Start / Ausgaben / BioPress 47 - Mai 2006 / Wenig Ware auf dem Markt

Wenig Ware auf dem Markt

Bio-Obst- und Gemüse wird gerne gegessen und ist entsprechend knapp

Die Obst- und Gemüse-Anbieter fanden sich  in großer Zahl in Nürnberg zur Bio Fach ein. 150 Aussteller waren gekommen, so viele wie bei der Fruit Logistica. Allerdings fand der Besucher die Stände über sechs Hallen verteilt. Das macht es auch hier nicht leichter als in Berlin, den Überblick über die Bio-Fruchtanbieter zu gewinnen. Auch auf  der Bio Fach dominieren die internationalen Anbieter. Der Hunger nach frischen Früchten übersteigt den inländischen Anbau bei weitem. Nach den Zahlen des Fruchthandelsverbands sind es im herkömmlichen Bereich nur zehn Prozent des Bedarfs, die aus heimischem Anbau gedeckt werden und bei Gemüse 33 Prozent. Bei Bio gibt es keine Daten, aber es dürfte nicht viel anders sein. 


Viele der Aussteller waren bereits zwei Wochen zuvor auf der Fruit Logistica zu sehen. Vor allem reinrassige Bio-Unternehmen wie Eosta und Bio Südtirol erlauben sich zunehmend auch einen Auftritt in Berlin. Viele große konventionelle Lieferanten mit Bio-Range wie Atlanta und vanWylick beschränken sich dagegen auf die Fruit Logistica. Einige Anbieter splitten auch und zeigen in Berlin das herkömmliche Angebot und in Nürnberg Bio. Carmel Agrexco mit Sitz in Tel Aviv handhabt das so. Dabei zeichnet sich ab, dass in Nürnberg vornehmlich Kundenpflege betrieben wird, während Neukunden eher in Berlin akquiriert werden.

Bio Vinschgau aus Italien und Naturelle aus Barendrecht in den Niederlanden leisten sich mit Bio einen Auftritt auf beiden Bühnen. Die Greenery-Tochter mischt erst seit vier Jahren im Bio-Geschäft mit, hat aber kräftig investiert in Lagerung und moderne Packstraßen und wird von Abnehmern aus dem LEH als leistungsfähig eingestuft, schon aufgrund der vorhandenen Logistik der Mutter Greenery.

LEH als Motor

Der Obst und Gemüse-Verzehr steigt generell. "Wie kein anderes Lebensmittel ist Gemüse der Inbegriff eines gesunden Lebensmittels", erklärte die baden-württembergische Staatsministerin Friedlinde Gurr-Hirsch bei der Fachtagung der Landesinitiative "Blickpunkt Ernährung" in Stuttgart-Hohenheim. Aber bitte ungedopt aus kontrolliert biologischem Anbau. Das beherzigen immer mehr Menschen, denn Bio boomt.

Davon profitieren vor allem die Importeure. Denn Deutschland ist ein Getreide- und Kartoffel-Land. Das grüne Bio-Sortiment gedeiht bestens im Handel. Motor ist hier ganz klar der LEH, die Zahl der Verkaufsstellen wächst, gleichzeitig werden die Bio-Sortimente breiter und tiefer. Die Lieferanten haben sich darauf eingestellt und vor allem in der Beschaffung zusätzliche Anstrengungen unternommen, wie sie übereinstimmend auf der Bio Fach berichteten.

Für Karl-Heinz Kreidler von Obst vom Bodensee ist klar: "Wir brauchen mehr Bio-Äpfel". Baden-Württemberg hat mit Sachsen die Förderung der Umstellung auf ökologische Landwirtschaft eingestellt. Ohne geht es aber kaum. Ein Bauer, der ein schlechtes Jahr hatte, schafft die Umstellung nicht ohne finanzielle Hilfe. Über so viele Reserven verfügt er in der Regel nicht. Bio Vinschgau aus Südtirol hat in der vergangenen Saison einige Demeter-Erzeuger dazu gewonnen und rechnet auch für die nächsten Ernte mit fünf Prozent Wachstum in der Fläche und der Menge, so Verkaufsleiter Gerhard Eberhöfer.

