Start / Ausgaben / BioPress 49 - November 2006 / Verantwortung des LEH für zukunftsfähiges Ernährungsverhalten

Verantwortung des LEH für zukunftsfähiges Ernährungsverhalten

Podiumsdiskussion: Ernährungswende – Verbraucherverhalten

Was kann der Handel zur dringend notwendigen Ernährungswende beitragen? Unter der Gesprächsleitung von Bernhard Burdick, Verbraucherzentrale NRW, versuchten drei kompetente Frauen bei einer Vortragsrunde auf dem 2. Bio Handels-Forum am 12. September 2006 darauf Antworten zu geben.

Im Rahmen eines dreijährigen Verbundforschungsvorhabens zur Ernährungswende sollten Strategien für eine nachhaltige Ernährung entwickelt werden. Dr. Ulrike Eberle vom Öko-Institut e.V. stellte die wichtigsten Ergebnisse dieser im letzten Jahr abgeschlossenen Studie vor. Eine Ernährung ist demnach nachhaltig, wenn sie sowohl umweltverträglich ist als auch die Gesundheit fördert und Genuss verspricht. Durch den Verzehr von Bio-Lebensmitteln wird allen drei Kriterien Rechnung getragen, konnte die Wissenschaftlerin bestätigen.

Aktive Rolle des LEH lohnt sich

Ob sich die Verbraucher dauerhaft entsprechend der Empfehlungen versorgen, hänge allerdings auch davon ab, dass diese Ernährungsweise in ihren Alltag passt und sozio-kulturelle Vielfalt ermöglicht. So hatten beispielsweise alle Konsumentengruppen bei der Studie den Wunsch nach Entlastung geäußert, wenn sie ihr Verhalten ändern sollen.

Bei einigen lag der Schwerpunkt auf finanzieller Unterstützung, während andere Konsumenten nach einem besseren Informationsangebot verlangten. Nicht zuletzt gibt es viele Verbraucher, die beim Einkauf und der Zubereitung der Mahlzeiten entlastet werden möchten und mehr Convenience erwarten.
v.li.n.re.:MdB Cornelia Behm, Dr. Ulricke Eberle, Bernhard Burdick und Wiebke Franz

Wie Ulrike Eberle erläuterte, kann und sollte der Lebensmittelhandel in allen Bereichen aktiv werden. Zum einen gilt es, die Nachhaltigkeitskriterien im Warenangebot zu bündeln. Der Handel sollte deshalb in allen Sortimentsbereichen eine umfangreiche Auswahl an Bio-Lebensmitteln bereitstellen und möglichst auch regionale oder fair gehandelte Produkte anbieten. Umweltverträgliche und gesundheitsfördernde Convenience-Produkte würden heutzutage ebenfalls regelmäßig verlangt und ließen sich gut mit den anderen Werten kombinieren.

Eine umweltfreundliche, energieeffiziente Ladengestaltung stärke die Glaubwürdigkeit des Unternehmens und somit das Image, ergänzte Ulrike Eberle. Neben eindeutiger Kennzeichnung und Bewerbung der Ernährungsangebote, sollten die Unternehmen zum anderen auch die Kompetenz und die Motivation der Mitarbeiter entsprechend des Nachhaltigkeitsgedankens fördern.

Nachhaltige Ernährung keine reine Privatsache

Ein konkretes Beispiel dafür, wie die letztgenannte Empfehlung zu verwirklichen ist, gab Wiebke Franz von der UGB-Akademie in Wettenberg bei Gießen. Der UGB, Verband für unabhängige Gesundheitsberatung, bietet Fachkräften unter anderem regelmäßig Schulungen zu Bio-Lebensmitteln und gesunder Ernährung an. Entsprechend ausgebildetes Verkaufspersonal werde dadurch in die Lage versetzt, selbstständig und kompetent auf die diversen Fragen der Kunden zu antworten.

Wiebke Franz nannte die Frage nach dem höheren Preis oder Verwendungsmöglichkeiten von Bio-Lebensmitteln. Eine gute fachliche Kommunikation diene der Kundenbindung und der Neukundenwerbung. Zudem würde sich das Verkaufspersonal anschließend eher mit der Produktpalette identifizieren und sich effektiv bei Verkostungen oder anderen Aktionen engagieren, äußerte sie sich zu den positiven Wirkungen der Seminare.

Politik muss Verantwortung mittragen

Auch die Politik ist gefordert und muss den Rahmen dafür schaffen, in welchem Maß die Verbraucher die Verantwortung für ihre Ernährung übernehmen wollen und können. MbB Cornelia Behm, Obfrau im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und Mitglied der Bündnisgrünen, brachte verschiedene Aspekte zur Sprache.

Zunächst sorge die Politik dafür, dass die Regeln und Gesetze beim Import und Export von Lebensmitteln eingehalten werden. Sie sei aber auch gefragt, wenn es um die Klärung geht, an welchen Punkten bei der Erzeugung von Lebensmitteln eine Wertschöpfung stattfindet. Drittens müsse die Politik Qualitätskriterien für Ernährung und Gesundheit entwickeln und beobachten, meinte Cornelia Behm. „Bio liegt im Trend", betonte sie. Daher sollte die Politik auch weiterhin die bestehenden Möglichkeiten nutzen, um die Verbraucher zu informieren und fit für nachhaltige Ernährung zu machen.

Ein gelungenes Instrument stellt in diesem Zusammenhang das Bio-Siegel dar, das sich als Garantie ähnlich wie das TÜV-Zeichen bewährt hat. Selbst die Kombination mit anderen Warenzeichen oder regionalen Siegeln würde die Kunden nicht mehr verwirren, so die Politikerin. Andererseits sprach sie sich dringend dafür aus, die EU-Öko-Verordnung weiter zu entwickeln und das vor der Verabschiedung stehende Verbraucher-Informationsgesetz zu verbessern. Bei Verstößen müssen die Namen der Firmen genannt werden dürfen. Nach wie vor leider nur eine Forderung war der Ruf nach einer real garantierten Rückverfolgbarkeit aller Produkte.

Bettina Pabel


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