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Situation und Perspektiven auf dem Arzneipflanzenmarkt

fzm - Von Einsparungen im Gesundheitswesen sind mehr denn je Naturheilmittel betroffen. Trotzdem vertrauen immer mehr Menschen der Wirkung von Phytopharmaka. In Großbritannien greifen beispielsweise 25 Prozent regelmäßig auf pflanzliche Arzneimittel zurück. Im Gegensatz zu diesem Trend haben, so ein aktueller Beitrag aus der "Zeitschrift für Phytotherapie" (Hippokrates Verlag, Stuttgart. 2006), zahlreiche pharmazeutische Unternehmen ihre Aktivitäten im Bereich Naturstoffforschung reduziert oder gar ganz eingestellt. Ähnliche Tendenzen sind in der Hochschulforschung zu beobachten.

Hans-Peter Hanssen, Angelika Koch und Rita Richter machen zum einen die Abhängigkeit von klimatischen, zeitlichen und häufig auch politischen Faktoren für diese Situation verantwortlich. Dazu kämen der oft geringe Gehalt an Wirkstoffen in den Naturheilmitteln und "erhebliche qualitative und quantitative Unterschiede bei verschiedenen Extrakten". "Auch der langwierige Weg vom Nachweis der biologischen Aktivität einer Substanz über Reinigungsschritte und Strukturaufklärung bis zum Pharmazeutikum" sei ein Argument für diese Entwicklung, fassen Hanssen, Koch und Richter zusammen.

Das Aufkommen von "kombinatorischer Chemie und computergesteuertem Drugdesign" sei nach Meinung der Autoren ein weiterer Grund dafür, dass bei den Firmen "die Begeisterung, pflanzliche Extrakte für die Entdeckung neuer Pharmazeutika zu verwenden", stark abgenommen habe. Auf der anderen Seite existierten 250 000 Pflanzenarten, die eine große Zahl an bioaktiven Inhaltsstoffen bereithielten. Viele Experten glaubten, dass die Mehrzahl von Naturstoffen pflanzlicher Herkunft noch gar nicht entdeckt worden sei und dass hier noch "Milliardenschätze" auf ihre Nutzung warten würden. Keine "chemische Datenbank" könne, so Hanssen, Koch und Richter, diese Vielfalt an gesundheitsfördernden Wirkstoffen bieten.

Innerhalb des Gesundheitsmarkts gebe es zukunftsweisende Projekte. Der DECHE-MA-Arbeitskreis "Phytoextrakte" suche beispielsweise nach "interdisziplinären Lösungswegen bei der Wirkstoffgewinnung und -aufreinigung aus Pflanzen". Die Forschungsgruppe wolle eine Optimierung aller Verfahren - von der Rohstoffauswahl über Aufschluss, Extraktion und Reinigung bis zur Konfektionierung. Ziel sei es, die Wettbewerbsposition der kleinen und mittelständischen Unternehmen im eigenen Land zu verbessern und sie "technologisch-methodisch und das Produktangebot betreffend zur Weltspitze zu führen".

H.-P. Hanssen, A. Koch, R. Richter:
Arzneipflanzen und Gesundheitsmarkt - Trends und Perspektiven
Zeitschrift für Phytotherapie 2006; 27: 68-72

Weitere Themen in der Phytotherapie 2/2006:
- Quo vadis? Phytopharmaka, Functional Food und Molecular Farming
- Referiert: Weitere Studie: Johanniskraut und die "Pille"
- Kasuistik: Weihrauch bei Rheuma
- Behandlungsprobleme: Erkrankungen des Bewegungsapparates
- Im Porträt: Mandragora - die Alraune

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