Start / Ausgaben / BioPress 54 - Februar 2008 / Wohlschmeckende Alternative:

Wohlschmeckende Alternative:

Bio-Soja- und Getreideprodukte

Getränke, Süßspeisen und Co. aus pflanzlichen Rohstoffen wie Soja, Reis oder Hafer haben sich zu einer hoch geschätzten Warengruppe gemausert. Sie sind ebenso bei gesundheitsbewussten Frauen oder Freizeitsportlern gefragt wie bei  Veganern und Wochenendvegetariern. Auf der anderen Seiten sind sie nach wie vor eine nährstoffreiche Alternative für Kinder und Erwachsene, die Kuhmilch nicht vertragen, oder Personen, die Cholesterin meiden möchten. Besonders in Bio-Qualität gibt es zahlreiche, vielseitig zu verwendende Varianten, mit dem zusätzlichen Anreiz der GVO-Freiheit. Der höhere Preis hemmt die Kauflust bei den Kunden kaum.

Vom Ersatz zum Lifestyle-Produkt


Die größte Auswahl gibt es bei den Produkten aus Sojabohnen. Eine ansprechende Auswahl findet die durchaus an-spruchsvolle Klientel dabei fast ausschließlich im Bio-Bereich. Als Pionier für die Verbreitung im deutschen Markt verfügen die Hersteller über langjährige und umfangreiche Erfahrung. Ihre Sojadrinks teilen sich auch ohne chemische Stabilisatoren nicht in zwei Phasen, Joghurtalternativen werden auf traditionelle Art fest, Sahne-Pendants flocken beim Kochen nicht aus, und Tofu braucht keine künstlichen Geschmacksverstärker. Der Erfolg spricht für sich!

Vor allem die cholesterinfreien und nicht kühlpflichtigen Drinks erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Bio-Sojadrinks führen unter anderem Alpro, Tofutown und Primavita. Dem konventionellen Markt stehen sie bislang überwiegend eher zurückhaltend gegenüber. Der LEH frage verstärkt Bio-Milchersatzgetränke/-produkte nach, heißt es zum Beispiel bei Alpro. Trotzdem vertreibt das zur Vandemoortele-Gruppe gehörende Unternehmen seine Bio-Marke Provamel ausschließlich über den Fachhandel. An Sojadrinks bietet der Marktführer diverse Varianten an. So findet sich neben dem Soya Drink Natural im ein Liter- oder  0,5 Liter-Tetrapack ein mit Kalzium angereicherten Drink im Sortiment. Das durch den Mineralstoff für Kinder besser geeignete Getränk wird zusätzlich in der dreier Kleinpackung abgepackt.

Wie die anderen Bio-Hersteller verwendet Alpro anstelle von anorganischem Salz eine Meeresalge als Kalziumquelle. Liebhaber etwas süßerer Produkte können zudem eine mit Weizensirup gesüßte Variante bekommen. Die Reihe vervoll-ständigen verschiedene aromatisierte Sorten, beispiels-weise der Soya Drink Schokolade, Banane oder Tropical. Je nach Beliebtheit beziehungsweise Marktanteil füllt Alpro sie in unterschiedlichen Verpackungsgrößen ab. Die Pro-duktentwicklung greife auch gern Anregungen von Verbrau-cherseite auf, sagt Marc Beiersdorf vom Marketing.

Mittlerweile werden die Sojaprodukte in Werken in vier Ländern hergestellt. Dank eines etablierten Systems für die Rückverfolgbarkeit lässt sich der gesamte Produktionsprozess trotzdem komplett von der Aussaat über den Transport, die Lagerung und den Schälvorgang bis hin zur Abfüllung nachvollziehen. Ein modernes QS-Zentrum und mehrere Zertifikate garantieren dann die Bio-Qualität und die GVO-Freiheit der Provamel-Linie. Im Zuge der demnächst beginnenden Designumstellung werden die Verpackungen zusätzlich das offizielle Ecosocial-Gütesiegel tragen. Die neuen Verpackungen sollen die Attraktivität steigern und insgesamt eleganter, besser strukturiert und natürlicher wirken. Daher erhält auch das Logo ein anderes, kurvenförmigeres Aussehen, umrahmt von einem Blatt.

