Großhandel
Generationswechsel bei Bode Naturkost
Von der Gewürzhandlung zum global aktiven Bio-Importeur
© Bode Naturkost
In über 65 Jahren hat sich der Bio-Großhändler Bode Naturkost zu einem der größten Bio-Importeure Deutschlands entwickelt. 1.500 Produkte werden heute aus aller Welt bezogen und von Hamburg aus in Deutschland und Europa verteilt. Die vergangene Rohstoffkrise hat das Unternehmen genutzt, um seine Prozesse weiter zu optimieren. Mit frischem Wind durch den Einstieg der dritten Generation blickt Bode Naturkost nun optimistisch in die Zukunft.
Im Jahre 1960 wurde Bode Naturkost von Horst Bode als Gewürzhandel in der Hamburger Innenstadt gegründet. Bereits 1980, als das Thema Bio noch in den Kinderschuhen steckte, wurde auf den Handel mit Bio-Gewürzen umgestellt. Kunden waren nun Reformhäuser und andere ‚Gesundläden‘ oder ‚Gesundverarbeiter‘. Zehn Jahre später zog das Unternehmen in den Stadtteil Lohbrügge im Osten Hamburgs um, wo es noch heute seinen Sitz hat. „Dann hat mein Onkel, Frank Bode, den Betrieb übernommen“, erzählt Benjamin Bode.
Damals hatte das Unternehmen gerade einmal drei Mitarbeiter, heute sind es 130. Ein Meilenstein war die erste Verpackungsanlage, die 2001 in Betrieb genommen wurde – sowohl für die eigene Marke als auch fürs Private Label-Geschäft. Das Portfolio wurde erweitert und die Lagergebäude und Produktionsräume wuchsen mit. Die bislang größte Investition des Unternehmens war der Bau der ‚Lagerhalle Nr. 12‘, die Raum für 7.000 Palettenstellplätze bietet, im Jahr 2017. Insgesamt stehen heute 15.000 Stellplätze zur Verfügung. 130 bis 150 Paletten verlassen täglich das Lager. Der Jahresumsatz liegt bei rund 50 Millionen Euro.
Im Jahr 2025 hat der Großhändler den Generationenwechsel eingeläutet: Frank Bodes Neffe Benjamin Bode stieg mit 26 Jahren in die Geschäftsführung ein, mit Schwerpunkt Vertriebsleitung. Sein Zwillingsbruder Daniel Bode hat eine leitende Funktion mit Fokus auf den Prozessen im Lager und der Produktion übernommen. Auch Frank Bodes Tochter Sophie Siefert (25), die demnächst Ökotrophologie studiert, ist ins Unternehmen eingestiegen und bringt ihre Expertise in die Qualitätssicherung ein.
Kernversprechen Liefergarantie
Neben Gewürzen gehören heute Trockenfrüchte, Hülsenfrüchte, Nüsse, Saaten, Öle und Getreideprodukte zum Kern-Portfolio des Bio-Großhändlers. Auch Müslis, Kräuter, Kaffee, Tee, Kakao, Aufstriche, Süßungsmittel sowie salzige und süße Snacks umfasst das Sortiment. Insgesamt gibt es eine Auswahl von 1.500 Bio-Produkten.
Bezogen wird die Ware im Direkt-Import aus der ganzen Welt. Bestseller in den letzten Monaten waren Mangos aus Burkina Faso, Datteln aus Tunesien, Aprikosen aus Usbekistan und Mandeln aus Spanien. Komplett neu ins Sortiment aufgenommen wurde Matcha-Tee von der südkoreanischen Vulkaninsel Jeju. Artikel wie Müsli und Studentenfutter werden von Bode Naturkost selbst gemischt.
„Unser wichtigstes Alleinstellungsmerkmal ist, dass wir immer liefern können. Wir haben alles auf Lager“, betont Benjamin Bode. Die Importe werden direkt aus dem nur 20 Minuten entfernten Hamburger Hafen abgeholt und nach der Verarbeitung und Verpackung mit Partnerspeditionen via LKW an ihre Zielorte gebracht. Rund drei Viertel der Ware wird innerhalb von Deutschland vertrieben, der Rest wird in EU-Länder exportiert. Mehr als die Hälfte der Produkte und Rohstoffe landet bei der verarbeitenden Industrie, bei Bäckern, Ölmühlen und anderen Bio-Herstellern. „Sie müssen nichts selbst lagern“, erklärt Bode den Vorteil. Der Rest geht an andere Großhändler, den Naturkostfachhandel, den LEH, Online-Shops und Unverpacktläden.
Schlanker durch die Krise
„2022 und 2023 waren schlechte Jahre“, berichtet Benjamin Bode. Nach dem Hoch während der Corona-Zeit sei der Bio-Markt eingebrochen. Inflation, Rohstoffknappheit und Energiekrise machten sich bemerkbar und führten zu Herausforderungen. Der Großhändler habe darauf reagiert, Prozesse verschlankt, sich vom Betriebsleiter getrennt und im Vertrieb aufgeräumt. 2024 hat Bode Naturkost außerdem einen Unternehmensberater engagiert. Strategisch wird im Moment eher der Ansatz verfolgt, das Produktportfolio zu straffen und sich auf die Kernsegmente zu konzentrieren.
Trotz der Krisenjahre ging das Unternehmen in puncto Nachhaltigkeit voran. Nicht fetthaltige Lebensmittel werden heute zum Teil in Papiersäcken verpackt. Zur nachhaltigen Abfallreduktion trägt außerdem bei, dass Bode Naturkost vermehrt auf größere Packungen setzt, Kilogebinde oder Fünf-Kilo-Gebinde für B2B.
Die Zukunft betrachtet Benjamin Bode als „rosig“, im Moment entwickle sich das Unternehmen sehr positiv. „Das Gesundheitsbewusstsein der Leute wächst weiter und Bio-Lebensmittel werden zunehmend konsumiert“, meint der Juniorchef. Erste Kunden habe der Großhändler kürzlich in Saudi-Arabien akquirieren können. Außerdem gewännen skandinavische Länder mit ihrer hohen Kaufkraft zunehmend an Relevanz. Ein neues Tool fürs Monitoring der Lieferanten soll dafür sorgen, dass Wartezeiten noch besser vermieden und Risiken minimiert werden. „Unsere Aufgabe ist es zu garantieren, dass die richtigen Waren zur richtigen Zeit am Lager sind“, so Bode. Diese Expertise entwickle das Unternehmen kontinuierlich weiter.
Lena Renner







