Alles oder Nichts

Delhaize-Berater Carol Haest empfahl beim Bio-Handelsforum die Differenzierung

Die Frage nach der Alles- oder Nichts- Distribution stellte Carol Haest vom IFOAM-Trade-Forum beim Bio Handels-Forum in Köln. Supermärkte, Schnell-Restaurants und Möbelketten distribuieren überall das Gleiche, unpersönlich und ohne Dienstleistung. Daneben gibt es die Etwas-Distribution von Wochenmärkten und Restaurants, die sich voneinander unterscheiden und persönliche Dienstleistungen erbringen.


Christoph Soika kündigt Carol Haest vom IFOAM-Trade-Forum an.
Die Uniformität im Handel breitet sich aus. Durch die Globalisierung wird sie noch beschleunigt. Die verschiedenen Formate werden sich immer ähnlicher. Der Discounter wertet sein Angebot durch Sortimentsverbreitung wie Bio-Artikel auf, der Vollsortimenter versucht billig wie ein Discount zu werden. Die Nicht-Unterscheidbarkeit droht. Der Industrielle Paul Fentener van Vlissingen hat den Satz geprägt: „Unternehmer sind Esel". Van Vlissingen selbst steckte nach einer Krebskrankheit viel Geld in südafrikanische Naturschutzgebiete und setzte auf Nachhaltigkeit.

Mehrwert durch fairen Handel und Qualitätssicherung

Haest, langjähriger Bio-Berater der belgischen Lebensmittelkette Delhaize, schlug als Ausweg aus der Nichts-Distribution eine Differenzierung vor: Dauerhafte Geschäftsbeziehungen mit den Lieferanten eingehen, Kommunikation mit Mitarbeitern und Kunden, regionale Gesichtspunkte aufnehmen und die Sortimente variieren. Durch eine Betriebskultur, durch soziale Verantwortung, durch faire Handelskonzepte und durch Qualitätsmanagement über die ganze Produktionskette hinweg bis zur Abfallbeseitigung lässt sich nach Haests Auffassung Mehrwert schaffen. Das sorgt für eine nachhaltige Entwicklung.

Aktuell versucht noch jeder, das größte Stück vom Kuchen zu ergattern. Das Überleben der Menschheit hänge aber von ihrer Fähigkeit ab zu teilen, wie Haest den Zuhörern klar machte. Der große Gelehrte Erasmus von Rotterdam hatte im 16. Jahrhundert die Kaufleute als Lügner und Betrüger gebrandmarkt. Haest ist nicht so pessimistisch: „Es ist alles in Ordnung mit den Kaufleuten, wenn sie im Dienste des Menschen und des Lebens stehen."

Bis zum Jahr 2030 erwartet er steigende Preise für fossile Brennstoffe. Pestizide und Kunstdünger auf der Grundlage von Petrochemie werden sich damit enorm verteuern. Die Böden werden noch mehr erodiert sein. Auswege aus der Krise versprechen die „Geheimwaffe" Gentechnik und die nachhaltige ökologische Landwirtschaft. Bio hat glänzende Zukunftsaussichten.

Wiedergeburtder Marken

Die Unternehmer reagieren bereits und verhalten sich gar nicht wie Esel. Nach jahrelanger Eigenmarken-Politik sieht Haest eine Wiedergeburt der Marken: „Marken machen glücklich." Zu den zehn Top-Marken in Belgien zählt auch die Handelskette Delhaize: „Ein Supermarkt wird wie eine Marke verstanden". Gleichzeitig entdecken die Markenhersteller wie Kellog`s und Heintz Bio und die Supermärkte Marken in Bio-Qualität. In den Laden-Formaten hat ebenfalls wieder eine Differenzierung eingesetzt, wie die Entstehung von Convenience-Läden, Bio-Supermärkten und Hybrid-Systeme in der Art von Whole Foods aus den USA mit biologischen und natürlichen Lebensmitteln, Nahrungsergänzung oder vegetarischen Produkten zeigen.

Die klassischen Supermärkte wie Delhaize differenzieren sich von der Konkurrenz mit Convenience, Frische und Bio. Das braucht jedoch ein Konzept und Kommunikation. Die Verbraucher verstünden zwar nicht immer das Konzept. „Sie erkennen aber die innere Wahrheit. Bio und Fairtrade müssen ihr Ding weiter machen, jedoch besser in Ausführung und Kommunikation werden", empfahl der alte Hase Haest.

Anton Großkinsky


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