BioFach
BioFach-Kongress
Nachhaltigkeit von Bio-Wertschöpfungsketten
Bedarf an zusätzlichen Informationen zu Nachhaltigkeitsaspekten besteht, darüber war sich die Vortragsrunde einig. Nach Ansicht von Dr. Christian Schader, Bereich Nachhaltigkeitsanalyse am FiBL Schweiz, müssen sich alle an der Bio-Wertschöpfungskette Beteiligten hier sowie im CSR-Bereich mehr profilieren. Zur Förderung einer nachhaltigen Wirtschaftsweise seien nun finanzielle Anreize, Beratungsangebote oder andere Mechanismen notwendig.
Die komplexen Zusammenhänge des Themas lassen sich schwer kommunizieren, stellten Corinna Feldmann und Professor Ulrich Hamm von der Uni Kassel fest. Einerseits würden über 80 Prozent der Verbraucher eine staatliche, leicht verständliche Nachhaltigkeits-Kennzeichnung befürworten, andererseits wollten sie nicht noch ein Label auf den Etiketten.
Bio muss noch nachhaltiger werden
„Wäre ein Nachhaltigkeits-Siegel also erst mal kontraproduktiv für die Bio-Branche oder könnte es ein Öko-Siegel aufwerten?“, fragte Hamm. Zu klären sei jedenfalls, ob Nachhaltigkeit ein Bestandteil der Öko-Wertschöpfungskette ist oder der Konsum von ökologischen Lebensmitteln „nur“ Bestandteil einer nachhaltigen Entwicklung. Damit nicht letzteres eintrete, müsse der Öko-Sektor an sich nachhaltiger werden und dieses nach der KISS-Regel (keep it simple and stupid) kommunizieren.
Zwei unterschiedliche Modelle, wie große Anbieter von Bio-Lebensmitteln schon jetzt mit dem Thema umgehen, stellten dann Werner Lampert aus Österreich und Simona Matt von der COOP Schweiz vor. „Bio und Nachhaltigkeit sind Geschwister, die sich leider zu wenig treffen“, begann Bio-Pionier Lampert seinen Vortrag. Seiner Meinung nach, könnte die Nachhaltigkeitsdiskussion zu einem neuen verantwortungsvollen Qualitätsverständnis führen, erfordere aber Transparenz. Die Produkte seiner Marke ‚Zurück zum Ursprung‘ trügen daher jeweils eine Öko-Bilanz.
Die drei Nachhaltigkeits-Eigenmarken der COOP sind dagegen zum größten Teil mit dem Bio-Suisse- und dem Max Havelaar-Siegel für fairen Handel kombiniert. Statt einer Öko-Bilanz betone man in der Werbung den engen Kontakt mit den Produzenten, sagte Simona Matt. Außerdem fördere man mit der Linie naturaplan-Regio gezielt die lokale Wertschöpfungskette.
Ecropolis: Internationale Landkarte des Bio-Geschmacks
Verbraucher in den verschiedenen Ländern haben sowohl für Bio- als auch für konventionelle Lebensmittel unterschiedliche Geschmacksvorlieben. Das ist eines der Ergebnisse aus dem drei Jahre laufenden Ecropolis-Projekt, die auf der BioFach vorgestellt wurden.
Forschungsgruppen aus Deutschland, Holland, Frankreich, Italien, Polen und der Schweiz hatten anhand von Verkostungen sensorische Profile von verschiedenen frischen und verarbeiteten Lebensmitteln erstellt. Ebenfalls ermittelt wurde der Einfluss der Bio-Richtlinien auf die optischen und geschmacklichen Eigenschaften.
In Deutschland bewerten Verbraucher Sonnenblumenöl und Joghurt in Bio-Qualität generell am besten, während sie bei stärker verarbeiteten Produkten wie Salami oder Tomatensauce die gewohnte, konventionelle Variante bevorzugten. Auch scheint ganz allgemein das Wissen über eine biologische Herstellung bei geschmacklich gut bewerteten Produkten eine geringere Rolle zu spielen.
Anders herum heißt das, dass der Einfluss der Kennzeichnung umso stärker positiv ist, je schlechter ein Bio-Produkt in der Blindverkostung abgeschnitten hat. Am stärksten ausgeprägt ist diese Tendenz bei den Deutschen und bei den Niederländern. (www.ekropolis.org/osis.html).
Das Nachhaltigkeits-Puzzle von Naturland
Nachhaltigkeit braucht lebendigen Boden – unter diesem Motto stand für Naturland die BioFach 2012. Der Boden spiele als Schlüsselressource für Klima- und Wasserschutz sowie als Basis der Lebensmittel eine entscheidende Rolle und stelle die Schlüsselressource für die verschiedenen Puzzleteile der Nachhaltigkeit dar.
Das Ineinandergreifen der Aspekte Ökologie und Soziales berücksichtigt der Verband mit der Naturland Fair Zertifizierung. Nach etwas über einem Jahr tragen schon rund 530 Produkte und drei Unternehmen das Siegel. Stark vertreten sind vor allem Brot- und Backwaren, Tees und Gewürze, aber auch 16 neue Vollmilchschokoladen der Gepa.
Ein weiterer Naturland-Messeschwerpunkt war der Bereich Aquakultur. Im Moment zertifiziert Naturland 13 Fisch-, Garnelen, Muschel- und Algenarten, die auch im LEH erhältlich sind. Relativ neu ist hier das Naturland Wildfisch-Logo, das die sozialen Bedingungen der Fischer und eine Verarbeitung nach Naturland-Richtlinien mit einschließt. Im Handel gibt es einen Naturland Wildfisch zertifizierten Viktoria-Nil-Barsch aus Tansania; weitere Arten seien im Zertifizierungsprozess.
Bettina Pabel







