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Bio-Rohstoffe aus aller Welt

DO-IT spürt natürliche ökologische Anbauflächen auf

Bio-Rohstoffe aus aller Welt

Es gibt noch Gegenden in dieser Welt, in denen weder Dünge- noch Pflanzenschutzmittel jemals zum Einsatz kamen. Die Bauern ackern dort ohne Abdrift und Kontamination von Nachbarn ganz natürlich. Poppe Braam, Bio-Pionier und Geschäftsführer der holländischen Im- und Exportfirma Dutch Organic International Trade (DO-IT), findet diese Schätze seit drei Jahrzehnten. Er führt mit den Bauern die Öko-Zertifizierung ein und ermöglicht ihnen, dann Bio-Waren auf den Weltmarkt zu bringen.

Die Firma DO-IT wurde 1991 von Poppe Braams gegründet. Der Sohn eines friesischen Bauern hatte damals schon lange Jahre in der Bio-Branche gearbeitet und bereits in den 70er Jahren seinen ersten Bio-Laden gegründet. Heute macht sein Unternehmen um die 75 Millionen Euro Umsatz; vor allem mit dem Import von Bio-Rohstoffen aus aller Welt, aber auch mit den zwei eigenen Herstellermarken La Bio Idea und Amaizin. Sie machen 20 Prozent des Umsatzes aus. 14 Angestellte arbeiten bei DO-IT in Betreuung und Vertrieb der Marken.

La Bio Idea und Amaizin als eigene Marken

Unter La Bio Idea findet der Endverbraucher etwa 100 mediterrane Produkte wie Nudeln, Tomatensaucen, Pestos, Hülsenfrüchte, Olivenöl oder Zitronensaft. Die sizilianischen Bauern, die viele dieser Produkte liefern, waren die ersten Lieferanten, mit denen Poppe Braam gearbeitet hat. Die Lieferbeziehungen gingen inzwischen in die nächsten Generationen. In Holland, Belgien und Frankreich sei La Bio Idea Marktführer im Naturkostbereich, berichtet Braam. In Deutschland ist La Bio Idea nicht so stark. Die ganze Bandbreite des Sortiments halte eigentlich nur der Großhändler Grell Naturkost aus Kaltenkirchen vor.

Die Marke Amaizin startete mit Snacks wie Tortillachips und Tacos aus Mais, zunächst aus den USA importiert, jetzt mit den zugehörigen Saucen und Gewürzen. Später kamen länderspezifische exotische Spezialitäten dazu, etwa Schwarze Bohnen, brauner Basmatireis, Curries, Kokosmilch oder Ananas. Zuletzt sei etwa Reispapier aus Kambodscha dazu gekommen.
Heute bestehe das Sortiment aus rund 50 Produkten. Amaizin ist nach Holland im deutschen Fachhandel am erfolgreichsten. Das beliebteste Produkt seien Bohnen in Dosen. Dies gelte sogar über beide Marken: Auch bei La Bio Idea liefern die Bohnenkonserven den besten Umsatz.

Hauptgeschäft mit Rohstoffen

Das Hauptgeschäft macht DO-IT mit Rohstoffen, so zum Beispiel Soja aus der EU, China und Südamerika, Reis aus Indien oder Thailand, Quinoa aus Bolivien oder Peru, Buchweizen aus China oder der Ukraine: Es sind 35 Länder, aus denen DO-IT importiert. Braam nutzt die regionalen Netzwerke und Bio-Experten der Länder bei seiner Suche nach Anbauflächen, die noch nicht von Pestizideinsatz oder gentechnisch veränderten Organismen (GVO) betroffen sind.

Mit vielen Lieferanten steht Poppe Braam in persönlichem Kontakt. Er unterstütze sie, baue Netzwerke auf und sei verlässlicher Ansprechpartner bei Fragen und Problemen.

Die Projekte, die an besonderen Fundorten entstehen, sollen helfen, die dortigen Bauern zu unterstützen. So leite DO-IT diverse FairTrade IBD Projekte in China (Hirse, Pinienkerne, Sonnenblumenkerne und Bohnen), Indien (Basmati Reis), Thailand (verschiedenste Arten von Reis) und Brasilien (Sojabohnen, Rohrzucker).

Bio-Qualität aus China

Insgesamt stammen 15 bis 20 Prozent der Rohstoffe bei DO-IT aus China und Indien. China bereiste Braam vor über zwanzig Jahren das erste Mal und importiert heute zahlreiche Waren wie Soja, Bohnen, Hirse, Buchweizen und Sonnenblumenkerne.

Wenn die Rede auf China als Herkunftsland für Bio kommt, steigt hierzulande fast automatisch übergroße Skepsis auf. Bei den chinesischen Lieferanten von DO-IT sei dies völlig verfehlt, betont Poppe Braam. DO-IT arbeite seit 1997 mit der Firma Huaen zusammen.

