Start / Ausgaben / BioPress 46 - Februar 2006 / Der heiße Tipp für den LEH

Der heiße Tipp für den LEH

Bio-Heißgetränke

Weg mit dem schlechten Gewissen: Des Deutschen liebstes Heißgetränk, der Kaffee, ist gesünder als bisher gedacht. Er gilt zum Beispiel nicht mehr als „Wasserräuber“ und wurde als Lieferant wichtiger Antioxidanzien ausgemacht. Weiterhin falsch ist jedoch die Annahme, dass sich der LEH mit der Bohne nicht mehr profilieren kann. Bio-Qualität und Transfair-Siegel sind gefragt, denn immer mehr Menschen wünschen sich für ihr persönliches Wohlgefühl auch Schadstoffarmut sowie umweltgerechte und sozial verträgliche Erzeugung der Produkte. Dem Kaufmann wird es leicht gemacht, denn das Angebot ist mittlerweile riesig.

Kaffee ist nicht nur gut für den morgendlichen Koffein-Kick. Für viele Menschen dient er auch als Hauptquelle von Antioxidanzien, die als Fänger schädlicher freier Radikale gelten, berichteten im Sommer 2005 US-Forscher von der Universität Scranton. Wenn man die Dosis pro Tasse und die Konsummenge beachtet, schlägt Kaffee der Studie zufolge Getränke wie Milch, Kakao, Tee und Cranberries, die ebenfalls als Quelle hochwertiger Antioxidanzien gelten. Allerdings führt ein hoher Gehalt an Antioxidanzien in einem Nahrungsmittel nicht zwangsläufig zu einem hohen Level im Körper, betonten die Forscher. Wie die Stoffe vom Organismus aufgenommen werden, wisse man noch kaum.

Kaffee stimuliert das Gedächtnis

Die nächste gute Meldung kam im November 2005: „Regelmäßiges Kaffeetrinken erhöht bei Frauen nicht den Blutdruck“, ergab eine Studie der Harvard-Universität in Boston, die Männer nicht einbezogen hatte. Und im selben Monat freuten sich Forscher der Medizinischen Universität in Innsbruck: „Koffein stimuliert offenbar tatsächlich das Kurzzeitgedächtnis.“ Sie hatten den Einfluss von etwa 100 Milligramm Koffein – dem Inhalt von etwa zwei Tassen Kaffee – auf die Reaktionsgeschwindigkeit von Versuchsteilnehmern untersucht.

Kaffeetanten und -onkels wird’s freuen. 151 Liter oder 6,4 Kilogramm Kaffee wurden pro Kopf im Jahre 2004 konsumiert, errechnete der deutsche Kaffeeverband und schlussfolgert: „Damit ist Kaffee Spitzenreiter unter den beliebtesten Getränken der Deutschen.“ Und sie können ihrer Leidenschaft insofern auch guten Gewissens weiter frönen, als sich im vergangenen Jahr auch eine andere Sorge als unnötig herausstellte: Kaffee und Tee entziehen dem Körper langfristig kein Wasser und können deshalb zur täglichen Flüssigkeitsaufnahme gezählt werden. Gleichwohl: Wer zur heißen Tasse ein Glas kaltes Wasser trinken mag, soll es ruhig weiterhin tun. Nicht jeder Magen mag jeden Kaffee, und da ist – wie in österreichischen Kaffeehäusern oder in mediterranen Ländern üblich – ein stilles Minerale mit Sicherheit weiterhin eine gute Idee.

Machen Sie den Preis transparent

Sollten Kunden über die Preise eines Bio-Kaffees jammern, dann ist es sinnvoll, wenn der Händler mit Warenkunde parieren kann. Ein Verbraucher, für den der Kaffee schlicht „aus der Tüte kommt“, wird sich nämlich wundern, welchen Aufwand die Bohne braucht. Coffea Arabica hat ein sehr feines Aroma und ist die am längsten bekannte, ursprünglich wildwachsende Kaffee-Art aus dem Hochland Äthiopiens (heute: Zentralamerika, Brasilien und Kolumbien). Wegen der schwierigen Anbaubedingungen ist der Arabica-Preis höher als der Preis anderer Kaffeesorten. Die kräftigere Kaffee-Art Coffea Robusta wird oft im Flachland (Indonesien, Brasilien, Uganda) angebaut und enthält etwa doppelt so viel Koffein wie Arabica-Kaffee.

