Start / Ausgaben / BioPress 49 - November 2006 / Nolte setzt auf Bio

Nolte setzt auf Bio

Das Familienunternehmen aus Wiesbaden baut das Bio-Sortiment kontinuierlich aus


Bio-Lebensmittel sind für den Selbstständigen Einzelhandel (SEH) zu einem bedeutenden Profilierungsinstrument geworden. Sechs Edeka-Märkte betreibt die Familie Nolte zwischen Wiesbaden und Bingen. Im Wiesbadener Stadtteil Sonnenberg liegt „Nolte`s Frische Center", der Vorzeigemarkt der Nolte´s in Sachen biologische Produkte. Auf 850 Quadratmeter bietet der klassische Supermarkt 22.0000 Artikel davon mehr als 500 in biologischer Qualität mit hohem Frische-Anteil und Bio in Bedienung. Die Geschäftsführer Andreas, Matthias und Ulrike Nolte führen Märkte von 800 bis 2.000 Quadratmeter Verkaufsfläche. Das Umfeld ist nicht an allen Standorten gleich. Entsprechend variiert auch das Angebot an Bio-Produkten. Der SEH reagiert flexibel auf die unterschiedliche Kundenwünsche.

Der Stadtteil Sonnenberg in Wiesbaden ist bio-affin. Mitten im Wohngebiet fungiert der Edeka Markt des Familienunternehmens Nolte als Nahversorger. Rund 500 Produkte aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA) werden vermarktet; ständig werden es mehr. „Wir müssen noch besser werden", fordert Andreas Nolte. Basis des Bio-Sortiments bilden auch im Frische Center die 350 Trockenprodukte. Daneben gibt es rund 120 frische Erzeugnisse, 30 Getränke, ein regionales Sortiment mit rund zehn Artikeln, zehn TK-Produkte und ein kleine Naturkosmetik-Range mit 20 Produkten. Besonders stark erweist sich Nolte im grünen Sortiment mit 40 Artikeln. Auch in Bedienung wird Bio gepflegt: Wurst, Fleisch und Käse aus kbA werden geführt.

Eine Fundgrube für Bio

Hell übersichtlich, gepflegt und mit einem anspruchsvollen Sortiment präsentiert sich der Markt auf dem
Sonnenberg in der Danzigerstraße. Bio-Produkte sind sowohl zugeordnet als auch im Block platziert. Der Rundgang beginnt mit einem Feinkost-Regal. Hier sind biologische Öle von Teutoburger und Gutland sowie Oliven von Perlinger zu haben. Ein Glanzstück in dem Markt, der 2003 die Auszeichnung Supermarkt des Jahres erhalten hatte, ist die Obst- und Gemüse-Abteilung. Sie ist auch eine Fundgrube für Bio. Standardartikel wie Bananen, Äpfel, Birnen und Zitronen bieten heute sogar die Discounter.

Der Voll-Sortimenter muss mit Breite und Tiefe reagieren. Nolte macht es vor. Zu Beginn der neuen Ernte im September gibt es Äpfel aus Übersee und Europa sowohl lose als auch verpackt. Auch Exoten wie Kokosnüsse und Limetten haben Einzug in die Regale gehalten.


Feingemüse wie Pilze waren vor zwei Jahren in Bio-Qualität im LEH kaum zu sehen. Nolte bietet mit sechs Sorten echte Bio-Vielfalt. Den Hauptartikel Champignons in den Farben braun und weiß, Portabella, Shiitake, Austernpilze und Kräuterseitlinge. Herkunftsländer sind Deutschland und die Niederlande. Die Verpackungsarten reichen vom schlichten Karton bis zum attraktiven Spankorb.

Saisonware wie italienische Trauben sind natürlich auch vorhanden. Was noch fehlt sind Bio-Salate. Der LEH schafft es bis heute nicht das Blattgemüse in die O+G-Abteilung zu bringen. Das Fruchtangebot ist insgesamt anspruchsvoll. So sind viele konventionelle Qualitätsartikel von San Lucar im Sortiment. Die Preise liegen bei einigen Produkten über denen für Bio-O+G.

Die Basis im Trockensortiment bildet ein Bio-Block von Perlinger aus Österreich und die Handelsmarke Bio-Wertkost mit jeweils rund 150 Artikeln. Dazu gibt es noch etwa 50 Mal Gut & Gerne von der Biozentrale. Das Gepa-Regal mit 40 Bio-Artikeln steht ebenfalls im Markt.

