Bio ist Premium

Klare Botschaft beim 1. Bio Handels-Forum in Köln an den LEH

Mit dem 1. Bio Handels Forum bot Koelnmesse eine neue Plattform für die Vermarktung von biologischen Lebensmitteln im klassischen Lebensmitteleinzelhandel. Die Reaktionen waren überwiegend positiv. Das Medienecho war breit von Allgemeine Fleischerzeitung, über Deutschlandfunk bis Lebensmittelzeitung. Die Messeleitung zog ein positives Fazit und gab schon am Ende der Veranstaltung den nächsten Termin im September 2006 bekannt.

170 Teilnehmer kamen, nicht die erhoffte, eher die erwartete Zahl. Neben Herstellern und Entscheidungsträgern im Lebensmittelhandel waren auch Dienstleister und Logistiker nach Köln gereist. Der Selbstständige Einzelhandel war noch etwas zurückhaltend. Einige Große aus dem LEH wie Edeka, Rewe und Tengelmann waren ebenso dabei wie die Mittelständischen Lebensmittelfilialisten Dohle und Globus.

Eine Chance für die Marken

Wie kann der Lebensmitteleinzelhandel Bio-Produkte besser vermarkten? Das war das zentrale Thema der zweitägigen Forums organisiert vom BioPress-Verlag, in Zusammenarbeit mit der CMA und dem BMVEL. Das 1. Bio Handels-Forum stellte am 20. bis 21. September nicht nur Fragen, sondern gab auch Antworten. Analysen und Marktforschungen wurden mit Praxisbeispielen konkretisiert. Erfolgreiche Konzepte aus dem In- und Ausland wurden vorgestellt. Der Tenor lautete, Bio muss als Premium vermarktet werden. Ein Hindernis sind die zu kleinen Sortimente wegen der Konzentration auf die Eigenmarken mit wenigen Hundert Produkten überwiegend aus dem Trockenbereich. „200 bis 300 Artikel sind zu wenig. Ohne Marken kommen sie nicht weiter", richtete Dr. Friedhelm von Mering vom Bioland-Bundesverband an die Adresse der Rewe.

Workshops vertieften die verschiedenen Aspekte der Thematik. „Die Praxisbeispiele bilden das Rückgrat dieser Kongressmesse", erläuterte der neue Bereichsleiter Ernährung bei der Koelnmesse Peter Grothues. Er hat schon als Projektleiter „anuga" vor drei, vier Jahren das Biothema aufgegriffen.

Ergänzend zum Tagungsprogramm sorgten 31 Bioanbieter in einer begleitenden Ausstellung für eine anschauliche Darstellung ihrer Produkte und unterstrichen visuell den Qualitätsanspruch, der in den Vorträgen erhoben wurde. Abends beim Get-together gab es dann Bio-Geschmack am warmen Büfett sinnlich zu erleben. Marinierte Champignons, Mediterraner Gemüsesalat als Vorspeise machten Appetit. Die Qualität des Bio-Fleisches - Rind und Schwein wurden serviert - beeindruckte. Württemberger Weine unterstrichen den Anspruch von Bio auf die Geschmacksführerschaft zusätzlich.

Koelnmesse schafft Plattform

Grothues stellte fest, dass Klärungsbedarf herrscht zwischen den Bio-Aktiven in Herstellung und Handel. „Unsere Funktion ist es, eine Plattform für die Kommunikation zu bieten", so der Messe-Manager. Zum Abschluss des 1.Bio Handels-Forums nannte er gleich den nächsten Termin mit dem 11. und 12. September 2006.

Carol Haest, Bio-Berater der belgischen Lebensmittelkette Delhaize, sprach von einem „Prima Anstoß durch die Koelnmesse". Der alte Bio-Hase fand es „klasse, dass nach der Flaute von 2003 wieder neue Energie da ist".

Der Moderator Prof. Achim Spiller sieht aufgrund der Daten einen Wachstumsmarkt. 40 Prozent der Verbraucher interessieren sich für Öko-Lebensmittel, doch nur 20 Prozent sind Gelegenheitskäufer und nur fünf Prozent bilden den harten Kern. Damit hat der Handel reichlich unerschlossenes Potenzial. Der Wissenschaftler erkannte mit kritischem Blick aber die Schwachstellen. Naturkost-Großhandel und LEH sind nicht kompatibel. Daher fehlt dem LEH die Logistik für ein Vollsortiment. Zudem gleichen sich die Lebensmittelketten durch austauschbare Sortimente wie ein Ei dem anderen. „Das Profil fehlt", konstantierte der Professor.

