Start / Ausgaben / BioPress 41 - November 2004 / Äpfel oder Pillen – oft keine Frage

Äpfel oder Pillen – oft keine Frage

Wellness ist das gegenwärtige Zauberwort. Wer möchte nicht fit werden oder bleiben? Zumal in Zeiten steigender Gesundheitskosten! Die Hersteller haben längst diesen Wunsch aufgegriffen, und die Auswahl der Produkte fürs Wohlergehen wird auch auf dem Bio-Markt immer größer und exotischer. Und die kalte Jahreszeit ist immer ein guter Anlass auch für den Handel, auf die Stärkung der Abwehrkräfte hinzuweisen.

Die Meldung könnte Folgen haben: Wer in seinem Blut größere Mengen an Omega-3-Fettsäuren hat, scheint weniger dem Risiko ausgesetzt zu sein, einen Herzinfarkt zu erleiden und umgekehrt. Das fanden kürzlich englische Wissenschaftler heraus. Man könnte also nach einer Blutuntersuchung Empfehlungen aussprechen, wie man Herzerkrankungen vorbeugen kann. Sie würden bei niedrigen Werten lauten: Esst mehr Fisch.

Dass Meeresfisch diese wichtige Fettsäure liefert, ist so neu nicht. Deswegen und weil sie viel Jod mitbringen, sollten auf dem menschlichen Speiseplan die Flossentiere regelmäßig auftauchen. Da sie aber nicht jedermanns Sache sind, gibt es Fischöl auch in Kapselform zu kaufen (manchmal unter der Bezeichnung EPA nach der Fettsäure Eicosapentaensäure). Sollte nun jene Meldung über die wertvollen Omega-3-Fettsäuren Eingang in die Köpfe von Ärzten und Verbrauchern finden, so ist es sicher nicht falsch anzunehmen, dass sich Fischöl-Produkte gut vermarkten werden.

In beinahe jedem Super- und mittlerweile auch Biomarkt stehen Vitamine, Mineralstoffe, Algen, Guarana, Molke, Grapefruitkerne und vieles andere in Form von Pillen, Kapseln, Pulver und Saft einträchtig neben Kartoffel & Co. Das senkt die Hemmschwelle für den Kunden, die Produkte einmal auszuprobieren – man muss nicht in die Apotheke gehen, die noch einen Touch von Krankheit hat. Das Bedürfnis, fit zu sein, spielt im Zeitalter von Wellness eine große Rolle. Und wie das gehen könnte, geben die Medien nahezu täglich vor. Nicht immer unbedingt seriös, oft aber wirkungsvoll. Kluge Handelseinkäufer von Nahrungsergänzungsmitteln und frei verkäuflichen Arzneimitteln lesen daher die Frauenzeitschriften; sie lösen mit ihren Artikeln nicht selten einen Boom aus.

Viele Gründe für den Griff ins Regal

Nahrungsergänzung hat viele Gründe. Viele Menschen wollen sich ganz einfach etwas Wertvolles tun und beziehen daraus ein gutes Gefühl. Andere sind gar nicht in der Lage, mit gesunden Lebensmitteln in vernünftig komponierten Mahlzeiten ihren Bedarf an wichtigen Stoffen zu decken. Ihre Lebenssituation lässt es nicht zu. Senioren zum Beispiel haben oft wenig Appetit oder können nicht mehr richtig zubeißen. Bei ihnen wie bei anderen Personen, die wenig oder einseitig essen, die Nahrungsmittel nicht (mehr) richtig aufnehmen können oder einen erhöhten Bedarf haben, ist eine Nahrungsergänzung sinnvoll. Zum Beispiel im Fall der Schwangerschaft, einer Krankheit, einer strengen Diät oder einer reichlichen Zufuhr von Alkohol und/oder Nikotin. Hier gilt es allerdings, möglichst rasch zu einer normalen gesunden Ernährung zu finden beziehungsweise die schädlichen Substanzen einzudämmen.

