Start / Ausgaben / BioPress 49 - November 2006 / Internationaler Anspruch und regionales Flair

Internationaler Anspruch und regionales Flair

Die SANA in Bologna trennt künftig Fach- und Besuchermesse


Die Identifikation von Bio, links das Ährenfeld und die Alternative, rechts die Mondlandschaft, wird in italienischem Marketing krass und deutlich dargestellt. Die „heile Welt“ hat scheinbar weniger Wirkung! Der Bio-Supermarkt NaturaSi (Mi. u.) hatte während der vier Tage auf der SANA 4.670 Kunden
Zu Recht definiert sich die SANA in Bologna mittlerweile nicht mehr nur als kommerzielle, sondern auch als politische und wissenschaftliche Institution und Impulsgeberin für die Fortentwicklung der Qualitätsmärkte auf europäischem und internationalem Niveau. So war bei der italienischen Messe in diesem Jahr eine starke Beteiligung von Ausstellern aus Kanada, Nord-, Mittel- und Südamerika zu verzeichnen, aber auch aus allen Ländern Vorder- und Hinterasiens, vor allem aus Südkorea, China und Thailand. Indien und Pakistan waren hingegen weniger stark vertreten.


Die Organisatoren der SANA planen künftig die Fachmesse von der Besuchermesse zu trennen, wie bei der diesjährigen Veranstaltung im September bekannt gegeben wurde. Die Aussteller können entscheiden, in welchem Bereich sie sich präsentieren möchten. Auch Doppelauftritte sind möglich. Grundsätzlich wird trotz dieser Differenzierung nach unterschiedlichen Zielgruppen das Grund- konzept der Messe beibehalten, nämlich die Synergie zwischen regionaler Basis und internationalem Anspruch der SANA. Mit diesem neuen Konzept soll die Qualität des Angebots an Breite und Tiefe gesichert werden.

Erlebniswelten

Die als Erlebniswelten konzipierten Aktionen und Sonderausstellungen in allen 14 Hallen waren in den meisten Fällen überfüllt: Von fachlich angeleiteten Biowein- und Mineralwasserverkostungen, Ausstellungen und Workshops zu anderen Ökoprodukten, Ökotextilien („SANA-Modeatelier") und Ökobaumaterialien bis hin zu einer im mittelalterlichen Stil aufbereiteten Heilpflanzenausstellung und der effektvollen Darstellung von mit Naturkosmetik arbeitenden Schönheitsfarmen.


Die Regionen präsentieren sich alle mit ihren Besonderheiten. Emilia Romagna lädt ein zum Kochkurs.
Der Supermarkt der Natur (NaturaSi) verzeichnete eine Rekordzahl von 4.670 Besuchern. Ein weiteres gelungenes Highlight war die Vermittlung von neuen Handelskontakten mit und zwischen ausländischen Fachbesuchern innerhalb der International Business Area.

Die italienische Küche besteht aus einer Vielzahl von Regionalküchen. Durch die geographische Lage und lange Kochtradition kann sie auf eine Vielzahl von Zutaten und Spezialitäten zurückgreifen. Allen regionalen Spezialitäten gemeinsam ist die historische Unterscheidung zwischen der Cucina alto-borghese (womit die exklusive Kochtradition der höheren Stände seit der Renaissance bezeichnet wird) und der Cucina povera (der regionalen bäuerlichen und städtischen Küche).

Was die italienische Küche jedoch auszeichnet, ist der Verzicht auf komplizierte und aufwändige Kombinationen. Trumpf sind möglichst naturbelassene Grundprodukte höchster Qualität, deren Eigengeschmack durch äußerst zurückhaltende und schonende Bearbeitung und sparsame Würzung zu optimaler Geltung gebracht wird. In diesem Sinne beeindruckten der Auftritt der italienischen Regionen mit einer Fülle von kulinarischen Produkten, deren Marktpotenzial der deutsche LEH erst zu entdecken beginnt.

