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EU will mehr Gentechnik tolerieren

Prinz zu Löwenstein mahnt das Vorsorgeprinzip an

Weil gegen das geltende Verbot von nicht in der EU zugelassenen GVO (gentechnisch veränderten Organismen) verstoßen wurde, sind in der Vergangenheit in einigen europäischen Häfen Schiffsladungen mit Futtermitteln zurückgewiesen worden. Deshalb soll die Null-Toleranz-Schwelle für gentechnsich veränderte Pflanzen jetzt gekippt werden. Die EU-Kommission will diese Grenze generell sowohl bei importierten Futter- als auch Lebensmitteln auf 0,1 Prozent anheben. Dies ergibt sich aus einem internen Papier der Generaldirektion Gesundheit der EU-Kommission. Die Mitgliedsstaaten sollen künftig sogar zwei- bis dreifach höhere Verschmutzungsraten erlauben dürfen.

„Es ist ein makabres Spiel, mit dem Verweis auf die hohen Weltmarktpreise für Futter- und Lebensmittel ihre gentechnische Verschmutzung zu begründen“, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. Wie die Atomkraftwerksbetreiber würde nun auch die Gentechnikindustrie versuchen, im Gefolge von Preissteigerungen inakzeptable GVO durchzusetzen.

„Auch in den USA und in Kanada sind die Preise für Futtermittel drastisch gestiegen und das, obwohl beides die Hauptanbauländer von gentechnisch veränderten Pflanzen sind. Die hohen Preise liegen nicht an der gelegentlichen Zurückweisung eines nach Europa kommenden Schiffes mit gentechnisch kontaminierten Futtermitteln. Ursachen der steigenden Preise sind der weltweit wachsende Bedarf an Agrarrohstoffen und die unseligen Spekulationen auf dem Markt für Lebens- und Futtermittel“, betont Weiger.

„Die gentechnisch veränderte Sojapflanze von Monsanto, um die es hier vor allem geht, ist noch nicht einmal in Brasilien und Argentinien zugelassen. Beides sind die Hauptexporteure von Futtermitteln in die EU und sie werden bestimmt nicht am Bedarf ihrer Hauptabnehmer vorbei produzieren. Agrarminister Seehofer muss die EU-Kommission davon abhalten, die Null-Toleranz für nicht in der EU zugelassene Bestandteile mit GVO abzuschaffen. Er muss das Vorsorgeprinzip durchsetzen, anstatt solche Unternehmen noch zu belohnen, die nicht in der Lage sind, ihre Gen-Konstrukte unter Kontrolle zu halten", fordert Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BöLW).

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