Start / Ausgaben / BioPress 49 - November 2006 / Bunte Bio-Welt bei Globus

Bunte Bio-Welt bei Globus

Früchte, Heißgetränke und Molkereiprodukte bis hin zu Wurst auf 20 Regalmetern


Bio-Verkostung und Verkaufsaktionen im Vorkassebereich bei Globus in Ludwigshafen. Den Pfälzern schmeckts.

36 Mal in Deutschland gibt es ein Globus SB-Warenhaus. Mit 3,5 Milliarden Euro Jahresumsatz zählt das Familienunternehmen aus St. Wendel zu den zehn größten Anbietern in der deutschen Handelslandschaft. In Ludwigshafen Oggersheim hat der Großenflächenbetreiber im November 2005 einen neuen Markt eröffnet. Produktwelten wie Wein und Frühstück sind Bestandteil des Verkaufskonzepts des Handelsunternehmens. So haben sich die Ladenplaner auch eine eigene Bio-Welt geschaffen entgegen der Tendenz bei der Konkurrenz: Bio wird dort eher aus dem Block befreit und ins Sortiment integriert.

Globus profiliert sich auf der Großfläche mit Lebensmitteln aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA). Damit setzt sich das Unternehmen vor den Marktführern Metro und Kaufland ab, denen allein über den Preiskampf nicht begegnet werden kann. Rund 700 Produkte aus den Bereichen Trocken, Frische und Tiefkühlkost sind in Selbstbedienung und an der Käsetheke erhältlich. Ein Gang mit zwei Regalen von zehn Meter Länge beherbergt die bunte Bio-Welt. Globus setzt bei Biologischen Lebensmitteln ebenso wie Konkurrent Kaufland auf die Industrie-Marken statt mühsam in eine Bio-Eigenmarke zu investieren.

Keine Bio-Eigenmarke


Die Bio-Marken-Strategie des beweglichen mittelständischen Filialisten hat sich bewährt. Schnell war ein Grundsortiment aufgestellt, das kontinuierlich erweitert wird. Die Optik ist entsprechend abwechslungsreich und suggeriert eine größere Vielfalt als eintönige Eigenmarken-Blöcke. Das hat dem Globus im Saarbrücker Stadtteil Güdingen 2005 eine Selly im Bio-Handelswettbewerb eingebracht. Das Grundsortiment liefert die Bio-Zentrale aus Stubenberg mit der Industriemarke Gut & Gerne. Die Erweiterungssortimente stammen von konventionellen Lebensmittelherstellern, die eine Bio-Range führen, zum Beispiel von Kölln und Darboven. Auch 100-prozentige Bio-Betriebe wie Herzberger, Herbaria oder Huober zählen zu den Lieferanten.

In der Bio-Welt sind alle Warengruppen von der Frische bis zu dem Trockenprodukt zusammengefasst, obwohl der Handel Bio-Lebensmittel zunehmend ins Sortiment integriert. Die Teamleiterin Food trocken, Franziska Warta, rechtfertigt die Strategie mit „starken Umsatzzahlen" in einer immer größer werdenden Bio-Welt.

Am Anfang steht das grüne Sortiment. Hier kann der Kunde unter rund 40 Artikeln auswählen. Die lagerfähigen Gemüse wie Karotten und Kartoffeln sind in verschiedenen Sorten und Abpackungen erhältlich. Volumenprodukte wie Äpfel und Bananen werden ganzjährig geführt. Salate, die im LEH oft nicht zu haben sind, bietet der Großflächenbetreiber ebenfalls. Saisonale Produkte angefangen vom Spargel über die Beerenfrüchte, Steinobst und Melonen sorgen für ein buntes Bio-Bild. Zitrus-Früchte, die im Bio-Anbau nicht so ganz einfach sind, haben sich mittlerweile etabliert. Die Gewächshausgemüse Tomaten, Paprika und Salatgurken sind fester Bestandteil im Bio-Sortiment des Großflächen-Betreibers. Die Bio-Tomate hat dabei eine Vielfalt von rund, Kirsch, Rispe und Fleisch entwickelt.