BioGourmet (ein Bereich der Rapunzel Naturkost AG, Legau) liefert „Bon Dia Café“ sowie „Bon Dia Espresso“ an den LEH und erklärt noch mehr: „Die Anbaugebiete für die Kaffeesträucher für BioGourmet-Café liegen in 900 bis 1.200 Meter Höhe. Kaffeepflanzen sind anspruchsvoll und empfindlich. Sie brauchen viel Sonne und Wärme, aber auch Schatten. Erst nach rund vier Jahren trägt der Baum zum ersten Mal Früchte, die so genannten Kaffeekirschen. In jeder Kaffeekirsche stecken zwei Bohnen. Um an die Bohnen zu gelangen, wird die so genannte Pulpe, das Fruchtfleisch, maschinell von den Bohnen entfernt. Die Kaffeekirschen werden mehrmals gewaschen und fermentiert, d.h. es findet ein Gärungsprozess statt, der die Pulpe endgültig löst. Nochmals ist ein gründliches Waschen und anschließendes Trocknen der Kaffeebohnen in der Sonne nötig.“

Weiter geht es mit dem Sortieren per Hand, der Qualitätsanalyse, dem Verpacken in Säcke und der Verschiffung nach Deutschland in die Kaffeerösterei. BioGourmet zu den nächsten Schritten: „Erst durch die Röstung entfaltet der Kaffee sein charakteristisches Aroma, ohne dieses Rösten oder Brennen gäbe es keinen Kaffeegenuss. Je nach Röstungstemperatur und Röstungsdauer entscheidet sich, ob es nun ein Kaffee oder ein Espresso wird. Der BioGourmet Bon Dia Café wird bei 180 bis 190 Grad Celsius zirka neun bis zehn Minuten schonend langzeitgeröstet.“
Die Legauer arbeiten mit „Hand-in-Hand“-Partnern. Das bedeutet Unterstützung der Bauern durch stabile Preise über dem Weltmarktniveau, Prämien für die Unterstützung einer nachhaltigen ökologischen Landwirtschaft und Sicherheit durch langfristige Handelsbeziehungen. Zusätzlich unterstützt „Hand in Hand“ den Bau von Schulen und sozialen Einrichtungen, die soziale Absicherung und Wiederaufforstungen.

Premium aus dem Hochland von Peru

Auf noch größerer Höhe gedeihen die Bohnen für die beiden Premium-Bio-Kaffees der BS & K GmbH, Admannshagen-Bargeshagen. Die Arabica-Bohnen wachsen in Peru unter Schattenbäumen in Plantagen, die der Deutsche Johann Brack bereits 1925 anlegte. Es sind reine Hochland-Kaffees, wobei die Bohnen für die Sorte „Brack Kaffee Hausmarke“ auf 1.400 Meter und die für die Sorte „Carlos Brack Highclass Coffee“ auf 1.600 Meter wachsen. „Je höher der Anbau, desto eleganter der Geschmack“, erklärt Günter Sickmann vom Marketing/Vertrieb. Die Kaffees werden schonend 15 Minuten geröstet und sind daher magenfreundlich. Sie sind als ganze Bohne, gemahlen und für Espresso zu haben und zeigen auch über den Preis ihren Premiumcharakter: Der VK bei der Hausmarke liegt bei vier Euro/200-Gramm-Packung, der für Highclass bei 5,20 Euro/200 Gramm. Als Zielgruppen nennt Sickmann Genießer, Bio-Affine und Menschen, die einen magenverträglichen Kaffee wünschen. Vertrieben wird bisher über Konfiserie- und Feinkostgeschäfte, Reformhäuser, die Gastronomie sowie den  Bio-Fachhandel.

