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Grüne Gentechnologie kraftlos

Gentechnikindustrie verspricht viel und hält wenig

Fast eine Milliarde Menschen hungert, und als im Frühsommer 2008 weltweit die Nahrungsmittelpreise explodierten, stieg die Zahl der Hungernden in der Welt noch einmal um weitere 40 Millionen an. Diese Gelegenheit nutzte die Gentechnikindustrie, um sich wieder einmal als "Retter der Armen" darzustellen. Mit Hilfe gentechnisch veränderter Sorten ließen sich sowohl der Welthunger als auch ernährungsbedingte Mangelkrankheiten besiegen, versprechen Monsanto und Co immer wieder. foodwatch hat sich ein vermeintliches Vorzeigeprojekt der Industrie, den so genannten "Golden Rice", einmal genauer angeschaut. Fazit: Die großmündigen Heilsversprechen konnten bislang nicht im Ansatz eingelöst werden.

Vor knapp 10 Jahren wurde die erste Generation des "Golden Rice" entwickelt. Die Saatgutindustrie versprach, mit diesem gentechnisch veränderten Reis den Vitamin A-Mangel eindämmen zu können, wegen dem jährlich etwa eine Million Kinder in Entwicklungsländern erblinden. Der Reis ist durch gentechnische Manipulation so verändert, dass in seinen Körnern Carotinoide gebildet werden. Daraus kann im menschlichen Körper das lebenswichtige Vitamin A gebildet werden.

Doch wie eine von foodwatch in Auftrag gegebene Recherche zeigt, sind die meisten Fragen, die mit der Qualität und der Sicherheit dieses Produktes zusammenhängen, bis heute nicht beantwortet. Selbst triviale technische Daten, wie der Gehalt an Carotinoiden nach Lagerung und Kochen des Reises, wurden nie publiziert. Es ist also noch nicht einmal klar, wie viel Vitamin A im menschlichen Körper überhaupt ankommt. Die Veröffentlichung der Daten ist schon seit mehreren Jahren angekündigt, bisher liegen sie aber nicht vor.

Obwohl auch öffentlich zugängliche Ergebnisse zur Risikobewertung des "Golden Rice" bisher fehlen, planen die Betreiber des Projektes - ein Zusammenschluss aus Industrie und Wissenschaftlern - bereits Tests an Schulkindern in Entwicklungs- und Schwellenländern. Im Sommer 2008 sagten sie geplante Versuche in China ab - auf Intervention der chinesischen Behörden.

Nach wie vor unterstützen die Rockefeller Foundation und die Stiftung von Bill und Melinda Gates das Projekt. foodwatch hat an die beiden Stiftungen geschrieben und sie aufgefordert, ihr Engagement zu überprüfen. Angesichts guter Erfolge bei der Bekämpfung der Vitamin A-Mangelkrankheit mit anderen Methoden - zum Beispiel durch die Verteilung von Vitaminpillen - schätzen viele Beobachter das Potential des gentechnisch veränderten Reis ohnehin als gering ein.

Vor allem sollte die Geschichte vom "goldenen Reis" eine Mahnung an die Politik sein, die nur zu gerne die Heilsversprechen der Gentechnikindustrie aufgreift, um sich vor den geeigneten, aber unbequemen Maßnahmen gegen den Welthunger - wie etwa ein faires Welthandelssystem für Agrarprodukte - drücken zu können.

Die ausführliche foodwatch-Recherche zum Thema "Golden Rice" und die Schreiben an die Stiftungen finden Sie im Internet unter:
http://www.foodwatch.de/kampagnen__themen/gentechnik/golden_rice/

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