Andere Menschen wiederum haben während der Arbeit kaum eine Chance, sich gut zu ernähren. Und dann gibt es noch ein Kaufmotiv, das ungleich stärker sein dürfte. Es heißt Bequemlichkeit. Obst- und Gemüsemuffel werfen sich die entsprechenden Tabletten ein, Coachpotatoes beruhigen mit einer Pille die Sorgen, zu wenig für Herz und Kreislauf zu tun und machen weiterhin um Fahrrad und Fitness einen großen Bogen, Liebhaber von Weißmehl- und Zuckerprodukten bringen ihren schlaff gewordenen Darm mit speziellen Mitteln auf Trab. Eine Lösung auf Dauer ist dies nicht. Hier gilt es, die Bedingungen zu ändern – auch wenn kaum etwas so schwer ist, wie alte Gewohnheiten, die längst in Fleisch und Blut übergegangen sind, durch neue zu ersetzen.

Von der Wirkung der Gesamtheit

Obst und Gemüse - frisch und in Bio-Qualität – sowie eine Vielzahl anderer Lebensmittel liefern „von Natur aus" Vitamine, Mineralien, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. (Die bioPress-Ausgabe 38 brachte darüber ausführliche Informationen). Gerade diese letzte Stoffgruppe ist noch weit gehend unerforscht. Und weil fast täglich neue Wirkungen gefunden werden und sich offenbar einzelne Substanzen unterstützen (oder abschwächen), ist es sicher nicht falsch zu sagen: Das ganze Produkt bekommt dem menschlichen Organismus anders und besser als die isolierten Substanzen. Auch ein leckerer Obst- oder Gemüsesaft ist empfehlenswert. Zwar weist er möglicherweise nicht so hohe Konzentrationen an bestimmten Inhaltsstoffen wie eine Pille auf. Aber er ist zum einen ein Genuss und bringt zum Zweiten noch vieles andere aus den gesunden Früchtchen mit. Zum Dritten kann er durchaus auch das abendliche Glas Wein ersetzen – viele Bio-Säfte sind ein echtes Geschmackserlebnis, an dem auch Kinder teilhaben können.

Manche Hersteller von Nahrungsergänzung berücksichtigen die Regel, dass das Ganze mehr ist als die Summe der Einzelteile. So verarbeitet beispielsweise die Firma Amazonas, Schwetzingen, ganze Acerola-Kirschen – die Vitamin-C-Bomben aus Zentralamerika und Brasilien. Damit soll nicht nur das Vitamin, sondern auch die sekundären Pflanzenstoffe im Pulver oder den Tabletten enthalten bleiben. Auch die GSE-Vertrieb GmbH, Saarbrücken, erklärt zu ihrem Grapefruit-Kern-Extrakt, dass er sich durch einen hohen Gehalt an Vitamin C und Bioflavonoiden (das ist eine Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe) auszeichne.

Auch die populären Mikroalgen (Spirulina oder Chlorella) werden sinnvollerweise als solche getrocknet und gepresst, damit die Kombination der Inhaltsstoffe bestehen bleibt. Das sind vor allem Aminosäuren, Vitamine und Mineralstoffe. Oder es werden, zum Beispiel bei Guarana, die Kerne zermahlen, wobei in diesem Fall die Wirkung des Koffeins wegen der noch vorhandenen Rohfasern langsamer und damit schonender eintreten soll.

Die Fitne Gesundheits- und Wellness GmbH weist allerdings darauf hin, dass natürliche Quellen für Vitamine ihre Grenzen haben. Für die Vitamine A und D wären dies zum Beispiel Lebertran. Lebertrankapseln seien aber Arzneimittel. „Andere Quellen für A und D sind z. B. Leber, Eigelb, Butter und Käse. Aus diesen Rohstoffen die Vitamine zu extrahieren, wäre jedoch derart aufwändig, dass man die Rohstoffe nicht mehr bezahlen könnte. Dies ist auch der Grund, warum die meisten Vitamine – so auch die eingesetzten B-Vitamine, Folsäure und Biotin nicht aus natürlichen Quellen gewonnen werden. Es rechnet sich schlichtweg nicht", so Fitne. Natürlichen Ursprungs könnten deshalb problemlos nur die Vitamine C und E sowie die Carotinoide sein.