Die Marke „Brack aus dem Kaffeegarten der Natur“ (Anbauhöhe 1.200 Meter) ist auch im Bio-Kaffeeregal des LEH zu finden (zum Beispiel bei Edeka sowie teilweise bei Real, Sky, Kaufland, Marktkauf, Globus). „Als wohl einziges Unternehmen transportieren wir unseren Rohkaffee von Peru eingeschweißt und vakuumisiert. Dadurch wird verhindert, dass Feuchtigkeit, Hitze und Kälte den Kaffee belasten. Jeglicher Pilzbefall wird ausgeschlossen. Zusätzlich verhindern wir mit dieser Maßnahme, dass an Bord die Begasung gegen Ungeziefer unseren Kaffee belastet“, nennt Sickmann Besonderheiten der Produkte. Sein Ausblick: „Das Unternehmen hat 2005 den Umsatz fast verdreifacht und wird auch in der Zukunft positiv vorangehen.“

Schonende Röstung, gute Verträglichkeit

Bio und Verträglichkeit: Hier scheinen sich zwei positive Eigenschaften zu treffen. Denn auch Klaus-H. Pieschel, Assistent der Geschäftsleitung beim EKAF Vertrieb Deutschland GmbH, Hamburg, erklärt: „Ein USP unserer Käfer-Kaffeeprodukte ist insbesondere die traditionelle Trommelröstung. Hierbei werden die Bohnen bei etwa 215 Grad Celsius zirka15 Minuten besonders schonend veredelt. Dieses Verfahren garantiert die gleichmäßige Röstung aller Bohnen und einen besonders bekömmlichen Kaffeegenuss.“ Gemeint ist der „Käfer Transfair Kaffee BioMild“ in der 500-Gramm-Packung, der zum Beispiel national bei der Rewe im Vertriebsbereich minimal gelistet ist. „Unsere derzeitigen Absatzzahlen für Käfer-Transfair-Produkte stützen den allgemeinen Trend, dass für qualitativ hochwertige Premiumartikel eine große Nachfrage besteht“, erklärt Pieschel und kündigt an, dass das Kaffeesortiment um einen Bohnenartikel ergänzt wird. Jede Verpackung trägt das Transfair-Siegel, was bedeutet, dass die Rohstoffe aus fairem Handel stammen. Der gemeinnützige Verein Transfair hat das Ziel, Produzentenfamilien in Afrika, Asien und Lateinamerika zu fördern und durch den fairen Handel ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen zu verbessern.

„Erfolg im hohen Maße ausbaufähig“

„Vom Ursprung bis zur Vollendung natürliche Spitzenqualität“, beschreibt die bioma Marketinggesellschaft mbH, Ahrensburg, ihre Bio-Kaffees „Café Monte Verde“ und „Espresso Monte Verde“. Im Bio-Sortiment zudem vertreten: „Monte Verde Cho-Ca´s“ (schokolierte Espressobohnen) und Tees. Geliefert wird an Feinkost- und Bioläden, Reformhäuser, Kaffeeshops und im Direktvertrieb sowie über einen Großhändler. „In der Produktion legen wir Wert auf eine sorgsame, langsame Röstung: Kaffee bis zehn Minuten bei 180 Grad Celsius und Espresso 20 Minuten bei 180 Grad Celsius“, erklärt Tineke Utescher, Leiterin Ein- und Verkauf. Der konventionelle LEH werde bislang nicht angesprochen. „Grund ist, dass unsere Produkte eher im hohen Preissegment liegen. Die Einzelhändler, die unsere Produkte erfolgreich verkaufen, legen selber Wert auf einen guten Kaffee und Espresso. Die persönliche Beratung ist dabei also sehr wichtig. Im konventionellen Handel wären unsere Produkte in einer Feinkostabteilung richtig platziert.“

Die Kaffeerösterei Viersen GmbH, eine Tochtergesellschaft der Kaiser’s Tengelmann AG (KTAG) und Drie Mollen, produziert u. a. „Pedro Café“, der auch in einer Bio-Ausstattung angeboten wird, sowie für „Naturkind“, der Eigenmarke der KTAG. Pedro gibt es in der Sorte „Temperamento” (1.000 Gramm, ganze Bohne) und „Sensación“ (500 Gramm, ganze Bohne und gemahlen). Neben der KTAG verkauft die Rösterei den Kaffee an tegut, Spar, Markant, Kaufhof, den Großhändler Citti und andere und unterstützen die Händler zum Beispiel mit Verkostungen, Zweitplatzierungen und Handzettelwerbung. Den Erfolg nennt Dieter Kater vom Unternehmen „zurzeit mäßig, jedoch im hohen Maße ausbaufähig“.