Die Region Emilia-Romagna, eine der bekanntesten im Ausland, hat ihrem internationalen Ruf auf der SANA alle Ehre gemacht und eine großflächige Erlebniswelt präsentiert: Angefangen über die unterschiedlichen Bodenbeschaffenheiten, die den ökologischen Landbau mehr oder weniger leicht möglich machen, mit audiovisuellem Lehrpark über Frontcooking mit Integration der Zuschauer. Obst und Gemüse, Pasta, Pestos, Käse, Wein, Essig, Öle, Süß- und Backwaren überzeugten die Besucher von dem kulinarischen Reichtum der Region.

Focus: Hochwertige Produkte für Allergiker

Ganz gleich, welcher Art eine Allergie oder eine Nahrungsmittelunverträglichkeit ist: Das Ausklammern von Milch, verschiedener Proteine, Zucker, bestimmte Fette oder Gluten aus der täglichen Ernährung stellt für die Betroffenen in jedem Fall einen Verlust an Lebensqualität dar. Daher war ein messebegleitender Fachkongress dem Konsumentenbedarf und der Vertriebsstruktur von Produkten für Allergiker gewidmet. Im Zentrum der wissenschaftlichen Vorträge im Rahmen des Allergikerkongresses stand die Anwendung von Ziegenmilch in der Baby- und Kinderernährung zur Vermeidung und Therapie von Allergien gegen Kuhmilchbestandteile (Laktose und Protein), aber auch aktuelle Ergebnisse aus der Zöliakieforschung. Der zweite Themenkomplex war der Vermarktung von Produkten für Allergiker gewidmet.

Überzeugendes Kongressprogramm

Bei den anderen elf Sonderveranstaltungen und 101 wissenschaftlichen Vorträgen wurde ein Fachpublikum mit hohen Informationsansprüchen bedient. Die Begleitveranstaltungen haben dazu geführt, dass sich die SANA mehr und mehr von einer ursprünglich kommerziellen zu einer wissenschaftlich anerkannten Institution entwickelt hat, die immer größeren internationalen Zuspruch findet. Bei der Auswahl der Vortragsthemen und Referenten haben die Veranstalter viel Kompetenz und viel Sensibilität bewiesen.


Bio-Kräuter und -Gewürze sind ein klassisches Thema auf der SANA
Wissenschaftliche Vorträge zu Themen der landwirtschaftlichen Urproduktion (Tierhaltung, europäische Agrarpolitik, Haltungs- und Managementformen in der Bio-Tierproduktion, Zucht lokaler Rassen, gesundheitsschädigende Wirkung von Pestiziden bei Kindern, Pflanzenschutzmittel etc.) und ein Überblick über italienische Forschungsprojekte zum Thema Biolandbau standen ebenso auf dem Programm wie der Themenkomplex Phytomedizin, Arznei- und Gewürzpflanzen, Indikations-, Zertifizierungs und Labelingfragen für die Verwendung von Pflanzen in Kosmetik und Nahrungsergänzungsmitteln.

Regionale und biologisch erzeugte Produkte, deren Vermarktung und Nahrungsmittelsicherheit sind Klassiker der SANA-Kongresse. Im Rahmen dieses Themenbereichs wurde auch das von der EU finanzierte Forschungsprojekt OLIBIO vorgestellt, dessen Hauptziel es ist, die Rückverfolgbarkeit im Hinblick auf die Verunreinigung mit gentechnisch veränderten Ölsaaten sicherzustellen.

Im Zusammenhang mit Lebensmittelproduktion wurden Vorträge zum Thema Maronenproduktion im Appenin sowie Obst- und Gemüsekühlung gehalten. Und in diesem Jahr wurde erstmals China als Absatzmarkt für italienische und europäische Qualitäts- und Bioprodukte beleuchtet. Ein Vortrag über die innereuropäischen Unterschiede bei der Distribution von Bioprodukten brachte interessante neue Impulse für den LEH. Darüber hinaus wurde in einem Vortrag ein Ausflug in die Quantenphysik und ihre Anwendbarkeit in Medizin und Landwirtschaft gewagt. Groß war das Interesse der Besucher an den Vorträgen über internationale Zusammenarbeit, den Fairen Handel und ethisches Investment.

Petra Becker/Marita Sentz


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