Fitne benutzt für die Kapselhülle seiner Nahrungsergänzungsmittel (Rotklee, Nachtkerzenöl, Multivitamin, Schwarzkümmel, Artischocke sowie Magnesium plus Vitamin E) keine Gelatine mehr, sondern einen Stoff auf pflanzlicher Basis, der geschmacks- und geruchsneutral ist.

Nicht immer gilt:Viel hilft viel

Bei isolierten Stoffen scheint auch die Volksweisheit „viel hilft viel", nicht zu stimmen. „Verschiedene Studien haben gezeigt, dass der schützende Effekt nicht umso größer ist, je mehr von dem Pflanzenstoff aufgenommen wird. So hörte bei den Phytosterinen die günstige Wirkung auf den Cholesterinspiegel bei drei Gramm pro Tag auf", schrieben im vergangenen Jahr Professor Dr. Claus Leitzmann und Kathi Dittrich in „Bioaktive Substanzen".

Zu viel kann sogar schaden. Die Autoren des Büchleins zitieren den Versuch mit Rauchern, die über mehrere Jahre 20 Milliliter Beta-Carotin zu sich nahmen. Das ist etwa zehnmal mehr, als üblicherweise mit der Nahrung aufgenommen wird. Der Stoff, der normalerweise Krebs vorzubeugen hilft, bewirkte als große Menge im isolierten Präparat eher das Gegenteil. Die Personen, die es eingenommen hatten, erkrankten geringfügig häufiger an Lungenkrebs als die Vergleichsgruppe.

Auch erschrecken Nachrichten über die Folgen hoher Dosen von pflanzlichen Stoffen, die wie Östrogene wirken (so genannte Phytohormone) und gerne in den Wechseljahren genommen werden. Frauen, die Brustkrebs hatten, wird daher laut „Süddeutscher Zeitung" vom 29. Juni 2004 abgeraten, Soja- oder andere Phytohormonpräparate einzunehmen. Und auch, weil die Abbauprodukte einer dieser sekundären Pflanzenstoffe der Sojabohne offenbar das Erbgut verändern können, warnen Ärzte vor hohen Dosen. Die Produkte gelten als Nahrungsergänzung und damit als Lebensmittel; sie müssen kein spezielles Zulassungsverfahren durchlaufen.

Gleichwohl wird es Frauen geben, die etwas gegen ihre Beschwerden unternehmen wollen und Pflanzliches verlangen. Hier sollte man Produkte empfehlen, bei denen Bohnen ohne gentechnische Veränderung verwendet wurden. Das Salus-Haus weist zum Beispiel bei seinen „Soja-Konzentrat-Kapseln mit Isoflavonen + Calcium + Magnesium + Vitamin C + E" darauf hin. Beigefügt sind auch Lignane aus Leinsamen, denen ebenfalls eine günstige Wirkung auf die diversen Beschwerden im Klimakterium zugesprochen werden. Auch Rotklee-Produkte gibt es für die gleiche Indikation mittlerweile in Bio-Qualität.

Ein alter Spruch:Die Dosis macht’s

Es ist ein bekannter Spruch, dass die Dosis ausmacht, ob ein Stoff gut oder schlecht ist. Mit einer vielseitigen Ernährung nach dem Motto „Von allem etwas" steht man auf der sicheren Seite. Der Mensch hat sich über Jahrtausende an die Nahrung seines Lebensraums gewöhnt und angepasst. Deshalb sollten neben Obst und Gemüse auch Getreide, Milch und Molkereiprodukte, Fisch, Fleisch und Wurst sowie Eier, Honig und die richtigen Fette auf dem Speisplan stehen, denn jedes Lebensmittel liefert wichtige Nährstoffe. Ihr Vorteil wird mit einer anderen Meldung aus jüngster Zeit deutlich: Wissenschaftler der University of California haben nachgewiesen, dass der Konsum von dunkler Schokolade möglicherweise die Funktion der Blutgefäße verbessern kann. Mit „Epicatechin" sei ein Stoff entdeckt worden, der gefäßerweiternd wirkt. Verengungen der Blutgefäße erhöhen das Risiko von Herzanfällen und Schlaganfällen. Wie immer auch dieses Epicatechin isoliert schmecken würde – an den Genuss von Schokolade kommt es bestimmt nicht heran!