Wachstum mit Bio und fairem Handel

Zweistellige Umsatzzuwächse erzielt laut gepa-Sprecherin Brigitte Frommeyer der Kaffee und Tee vom gepa Fair Handelshaus, Wuppertal, im LEH, Bio- und Naturkosthandel. Den „Klassiker“ unter den Bio-Kaffees, den „Café organico“, gibt es als Röstkaffee, Bohne, entkoffeiniert, Instant und Kaffeepad. Zu haben ist auch ein Schonkaffee („Bio Café Esperanza“), den die Zeitschrift „Ökotest“ im Januar 2005 mit „sehr gut” ausgezeichnet hatte. Von ihm sind ebenfalls Pads erhältlich. „Sehr beliebt sind auch unsere Espressi, beispielsweise unser Original Italienischer Bio Espresso Bohne“, weiß Brigitte Frommeyer“.

Gepa hat für den Lebensmittelhandel ein „Bio &Fair-Regal“ entwickelt, in dem ausschließlich Kaffee, Tee, Kakaoprodukte etc. aus Bio-Anbau stehen. „Der Verbraucher bekommt die gesamte Produktpalette auf einen Blick präsentiert und zeigt dadurch noch größeres Kaufinteresse“, begründet Frommeyer.

Gepa unterstützt Genossenschaften und sozial engagierte Unternehmen in Afrika, Lateinamerika und Asien bei der Umstellung auf Bio-Anbau und zahlt für die Rohstoffe neben einem garantierten Mindestpreis und dem Entwicklungszuschlag auch einen Bio-Aufschlag. „Im harten Wettbewerb ist der Bio-Anbau für die Genossenschaften eine zusätzliche Marktchance“, so das Handelshaus. Von den Bio-Aufschlägen würden zum Beispiel Fortbildungen im Bio-Anbau finanziert. Doch auch der LEH profitiert: „Immer mehr Verbraucher legen Wert auf nachhaltig produzierte Lebensmittel und sind bereit, für Qualitätsprodukte einen angemessenen Preis zu bezahlen.“ Gepa-Produkte sind bereits in vielen konventionellen Supermärkten gelistet (Hit, AEZ, KaDeWe, Karstadt, Tengelmann, Rewe, Edeka, Kaufland), doch wünscht sich Frommeyer, dass Verbraucher „immer einen Supermarkt in erreichbarer Nähe mit unseren Produkten finden können.“

Auch die Importhaus Alten GmbH, Sindelfingen, hat einen Bio-Kaffee (Naturland) mit dem Transfair-Siegel. Die Marke heißt „Café Naturata“ (gemahlen und als Espresso-Bohnen). Er wird im traditionellen Trommelröstverfahren langsam und schonend geröstet, was sich, so der Hersteller, positiv auf den Geschmack und die Verträglichkeit auswirkt.

Das Angebot wird immer größer

Über das Internet vertreibt Busonero de., Mechernich, den „Busonero Biocaffé“. Sie ist eine Bohnen-Mischung aus biologischer Landwirtschaft Mittel-Amerikas und auch für Espresso-Maschinen und Mokka geeignet. Erhältlich ist sie in der 250-Gramm-Dose (gemahlen) und als Tabs (36 Stück). Kunden sind bisher neben Privatleuten die Gastronomie und Firmen. Die Rösterei ist in Grosseto in der Toskana zu Hause, wo seit 40 Jahren auf traditionelle handwerkliche Weise Kaffeebohnen geröstet werden.

Einen Muntermacher mit Bio-Siegel wird es demnächst auch von der Lloyd Caffee GmbH, Bremen, geben. Das Unternehmen sei gut vorbereitet, sagt Gesellschafterin Sabine Schlüter: „Der größte Teil der von uns gerösteten und vermarkteten Kaffees stammt aus biologisch kontrolliertem Anbau – ohne zertifiziert zu sein, was sich jedoch in Zukunft ändern soll. Grundlage der besonderen Genussqualität von Lloyd Caffee ist die Auswahl der Rohkaffees von speziellen Kaffeefarmen, in denen der grüne Rohkaffee unter nachhaltigen Bedin- gungen produziert wird.“