"Im Moment gibt es von allem zu wenig", drückt es Marlene Oellers, Bio-Verlaufsleiterin der Carmel Deutschland-Niederlassung aus. Die Israelis sind vor allem im Gemüsebereich gut im Geschäft. Spitzpaprika entwickelt sich hier zunehmend zum Renner. Beim Fruchtgemüse ist die Avocado ein Aufsteiger, auch wenn sie noch nicht unter den Top Ten weilt. Süße Kirsch-Tomaten sind ebenfalls  im Kommen, wie Oellers erzählt. Im Zitrusbereich ist die Grapefruit Hauptartikel des Lieferanten.

Nach wie vor fragt der Fachhandel das breitere Sortiment nach. Da kommt Carmel mit Exoten wie Sharon-Früchte, Mango, Granatapfel, Feige und Kumquats zum Zuge. Auch Süßkartoffeln werden hier geordert, während sich der LEH mehr auf die Standardprodukte verlässt.

Italien ist nach Angaben der ZMP größter europäischer Obst-Produzent. Führend ist das Land unter anderem bei Äpfeln und Trauben. Apo Conerpo hat mit Naturitalia eine leistungsfähige Bio-Abteilung, die mehr als 20.000 Tonnen Früchte im Jahr bewegt. Euro Orto Frutticola del Trigno aus San Selvo in der Mitte Italiens bietet in der Hauptsache Sommerobst an. Brio aus Zevio ist ein leistungsfähiger Exporteur, der größere Mengen zusammenfasst und handelsgerecht anbietet.

Zitrus eine spanische Domäne

Spanien ist zweitgrößtes Erzeugerland in Europa. Zitrus in Bio-Qualität ist eine Domäne der Iberer. Tomaten, Paprika und Gurken sind ebenfalls häufig spanischer Herkunft. Campina verde aus Cordoba in Andalusien bündelt Mengen für den Export. Biocampo aus der Region Murcia versorgt den europäischen Markt mit Zitrus (Orangen, Mandarinen, Zitronen, Grapefruits) und mediterranem Gemüse (Fenchel, Artischocken, Brokkoli usw.). Ecobalcon aus Malaga in Andalusien offeriert verschiedene Tomatensorten, Paprika, Salatgurken, Auberginen und exotisches wie Avocados und Mangos, die in dieser sonnenverwöhnten Region wunderbar gedeihen. Der Markt für die Bio-Produkte ist Europa, weniger  das Inland. 

Frankreich liefert vor allem Steinobst, Melonen, Salate, Kohl und Ratatouille-Gemüse.  Die in Perpignan (Südfrankreich) beheimatete Erzeugergemeinschaft Imago erkennt auf dem deutschen Markt eine steigende Nachfrage wie Exportmanagerin Veronique Obrecht mitteilt. Angepflanzt wird in Frankreich, Spanien und Marokko. Zwiebeln werden sogar aus Argentinien eingeführt. Imago wartet im Winter mit Salat auf: Kopf, Batavia, Eichblatt, Endivien und Eisberg. Außerdem werden 4.000 Tonnen Zitrusfrüchte vermarktet. Bei Pfirsichen, Nektarinen, Aprikosen und Pflaumen, die in Frankreich gute Standortbedingungen haben, rechnet Imago mit einem steigenden Bedarf aufgrund von Sortimentserweiterungen im Handel. Die Franzosen vertreiben die ansehnliche  Zahl von 70 Artikeln. Das Unternehmen ist auf  europaweite Expansion angelegt und offen für weitere Erzeuger.

Alterbio hat seinen Sitz ebenfalls in Perpignan und vertreibt französische, spanische, algerische und marokkanische Früchte. Das Import- und Export-Unternehmen plant Sorten, Mengen und Zeit entsprechend der Absatzchancen. Ein ähnliches Konzept verfolgt Bioprim, das 2005 seit 20 Jahren im Geschäft war. Ebenfalls über Perpignan werden marokkanische, spanische und französische Früchte in Europa distribuiert. 

Selbstgemachte Babykost

Bio-Lieferant Agrobiodrom aus Frankreich, hat zusammen mit dem Baby-Produkte-Hersteller Beabe eine Neuheit eingeführt: Selbstgemachte Frucht und Gemüse-Breie für Säuglinge und Kleinkinder. Die Baby-Kost-Kompetenz haben die Mütter längst an Hersteller wie Alete, Hipp und Vitagermine abgegeben. Beabe hat nun einen kombinierten Dampfkocher und Mixer entwickelt, der auf Knopfdruck den Brei herstellt. Agrobiodrom packt hierfür Bio-Ost- und Gemüseschalen portionsgerecht für die verschiedenen Alterstufen ab. Außerdem vermarktet das Fruchthandelsunternehmen die neue Apfelsorte Juillet. Die Gruppe hat ihre Stärke im Obst-Bereich. Hier werden rund 7.000 Tonnen im Jahr abgesetzt.