Mischung aus Block- und Sortimentsplatzierung

Der Kaufmann hat die Blockplatzierung nicht zum Prinzip erhoben. Markenhersteller wie Seitenbacher und Kölln sind mit ihren Getreideprodukten in den jeweiligen Warengruppen vertreten. Die Bio-Müslis von Seitenbacher sind im Gegensatz zum konventionellen Sortiment lichtgeschützt verpackt. Mit dem Absatz des Müsli-Machers sind die Wiesbadener zufrieden. „Keiner verkauft mehr", so das Urteil von Andreas Nolte. Bärenmarke und Meica sind weitere herkömmliche Marken, die mit ihrer Bio-Range vertreten sind.


Auch moderne Convenience wie Brot und Brötchen zum Fertigbacken liegt im Regal. „Wir haben das komplette Sortiment von Mühlhof", berichtet Andreas Nolte. Croissant, Toast, Baguette und Brötchen bieten dem Gaumen Abwechslung.

Beim Tee gibt es neben Gepa zahlreiche ayurvedische Kräutertees von Yogi und Fruteg. Fruteg aus Büttelborn ist preislich unter den Yogi-Tees angesiedelt. Bei den Getränken sind Frucht- und Gemüsesäfte und auch der Kanne Brottrunk mittlerweile Standard. Die junge Bionade ist hier allerdings der Hit. „Ist aber mal wieder nicht lieferbar", so Matthias Nolte.


Mit Bio-Weinen ist der Markt gut bestückt. 20 Tropfen aus Italien, Frankreich und von Ecovin-Winzern aus Rheinhessen sind am POS. Der Getränkeabsatz an dem Standort ist insgesamt etwas schwierig. Da der Parkplatz nicht unmittelbar am Markt angrenzt, floriert der Absatz von Kisten nicht.

Bei den Sauerkonserven punktet der Selbstständige Einzelhändler mit „bio fit" von Marschland. „Schmeckt lecker", urteilt Matthias Nolte. Den Renner saure Gurken gibt es in den Varianten Sticks, Scheiben, Knobi und Gewürz. Sauerkraut, Paprikawürfel, Rote Beete, Sellerie, Kürbis und Rotkraut runden die insgesamt 13 Artikel zählende Range ab.

Naschen mit Bio-Knabbergebäck

Huober Brezel und Salzstangen machen biologisches Naschen möglich. Bei den attraktiven Knabberartikeln ist Raum für weitere Anbieter. Kartoffelchips, Popcorn und Erdnüsse sind Produkte, die in Bio eigentlich nicht fehlen müssen. Bei den Süßwaren ist das Angebot ebenfalls noch ausbaufähig. Schokolade, Riegel und Fruchtgummi von Gepa sowie Gebäck von Perlinger und Bio-Wertkost schöpfen die Möglichkeiten nicht aus. In der Warengruppe Nahrungsergänzung sind Noni- und Aloe Vera Saft mit dem Bio-Siegel am POS.

Die Kühlregale füllen sich zunehmend mit Bio-Produkten. Waren es am Beginn nur Milchprodukte, die aus biologischer Herstellung stammten, kommen immer weitere Frischwaren dazu. Veggie Life hat es mit Tofu geschafft. Die Soja-Produkte sind als Fleischersatz konzipiert und machen Matthias Nolte Spaß, obwohl ihm die Aufmachung nicht zusagt: „Das sieht nicht so toll aus, läuft aber gut." Soja wurde in Deutschland durch Bio populär und setzt sich jetzt langsam im klassischen Handel durch. Bio steht für Innovation.

Bei den SB-Milchprodukten, dem Kernbereich in der Kühlung. dominiert Bio-Wertkost. Daneben ist Andechser vertreten. Bei der frischen Milch hat sich der Tetra Pack auch bei Bio gegenüber der Flasche beim Kunden durchgesetzt. In der gelben Linie gibt es die bekannten Schnelldreher. Im Prepacking werben ebenfalls neun Bio-Käse um Kunden.