Die Wertform GmbH, Hamburg, ist Lieferant von Röstkaffee, Kaffeepads, Instantkaffee, Cappuccino, Getreidekaffee, Malzkaffee und Trinkschokolade. Das Unternehmen, das sich als Hersteller von Private Labels empfiehlt, verarbeitet nach eigenen Angaben bereits seit den frühen Achtzigerjahren zertifizierten Bio-Kaffee und hat mittlerweile komplett umgestellt. Als Verkaufsargument nennen die Hanseaten die schonende Röstung, die Nachvollziehbarkeit beim Handel und Anbau sowie Umweltschutz und „die Unterstützung einer würdigen Landwirtschaft (nicht nur für Produkte aus der so genannten Dritten Welt), die unter Bedingungen arbeiten kann, die nicht auf Masse um jeden Preis ausgelegt ist. Für den Handel kann es eine Profilierung sein, biologische Lebensmittel zu vernünftigen Preisen anzubieten.“

Kunden, die gänzlich auf Koffein verzichten möchten, kann der LEH mit Produkten der Campo Verde GmbH, Brackenheim, bedienen. Sie tragen das Siegel „bio-dynamisch – garantiert durch Demeter“. Im Sortiment sind Frucht- und Getreide- sowie Dinkelkaffee. Eine Listung gibt es zum Beispiel bei Edeka Südwest zentral. „In den vergangenen Monaten hat sich der Umsatz mit Produkten der Marke Campo Verde in den Edeka-Märkten stetig entwickelt. Wir sind deshalb sehr zuversichtlich, dass sich im Markt für Premium Bio-Produkte im LEH gute Zukunftschancen ergeben“, so das Unternehmen.

Rooibos mit Transfair-Siegel

Die Oasis Teehandel GmbH, Bondorf, führt ebenfalls Kaffee (auch in seltenen Bohnensorten), Getreidekaffee und Guarana zum Mischen, hat sich jedoch vor allem mit Tee einen Namen gemacht. Für den LEH gibt es die Marke „Queensland“, und hier umfasst das Tee-Sortiment mehr als 300 verschiedene Sorten aus kontrolliert biologischem Anbau. Oasis hat schwarzen Tee (Monosorten, Mischungen und mit natürlichem Aroma), Oolongs, grünen Tee (auch in aromatisierten Varianten), Lapacho- und Matetess, Früchte- und Kräutertees sowie Rooibos (pur, mit Kräutern, Gewürzen, Früchten und aromatisiert) im Programm. Es gibt spezielle Mischungen mit einem besonderen Etikett (zum Beispiel „Vielen Dank“) – eine gute Idee, um Spontankäufe anzuregen. Denn welcher Kunde hätte nicht gerne eine nützliches und originelles Mitbringsel auf Lager?

Auf der Anuga 2005 stellte das Unternehmen einen Rooibos mit Transfair-Label vor. Gestartet wird mit den vier Sorten „Rooibos Natur“, „Rooibos mit Lemongras“, „Rooibos Löwenpfote“ und „Rooibos Vanille“. Geschäftsführerin Renate Schatz: „Die Oasis Teehandel GmbH hat auch in der Vergangenheit durch eigene Maßnahmen immer wieder die Menschen in den Ursprungsländern direkt unterstützt und vor allem auf dem Weg zum kontrolliert biologischen Anbau beraten. Doch da dies sehr schwer kommunizierbar ist, haben wir uns nun dazu entschlossen, in einem Sortimentsteil von Rooibos mit Transfair zusammenzuarbeiten. Das Transfair-Siegel ist bekannt und genießt großes Vertrauen bei den Konsumenten. Für den Handel besteht nun die Chance sich in diesem Bereich zu profilieren und mit bei den Ersten zu sein, die Transfair-Bio-Rooibos in Deutschland anbieten.“

Oasis hat Tee-Fachgeschäfte, Reformhäuser und kleinere konventionelle Einzelhandelsgeschäfte als Kunden. Um den Einstieg in das Bio-Tee-Geschäft zu erleichtern, stellen die Bondorfer Infomaterial, Einführungsrabatte und ein Testregal, das sechs bis acht Wochen im Laden verbleiben kann, zur Verfügung.

