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Nur Nachhaltigkeit hilft

WWF forciert zertifizierten Wildfisch mit dem MSC-Siegel

Die Edeka-Gruppe hat sich zum Ziel gesetzt, bis Ende 2011 ausschließlich Fisch aus nachhaltiger Fischerei zu beziehen und zu vermarkten. Für die Entwicklung einer entsprechenden nachhaltigen Fischeinkaufspolitik ist der WWF mit Deutschlands größtem Lebensmittelhändler  eine strategische Partnerschaft eingegangen. Die Handelskette mit 10.000 Filialen macht fast ein Drittel des Fisch-Umsatzes  in Deutschland. Edeka will sein Sortiment schrittweise auf Fisch und Meeresfrüchte mit dem MSC-Siegel, aus anderweitiger nachhaltiger Fischerei und aus nachhaltiger Aquakultur umstellen. Im ersten Schritt will das Handelsunternehmen die vom Aussterben bedrohten Fischarten auslisten.    

Im Februar 1997 gründeten WWF und der Lebensmittelkonzerns Unilever den MSC (Marine Stewardship Council). Weltweit können Fischereien nach den Umweltkriterien des MSC zertifiziert werden. Die Produkte sind mit dem kleinen blauen Fisch MSC-Logo  gekennzeichnet. Bereits acht Prozent der globalen Fischereien tragen das Siegel oder befinden sich im Zertifizierungsprozess für das MSC-Label. Die unabhängige Organisation hat derzeit 140 Betriebe mit einer jährlichen Fangmenge von fünf Millionen Tonnen im Programm.

MSC kommt beim Handel an

Das weltgrößte Weißfischfangebiet von Alaska Seelachs in der Bering See und den Aleuten  wurde 2005 MSC zertifiziert. Volumen-Produkte wie Fischstäbchen werden daraus hergestellt. Auch Nordsee Hering hat inzwischen das MSC Label verliehen bekommen. Das Fischinformationszentrum in Hamburg schätzt, dass heute etwa zehn Prozent des in Deutschland verkauften Fisches die MSC-Kriterien erfüllt. 350 MSC-Produkte werden mittlerweile angeboten. Tiefkühlfischgerichte der Marken Iglo und Frosta tragen das blaue Logo. Gottfried Friedrichs  aus Hamburg führt geräucherten Wildlachs und mehrere Heringsprodukte mit dem MSC Siegel. Deutsche See präsentiert eine Vielzahl von MSC- Produkten: Seelachs, Lachs, Keta-Kaviar, Hoki, Matjes und Zander sind  im Sortiment. Der Handel spielt mit: Vom Discounter über den Vollsortimenter bis zum SB-Warenhaus nehmen alle die Produkte ab. Im Mai stellte der Feinfischanbieter Gottfried Friedrichs aus Hamburg sein gesamtes Herings- und Matjessortiment auf umweltschonende Fischerei mit MSC-Siegel um.
Der Öko-Verband Naturland hat Richtlinien für Wildfisch entworfen. Das Siegel steht für nachhaltige Fischerei und beinhaltet ökologische und soziale Kriterien. Es ist kein Biofisch-Siegel, da Wildfisch nicht biozertifiziert werden kann. 

Zusammen mit der  Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) und weiteren Partnern wurde am Viktoria-See in Tansania ein Pilotprojekt entwickelt. Nach drei Jahren Arbeit sind rund 700 Fischer aus Bukoba in Tansania zertifiziert und ihre Produkte dürfen das „Naturland Wildfisch“-Siegel tragen. Grundvoraussetzung für die Realisierung war zunächst, dass sich die kleinen lokalen Fischer zu einer großen Erzeugergemeinschaft zusammenschlossen. So konnten in den Produktionsstätten einheitliche Hygienestandards implementiert werden.
Die Produktionen ver­­fügen heute über zertifizierte Qualitätsmanagement-Systeme sowie eine moderne Verarbeitung und Logistik. Dr. Stefan Bergleiter von Naturland hat das Projekt unter anderem auf der BioFach in Nürnberg vorgestellt.

Sozialstandards gehören dazu

Außerdem führte man soziale Standards ein. Zum Beispiel wurden bessere Wohnungen für die Fischer und Bildungsangebote für ihre Kinder geschaffen. Es gibt eine flächendeckende Gesundheitsversorgung, sanitäre Einrichtungen und einen besseren Zugang zu Trinkwasser. Auch eine funktionierende Verkehrsanbindung wurde aufgebaut.