Zu den Grundsätzen einer gesunden Ernährung gehört neben der Vielseitigkeit das Maßhalten und die Nähe zum natürlichen Zustand. Das heißt: Bio-Produkte, frische Kost und schonende Verarbeitung. Das bringt Vitalität, das ist Genuss. Schließlich hat Eva ihren Gatten dereinst mit einem Apfel verführt – nicht mit einem Pillendöschen! Auch sollte nicht vergessen werden, dass noch andere Faktoren wie Bewegung, Schlaf, Stress, die psychische Grundstimmung und anderes die Frage beantworten, ob sich ein Mensch wohl fühlt oder nicht. Ernährung ist nur ein Teil der Antwort, wenn auch ein wichtiger.

Neue Vorschriften vom Gesetzgeber

Das sieht auch der Gesetzgeber so. Die „Verordnung über Nahrungsergänzung und zur Änderung der Verordnung über vitaminisierte Lebensmittel" trat am 28. Mai dieses Jahres in Kraft. (siehe Kasten)

In Artikel 1, der Verordnung über Nahrungsergänzungsmittel (NemV), schreibt § 4 vor, dass auf den Verpackungen ein Hinweis stehen muss, dass Nahrungsergänzungsmittel nicht als Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung verwendet werden sollten. Die Nahrungsergänzung wird weiterhin als Lebensmittel behandelt. Doch sie bekommt mit anderen vorgeschriebenen Kennzeichnungselementen durchaus den Charakter von Medizinprodukten. So muss zukünftig nämlich die empfohlene tägliche Verzehrsmenge in Portionen angegeben sein, und es muss der Satz (im Gesetz „Warnhinweis" genannt) auf der Verpackung stehen: „Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrsdosis darf nicht überschritten werden". Andere Formulierungen in diesem Sinne sind zulässig.

Wie bisher gilt, dass gesundheitsbezogene Werbung verboten ist; dies regelt – wie für alle Lebensmittel – § 18 des Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz (LMBG). Man darf also kein Lebensmittel zum Beispiel mit einer Aussage wie „wirkt gegen Kopfschmerzen" oder „beugt Herz- und Kreislauferkrankungen vor" bewerben. Aber man darf Bücher oder Zeitschriften verkaufen, die die Gesundheitswirkungen erklären. Viele Bio-Märkte tun dies bereits, wobei sich die Nähe zum Obst- und Gemüseregal günstiger erweisen könnte als der meist als Standort gewählte Eingangsbereich.

Schon im Acker: Kartoffeln gegen Augenleiden

Die Frage drängt sich auf, wie es möglich ist, dass ein Lebensmittelkonzern seine Produkte damit bewerben darf, dass sie den Cholesterinspiegel senken. Es handelt sich um Lebensmittel, die unter die „Verordnung (EG) Nr. 258/97 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. Januar 1997 über neuartige Lebensmittel und neuartige Lebensmittelzutaten" fallen. Den Becel-Produkten sind größere Mengen Pflanzensterine zugesetzt; sie begründen die Neuartigkeit. In diesem Fall müssen zusätzliche Angaben gemacht werden, zum Beispiel über die Wirkung, die sich aus dem Verzehr ergibt. Übrigens fällt auch Noni unter die Kategorie „neuartig" und wurde am 5. Juni 2003 im Sinne der Verordnung (EG) Nr. 258/97 zugelassen (siehe Kasten S. 57).