Oasis vertreibt auch Produkte von El Puente, Nordstemmen. Diese Organisation des partnerschaftlichen Handels sagt von sich: „Wir fördern Kleinbetriebe und Genossenschaften in Entwicklungsländern durch die Vorfinanzierung ihrer Lieferungen, langfristige Zusammenarbeit und Zahlung von Preisaufschlägen für Gemeinschaftsaufgaben. El Puente arbeitet nicht gewinnorientiert und leistet Hilfe zur Selbsthilfe unter Ausschaltung des profitorientierten Zwischenhandels. El Puente setzt sich in der Öffentlichkeitsarbeit für gerechten Welthandel und eine selbstbestimmte Entwicklung in den Partnerländern ein.“ Im Sortiment sind in Bio-Qualität Kaffee (auch als Instant), Kakao, Eiskaffee, Tee (in den Sorten Grün, Schwarz, Rooibos, Ayurveda, Kräuter, Früchte). Das Unternehmen bestückt vor allem Weltläden und Aktionsgruppen.

Für den LEH auch kleine Sortimente

Mit fünf Sorten Aufgussbeutel-Tee unter „Bioveda“ hat sich bereits vor einiger Zeit die Ulrich Walter GmbH, Diepholz – mit der Marke „Lebensbaum“ einer der Großen im Bereich Bio-Fachmärkte – auf konventionelles LEH-Terrain begeben. „Die Bio-Tees können eine Alternative zur Handelseigenmarke sein“, so die Überlegung. Ein Test fährt derzeit beispielsweise das Drogeriemarkt-Unternehmen Ihr Platz. Die Sorten (im Beutel) sind „Guten Morgen-Tee“, „Guten Abend-Tee“, „Grüntee China“, „Darjeeling Schwarztee“ und „Frühstückstee“. „Die Produkte werden konsequent ohne den Zusatz von Aromen gefertigt. Der gute Geschmack und das feine Aroma der Tees beruhen ausschließlich auf der besonderen Abstimmung und Komposition der hochwertigen Zutaten“, betont Unternehmenssprecherin Alexandra Buley-Kandzi. „Um die Nachfrage noch besser zufrieden zu stellen, denken wir über eine Ausweitung des Sortiments nach.“

Die EP Naturprodukte AG aus dem österreichischen Itter ist in deutschen und österreichischen LEH-Ketten mit „Frühstückstee“, „Guten Abend Tee“ und „Griechischem Bergkräuter Tee“ vertreten. „Heißgetränke bzw. Tee sind eine mittelmäßig erfolgreiche Produktgruppe mit begrenztem Entwicklungspotential“, schätzt Marketingleiter Alexander Ettinger die Situation ein. Das Unternehmen plant alternative Verpackungsformen und Tees mit spezieller Benefit-Ausrichtung.

Demeter-Anbau in Ägypten

Die Sekem Group, Kairo, ist nach eigenen Angaben mit etwa 80 Prozent Marktanteil bei Kräutertees (allgemein) die Nummer Eins in Ägypten. Der größte Anteil der Umsätze wird in Ägypten im konventionellen Einzelhandel und in Apotheken erzielt. Für den Export werden zudem alle großen Ketten wie Metro, Shoprite oder Carrefour direkt bedient.

Die gesamte Kräuterproduktion findet in Ägypten nach Demeter-Richtlinien statt. Die über 400 Bauern (größtenteils Kleinbauern) sind, so Christina Boecker vom Unternehmen, an das Sekem-Netzwerk angeschlossen und erhalten faire Preisen, langfristige Abnahmevereinbarungen, Fortbildungsmöglichkeiten usw.