Der Victoriasee-Barsch mit „Naturland Wildfisch“-Siegel ist im deutschen Handel erhältlich sein, Deutsche See hat den zertifizierten Viktoriasee-Barsch ins Programm aufgenommen.

Der WWF will außerdem ein neues Siegel für Zuchtfisch auf den Weg bringen. Der Aquaculture Stewardship Council (ASC) soll nach dem erfolgreichen Vorbild des Marine Stewardship Council entwickelt werden. Das MSC-Siegel wird nur für nachhaltige Meeresfischereien, nicht aber für Zuchten vergeben.

„Aquakultur ist nur dann eine Alternative zu Wildfisch, wenn sie umweltfreundlich betrieben wird. Darum bringt der WWF ein neues Gütesiegel auf den Markt“, erläutert WWF-Fischereiexpertin Catherine Zucco. Das Siegel soll hohen Umwelt- und Sozialstandards genügen und von einer unabhängigen Organisation vergeben werden. „Der ASC soll kein neues Nischenprodukt sein, sondern den Fischmarkt nachhaltig verändern“, betont Zucco.

Weltweit boomen die Fischzuchten mit zweistelligen Zuwachsraten. 2005 wurden nahezu 48 Millionen Tonnen Fisch und Meeresfrüchte in Süßwasser- und Meereszuchten erzeugt. Fast 47 Prozent des von Menschen konsumierten Fisches stammt aus Aqua-Farmen. Der rasante Ausbau führt zu teils massiven Umweltproblemen. Typisch sind die Zerstörung küstennaher Lebensräume wie Mangrovenwälder, der Eintrag von Chemikalien oder Antibiotika ins Meer oder die Verdrängung einheimischer Arten.

Zudem trägt die Aquakultur zur Überfischung der Weltmeere bei. So werden für ein Kilo Lachs oder Kabeljau bis zu vier Kilo wild gefangener Fisch verfüttert. Das vom WWF angeschobene ASC-Siegel könnte schon in zwei Jahren auf den Markt kommen.

Die biologische Aquakultur, die Anfang 2009 in die EU-Öko-Verordnung aufgenommen wurde, ist die umweltfreundliche Alternative. Naturland hat bereits vor über zwölf Jahren Richtlinien für die ökologische Aquakultur entwickelt.  Bei der European Seafood Exposition, der größten internationalen Fischfachmesse im April 2009 in Brüssel, präsentierte Naturland mit Partnern eine große Produktauswahl aus der ökologischen Aquakultur. „Der Marktanteil der ökologischen Aquakultur ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen, weil die Nachfrage von Handel und Verbraucher nach Öko-Fisch stetig steigt“,  erklärt Michael Stienen, Geschäftsführer der Naturland Zeichen GmbH.  Mit der Ristic AG und der Erich Geiger Fischhandel & Produktion präsentierten sich beim Gemeinschaftsstand Naturland & Partner zwei Verarbeiter aus der ökologischen Aquakultur mit höchstem Qualitätsanspruch. Das breite Angebot von Ristic an Bio-Shrimps  von Natur über mariniert bis eingehüllt in einem Teigmantel zeigte die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten von Öko-Shrimps.
Die Firma Erich Geiger Fischhandel & Produktion präsentierte sowohl eine Auswahl Frischfisch und Tiefkühlware. Mit Fisch Convenience wie z.B. „Fischknus- perli“ oder „Öko-Tilapia im Knusperteig“ rundeten sie ihr Sortiment ab.

In seinem neuen „Einkaufsratgeber Fische und Meeresfrüchte“ empfiehlt der WWF Dorade, Lachs, Tilapia, Shrimps und Forellen aus Bio-Zucht. Seit 2000 gibt der WWF regelmäßig auf Basis der aktuellsten Erkenntnisse des Wissenschaftlichen Rats zur Erforschung der Meere (ICES) den Ratgeber heraus. Nach dem Ampelsystem wird unterschieden zwischen „annehmbar“ (gute Wahl), „bedenklich“ (zweite Wahl) und „kritisch“ (lieber nicht). Der Verbraucher hat so eine einfache Entscheidungshilfe.

Anton Großkinsky


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