BioFach
EU-Bio reicht nicht
Mehr Qualität für mehr Überzeugung
Bad Brückenau, 12.02.14 | Vor einer „Überkonventionalisierung der Bio-Branche“ hat die Vorsitzende der Organisation Slow Food, Ursula Hudson, gewarnt. Bei einer Diskussionsveranstaltung der Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller (AöL) zum Thema 'Bio-Lebensmittelverarbeitung für die Zukunft' appellierten Hudson und der Geschäftsführer der Lebensmittelhandelshauses Tegut, Thomas Gutberlet, an die Branche, wieder mehr Innovationskraft zu beweisen.
Es dürfe nicht dazu kommen, dass biologische Lebensmitteln mit an sich konventionellen Methoden produziert werden, sagte Gutberlet am Donnerstag auf der Weltleitmesse Biofach in Nürnberg. Er wünsche sich, dass Bio wieder zur Speerspitze in der Entwicklung auf dem Lebensmittelmarkt werde. Hudson erwarte zudem von den Produzenten, mehr auf regionale Herkunft der Rohstoffe zu achten. „Bio und Lokales gehören für uns zusammen“, sagte die Slow-Food-Vorsitzende.
Gleichzeitig müsse der Verbraucher aber verstehen, dass biologisch erzeugte Waren teurer sein müssten. „Mehr Qualität kostet mehr Geld“, stellte Tegut-Chef Gutberlet klar. Häufig komme es ihm allerdings so vor, als würden Kunden den Öko-Aufschlag nur als „Spende“ verstehen. Tatsächlich aber gehe es um einen Aufpreis für ein deutliches Mehr an Qualität. Ähnlich argumentierte Andreas Wenning von der Rapunzel Naturkost GmbH. Wer behaupte, Biowaren müssten nicht teurer sein als konventionelle Produkte, der irre. Das werde auch durch Wiederholung nicht wahrer, denn aufgrund der Produktionszwänge im Öko-Landbau „geht es gar nicht anders“ als mit einem Öko-Aufschlag. Zugleich kritisierte Wenning die staatliche Förderpolitik, die die Produktionsbedingungen im Öko-Landbau nicht realisiere. „Der Anreiz für Landwirte ist zu gering“, wenn sie für die Umstellung nur eine minimale Bio-Prämie erhalten.
Der Rapunzel-Manager kritisierte zugleich die eigene Branche: Sie sei heute „zu Marketing-orientiert“. Dabei gingen Werte und Vorzüge ökologisch erzeugter Lebensmittel unter, würden nicht oder zu wenig kommuniziert. Der Kasseler Wissenschaftler Johannes Kahl forderte die Branche überdies auf, noch mehr auf Qualität zu setzen. So reiche es aus seiner Sicht nicht aus, wenn Hersteller auf Rohstoffe setzten, die nur nach den Vorgaben der EU-Öko-Verordnung und nicht nach den Richtlinien der Anbauverbände wie Bioland, Demeter oder Naturland erzeugt wurden. Wenn die Branche sich mit „EU-Bio“ zufrieden gebe, drohe die ökologische Lebensmittelwirtschaft ihre Führungsrolle zu verlieren.
Einen Trend, den auch Kirsten Buchecker vom Technologie-Transfer-Zentrum Bremerhaven (ttz) beobachtet. Es sei schade, wenn sich einige Öko-Hersteller zu sehr an konventionelle Produkte anzulehnen versuchten. Doch es gibt Lichtblicke: Denn der Innovationsdruck zu schonender Verarbeitung und zu einer Reduzierung der Hilfsstoffe in verarbeiteten Lebensmitteln gehe in der gesamten Lebensmitteltechnologie eindeutig von der Biobranche aus. Und nicht von den konventionellen Herstellern, sagte Buchecker.
Zuvor hatte AöL-Geschäftsführer Alexander Beck dafür plädiert, den Ruf nach einer Agrarwende in Europa weiter zu fassen. Es gehe nicht allein um eine dringend erforderliche Ökologisierung der landwirtschaftlichen Produktion, sondern zugleich um Veränderungen im gesamten Lebensmittelbereich. Klima, Artenvielfalt, Tierwohl, gesundes Essen, Lebensstil: Dies alles sei nicht allein eine agronomische Frage. Stattdessen verlangt Beck eine Ernährungswende, die wesentlich weiter greife als eine Agrarwende.







