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Bauern fürchten von Gentechnik überrannt zu werden

Saatgutreinheitsgrenze muss bleiben - Österreich als Vorzeigebeispiel

Wien (pte/07.04.2006/13:50) - Die europäischen Bauern sollen auch künftig die Möglichkeit haben, zwischen den unterschiedlichen Wirtschaftsweisen der biologischen, konventionellen und GVO-Landwirtschaft zu wählen. Ziel der Konferenz "Koexistenz von gentechnisch veränderten, konventionellen und biologischen Nutzpflanzen - Die Freiheit der Wahl" war es zu klären, wie ein Nebeneinander von verschiedenen Wirtschaftsweisen innerhalb der EU künftig aussehen kann. Doch die von der EU-Kommission beschriebene Wahlfreiheit scheint nicht ganz so einfach durchsetzbar zu sein.

"Wir möchten festhalten, dass es kein Recht auf GVO-Verunreinigungen geben darf. Es ist die Aufgabe der Politik, die gentechnikfreie konventionelle und biologische Wirtschaftsweise vor GVO-Kontaminationen zu schützen. Dafür ist ein europaweiter Schwellenwert für das Reinheitsgebot von Saatgut erforderlich, wie auch in der Konferenz abschließend festgestellt wurde", so Iris Strutzmann Geschäftsleiterin der Österreichischen Berg- und Kleinbauern Vereinigung ÖBV-Via Campesina Austria http://www.bergbauern.org im pressetext-Interview. Strutzmann betont, dass die Erzeugung von gentechnikfreiem Saatgut europaweit so geregelt werden müsse, dass jede Kontamination über einer Nachweisgrenze von max. 0,1 Prozent GVO-Verunreinigung vermieden werde. "Das derzeit gültige österreichische Reinheitsgebot einer maximalen GVO-Verunreinigung von 0,1 Prozent bei Saatgut muss EU-Standard werden. Europa kann hier viel von den Erfahrungen Österreichs lernen", so Strutzmann. Umweltminister Josef Pröll http://www.lebensministerium.at betonte in der Abschlusspressekonferenz der Veranstaltung, dass die österreichische Position beispielgebend für andere Länder sein könne. Die Umweltorganisationen hatten den Minister aufgefordert, die österreichische Regelung auf europäischer Ebene umzusetzen. Zudem sollten auch gentechnikfreie geschlossene Anbaugebiete für Saatgut eingerichtet werden.

Stutzmann kritisiert, dass während der zweitägigen Konferenz nicht geklärt werden konnte, wer künftig die anfallenden Kosten für die Koexistenz wie etwa zusätzliche Tests, Trennung der beiden Produktionsketten oder potenzielle Kontaminationen von GVO-freie Produkten mit GVOs tragen soll. "Während der Konferenz wurde betont, dass in diesem Punkt die Solidarität der Bauern und Bäuerinnen gefordert ist und die Kosten untereinander aufgeteilt werden sollten." Das sei für die ÖBV völlig inakzeptabel. "Wir können nicht akzeptieren, dass Bauern, die auch künftig gentechnikfrei wirtschaften möchten, die Kosten für diese Produktion tragen sollen bzw. diese Kosten an die Konsumenten weitergegeben werden", so Strutzmann. Aus der Sicht des ÖBV habe diese Kosten die Gentechnikindustrie zu tragen, die die Nutznießerin dieser Technologie ist.

"Die Konferenz hat auch gezeigt, das Koexistenz nach dem derzeitigen Wissensstand nicht möglich ist", erklärt Strutzmann abschließend. Zudem sei erheblicher Forschungsbedarf gegeben. "Solange es keine ausreichenden Antworten auf die offenen Fragen gibt, dürfen keine neuen GVO-Pflanzen in der EU zugelassen werden", erklärt Strutzmann abschließend. Diese Meinung teilt auch die österreichische Umweltorganisation GLOBAL2000 http://www.global2000.at .

"Aufhorchen ließ auch EU-Umweltkommissar Stavros Dimas mit seiner Kritik an der Europäischen Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA), mit der er die Bedenken vieler Umweltschützer und der österreichischen Bundesregierung bestärkt", so Jens Karg, Gentech-Experte von Global2000 zu pressetext. Dimas kritisierte, dass die Langzeitrisiken von Gentech-Pflanzen und Genfood zu wenig untersucht wären. "Damit ging Dimas auf Konfrontationskurs mit Mariann Fischer Boel und gab zu, dass das EU-weite Zulassungsprocedere für GVO die Konsumenten nicht schützt und unsere Landwirtschaft einer nicht ausreichend geprüften Risikotechnologie aussetzt", so Karg abschließend.

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