Start / Ausgaben / BioPress 49 - November 2006 / Jedem Format sein Bio-Angebot

Jedem Format sein Bio-Angebot

Die Vielfalt der Bio-Sortimente vorgestellt an unterschiedlichen Vertriebskonzepten

Jede Vertriebsschiene braucht ihr spezifisches Bio-Sortiment. Vorbei die Zeiten, wo nur das angeboten wurde, was am schnellsten verfügbar und am einfachsten zu handhaben ist. Beim 2. Bio- Handelsforum am 11./12. September in Köln stellten unter der Moderation von Unternehmensberater Chrtistoph Soika Vertreter des Handels Konzepte für die Regie, den Selbständigen Einzelhandel, Drogeriemärkte und Bio-Supermärkte vor.

Die Edeka Großhandlung Minden-Hannover präsentierte ihr Bio-Konzept, das aus dem Werbeslogan „Wir lieben Lebensmittel" abgeleitet wurde. Ein Sortiment von 1.000 Produkten soll aufgestellt und mit der passenden Logistik über Zentrallager und auch per Cross-Docking an die Verkaufstellen verteilt werden. Der filialisierte Handel arbeitet mit Modulen, um den Anforderungen der verschiedenen Formate und Standorte gerecht zu werden.
Sebastian Aupperle, selbständiger Rewe-Kaufmann bietet seinen Kunden 1000 Bioartikel von 30 Streckenlieferanten, Michael Bönnemann, Filialleiter des E-Centers ind Osnabrück hat die goldene Selly 2006 für die Großfläche gewonnen und ist der Testmarkt für die Edeka-Bio-Herbstinitiative, Michael Radau, SuperBiomarkt AG setzte die Ausbildung zur Einzehandelskauffrau Fachrichtung Naturkost bei der örtlichen IHK durch und Bernd Merzenich leitete die Einführung eines breiten Bio-Marken-Sortiments beim Drogeriemarkt IhrPlatz.

Bio im LEH braucht 1.000 Artikel

Die Großhandlung Minden-Hannover hat vier Bausteine entwickelt, wie Michael Bönnemann, Leiter des E-Centers in Osnabrück darlegte. Ein Pflicht-, Basis-, Erweiterungs- und Vollsortiment ermöglicht die Vermarktung von biologischen Produkten auf allen Vertriebsschienen. Das Pflichtsortiment von 130 Produkten ist der kleinste gemeinsame Nenner, der auch ein Bio-Angebot auf den Kleinflächen unter 600 Quadratmeter erlaubt. Für das Vertriebsgebiet in Ost-Deutschland hat die Großhandlung das Pflichtsortiment auf 70 Artikel zusammengestrichen. Vertreten sind Trockenprodukte, Obst und Gemüse, Mopro und Tiefkühlkost.

Zweiter Baustein ist das Basissortiment, das aus den gleichen Warengruppen zusammengesetzt ist. Allerdings ist die Zahl der Bio-Produkte mit ungefähr 500 erheblich größer. Das Angebot gewinnt an Breite und Tiefe. Das Pflicht- und Basissortiment enthalten in jeder Warengruppe auch Eck-Artikel. Hierfür hat die Edeka Minden-Hannover zusammen mit dem Lieferanten Rila aus Stemvede-Levern ein 30 Artikel umfassendes Einstiegssortiment an Schnelldrehern entwickelt, das ausschließlich in den Warengruppen im Zweier- und Dreier-Facing präsentiert wird, um Neukunden zu generieren. Die Preiswürdigkeit geht nicht zu Lasten von Hersteller und Erzeuger, sondern der Handel reduziert seine Spanne.

Wo beginnt ein Bio-Vollsortiment?

Anspruchsvoller wird es dann beim Erweiterungssortiment. Da soll es über alle Warengruppen hinweg zu jedem konventionellen Artikel eine Bio-Alternative geben. Zusätzlich werden frische Backwaren im Vorkassen-Bereich und SB-Fleisch angeboten. Hier wird auch die Frische stärker betont.