Wurst und Fleisch sind eine wichtige Gruppe im Kühlregal. Altdorfer ist mit den drei Sorten Lyoner, Salami und Kochschinken vertreten. „Das sind ansprechende Produkte", meint der bekennende Fleischesser Matthias Nolte. In SB führt der Markt die drei Rotfleisch-Arten Rind, Schwein und Lamm von Bio-Gutfleisch, ein Programm der Edeka.

Mit Service abheben vom Discount

Der SEH nutzt die Bedienung, um sich vom Discount abzuheben. Die Fleischtheke hat mit rund zwölf Metern die Dimension eines guten Metzgereifachgeschäftes. Rack & Rüther in Bio-Qualität ist Bestandteil der Wursttheke. Das herkömmliche Sortiment der Feinkostmetzgerei aus Fuldabrück wurde durch die Bio-Linie ersetzt. „Der Kunde hat es akzeptiert, weil es schmeckt, auch wenn die Bio-Wurst von der Optik her etwas blasser wirkt", erzählt Matthias Nolte.

Bei Bio- Fleisch wird an der Theke nur Rind verkauft. Schwein wird nicht angeboten. „Da fehlt mir der Platz, um das umzusetzen", erklärt Nolte. Zwei Meter veranschlagt der Kaufmann, um Rind und Schwein kompetent zu präsentieren. Soviel kann er aktuell nicht frei räumen.

Auf sechs Meter Käsetheke haben ein Dutzend Bio-Käse Platz gefunden. Darunter hochwertige Schnittkäse von Emmi aus der Schweiz jenseits der Zwei-Euro-Grenze pro 100 Gramm. Hier besteht Ergänzungsbedarf durch weitere Bio-Käsespezialitäten.

Tiefkühlkost ist nach wie vor eine Bio-Problemzone. Von Frosta und der Handelsmarke Bio-Wertkost sind die Gemüse vorhanden. „Das hat seine Daseinsberechtigung. Das verkauft sich richtig gut", bemerkt Nolte. Unsere Natur Pizza von Wagner sowie Lachs und Garnelen von Deutsche See bereichern die TK-Truhen um wertvolle Produkte. „Das funktioniert sehr gut. Davon könnten wir noch mehr vertragen" , sagt Nolte über das kalte Bio-Sortiment.

Bio macht nicht beim Essen halt. Naturkosmetik ist im Supermarkt mittlerweile ebenfalls ein Thema. Die Pflegeserie von Natural Health ist vertreten, ebenso Speick mit seiner bekannten Seife. WPR von Ecover setzt den Bio-Gedanken beim Waschen und Putzen fort.

Die Noltes drängen auf eine Beschleunigung der Bio-Entwicklung durch die Edeka Südwest in Offenburg: „Die Beschaffung ist nicht Sache des Kaufmanns. Dafür gibt es die Großhandlung". Die Belieferung soll möglichst aus einem Guss sein, damit die Mitarbeiter nicht jeden Tag zehn Lieferanten abfertigen müssen. Der Lebensmittelhändler will sich auf das Geschäft auf der Fläche konzentrieren.

Defizite in der Logistik

Hersteller und Produkte gibt es genug. Aktuell bestehen Defizite in der Logistik. Bio ist überwiegend Streckengeschäft. Die Eigenmarke Bio-Werkost soll nach den Plänen der Südwest-Zentrale in Offenburg 2007 über das Zentrallager abgewickelt werden und das Cross-Docking verstärkt für biologische Produkte genutzt werden. Die Zahl der Streckenlieferungen soll damit reduziert werden.

Auch in der Präsentation bekommt der Kaufmann mehr Freiheit. Die Streckenlieferung erzwingt den Bio-Block fast. Bei großen Lieferanten mit einer dreistellige Produktzahl muss der Außendienstmitarbeiter die gesamte Strecke ablaufen, wenn Bio den Warengruppen zugeordnet wird. Das kostet Zeit. Die Noltes wollen die Regalpflege gerne in der eigenen Hand behalten.

Für regionale Produkte hat die Edeka Südwest die Handelsmarke „Unsere Heimat" geschaffen. Milchprodukte, Gemüse, Eier und Trockenprodukte wie Mehl sind im Sortiment, das kontinuierlich ausgebaut wird. So wird die Edeka als größter deutscher Lebensmittelhändler immer ein bisschen besser.

Anton Großkinsky


Ticker Anzeigen