Platz für mehr Drinks im Trockenregal


Obwohl der Schwerpunkt klar auf dem Rohstoff Soja liegt, hat Alpro zusätzlich einen Reis- und einen Haferdrink im Sortiment. Die Kombination von zwei oder drei Milchersatzgetränken ist typisch für die Warengruppe der Milchersatzgetränke. Bei Probios, Anbieter glutenfreier Lebensmittel, stehen zum Beispiel drei Varianten Sojadrink aus italienischen Sojabohnen zur Wahl: Natur, aufgewertet mit Calcium und mit Omega-3-Fettsäuren. Dazu kommt der sogenannte Energy-Reisdrink, dessen Geschmack Amaranth, Quinoa und Maca abrunden. Daneben führen sie einen natur-belassenen und einen kalziumangereicherten Reisdrink sowie eine Variante mit Mandel. Dank der Münchener Nieder-lassung kann der Handel inzwischen leicht direkten Kontakt mit dem italienischen Hersteller aufnehmen.

Sehr interessant sind auch die originell und auffällig gestalteten Produkte von Tofutown aus der Vulkaneifel, vormals Viana Naturkost. Statt mit erhobenem Zeigefinger zu werben, setzt Tofutown auf eine humorvolle Vermarktung seiner Produkte. Sie bieten dem qualitätsorientierten Handel unter anderem zwei Demeter Produkte an, einen Sojadrink aus gekeimten Sojabohnen und den sogenannten Rice Power, dazu einen Reisdrink der Marke Soyatoo!. Das ebenso erfahrene wie unkonventionelle Unternehmen unterstützt genau wie Alpro verschiedene Sozial- und Umweltprojekte, unter anderem die internationale Tierschutzorganisation PeTA, und wurde im vergangenen Jahr beim Innovationspreis für Bio Lebensmittel ausgezeichnet.

Relativ wenig verbreitet sind dagegen bislang der Sojadrink Soy and Joy von Sojaland aus Schwerin sowie die Getränke von The Bridge aus der italienischen Vicenza. Zum Programm  von The Bridge gehören Drinks aus Hafer und Reis. Unter den vier Sorten Reisdrink ist zum Beispiel die aromatische, kaffeeartige Sorte mit gerösteter Gerste. Das bei der Produktion eingesetzte frische Wasser stammt dabei vom Fuße der Alpen. 


Den Bio-Fachhandel versorgt schon seit vielen Jahren Primavita mit der Marke Evers Naturkost, mit  granoVita dagegen Reformhäuser. Bei ihnen besteht das Angebot aus einem Duett aus ungesüßtem Soja-Drink in hellgrüner Verpackung und einem Drink aus Vollkornreis in orange. Von Lima aus Belgien gibt es wiederum gleich ein ganzes Dutzend Sorten an Soja-, Hafer- und Reis-Drinks. Letzteren bietet Lima jetzt sogar in einer wiederverschließbaren Flasche an. Denn einmal geöffnet, gehören auch die Milchersatzprodukte in den Kühlschrank. Ihre natürlich aromatisierten Reis-Drinks fallen ebenfalls aus der Reihe, sei es die seltene Sorte Blutorange-Blaubeere, Pfirsich-Aprikose oder Haselnuss-Mandel.