Beim Vollsortiment kommen noch Wurst und Käse in Bedienung einschließlich Prepacking dazu. Auf 1.000 Artikel und geschultes Verkaufspersonal trifft der Kunde dann idealerweise im Markt. Außerdem auf eine Backstation und Naturkosmetik. Da kann man dann schon einen kompletten Bio-Einkauf tätigen. Die Märkte werden biozertifiziert, um das Prepacking selbst zu erledigen und um Obst- und Gemüse-Convenience herzustellen. Da haben die Macher in Minden die Latte recht hoch gelegt.

Geht Bio nur mit 30 Streckenlieferanten?


Forums-Teilnehmer nutzten die zeitlich begrenzte Fragemöglichkeit.
Wo die Regie hin will, ist so mancher Selbstständige schon angelangt. Rewe Aupperle hat in seinem Markt in Fellbach-Oeffingen bei Stuttgart bereits die magische Zahl 1.000 erreicht. Dazu bedarf es aber 30 Lieferanten. Die Rewe-Großhandlung, die die Eigenmarke Füllhorn und einige Industriemarken bietet, ist da nur einer von vielen Bio-Lieferanten.

Die eigene Beschaffung ist mit hohen Hürden verbunden. Auf der BioFach in Nürnberg wurde Aupperle als Vertreter des LEH von Herstellern mehrfach des Standes verwiesen. „Das war deprimierend, aber ich gebe nicht auf", so der junge Lebensmittelkaufmann. Als qualitätsorientierter Händler sieht er sich zu Unrecht diskriminiert.

Die Vertriebsschiene SEH fördere hochwertige Artikel. Als Selbstständiger sei er nicht daran interessiert werthaltige Produkte durch Diskontierung zu zerstören, wie er darstellte.

Bio-Vollsortiment im Bio-Supermarkt

Das boomenden Ladenformat Bio-Supermarkt stellte der Vorstand der SuperBiomarkt AG Michael Radau aus Münster vor. Mit 7.000 Produkten bietet der regionale Filialist erheblich mehr Bio als jede herkömmliche Lebensmittelkette. In seinen zwölf Märkten „geht es um etwas andres als um die Preisführerschaft". Radau hat sich Qualität zum Maßstab gesetzt. „Das einzige Marketinginstrument, das der LEH in der Vergangenheit gespielt hat, war der Preis", bemängelt er bei den konventionellen Kollegen. Um die Qualitätsaussage glaubhaft vertreten zu können, hat er die Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau Fachrichtung Naturkost bei der örtlichen IHK durchgesetzt. Die regionale Karte spielt Radau nur bedingt: „Regionalität ist ein sinnvoller Zusatznutzen. Die Qualität steht aber im Vordergrund".

Die Drogeriemärkte haben in den vergangenen Jahren ihr Bio-Engagement erfolgreich verstärkt. Ihr Platz aus Osnabrück profilierte sich 2006 mit Bio-Produkten. „Schwerpunkt ist bei uns Naturkosmetik", ließ Bernd Merzenich, Leiter des Bio-Projektes, die Zuhörer wissen. Gesundheit lautet die Überschrift beim Bio-Angebot der Drogeriekette.

Merzenich hat sich ganz mutig auch an Kühlprodukte herangewagt, ein untypisches Sortiment für Drogerien. „Wir müssen das erst noch lernen", gab er den Stand der Dinge wieder. In Innenstadt-Lagen und in den Bahnhofsmärkten haben die Osnabrücker natürlich ein Publikum für gekühlte Frische. Hier fungieren sie auch als Nahversorger. Die Kunden will Merzenich durch die weichen Faktoren wie Wohlfühl-Erlebnis überzeugen, weniger durch die harten Faktoren wie gesetzliche Standards des biologischen Landbaus.

Jede Vertriebsschiene braucht ihr spezifisches Sortiment für den Erfolg beim Kunden. Der filialisierte LEH orientiert sich mittlerweile an der Zahl 1.000. Die Bio-Supermärkte mit rund 7.000 Produkten spielen da in einer eigenen Liga.

Anton Großkinsky


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