herrscht auf dem Land keine Parkplatznot. So lässt sich hier gut und bequem einkaufen.

Anton Großkinsky

 


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