Ebenfalls nur im Fachhandel gibt es die Drinks von Natumi und die breite Palette von Soyana aus der Schweiz. Unter deren 32 Milchalternativen finden sich zwei Sojadrinks im ein Liter-Karton und diverse aromatisierte Artikel wie Vanille, Schoko oder Mango zu 0,5 Liter. Der Sojadrink ist in der Sorte Natur oder gesüßt mit Birnendicksaft, Malz und Vanille erhältlich. Soyana betont dabei besonders den mit 18 Prozent besonders hohen Sojabohnenanteil. Reis- und GetreideDrinks kommen hinzu, unter anderem der seltene Hirse-Drink. Eine weitere milchähnliche Überraschung steht leider noch in den Startlöchern: der Bio-Hanf-Drink von Hanf und Natur, natürlich ohne den Suchtstoff THC.

Das gesamte Segment der Milchersatzgetränke wachse im Handel derzeit zweistellig, heißt es bei Rüdiger Kerschner von Eco-Plus. Vor allem ernährungsphysiologisch hochwertige Milchalternativen würden zunehmend geschätzt. Mit dem Vertrieb von Bioprodukten auf Haferbasis der schwedischen Marke Oatly in Deutschland hat seine Service-Gesellschaft eine Marktnische besetzt. Hafer gilt generell als wertvoller Nährstofflieferant, wobei Haferdrinks durch ihren angenehmen, milden Geschmack gleichermaßen Erwachsenen wie Kindern entgegen kommen. Angebaut wird das verwendete Getreide überwiegend in Europa und ist garantiert GVO-frei. Wie bei Soja-Drinks gibt es die Sorten Classic, mit Kalzium, Schokolade und Vanille. Zur originellen Gestaltung der Oatly-Tetrapacks tragen besonders die wie handschriftlich ergänzt wirkenden Informationen über Bio-Hafer oder Hinweise auf den Gehalt an Ballaststoffen bei.

Um die Beta-Glukane zu schonen, arbeitet der schwedische Hersteller dabei mit einem besonderen, patentierten Pro-duktionsverfahren. Bei ausreichendem Verzehr sollen diese Ballaststoffe dazu beitragen können, den Cholesterinspiegel zu senken. Frei von zugesetzten Emulgatoren, sind die Hafer-Drinks ungekühlt problemlos ein Jahr lang stabil. Die Verwendungsmöglichkeiten reichen von purem Trinkgenuss oder zur kleinen Müsli-Mahlzeit bis hin zur warmen Küche.

Ebenso wie für Provamel profitieren Handel und Verbraucher von umfangreichen verkaufsfördernden Aktivitäten. Neben Verkostungen, Informationsmaterial, Warenproben oder Displays stehen zahlreiche Rezepte zu Verfügung. In diesem Zusammenhang hat sich Oatly im letzten Jahr unter anderem mit einer Rezeptstrecke an einem populären Bio-Kochbuch beteiligt. Unterstützt wird das Marketingkonzept durch regionale Außendienstbetreuung, Bio-Schulungen und eine Info-Hotline.

Jederzeit verfügbar

Ebenso wie die pflanzlichen Drinks bedürfen auch die milchfreien Sahne-Alternativen und die ungesäuerten puddingartigen Desserts keiner Kühlung. Ähnlich wie H-Sahne  mit deren typischem Erhitzungsgeschmack, sind sie ungeöffnet erfreulich lange haltbar. Zu den wenigen Anbietern gehört wiederum Alpro. Ihre Soya Cuisine ist im 250 Gramm-Päckchen mit einem praktischen Schraubverschluss abgepackt. Vergleichbar mit flüssiger Sahne oder Crème fraîche eignet sie sich zum Verfeinern von Suppen, Saucen oder Aufläufen, lässt sich durch den wesentlich geringeren  Fettgehalt allerdings nicht aufschlagen.

Anders das Pendant von Tofutown. Zu ihrer auch im LEH vertriebenen Produktlinie Soyatoo! gehört eine tatsächliche Schlagcreme aus Soja-Drink. Obwohl sie einen Zusatz an Kokos- und Palmfett enthält, liegt der Gesamtfettgehalt bei nur elf Prozent. Neben der gängigen Combicloc-Verpackung gibt es die Schlagcreme sogar in der Sprühdose.