Sekem führt unter der Marke „Isis“ ein Sortiment von etwa zehn Kräutertees sowie Schwarztee und verschiedene Sorten Grüntees mit Zusätzen für Geschmack oder besonderen Gesundheitsnutzen (zum Beispiel mit Schwarzkümmel, Echinacea oder Ginseng). Die Tees werden in verschiedenen Verpackungsgrößen als Filterbeutel und lose angeboten. Außerdem handelt Sekem mit Gerstenkaffee mit Demeter-Zertifizierung (lose im Glas und in Portionsbeuteln) und verschiedenen Kaffeesorten mit Bio-Zertifizierung: Instantkaffee, Filterkaffee, Türkischer Kaffee und Espresso. Weiterhin sind drei Sorten traditionelle orientalische Getränke (Süßholz, Tamarinde und Doom) sowie zwölf Sorten Kräutertees für medizinische Zwecke (Erkältung, Durchfall, Unterstützung der Leberfunktion, der Niere, Milchbildungstee usw.) im Programm. Demnächst will Sekem auch ein Sortiment Wellness-Tees entwickeln. Boecker sieht optimistisch in die Zukunft: „Wir sehen große Chancen, unseren Umsatz sowohl in Ägypten als auch in unseren Exportmärkten zu steigern. Gerade der neu wachsende Markt in den arabischen Ländern eröffnet große Perspektiven.“

Kräuter aus Ostpommern

In Deutschland wachsen die Zutaten der Tees der Kräutergarten Pommerland eG, Pulow. Es sind dies die sechs Kräutertees „Elfentraum“ (kräftiger Blütentee mit Minze), „Blütenreigen“ (leichter Blütentee für den Morgen), „Drachenglut“ (ein Wintertee), „Nachtfeuer“ (ein Abendtee), „Venusmond“ (speziell für Frauen) sowie „Häwelmann“ (ein beruhigender Tee für Kinder). Außerdem führt Pommerland die Wellnesstees „Allegro“ (Morgentee), „Andante“ (für den ganzen Tag) und „Amabile (Abendtee). „Andante und Amabile sind homöopathieverträglich“, erklärt Geschäftsführerin Christiane Wilkening. „Die drei Tees bauen aufeinander auf und können gut über den Tag verteilt getrunken werden. Sie eignen sich sehr gut für Fastenkuren oder ergänzend zu speziellen Diäten.“ Kalt und heiß zu trinken sind die Trinksirups „Melinza-Kräutersirup“ (aus Melisse und Minze) und „Hollerblüh-Blütensirup“. Neue Sorten sind für 2006 geplant.

Die gesamte Produktionskette von Anbau, Ernte (per Hand), Trocknung und Verarbeitung bis hin zum Abfüllen liegt bei Kräutergarten Pommerland. Bislang wird der konventionelle LEH nicht beliefert, aber, so sagt Christiane Wilkening: „Wir haben Interesse.“

Türkische Bergtees und Bio aus Indien

Mit sieben Sorten Bergtee, Oregano-Tee und Tee vom Dreilappigen Salbei könnte die Aytem GmbH, Bielefeld, ein Regal bestücken. Doch Inhaber Alper Öktem, gebürtiger Türke und Arzt, klagt, dass Bergtee zwar bei Kennern beliebt sei und von den bekannten deutschen Firmen hergestelt werde, der Großhandel bisher aber fast immer abgewinkt habe. Mittlerweile ist Öktem zu der Auffassung gekommen, „der Biosektor ist eine eigenständige Community, die Newcomer haben kaum Chancen“. So beziehen bislang einzelne Bio- und Tee-Läden und ein Teegroßhändler den Tee.

„Kräftigen Umsatzzuwachs“ verspricht sich Elke Winkler, Marketingleiterin bei Herbaria Kräuterparadies GmbH, Fischbachau. Das Unternehmen ist mit seinen Teeprodukten vor allem im Bio-Fachhandel vertreten und nennt Globus als Kunden aus dem konventionellen Bereich.

Die ayurvedischen Tees in den Richtungen „Vata“ (beruhigend), „Pitta“ (besänftigend), „Kapha“ (belebend) sowie „Mandel Vital“ (ein Getränkepulver aus Mandeln und ayurvedischen Kräutern für heiße und kalte Milch oder für Lassi) stellt Maharishi Ayurveda MTC aus dem niederländischen Herkenbosch in Bio-Qualität her. Die Tees stehen bisher in Bio-Läden, Reformhäusern, Asia-Läden und anderen Spezialgeschäften; weitere Vertriebskanäle sind Kosmetikinstitute, Wellness-Hotels, Ayurveda-Kliniken und -Gesundheitszentren sowie Internetshops. „Der Verkauf von zertifizierten Ayurveda-Produkten hier im Westen hat letztendlich dazu geführt, dass auch in Indien seit einiger Zeit der Anbau von zertifiziert biologischen Kräutern seinen Anfang genommen hat“, freut sich Karin E. Bau vom MTC-Marketing. Den Unternehmenserfolg beschreibt sie „gemessen an der gegenwärtigen Wirtschaftslage eher positiv. Dies betrifft auch unsere Erwartung für die Zukunft.“

