Start / Ausgaben / BioPress 49 - November 2006 / 2. Bio Handels-Forum findet großen Widerhall

2. Bio Handels-Forum findet großen Widerhall

Besucher- und Ausstellerzahl der Kongressmesse in Köln mehr als verdoppelt

Der Handel muss (Bio-)Lebensqualität anbieten, sich differenzieren und den Einkauf zum Erlebnis machen. Diese Botschaften gaben Wissenschaftler und Berater beim 2. Bio Handels-Forum in der Kölnmesse am 11./12. September den 420 Teilnehmern mit auf den Weg.


Mehr Kundenorientierung mit Service durch geschultes Personal statt Preiskämpfen wurden als zukunftsträchtig propagiert. Mit Lebensmittel aus biologischem Anbau, die den besseren Geschmack und gesunden Genuss bieten, lassen sich diese Ziele erreichen. Der deutsche Lebensmittelhandel hat die Bedeutung des Themas erkannt. Edeka, Rewe, Metro, Kaufland, Aldi, Norma, Tengelmann, Globus, Bartels-Langness, Dohle, HIT, Müller, Markant, Plus, Rossmann, Ihr Platz, Lüning und Lupus folgten dem Ruf nach Köln.

Neues Format: Anuga Organic 2007


„Es lohnt sich, Bio zumBio-Vollsortiment auszubauen", empfahl Unternehmensberater Christoph Soika. 1.000 Artikel heißt die magische Zahl, die sich zum Beispiel Edeka und Tengelmann zum Ziel gesetzt haben. Denn wer zu spät kommt, den bestrafen die Kunden.

Wolfgang Kranz, Geschäftsführer der Kölnmesse sprach in seiner Begrüßung von einem „bemerkenswerten Echo", das die Kongressmesse bei den großen Handelsunternehmen gefunden habe. Die Zahl der Aussteller ist gegenüber dem ersten Handels-Forum von 23 auf 49 hochgeschnellt. Die Teilnehmerzahl hat sich von 170 auf 420 mehr als verdoppelt. Bio wächst und gedeiht. Bei der Anuga 2006 wird der Bio-Bereich aufgewertet und als eigene Fachmesse unter Anuga organic geführt, gab Kranz als Neuerung bekannt.

Wolfgang Reimer vom Bundesministerium für Ernährung prognostizierte der Branche für 2006 ein Wachstum von 20 Prozent. „Nicht überall in Europa gibt es den gleichen Zuwachs wie in Deutschland. Diese Entwicklung hat die Politik mit angeschoben", bemerkte er in seinen Grußworten.

Wollen Sie Durchschnitt sein?


Marketing-Experte Professor Anton Meyer von der Uni München gab der Bio-Zunft in eloquenter Manier Anregungen für weiteren Erfolg. Der Wissenschaftler riet zur Markenbildung, die im Bio-Sektor noch im Anfangsstadium steckt.

Am Beispiel des Wassers zeigte er, dass eine Marke den Wert eines Produktes vervielfachen kann. Handel wie Hersteller warnte er vor Durchschnittlichkeit. Preiswert oder Premium müsse man sein. „Wollen Sie selbst durchschnittlich sein?" fragte der Professor sein Publikum.

Carol Haest, Bio-Berater der belgischen Handelskette Delhaize, beklagte die Nichts-Distribution des immer Gleichen und forderte die Etwas-Distribution. Bio-Lebensmittel haben das Potenzial, dem Handel Differenzierung zu ermöglichen. Haest riet zur Identitätsbildung nicht nur bei den Produkten, sondern auch beim Ladenformat: „Ein Supermarkt ist eine Marke". Dazu braucht es ein Konzept und Kommunikation: Dann könne der Verbraucher die inneren Werte der Ware erkennen.


Europaweite Trends stellte Professor Ulrich Hamm von der Universität Kassel vor. Er erkennt eine zunehmende Differenzierung des Marktes bei den Produkten und bei den Preisen. Um sich hier behaupten zu können braucht der Anbieter ein klares Profil, das schafft er mit Vielfalt, ansonsten droht das Verschwinden in der Bedeutungslosigkeit.

Der Handel hat das in Teilen erkannt wie die Edeka mit ihrer Kampagne „Wir lieben Lebensmittel". Geschäftsführer Bernhard Berger kündigte einen heißen Bio-Herbst seines Unternehmens mit viel Kommunikation und Aktion an. Noch nie wurde so viel Geld für eine „Warengruppe" in die Hand genommen, wie in der jetzt kommenden Bio-Kampagne. Bio berührt eben das „Ganze", nicht nur einen Teil des Sortiments! Da lohnt sich ein gleich mehrfacher Aufwand.

Die Thesen der Referenten und Podiumsteilnehmer wurden kontrovers diskutiert. „Die Bio-Branche ist aufmüpfig und das ist gut so", freute sich Andreas Ritter-Ratjen, Geschäftsführer des Großhändlers Grell Naturkost.