Keine Pestizide und keine GVO

Die in Huaen vereinigten Unternehmen bezögen ihre Waren aus einem Landstrich nordöstlich von Peking, in dem Bauern aus 80 Dörfern seit 6.000 Jahren nach traditionellen Methoden arbeiten. Da musste niemand erst auf den Verzicht von Pestiziden gebracht werden – die sind in diesem Trinkwassereinzugsgebiet von der Regierung verboten.

Bei Huaen gab es daher laut DO-IT noch nie Probleme mit Pestiziden. Zusätzlich sei China das einzige Land auf der Welt, das keine genetisch veränderten Sojabohnen anbaue. Ein enormer Vorteil, denn wo in der Region genetisch verändertes Soja angebaut wird, könne es auch Spuren davon auf genetisch unveränderten Sojabohnen geben. Solche GVO-Spuren seien bei Soja Produkten von Huaen aus China nie gefunden worden.

Ein anderes Beispiel ist Indien. Am Fuße des Himalaya, dort wo etwa auch das 100 Prozent Bio-Bundesland Sikkim liegt, bauen kleine Bauern ihre Produkte an, die keinerlei Kontaminationen ausgesetzt sind. Es würde keine konventionelle agrochemische Landwirtschaft betrieben und ein reineres Wasser als das, was vom Himalaya hinunter fließt, sei kaum vorstellbar. Industrie gibt es hier keine. Die Reinheit der Produkte stehe daher gar nicht in der Diskussion, so Braam. Lediglich an den hygienischen Produktionsbedingungen müsste gearbeitet werden.

Der Mythos der Nähe

Poppe Braam sieht kein ökologisches Problem darin, wenn seine Waren lange Strecken bis nach Holland hinter sich bringen. In der chinesischen Landwirtschaft werde bis hin zur Ernte alles manuell erledigt, nichts sei mechanisiert. Der herkömmliche Transport finde in China mit dem Zug statt. Danach werden die Rohstoffe vom Hafen per Schiff zusammen mit anderen 17.000 Containern nach Rotterdam transportiert. Über alles betrachtet, sei der ökologische Fußabdruck so sogar kleiner, als wenn die Waren etwa aus Frankreich kommen.

Von Rotterdam werden die Container zunächst auf dem Wasserweg transportiert und nur die letzte Meile dann noch per LKW. Der Zuständige bei DO-IT erzählt, auf einen direkten Anschluss an die Bahn warte das Unternehmen schon Jahrzehnte, obwohl Bahnschienen bis in die Nähe lange existieren. Da verhandle die Firma mit der niederländischen Bahn.

Lager und Verpackung in Barneveld

Im Lager von DO-IT würden die Waren seit fünf Jahren teilweise auch selbst verpackt, eigene Verarbeitung finde nur marginal statt. Etwa 35 Mitarbeiter arbeiten in der Verpackung und im Lager. Bei der Verpackung achte DO-IT von Anfang an ebenfalls auf Nachhaltigkeit. Hier werde kein Plastik eingesetzt, alle Verpackungen seien zu hundert Prozent in den holländischen industriellen Kompostieranlagen verwertbar.

Früher reichte ein Lager von 9.000 Quadratmetern Fläche aus, in den letzten fünf Jahren wurde die verfügbare Lagerfläche auf 18.000 Quadratmeter mehr als verdoppelt. Durchschnittlich 40 Lastwagen am Tag fahren die zwölf Tore an. Die Rohstoffe finden sich später in Fachhandelsmarken genauso wie in Dachmarken wie der Bio-Zentrale und auch den Handelsmarken des LEH. Insgesamt 1.000 Kunden beliefere DO-IT.

Im Wachstum begriffen

Poppe Braam sieht seine Firma weiter im Wachstum. Daher auch die Ausweitung des Lagers. Der Umsatz zeige eine wachsende Tendenz und er visiert bereits die 80 Millionen Euro im Jahr an. Aus den kleinen Anfängen hat sich eine international agierende Firma entwickelt, mit über 70 Angestellten. Stetigkeit findet sich in diesem Unternehmen nicht nur in den Lieferantenbeziehungen. Die Marketing- und PR-Fachfrau Martha Jeuken etwa begleitet den Gründer Poppe Braam nun schon über ein Vierteljahrhundert – überzeugt von der Idee.

Elke Reinecke
 

Was ist Fair Trade IBD?
Die Fair Trade IBD Zertifizierung wird von der 1982 gegründeten brasilianischen Organisation IBD definiert und vergeben. Dieses Siegel wurde 2004 eingeführt und ist eine Zusammenführung von Bio und Fairtrade. Die Einhaltung von sozialen Standards und ökologisch korrekten Arbeitsweisen wird jährlich überprüft. Händler verpflichten sich weit im Voraus zu einer gesicherten Warenabnahme. Außerdem erhalten die Bauern einen Bonus, der für regionale Projekte eingesetzt werden kann.
Die Menschen vor Ort werden direkt einbezogen und definieren regelmäßig selbst die Maßnahmen, die in ihrem Fall unterstützt werden sollen. Der Prozess findet immer in Rücksprache mit den produzierenden Bauern statt.

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