Weiter geht es im Oggersheimer Globus mit den Frühstücksprodukten. Müslis sind eine Bio-Domäne und haben sich zu einem Produkt für Normalverbraucher, nicht mehr nur für Gesundheitsapostel, entwickelt. Kölln und Bio-Zentrale liefern variantenreiche Mischungen. Abgepacktes wertvolles Vollkorn-Brot kommt von Pema und Mestemacher. Knäckebrot und Zwieback erweitern das Angebot. Bio-Fruchtaufstriche mit weniger Zucker als herkömmliche Marmelade gehören ebenso auf den Frühstückstisch wie Honig.

Dazu kommen die Heißgetränke Tee und Kaffee. Hier ist auch die klassische Bio-Marke Mount Hagen von Wertform, der Spezialist für löslichen Kaffee vertreten, moderne Pads sind ebenso vorhanden wie ganze Bohnen und Espresso. Die Preisspanne reicht von vier bis sieben Euro für das Pfund. Da können unterschiedliche Käu- ferschichten bedient werden. Herbaria ist mit Kräuter- und Früchtetees und die Gepa mit Rotbusch, Grün- und Schwarztee am POS vertreten.

Knabbern mit Mayka und Huober

Es folgen Süßwaren und Knabber-Gebäck wie Huober-Brezel und Mayka-Chips oder Zitronenwaffeln von Rinatura. Snacks in Form von Riegeln liefern die Bio-Zentrale (BZ), Rinatura und das Fairhandelshaus Gepa. Im Süßwaren-Regal nimmt auch bei Bio-Schokolade einen breiten Raum ein. Der Preiseinstieg liegt bei 99 Cent, Sarotti ist bei 1,39 angesiedelt und Gepa reicht bis 1,69 Euro.


Manche konventionelle Produkte haben sich in die Bio-Welt verirrt. Darauf sollten die Verantwortlichen viel mehr achten. Auch wenn Soja-Produkte scheinbar gut zu Bio passen, sind es unterschiedliche Welten!
Das reichhaltige Teigwaren-Regal ist mit deutschen Nudeln und italienischer Pasta bestückt. Die Fit-for-Fun-Linie, von Bernbacher produziert, ist mediterran geprägt. Die Einstiegsmarke Mama Lucia, wie der Name verrät, ebenfalls. Die BZ liefert immer populärer werdende Dinkel-Nudeln und deutsche Varianten mit Ei und aus Vollkorn. Hier trifft der Kunde auf eine reiche Auswahl hochwertiger Produkte.

Bei den Getränken führt der Globus die Amecke Gemüsesäfte, die Vita Verde Fruchtsäfte und Milchersatzgetränke aus biologischer Erzeugung. Wein darf in der Pfalz auch nicht fehlen. Neben deutschen Tropfen stehen die europäischen Weinländer Frankreich, Italien und Spanien im Regal.

Convenience für die schnelle Küche ist ein wichtiger Bestandteil: Tomatenprodukte der BZ wie vegetarische Bolognese, Tomatenmark und Ketchup sind am POS. Hülsenfrüchte der Bio-Marke Bonatura der Müllers Mühle aus Gelsenkirchen, Wurst-Konserven von Meica und Müller aus Ebstorf sind vorhanden. Auch Spezialitäten wie Bärlauch-Öl in der 0,1 Liter Mini-Flasche oder asiatische Würzmittel wie Soja-Soße und Tamari werden angeboten. Tamari ist eines der seltenen Produkte, die es bei Globus nur in Bio gibt. Eine solche Spezialität ist erklärungsbedürftig und ohne Kundeninformation nicht absetzbar.

Umsatzbringer Bio-Mopro

Ein Umsatzbringer ist das Kühlregal mit Schwerpunkt Molkereiprodukte. Trinkmilch läuft besonders gut. Der Globus macht hier ein attraktives Angebot. Andechser, Fallers und besser bio aus Österreich sind im Programm. Natur-, Fruchtjoghurt, Sahne, Quark, Buttermilch und selbst Ziegenmilch werden in Bio-Qualität verkauft. Die Ein-Kilo-Familienpackung Joghurt von Weideglück steht neben den trendigen Joghurt-Drinks von Andechser. Frische Nudeln gehören ebenfalls in ein modernes Sortiment. Sie liefert D’Angelo aus Saarwellingen.