Auch Tee ausfairem Bio-Anbau

Auf der letztjährigen Anuga stellte sich erstmals die Marke „Regionata“ vor. Unter ihr vertreibt die Firma Joachim Beron, Empfingen, Tees der österreichischen Firma Sonnentor im deutschen LEH. Zu haben sind verschiedene Sorten Schwarz- und Grüntees, Oolongs und Rooibos.

Und noch einmal das gepa Fair Handelshaus, das sich als „Pionier“ bei Bio-Tee bezeichnet. Brigitte Frommeyer von der Pressestelle: „Vor fast zwanzig Jahren hat die gepa das weltweit erste Biotee-Projekt zusammen mit der sozial und ökologisch engagierten Teefirma Stassen in Sri Lanka und dem Anbauverband Naturland aufgebaut. Darüber hinaus wird dort mit einem umfangreichen Sozialprogramm die Lebenssituation der Teepflückerinnen und ihrer Familien verbessert. Dieses Jahr konnte die gepa das 15-jährige Jubiläum der Zusammenarbeit mit unserer Partnerplantage Samabeong in Darjeeling/Indien feiern, dem ersten Biotee-Garten in Darjeeling. Samabeong wurde ebenfalls zu einem Modell für eine vorbildliche ökologische und soziale Entwicklung.“ Gepa führt in Bio-Qualität zum Beispiel Ceylon Tee, Ceylon Earl Grey im Teebeutel (25 Stück à 1,75 Gramm), Ceylon Grüntee und Ceylon-Darjeeling-Grüntee im Beutel (25 Stück à zwei Gramm).

Großes Angebot für Grüntee-Genießer

Die Shimodozono International GmbH, Diepholz, hat sich mit „Keiko“, einem kompetenten Sortiment an japanischem Grüntee (als lose Ware zu 50 Gramm und im Teebeutel, einzeln luftdicht verpackt) einen Namen gemacht. Der Tee stammt aus eigenen Teegärten in Kagoshima im Süden Japans. Dazu gehören Bancha, verschiedene Qualitäten an Sencha, die Spezialitäten Genmaicha, Houjicha, Kukicha und verschiedene Matcha-Pulvertees. Die Tees sind in ansprechenden Kartons verpackt, die außen mehrsprachig die Beschreibungen der jeweiligen Tees angeben; innen liegen Empfehlungen für die Zubereitung der jeweiligen Sorte.

Keiko-Tee wird außerhalb des Naturkostfachhandels bisher von guten Teefachgeschäften und im gehobenen Lebensmitteleinzelhandel verkauft. Als neue Produkte gibt es Premiumtees in hochwertigen Triangel-Teebeuteln in wiederverschließbaren Packungen, die sich gut auch für Hotels, Restaurants und Teebars eignen, sowie Tee in Geschenkverpackungen. Zudem entwickelte Shimodozono Lösungen, Grüntee als Mixgetränke für die Teebar zuzubereiten.

Teeläden und Endverbraucher hat die Tagtraum Tee Handels GmbH, Hamburg, mit ihren Schwarztees (Darjeeling, Assam, Ceylon, China, Nilgiri), Grüntees (aus China und Japan), Rooibos-, Früchte-, Kräuter-, Ayurveda- und Yogitees im Visier. Umweltskandale förderten ein stetig zunehmendes Verbraucherbewusstsein, weiß das Unternehmen und beobachtet daher einen steigenden Absatz an Bio-Produkten.
Kakao – Inbegriffder Verwöhnung

Eine Tasse Schokolade – für viele Kinder ist sie das Höchste und auch für Erwachsene der Inbegriff des Sich-Verwöhnens. Raab Vitalfood GmbH, Rohrbach, liefert Bio Kakao und „Chocolatl“ (Kakao mit Chili) – derzeit an den Bio- und Reformwarenfachhandel sowie, in kleinen Mengen, an Kaufhof und KaDeWe.

Ilse Raetsch


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