BioFach
Geschäftsklima auf der Biofach positiv
Verlust an Vielfalt bei den Ausstellen und auf dem Kongress
Rund 42.000 Besucher aus 134 Ländern kamen beim 25jährigen Bestehen der Biofach und der achten Ausgabe der Vivaness nach Nürnberg. An vier Tagen überzeugten 2.235 Aussteller mit ihrem Angebot aus dem biologischen Lebensmittel- und Kosmetik-Sektor. Das waren 200 Aussteller weniger als in den beiden Vorjahren, wie Biofach-Leiter Udo Funke bestätigte. Die Verluste gehen auf ausländische Aussteller zurück. Das Besucher-Interesse war auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahr.
Petra Wolf, Bereichsleiterin bei der NürnbergMesse, erklärte: „Vier intensive und inspirierende Messetage liegen hinter uns und haben erneut bestätigt: Die Biofach ist auch in der 25. Ausgabe das Bio-Messe-Highlight zum Jahresauftakt. Eine beeindruckende Branche, die immer wieder mit ihrer ökologischen Haltung, aber auch wirtschaftlicher und innovativer Kraft inspiriert. Die Stimmung in den Hallen war absolut positiv.“
Das 25jährige Bestehen weckte wenig Nostalgie. Bei der Eröffnungsveranstaltung hielt sich das Interesse der Besucher und der Medien in Grenzen und erreichte nicht die Dimensionen der Jahre 2007/08. Der Blick der Hersteller geht klar in Richtung Zukunft.
Die Stimmung auf der Messe war deutlich positiv. Die Aussteller erwarten für 2014 gute Geschäfte und weiteres Wachstum. Klaus-Jürgen Philipp, Geschäftsführer des Haus Rabenhorst, sprach bei den Besuchern von viel Qualität, weniger von Quantität. Auch kleinere Unternehmen wie die Nürnberger Bio-Originale verzeichnen aktuell kräftiges Wachstum.
200 Ausstellern weniger bedeutet einen Verlust an Vielfalt. Es waren die kleinen Feinkost-Aussteller, die fern blieben. Sie sorgen für Farbtupfer und Abwechslung. Für sie ist so ein Auftritt oft zu teuer. Da ist ein Konzept zum Gegensteuern gefragt. Die Zahl der Besucher ist gleich geblieben. Das Interesse konzentriert sich dann auf weniger Aussteller.
Auf den Ständen der Mopro-Hersteller wie Andechser, Molkerei Söbbeke und Milchwerke Berchtesgadener drängte sich das Publikum. Auch die Bio-Fleischbranche, angefangen bei der BESH Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall, kff, Chiemgauer Naturfleisch bis zur Bio-Metzgerei Bühler konnten sich über Besucher nicht beklagen.
Am Rande wurde das Geschehen auf dem Bio-Markt diskutiert. Nach dem Bio-Getreide Skandal in Italien ist nach Meinung eines Experten der Anteil der gefälschten Ware deutlich zurückgegangen. Natürlich tragen Großhandel und Handel eine Mitverantwortung. Wenn nicht lieferfähigen Herstellern die Auslistung droht, verleitet das zum Betrug. Wer liefern kann wird gelistet, wo die Mengen herkommen wird oft nicht hinterfragt. Die holländische Käserei Hekking hat die Bio-Zertifizierung verloren, weil die Bio-Zertifizierer feststellten, dass Bio-Ziegenmilch mit konventioneller Milch gestreckt wurde. Dessen kleines holländisches Bio-Ziegenmilch-Kontingent hat die Rouveen Kaasspecialiteiten mit der Marke Bastiaansen übernommen. Die konnten vorher die Mengen mangels Masse nicht liefern und haben nicht getrickst! Dafür hat der Naturkostgroßhandel sie ausgelistet. Jetzt ist eben weniger Bio-Ziegenkäse am Markt.
Der Kongress versammelte zur Jubiläumsausgabe 6.530 Teilnehmer in 74 Einzelveranstaltungen. Besonders interessiert war das Publikum am Schwerpunktthema Organic 3.0. Dieses erreichte mit neun Vorträgen fast 1.000 Menschen. Am besten besucht war die Diskussion zur Trendstudie Organic 3.0 mit der Zukunftsforscherin Hanni Rützler mit 260 Teilnehmern.
Prof. Ulrich Hamm von der Uni Kassel kritisierte das im Umfang kleiner gewordene Kongressprogramm als nicht mehr so spannend und qualitativ nachlassend. Er beklagte das Ausbleiben des größten Teils seiner internationalen Fachkollegen und den Verlust des Austauschs von Meinungen und Informationen.
Der alternative Gesundheitspreis der bkk advita wurde 2014 auf der Biofach überreicht. Der Rahmen passt. Denn schließlich gehören Ernährung und Gesundheit zusammen. Die nachhaltige Krankenkasse weckte mit dem Preis Aufmerksamkeit bei den Bio-Unternehmen, die mit ihren Gemeinwohlanstrengungen direkt angesprochen sind.
Die Erlebniswelten waren neu gestaltet worden. Die Erlebniswelt Fisch war nicht gerade unvergesslich. Die Erlebniswelt Olivenöl lockte zahlreichen Besucher an und strahlte Kompetenz aus. „Die Qualität der Bio-Olivenöle hier ist in den letzten beiden Jahren deutlich besser geworden“, lobte Horst Schäfer-Schuchardt, Leader des bioPress Olivenöl-Panels. Das Thema hat an Präsenz gewonnen. Das zeigen auch die Anmeldungen zum bioPress Olivenöl-Test direkt auf der Messe.
Der bioPress Verlag und Roland Schön & Partner suchen die Hidden Champions der Bio-Branche. Die Zahl der Anfragen war dreistellig. Der Pioniergeist und echte Nachhaltigkeitsanstrengungen sind bei diesen Unternehmen äußert lebendig. Insgesamt werden die Gemeinsamkeiten innerhalb der Branche weniger, und die Zahl der Marketinginseln wächst. Die Unterschiede sollen herausgestellt werden.
„Die Messe war ein Wahnsinn. Vor allem am Donnerstag waren viel Publikum da“, sagte Nudelmacher Karl-Heinz Hierl. „Der beste Tag war für uns der Donnerstag. Mit einigen Besuchern lassen sich die Geschäftsbeziehungen vertiefen. Wir haben Ideen gesammelt und Anregungen gekommen“, kommentierte Geschäftsführer Anton Esterle von Nudel-Hersteller Zabler die Messe. „Der Donnerstag und der Freitag waren die besten Tage. Wir hatten qualitativ hochwertigen Besuch“, erklärte Geschäftsführer Jochen Krumm von Lisa’s Chips.
Anton Großkinsky