Im Detail offenbarte sich, dass sich der Handel mit der Warengruppe Fleisch schwer tut. Die Beispiele aus den USA und Schweden zeigten laut Spiller, dass es dort bei Obst und Gemüse mit einem Angebot von 30 bis 40 Produkten teilweise besser gemacht wird. Der Wissenschaftler erwartet, dass der Bio-Lebensmittelmarkt mit einem aktuellen Anteil von 2,4 Prozent in den nächsten Jahren die Fünf-Prozent-Hürde nehmen wird.

Wolfgang Reimer vom Bundesverbraucherministerium gratulierte zur Realisierung des Forums. Er äußerte die Hoffnung, dass sich die Veranstaltung neben Anuga und Biofach etablieren kann. Die Chancen, die Bio bietet, sind noch nicht verwirklicht, deshalb unterstütze das Ministerium das Bio-Handels-Forum. In der Schweiz habe eine Langzeitstudie zur ökologischen Landwirtschaft eine Verbesserung der Trinkwasserqualität, der Bodenfruchtbarkeit und der Artenvielfalt nachgewiesen. „Die Vorteile liegen auf der Hand", verdeutlichte Reimer. Biologische Lebensmittel seien in der Regel weniger mit Rückständen belastet, wie langjährige Untersuchungen des Landes Baden-Württemberg ergeben haben. Dies ist nur ein Vorteil von Bio. Auch bei der Vitalität, die schwieriger zu bestimmen sei, wurden nachvollziehbare Unterschiede gemessen. Er nannte Maßnahmen der Bundesregierung wie das Bundesprogramm Ökologischer Landbau oder die Schaffung des Bio-Siegels, die aber nur unterstützend wirken können. „Ent- scheidend sind Sie, der Markt", so der Ministeriale.

Qualität statt Preiskampf

Das Forum trug die Zahlen zum Verbraucherverhalten zusammen und zeigte nationale wie regionale Strategien auf, um sich mit Qualität gegen den Preiskampf durchzusetzen. Die Coop Schweden ist mit ihrer Eigenmarke Änglamark mit modernem Verpackungsdesign und origineller Werbekampagne auch im Fernsehen erfolgreich. Regionale Projekte wie Brucker Land und Tagwerk arbeiten mit dem SEH und Filialisten wie Feneberg in Kempten erfolgreich zusammen.

Die Teilnehmer reisten zum großen Teil zufrieden ab. „Es gab Kontakte, und das Potenzial für Verträge war gut", resümierte der fränkische Bio-Großbäcker Siegfried Schedel. Er empfahl für das nächste Mal die Preise für die Stände zu senken. Bei den Vorträgen wünschte er sich mehr Zeit für Fragen.

Die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH) teilte sich einen Stand mit ihren Partnern Rack & Rüther aus Fuldabrück und dem Schwarzwälder Schinkenspezialist Kalbacher aus Lörrach. „Das Bio Handels-Forum der Koelnmesse hat uns eine tolle Plattform geboten. Biofleisch und Biowurst wird verstärkt nachgefragt und wir sind die kompetenten Anbieter von hochwertigem Biofleisch", stellte Marcus Wewer, Geschäftsführer der BESH für das Bio-Segment, fest. Sein Kollege Dr. Gernot Peppler von Rack & Rüther lobte den Mut der Initiatoren, ein Forum für den Handel mit Bio-Lebensmittel zu schaffen. „Es ist toll, dass es jemand wagt", so der Wurst-Spezialist. Giovanni D’Angelo der Teigwaren-Hersteller aus dem Saarland war dagegen enttäuscht. Außer Spesen war für ihn nichts gewesen.

Siegfried Kewitz,Mitinhaber des Wein-Großhändlers Naturian, beendete das Forum beschwingt. Er hat einen Termin für ein Listungsgespräch bekommen. Geschäftsführer Jan-Peter Bauck vom Bauckhof in Rosche verhandelte ebenfalls am Randes des Forums. Also, mehr als nur Vorträge. Albrecht von Schultzendorff, der die Teutoburger Ölmühle vertrat, sah die Botschaft „Bio ist Premium" klar vermittelt. Beim Handel muss nach seiner Meinung aber in Richtung Qualität umgedacht werden. Für Fairtriebsleiter Rolf R. Bierhance von der Gepa war es wichtig, dass „wir uns als kompetenter Partner präsentieren können".

Anton Großkinsky


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