Bio in Europa

Prof. Ulrich Hamm stellt beim Bio Handels-Forum den EU-weiten Bio-Trend vor

Den Blick nach Europa richtete Prof. Ulrich Hamm beim 2. Kölner Bio Handelsforum. Der mit Abstand größte nationale Markt in der Europäischen Union ist Deutschland mit 3,9 Milliarden Euro vor Großbritannien mit 2,2 und Frankreich mit 1,7 Mrd. In allen drei Ländern hatten Bio-Lebensmittel 2005 ein zweistelliges Wachstum zu verzeichnen. Der pro Kopf Verbrauch ist aber in der Schweiz mit 102 Euro, Dänemark mit 74 und Österreich 55 höher als in Deutschland mit 47 Euro. Wobei der dänische und österreichische Markt weiter stark wachsen, während der Schweizer aktuell stagniert.


Prof. Ulrich Hamm stellt beim Bio Handels-Forum den Eu-weiten Bio-trend vor.
In den europäischen Ländern wächst der Verbrauch an biologischen Lebensmitteln stärker als die Anbaufläche. Besonders drastisch ist das in Dänemark, wo die Anbaufläche in den letzen fünf Jahren rückläufig war bei einer gleichzeitigen Umsatzsteigerung von 50 Prozent. Auch in England ist die Anbaufläche mit ein Prozent fast gleich geblieben, während der Verbrauch um 49 Prozent gewachsen ist.

Die Schlussfolgerung aus dem Publikum, dass der deutsche Markt aufgrund seines Volumens Importe anziehe und deshalb die Erzeugerpreise unter den Erwartungen bleiben, widerlegte der Professor. „Wir hatten Überschüsse, die erst jetzt abgebaut sind", argumentiere er. Aufgrund des Dollarkurses seien die Warenströme ohnehin in der Vergangenheit eher in die USA geflossen. Der dortige Markt hat etwa die Dimension des europäischen Marktes bei geringer eigener Erzeugung, also starker Importabhängigkeit.

Das jetzt knappe Angebot ist dem Schweinezyklus zu verdanken, der inzwischen auch bei Bio greift. „Ich rate zu antizyklischem Verhalten", bemerkte der Hochschullehrer. Auch die staatlichen Fördermaßnahmen beeinflussen die landwirtschaftliche Produktion. Die Politik der Bundesländer mit Mittelstreckungen hat hier in den letzten beiden Jahren gebremst. Die Verbände haben mit ihren Warnungen ebenso dazu beigetragen.

Nicht diskutiert wurde, woher die Ware aktuell bezogen wird. Aber wo ein Importeur ist, muss auf der anderen Seite ein Exporteur sein. Größter Bio-Fruchterzeuger ist zum Beispiel Italien bei einem kleinen Binnenmarkt. In Spanien ist der inländische Markt noch weniger entwickelt bei großer Erzeugung. Die dortige Landwirtschaft versorgt die Märkte in Mitteleuropa.


Die bevorzugte Vertriebsschiene für Bio-Lebensmittel ist europaweit der LEH. Im Vereinigten Königreich, Dänemark und der Schweiz werden drei Viertel und mehr der Bio-Lebensmittel über Supermärkte vertrieben. Nur in Deutschland und den Niederlanden beträgt der Anteil des LEH noch weniger als die Hälfte. In Deutschland läuft der Trend allerdings in Richtung Supermarkt.

Der Kunde greift zu Bio wegen des Nutzens Lebensmittelsicherheit. Auch die regionale Herkunft bildet einen Kaufanreiz. Der Zusatznutzen „Genuss ohne Schlechtes Gewissen" greift ebenfalls. Dazu zählt der Forscher Gesundheit, Tierschutz und Umwelt. Der Bio-Verbraucher der Zukunft ist keine einheitliche Zielgruppe. Er verhält sich je nach Situation anders und muss am POS gewonnen werden.

Der Handel profitiert von der höheren Sicherheit der Bio-Lebensmittel ebenfalls. Die Rückstandsproblematik ist nach wie vor aktuell. Mit Bio kann er sich zudem von der Konkurrenz abheben.

Die Produkte stehen im Spannungsfeld zwischen Grund- und Zusatznutzen sowie Niedrig- und Hoch-Preis. Die profilschwache Mitte wird es schwer haben. Entweder rechtfertigen Zusatznutzen einen gehobenen Preis oder der Hersteller überzeugt durch günstige Angebote.

In der Beschaffung wird es eine Internationalisierung geben, die Probleme der Transparenz und Qualitätssicherung birgt. „Die Qualität der Produkte wird ein beherrschendes Thema werden", konstatiert der Wissenschaftler. Die Internationalisierung ist ein Trend, der schon einige Jahre anhält, aber erst jetzt so richtig wahrgenommen wird. Eine Vielzahl der Bio-Produkte von Hartweizen über Reis bis zu Oliven und Kaffee muss importiert werden, da die Pflanzen hierzulande nicht heimisch sind.

Bei einem Ausblick bis ins Jahr 2010 prophezeite Hamm weiter einen starken Markt in ganz Europa. In Ost- und Südeuropa sieht er hohe Wachstumsraten. Bei der Beschaffung sagt er quantitative und qualitative Probleme vorher. Dem Handel empfahl er deshalb, eine eigene Versorgungskette aufzubauen.

Anton Großkinsky


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