Gerade die pro-aktiv-Range von Becel macht deutlich, wie eng die Grenzen zwischen Lebensmittel und Arzneimittel auch im rechtlichen Sinn geworden sind. Und in dieser Beziehung ist noch viel zu erwarten. Laut „Süddeutscher Zeitung" vom 19. Juni 2004 experimentieren zum Beispiel Mitarbeiter des Lehrstuhls für Pflanzenbau und -züchtung der Technischen Universität München bereits mit genveränderten Kartoffeln, die einem Altersleiden vorbeugen sollen. „Die Knollen produzieren nun Zeaxanthin, eine Substanz, die gegen Augenkrankheiten im Alter schützen soll", so die Zeitung. Man nennt dies die „zweite Stufe der grünen Gentechnik" – ihr Einsatz bezieht sich nicht mehr „nur" auf die Landwirtschaft. So denken die Forscher zum Beispiel daran, Pflanzen so zu manipulieren, dass sie Impfstoffe produzieren.

Schon jetzt ist es allerdings nicht ganz einfach, zwischen Lebensmittel und frei verkäuflichen Arzneimittel (OTC – „over the counter" = „über den Ladentisch" – genannt, also weder verschreibungspflichtig noch an den Verkauf in Apotheken gebunden) zu unterscheiden. Ein und dieselbe Substanz, zum Beispiel Vitamin E, kann nämlich beides sein, je nach Dosierung und Zweckbestimmung.

Für den Handel ist die Unterscheidung aus zweierlei Gründen wichtig. Zum einen darf nur bei Arzneimitteln eine gesundheitsbezogene Aussage gemacht werden; diese Produkte werden auch extra zugelassen. Zum anderen schreibt das Gesetz vor, dass sich eine besonders geschulte Fachkraft im Laden aufhalten muss, wenn er Arzneimittel führt. Sie muss auch beraten können.

Ilse Raetsch

Durch den Winter mitgesunden Säften

Für den Handel ist ein Produkt einfacher zu handhaben, wenn es ein Lebensmittel ist und kein frei verkäufliches Arzneimittel. So sind zum Beispiel auch Verkostungsaktionen möglich.

Dies nennt Weleda als einen Vorteil dafür, dass das Birkenblätter-Elixier das ehemalige Birkenelixier ablöst und als Lebensmittel gilt. Zudem wurde die Rezeptur geändert: Verwendet werden nun Bio-Zucker bzw. Bio-Honig. Die Blätter selbst stammen aus „ökologischer Wildsammlung". Birkenblättern wird traditionell eine anregende Wirkung auf die Nierenausscheidung zugesprochen.

Alle Elixiere und Ursäfte des Unternehmens aus Schwäbisch Gmünd sind inzwischen komplett in Bio-Qualität erhältlich. So die Elixiere und Ursäfte von Sanddorn, Schlehen und das Vier-Beeren-Elixier. Viel Vitamin C und Antioxidantien sind gerade im Winter für die Abwehkräfte wichtig.

Weleda vertreibt in Apotheken, Naturkost-Fachgeschäften und Drogeriemärkten.

Noni – der etwas andere Saft

Der Noni-Saft ist ein Lebensmittel, dem sehr viele positive Wirkungen zugesprochen werden. Viele Verbraucher sehen in ihm daher ein Nahrungsergänzungsmittel – zumal sich Noni auch im Geschmack, bei der empfohlenen Verzehrsmenge von 30 Milliliter pro Tag und nicht zuletzt im Preis von anderen Säften unterscheidet.

Dafür bringt die „Indische Maulbeere", die in Polynesien beheimatet ist, viel Gutes mit: Vitamine, Mineralstoffe, wichtige Aminosäuren, sekundäre Pflanzenstoffe und Enzyme. Wie alle anderen Nahrungsmittel kann Noni zwar keinen Arzt ersetzen, doch kann der Saft immer dann eine Hilfe sein, wenn es gilt, die Abwehrkräfte (zum Beispiel bei Erschöpfung, Allergien oder Entzündungen) zu mobilisieren, das Herz-Kreislauf-System zu unterstützen und den Darm zu stärken. Dokumentiert ist beispielsweise, dass bestimmte Inhaltsstoffe die Blutgefäße erweitern – günstig vor allem für Menschen mit hohem Blutdruck. Zudem wird Noni nachgesagt, dass es die Suchtentwöhnung zum Beispiel vom Nikotin erleichtert.

