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Demeter will Tengelmann beliefern

Harsche Kritik aus dem Fachhandel an den Plänen des Verbandes

Der Aufsichtsrat des Demeter Verbandes hat beschlossen, dass  Kaiser’s Tengelmann Demeter-Produkte vertreiben darf. Das Handelsunternehmen betreibt Supermärkte in den Regionen Berlin,  Nordrhein und München. Die Bundes-Delegiertenversammlung von Demeter muss Ende April über den Beschluss des Aufsichtsrates abstimmen. Erst dann tritt er in Kraft. Aus den Reihen des Fachhandels kommt heftige Kritik.

Der BNN Einzelhandel in Köln kann eine Vertriebsstrategie, die qualitativ hochwertige Demeter-Produkte über ein nationales Lebensmittelunternehmen vermarktet, nicht nachvollziehen. „Die Vermarktung über  den LEH ist grundsätzlich nichts Neues, bisher galten  Unternehmen wie Edeka, Feneberg und Tegut als Ausnahmen. Mit der Vermarktung über die bundesweit agierende Tengelmann-Gruppe, stößt man in eine neue Dimension vor. Eine Identifizierung mit den Werten der biologisch-dynamischen Landwirtschaft ist hier nicht erkennbar. Die Marke Demeter lässt sich als Instrument zum Green-Washing missbrauchen“, heißt es in einer Stellungnahme des Vorstands des BNN Einzelhandel in Bonn.

Eine Gruppe von Fachhändlern stellt sogar ihre Demeter-Aktiv-Partnerschaft in Frage und fordert  die Bundes-Delegiertenversammlung auf, dem Antrag von Vorstand und Aufsichtsrat nicht zu entsprechen. Darunter sind Filialisten wie SuperBioMarkt in Münster und die Bio Company in Berlin. „Die aktuelle Entscheidung des Aufsichtsrates, wird auf der nächsten Delegiertenversammlung Ende April intensiv diskutiert. Das Ergebnis ist zum derzeitigen Zeitpunkt völlig offen“, erklärte Demeter-Vertriebsleiter Achim Wagner.

Demeter-Hersteller Voelkel beliefert Tengelmann mit Getränken und wird als Auslöser für diesen Beschluss  des Aufsichtsrates gesehen. Voelkel sieht den Markt immer in Bewegung, so dass sich der Fachhandel neuen Herausforderungen stellen muss. „Änderungen sind notwendig, diese sind nicht nur bei Herstellern und Verbänden festzustellen, sondern auch im Groß- und Einzelhandel, in jedem Regal“, schreibt Voelkel-Geschäftsführer Frank Stieldorf von.

Treibende Kraft hinter dem Tengelmann-Beschluss dürften die Demeter-Hersteller gewesen sein. Ende der 90er Jahre hatte Demeter im Fachhandel einen Marktanteil von zehn Prozent. Bis 2005 sollte er auf 20 Prozent verdoppelt werden. Ein Ziel, das der Traditionsverband bis heute nicht erreicht hat. So ist es verständlich, dass Demeter neue Wege im Vertrieb sucht und findet. Nur so kann die Demeter-Landwirtschaft auf eine breitere Basis gestellt werden. Der älteste Bio-Verband ist gemessen an der Zahl der Bauern hinter Bioland und Naturland auf Platz drei abgerutscht in Deutschland.
AG  

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