Ebenfalls aufschlagbar, aber nicht süß, ist die universelle sogenannte Cooking Cream. Ein Coffee Creamer komplettiert die trendige Linie. Laut Tofutown weiße er zum Beispiel Kaffee ohne auszuflocken. The Bridge und Oatly bieten ebenfalls Sahne-Alternativen zum Kochen an, in ihrem Fall auf Haferbasis. Die Hafer Cuisine im 250 Gramm-Tetrapack zeichnet sich  durch ihren geringen Gehalt an gesättigten Fettsäuren aus.


Fertigdesserts bieten Alpro, Probios, Soy und Lima an. Während Probios hier ein mildes Dessert auf Reisbasis mit Kakao und Mandel im Programm hat, sorgen bei den Provamel Sojadesserts in vier Geschmacksrichtungen für Abwechslung. Alpro bietet sie in Verpack­ungs­einheiten aus je vier Bech­ern oder im Standblock an.

Weitere Milchalternativen finden sich jedoch im Kühlregal, zum Beispiel die Yofus aus gesäuerter Sojamilch von Alpro. Die leichte Alternative zu herkömmlichem Joghurt zeichnet sich durch cremige Konsistenz und gute Bekömmlichkeit aus. Zu den Bechern mit Natur und Vanille kommen diverse fruchtige Geschmacksrichtungen wie Beeren-Mix oder Pfirsich-Mango. Zudem sind sie mit probiotischen Bak­terien versehen.

Noch kälter mögen es die Eissorten aus Milchersatz, wie etwa die fünf verschiedenen Sorten aus Reisdrink von The Bridge, die nicht nur mit dem TK-Angebot gern im konventionellen Handel Fuß fassen würden.

Aufstrich und Appetizer aus der Kühltheke

Ernährungsbewusste Kunden greifen auch bei Aufstrichen gern zu Soja-Erzeugnissen. Zum Backen und Verstreichen bietet sich hier das Margarineähnliche Produkt von Provamel an. Statt Käse lässt sich gleichfalls eine Alternative aus Soja verwenden zum Beispiel die im LEH erhältlichen rein pflanzlichen Soyatoo!-Käseerzeugnisse. Tofutown präsentiert hier eine geschmackvolle Auswahl, die wie Schnitt- oder Frischkäse zu verwenden ist.

Käseersatz aus Soja macht sogar den Schwerpunkt im Sortiment von Soya Garden mit der Marke Biofun aus. Das Unternehmen aus Belgien führt Tofuaufstriche in den Sorten original, Basilikum, Provence und Schnittlauch. Bisher vertreibt Soya Garden die Produkte in verschiedenen konventionellen Käsehandlungen Europas, allerdings noch nicht auf dem deutschen Markt. Mit den Vorteilen wie natürliche Fermentation und Reifung, Verzicht auf Aromen, Verdickungsmittel, Farb- oder Konservierungsstoffe dürfte sich das Verbreitungsgebiet durchaus ausdehnen.

Bei Tofu handelt es sich um ein Erzeugnis aus geronnener Sojamilch. Unter den zahlreichen Anbietern erfreuen sich die Bio-Hersteller mit GVO-freiem Tofu reger Nachfrage. Sie liegen ganz im Trend der Bio-Convenience. Zu den Kaufargumenten gehören mal mehr die Cholesterinfreiheit, mal mehr das hochwertige Eiweiß oder die universelle Verwendung. Viele Produkte kommen auch bereits veredelt in die Theken, das heißt fix und fertig gewürzt und zu Würstchen, Burgern, Sticks  geformt, und gelten eher als Fleisch- denn als Milchersatz. Zu finden wieder von Alpro (von frischen Tofu Streifen Finesse bis zu Bratlingen Sytana oder Tofu Bällchen Salsa), von Soyana oder von Tofutown, Taifun oder Hexerküche.

Bettina Pabel

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