Die Stimmung war heiter, auch wenn vereinzelt über zähe Moderation geklagt wurde oder die Erwartungen nicht erfüllt wurden. Gabriel Hartlieb von Drogeriemarkt Müller aus Ulm bemängelte, dass die Themen Nahrungsergänzung und Naturkosmetik ausgespart wurden. Viele Teilnehmer fanden das Angebot im Kongresssaal und in der Ausstellung hervorragend. Die gute Stimmung hat sich am Abend fortgesetzt mit der
Selly-Verleihung und dem anschließenden Diner, das viele Teilnehmergruppen bis weit nach Mitternacht ausgedehnt haben. Ob das am hervorragenden Bio-Wein gelegen hat, der nicht ausgehen wollte und dem ebenso guten Bio-Bier?

Diese Meinungen haben wir für Sie eingefangen:

Joop Bowman, Natudis:

Mir haben viele Beiträge und Präsentationen gut gefallen. Hier höre ich Fakten, die bei mir nicht automatisch auf den Tisch kommen. In der täglichen Arbeit kommst Du auch nicht immer zum Nachdenken. Hier gab es Anregungen für neue Sichtweisen.

Hermann Sievers, Leiter Marketing Edeka AG:

Das hier ist das Beste, was es bisher gab. Ich denke, dass sich das weiter verbessern lässt und zum dauerhaften Forum für Bio im LEH wird.

Carol Haest, Delhaize und IFOAM Organic Trade Forum (OTF):

Unglaublich die Liste der Teilnehmer und eine tolle Plattform. Das machen wir nächstes Mal noch mehr international ausgerichtet, dann können auch viele Handelsleute aus Europa und der ganzen Welt hierher eingeladen werden und die Ideen der Biovermarktung austauschen.

Rudolf Bühler, BESH:

Man kann Sie nur beglückwünschen zu dieser Veranstaltung. So ein Branchentreff ist eine ideale Plattform für den persönlichen Austausch. Die Beiträge der Professoren Meyer und Hamm möchte ich als besonders gelungen hervorheben.

Xaver Weydringer, Rother-Bräu:

Ich war nur als Kongress-Teilnehmer hier. Wir überlegen jetzt, ob wir das nächste Mal nicht als Aussteller kommen. Man hört hier andere Meinungen und denkt darüber nach, ob man sein Unternehmen und seine Produkte neu definieren soll.

Achim Reich, Oasis-Teehandel:

Kompliment, ein toller Rahmen und eine gelungene Veranstaltung.

Urban Winkler, Klosterbrauerei-Weissenohe:

Ich bin zufrieden. Es waren Einkäufer hier und haben mit mir gesprochen. Wenn man anruft, landet man ohnehin nur im Vorzimmer. Deshalb ist es wichtig, hier dabei zu sein.

Karl-Heinz Hierl, Hierl Naturkost:

Drei gute Gespräche haben wir geführt. Eines davon ist super top, das war ein Abschluss, die anderen Beiden können noch kommen, müssen aber nicht. Wir gehen hier mit strahlendem Lachen vom Platz.

Dr. Jörg von Oertzen, Biophox:

Hersteller und Handel waren bei uns und haben sich die Biophotonenmessungen zeigen lassen. Die Kontakte werden wir weiter ausbauen.

Stephan Roggenkamp, Roggenkamp Organics:

Zwei Bio-Supermarktketten haben wir hier als Interessenten gewonnen. Besser konnten wir es nicht treffen. Und das, obwohl wir am hinteren Ende der Ausstellerfläche standen.

Martina Brückner, Gmyrek Fleisch- und Wurstwaren:

Wir haben gute Kontakte zum Handel geknüpft. Außerdem waren Rohstoffanbieter für unsere Produktion am Stand. Das hat uns sehr gefallen.

Susanne Merl, EDMUND MERL:

Es ergaben sich zahlreiche neue Kontakte sowie Ansätze zum Ausbau bestehender Partnerschaften im Segment Bio-frischer Feinkostsalate. Der für uns relevante Besucherteil (klassischer LEH auf der Suche nach Bio-Konzepten sowie aufgeschlossene reine Bio-Großhändler) war gut vertreten.

Claus Dörner, Alb-Gold-Teigwaren:

Ich bewerte dieses Bio Handels-Forum als qualitativ absolut hochwertig, insbesondere das Fachpublikum und die Inhalte des Kongresses. Speziell die Mischung aus Theorie und Praxis, der sich auch in der Teilnehmerzusammensetzung widerspiegelte, war sehr gut.

Martina Romanski, Naturland-Zeichen:

Das 2. Bio Handels-Forum ist eine ideale Plattform, auf der sich LEH und Öko-Branche auf Augenhöhe begegnet sind.


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