Whole Foods Market eröffnet erstes Flaggschiff in Europa
Lebensmittel werden zelebriert wie Luxusartikel
Was ist übrig geblieben von den Organic-Wurzeln der Gründer aus der Hippiezeit? Neben Frische und Vielfalt standen ursprünglich hauptsächlich Lebensmittel aus ökologischem Anbau im Zentrum der Vermarktungsphilosophie. Im Herkunftsland Amerika gibt es die erfolgreichsten Whole Foods Market im Gebiet von Boston (Bread & Circus) und Kalifornien (Mrs. Gooch), Umfelder, in denen der Reichtum allgegenwärtig ist. Die ursprünglichen Stammgeschäfte befinden sich in Zentral-USA (Houston, Texas).
Die erste Adresse in der Kensington High Street in London W8, am 6. Juni 2007 eröffnet, steht ganz auf der erfolgreichen Vermarktungslinie von Whole Foods Market. Ein Umfeld, das Hintergrundinformationen zufolge auf 7250 Quadratmeter eine Million englische Pfund Umsatz pro Tag ermöglicht. Das sind 138 Pfund pro Quadratmeter und Tag! Ein Traumergebnis, das vielleicht an zehn bis 20 Plätzen in der Welt zu erreichen ist? Im Umfeld stönen die Alteingesessenen und beklagen Umsatzeinbrüche. So eine Filiale von Le Pain Quotidien gegenüber, die noch hofft, dass der Einbruch mit der Urlaubszeit zu tun haben möge und die Kunden zurückkehren. Dagegen scheint Marks and Spencers, der LEH in der direkten Nähe und mit großer Bio-Präsenz, wenig einzubüßen.

Whole Foods Markets zelebriert eine neue Dimension von „Food Shopping“. Weniger den (Bio-)Inhalten als vielmehr einem neuen Lebensstil wird hier in der Luxuskklasse gehuldigt. Es geht um eine ausgesuchte Zielgruppe, die in einem komfortablen Ambiente mit Gerichten aus aller Welt verwöhnt wird. Verführt von Gerüchen gerösteten Kaffees und einer gläsernen Bäckerei, wo neben Brot und Kuchen auch feinste Gebäcke und Süßigkeiten aus raffinierten Zutaten hergestellt werden. Es ist aber überhaupt kein BIO zu finden.
Dazwischen laden großzügige Bereiche zum Verweilen und Sitzen ein. 55 full-Time Köche kredenzen Spezialitäten aus aller Welt. Wer nicht gleich zum Essen bleibt, kann sich unendlich viele Anregungen für seine häusliche Küche abholen. Die Whole Foods Küche produziert eine Fülle von convenienten Angeboten aus Obst + Gemüse, Fleisch und Soßen oder ganzen Platten für Bufetts, die den Augenschmaus perfekt machen. Auch hier muss man Organic mit der Lupe suchen.

Eine Markthalle im Bauernstil bietet frisches saisonales Obst und Gemüse, darunter viele heimische englische Produkte, in liebevoller Handarbeit ausgelegt zu farbigen Teppichen. Rund 70 Prozent davon sind nach Angaben der offiziellen Internetseite in Bioqualität. Die Wirklichkeit ist bei Augenscheinnahme weit davon entfernt. Über 1.000 Weine sollen neben einer Überfülle von bestem Käse kein Auge trocken lassen. In einem temperierten Käse-Shopraum können hunderte unterschiedliche Käse-Sorten probiert und ausgewählt werden. Ein wahrhaft großartiges Angebot. Nicht der geringste Bio Käse-Zipfel ist hier zu finden. Bioangebote gibt es nur in verschwindend geringer Zahl an der Theke, bedauert ein Fachbesucher. Organic hätte das hochwertige Umfeld verdient. Es muss aber scheinbar eher nur als Zugnummer herhalten und wird neben allen anderen nachhaltigen Errungenschaften von Whole Foods überall in vorderster Linie kommuniziert.
Die vor 4 Jahren in den USA übernommenen Fresh and Wild BIO-Fachgeschäfte werden jetzt auch unter dem Organic und Natural Konzept von Whole Foods geführt. Die Auswirkung ist gut sichtbar: weniger BIO.
Erich Margrander