Globus bietet noch eine Reihe anderer Kühlprodukte: So Schinken von Wein aus dem Schwarzwald, Klüsta aus Westfalen und der kff aus Fulda geräuchert, luftgetrocknet und gewürfelt. Die Auswahl ist reichlich. Gleichwohl werden die Premium-Fleischwaren von der Kundschaft noch wenig beachtet. Hier muss der Verkauf angekurbelt werden.

Anton Großkinsky

 

Bio-Aufbau im Vorkassenbereich

 

 

 

 

Mit Aktionen kurbelt der SB-Warenhausbetreiber Globus aus St. Wendel den Verkauf von Bio-Lebensmitteln an. Im SB-Warenhaus in Ludwigshafen brachte eine Aktionswoche im August den Kunden das Thema näher. 700 Bio-Artikel verkaufen sich auf der Großfläche mit einer Artikelzahl von 60.000 nicht von selbst. Die Kundenfrequenz ist zwar groß aber ebenso der Wettbewerb mit der Überzahl herkömmlicher Produkte.

Kennt der Käufer nicht den Unterschied, greift er meist zur preiswerteren Alternative. Im Faltblatt wurde das Thema auf der Titelseite mit einem Gewinnspiel beworben und im Innenteil auf zwei Seiten dargestellt.

Im Vorkassenbereich hat Globus eine großzügige Promotionsfläche aufgebaut und Bio-Produkte an drei Tagen im August an zwei Verkostungsplätzen kompetent vorgestellt. Florian Müller vom Bio-Restaurant Fürstenfeld in Fürstenfeldbruck bei München kochte mit Herbaria-Gewürzen. Sein Chef Konrad Geiger hat die Bio-Feinschmeckerserie der Gewürzmühle aus Fischbachau kreiert. Mit Herbaria gewürzten Reisnudeln und Ratatouilles überzeugte der Bio-Koch die Pfälzer von der Hochwertigkeit der Basis-Gewürze und Mischungen. Die Marke des Kräuter-, Tee- und Gewürz-Spezialisten aus Bayern ist aus der Werbung nicht geläufig. Der Kunde hat den ersten Kontakt bei der Aktion.

Der Erfolg ist messbar. „Das merken wir am Umsatz", bestätigt Franziska Warta, Teamleiterin Food. Manche erklärungsbedürftige Bio-Produkte lassen sich überhaupt nur so verkaufen. „Wenn der Kunde das Produkt nicht kennt, kauft er nach dem Preis", erzählt die Teamleiterin.

Wenige Meter von Bio-Koch Müller entfernt grillt die Werbedame Cornelia Wölfing Pilze und Zucchini. Sie ist ständige Promoterin im Globus SB-Warenhaus in Oggersheim und sachkundig bei biologischen Erzeugnissen. An den drei Aktionstagen macht sie verschiedene Verkostungen mit Gut & Gerne Produkten. Schoko-Reiswaffeln werden neugierigen Kunden angeboten, aber auch Pfannkuchen mit Ahornsirup. Die kanadische Spezialität war für die Mehrheit ein neues Geschmackserlebnis, das gut ankam.

„Die Leute sind überrascht, wie lecker das schmeckt", erzählt Cornelia Wölfing (Bild links). Die Fruchtaufstriche wurden ebenfalls mit den Pfannkuchen kombiniert.

Mit Rinatura, dem Bio-Vollwert-Sortiment von Rila, wurden die Pfälzer auch bekannt gemacht. Die Range ist über lange Jahre zu einem Mini-Reformhaus für den LEH gereift. Das Sortiment ist mit rund 160 Artikeln aber nicht überfrachtet und wird ständig überarbeitet. Neben Gesundheit kommt auch der Genuss nicht zu kurz. Aber es muss im Markt kommuniziert werden, sonst erkennt der Kunde die Besonderheit nicht. Der Hersteller aus Niedersachsen unterstützt den Verkauf mit detailliertem Informationsmaterial. Mit Obst und Gemüse aus der Pfalz wurde mit regionalen Produkten auf das grüne Bio-Sortiment aufmerksam gemacht.


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