Die Noni-Säfte mussten das Verfahren nach der Novel-Food-Verordnung durchlaufen, weil die Frucht in Europa kaum bekannt war und die EU 1997 beschloss, neuartige Lebensmittel besonders zu überprüfen. Wie andere Anbieter auch, hat die GSE-Vertrieb GmbH, Saarbrücken, die Zulassung für „Cook Island Noni" erhalten. Das Produkt ist ein 100-prozentiger Direktsaft - und zwar in Bio-Qualität. „Es ist uns als erstem Unternehmen in Europa gelungen, einen Saft aus der Noni-Frucht gemäß europäischem Recht, der EG-Öko-Verordnung, als kontrolliert biologisch anbieten zu können", freut sich das Unternehmen.

Die UNO schaltet sich ein

Im weltweiten Kampf gegen Übergewicht haben die Vereinten Nationen am 29. Juni 2004 schärfere Richtlinien für nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben bei Lebensmitteln verabschiedet. Die Codex Alimentarius-Kommission – eine UN-Organisation zur Entwicklung internationaler Lebensmittelstandards – hat nach Angaben der Verbraucherzentrale Bundesverband entsprechende Richtlinien beschlossen. Damit erhöhe sich der Druck auf die Europäische Union, gesundheitsbezogene Angaben auf Lebensmitteln schärfer zu regulieren.

Die Codex- Richtlinie zu den gesundheitsbezogenen Aussagen („Health Claims") sehen folgendes vor:

  • Begriffe wie „fettarm", „fettfrei" oder „wenig Zucker" werden genau definiert und sind in der Werbung nur entsprechend der Definition zulässig.

  • Für Vitamine und Mineralstoffe sollen Angaben (zum Beispiel „mit viel Kalzium") nur dann zulässig sein, wenn eine Empfehlung über die Tagesmenge existiert.

  • Gesundheitsbezogene Angaben wie etwa „gut für die Knochen" oder „stärkt das Immunsystem" sollen nur dann zugelassen werden, wenn sie wissenschaftlich belegt sind.

  • Health Claims auf Produkten, die beispielsweise aufgrund ihres zu hohen Zucker-, Fett- oder Salzgehalts nicht einer gesunden Ernährungsweise entsprechen, können verboten werden. Dies entspricht der von der EU-Kommission geplanten Einführung von Nährwertprofilen.

  • Für Säuglings- und Kleinkinderprodukte sollen nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben nur zulässig sein, wenn sie ausdrücklich in anderen internationalen Richtlinien oder nationalen Gesetzen vorgesehen sind.

Die Codex Alimentarius-Kommission ist eine gemeinsame Kommission der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) der Vereinten Nationen. Ihr Ziel ist es, internationale Lebensmittelstandards zu erarbeiten. Die von ihr beschlossenen Standards gelten im internationalen Handel als Richtwerte. Sowohl Deutschland als auch die EU sind Mitglieder der Codex Alimentarius-Kommission.

Ilse Raetsch

So sieht es das Gesetz

§ 1 Anwendungsbereich

(1)Nahrungsergänzungsmittel im Sinne dieser Verordnung ist ein Lebensmittel, das

  1. dazu bestimmt ist, die allgemeine Ernährung zu ergänzen,

  2. ein Konzentrat von Nährstoffen oder sonstigen Stoffen mit ernährungsspezifischer oder physiologischer Wirkung allein oder in Zusammensetzung darstellt und

  3. in dosierter Form, insbesondere in Form von Kapseln, Pastillen, Tabletten, Pillen und anderen ähnlichen Darreichungsformen, Pulverbeuteln, Flüssigampullen, Flaschen mit Tropfeinsätzen und ähnlichen Darreichungsformen von Flüssigkeiten und Pulvern zur Aufnahme in abgemessenen kleinen Mengen, in den Verkehr gebracht wird.

(2)Nährstoffe im Sinne dieser Verordnung sind Vitamine und Mineralstoffe, einschließlich Spurenelemente.

Aus: Verordnung über Nahrungsergänzung und zur Änderung der Verordnung über vitaminisierte Lebensmittel, Artikel 1 Verordnung über Nahrungsergänzungsmittel (Nahrungsergänzungsmittelverordnung – NemV)


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