Gentechnik
Welchen Nutzen bringen GVO in der Landwirtschaft?
Am 4. und 5. April wird in Wien bei der EU-Konferenz "Freedom of Choice" über mögliche Koexistenzregeln von herkömmlicher und GVO-Landwirtschaft diskutiert.
Für einen erweiterten Koexistenzbegriff spricht sich die Buchautorin Brigitte Zarzer aus. Zarzer forderte, dass man sich nicht nur darauf beschränken soll, dass Experten über einige Meter mehr oder weniger Abstand zwischen den Äckern diskutieren. Überlegungen wären vielmehr für die gesamte Produktionskette zu treffen: von der Saatguterzeugung über den Anbau bis zur gemeinsamen Maschinennutzung von Landwirten bei Aussaat und Ernte sowie für Lagerung, Transport und Verarbeitung. Zudem dürften Schwellenwerte für Verunreinigungen nicht zu hoch angesetzt werden.
"Koexistenzmaßnahmen beziehungsweise die Trennung von Warenströmen führen zu teils erheblichen Mehrkosten", so Zarzer. Somit gehe es auch um die Frage, wer z.B. die Kosten für Laboruntersuchungen übernimmt, die von konventionellen Landwirten durchgeführt werden müssen, um die Gentechnikfreiheit ihrer Produkte zu beweisen. "Es kann aber nicht angehen, dass Landwirte und letztlich der Konsument von konventionellen oder biologischen Produkten dafür zur Kasse gebeten werden", ist Zarzer überzeugt.
Zu unerwünschten Verunreinigungen mit GVO ist es schon in mehreren Ländern gekommen. In Rumänien etwa sei der konventionelle Soja-Anbau durch Gentech-Soja verunreinigt worden. Rumänien als EU-Beitrittskanditat versucht nun wieder aus dem Gen-Soja-Anbau auszusteigen, da diese Sorte in der Union nicht zugelassen ist. In Kanada konnte sich der herbizidtolerante Gentech-Raps verbreiten. Dies stört nicht nur die konventionellen Landwirte, sondern auch die Imker. Der berühmte kanadische Rapshonig sei inzwischen häufig verunreinigt und werde von großen Lebensmittelkonzernen gemieden.
Zarzer gibt zu bedenken, dass sich Gentech-Pflanzen in der Landwirtschaft noch nicht bewährt hätten. Weder sei von Ertragssteigerungen noch von finanziellen Erfolgen durch Gentech zu berichten. Kurzfristige Erfolge, etwa durch geringeren Spritzmitteleinsatz, heben sich langfristig meist durch Resistenzbildung und andere Nebeneffekte wieder auf. In den USA war die Ausbeute bei Soja teilweise sogar niedriger und bei Bt-Mais nur geringfügig höher. Vorteile gebe es nur für die industrialisierte, auf Monokulturen ausgerichtete Landwirtschaft.
Sinnvoller als der Gentech-Anbau sei es laut Zarzer über den Ausbau nachhaltiger und biologischer Landwirtschaft nachzudenken. In amerikanischen und deutschen Langzeitstudien konnte festgestellt werden, dass über einen längeren Zeitraum betrachtet die biologische Landwirtschaft bei vielen Sorten den gleichen Ertrag bringt wie konventionelle Bewirtschaftung.
Buchtipp:
Brigitte Zarzer, Einfach GEN:ial, Die grüne Gentechnik: Chancen, Risiken und Profite, 190 Seiten, 16,00 Euro