Biogarden aus Frankreich wurde 1994 ins Leben gerufen. Neben den französischen Produkten Zucchini, Gurken, Aprikosen und Pfirsichen, werden auch Südfrüchte wie Bananen, Mangos, Papayas und Ananas vermarktet. Bedeutendster Bio-Fruchtgroßhändler Frankreichs ist ProNatura aus Cavaillon. Die Franzosen sind neben Eosta, einer der wenigen Nur-Bio-Fruchthändler. Das Unternehmen kauft weltweit ein und verkauft europaweit.


Die Übersee-Importeure profitieren besonders von der steigenden Nachfrage. Ein Renner war 2005 die Bio-Banane. "Unsere Golden Bio hat den Markt erobert und sich zur Premium-Frucht emporgearbeitet", sagt Klaus Rehberg von Port International aus Hamburg. Auf allen Vertriebskanälen ist der Importeur mit  der tropischen Frucht inzwischen vertreten. Manche blickten ungläubig, manche bewundernd auf die Präsenz. "Port ist stark geworden mit der Banane", kommentierte ein Branchenkenner.

Angefangen hat Prokurist Rehberg mit Bio-Bananen aus Peru. Inzwischen werden sie auch aus Kolumbien, Ecuador und der Dominikanischen Republik geholt. "Wir haben vorgearbeitet und können jetzt das ganze Jahr über liefern", erklärt der "grüne Klaus" den Erfolg.

Angefangen hat Rehberg mit der Belieferung des Naturkosthandels, dann wurde der LEH dazu genommen und 2005 der Discount. Es gibt sie auch in einer Fairtrade-Variante. Das Wachstum ist zweistellig, wie Rehberg bestätigt. Aber nicht nur die Banane ist im Aufwind. Auch die anderen Früchte rücken nach. "Wir haben das Apfelprogramm erweitert. Argentinien und Chile sind dazu gekommen", erklärt der Hanseate. Bisher handelte Port mit Neuseeland-Äpfeln. Bio-Kiwi holen die Hamburger aus Neuseeland. Aus Argentinien werden noch Birnen und Pflaumen eingeführt. Trauben aus Südafrika, Mangos aus Peru und Ananas aus Costa Rica machen Bio zunehmend exotischer. 

Eosta arbeitetam POS

Eosta-Geschäftsführer Volkert Engelsmann hat die Signale eines steigenden Bedarfs frühzeitig vernommen: "Wir waren darauf vorbereitet, dass eine Knappheit entstehen könnte und haben dafür gesorgt, dass wir unseren bestehenden Kunden Ware liefern können". Für den Spot-Markt ist allerdings nicht genügend Menge verfügbar, weiß der Geschäftsführer zu berichten. Eosta hat mit neuen Projekten in Afrika und Südamerika die Kapazitäten bei den Übersee-Früchten erhöht.
In Richtung Verbraucher wird mit einer Marketingaktion am POS gearbeitet. Mit dem Internet gestützten Rückverfolgungssystem Nature & More will er den aufgeklärten Kunden dauerhaft überzeugen. Soziale Themen, Umwelt und Gesundheit werden im Schulterschluss mit dem Lebensmitteleinzelhandel vermittelt. "Wir zielen auf Qualität nicht auf den Preis". Auch das Personal bekommt Material in die Hand, um dann den Kunden informieren zu können. "Die höheren Preise müssen gerechtfertigt werden durch eine Extra-Leistung", meint der Eosta-Geschäftsführer. In Wadinxveen hat man erkannt, dass der LEH auf Profilierung mit Bio setzt und unterstützt den Trend.

Neue Anbieter und Produkte gab es im Obst- und Gemüse-Bereich auf der Bio Fach wenig zu sehen, wie Klaus Haak vom Edeka-Fruchtkontor bestätigt. Auf einem schnell wachsenden Markt geht es für ihn erst einmal darum, "die benötigten Mengen sicherzustellen". Einen Preisdruck auf die Erzeuger hat er nicht registriert. "Für uns gab es im vergangenen Jahr eine zehnprozentige Preissteigerung", konstatiert der Bio-Einkäufer. Für Gutes zahlt man gerne ein paar Cent mehr.

Anton Großkinsky


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