Start / Ausgaben / BioPress 47 - Mai 2006 / Bio-Markt mit starken Zuwächsen

Bio-Markt mit starken Zuwächsen

Marktanaylse der ZMP im März 2006

Der ökologische Landbau hat sich in den letzten Jahren in Deutschland zu einem festen Bestandteil der Agrar- und Ernährungswirtschaft entwickelt. Die Umsätze ökologisch erzeugter Produkte im Lebensmitteleinzelhandel lassen nach wie vor ein stabiles Wachstum erkennen, allerdings eindeutig zu Lasten der Direktvermarktung. Im Jahr 2005 könnten die Erlöse aus dem Absatz von ökologisch erzeugten Nahrungsmitteln nach vorläufigen Schätzungen auf fast vier Milliarden Euro angestiegen sein, was einem Wachstum von zehn bis 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Doch die Öko-Erzeugung in Deutschland hinkt der Entwicklung hinterher. Zu stark war die Importkonkurrenz in den vergangenen Jahren.

Absatz- undUmsatzentwicklung im Handel

Das starke Öko-Markt-Wachstum beschränkt sich nicht auf einzelne Bereiche, sondern die meisten von der ZMP analysierten Märkte sind zweistellig gewachsen. Die größten Zuwächse im Handel verbuchten der Discountbereich und die Bio-Supermärkte. Bei insgesamt hohen Wachstumsraten am Gesamtmarkt verdrängt allerdings der organisierte Handel in einigen Produktbereichen zunehmend die erzeugernahe Vermarktung über Hofläden und Wochenmärkte.

Das stärkste Wachstum konnte mit einem Ausgabenplus der Haushalte von 42 Prozent bei frischem Obst verbucht werden. Die allerdings umsatzstärkste Warengruppe stellen Milch- und Molkereiprodukte gefolgt von Frischgemüse dar, für die die privaten Haushalte im Jahr 2005 über 20 Prozent mehr ausgaben als im Vorjahr. Unter den Molkereiprodukten ist Käse das umsatzstärkste Bio-Produkt mit einer Wachstumsrate von zwölf Prozent. Danach folgen Frischmilch, Butter, Naturjoghurt und Fruchtjoghurt mit Wachstumsraten zwischen 18 und 30 Prozent.

Während im Obst-, Gemüse-, Kartoffel-, Eier- und Milchmarkt die Discounter deutlich Marktanteile hinzugewinnen, war der Wachstumsmotor bei Käse, Fleisch und Fleischwaren der Naturkostfachhandel. Dieser bleibt auch weiterhin die mit Abstand wichtigste Einkaufsquelle für Teigwaren, Süßgebäck und pflanzliche Brotaufstriche.

Auch im restlichen Sortiment wie Frucht- und Gemüsesäfte, Müsli, Babybrei, Teigwaren und pflanzliche Brotaufstriche verzeichnet Bio zweistellige Wachstumsraten. Umsatzstärkste Produktgruppe ist hier Glaskost für Babys, wo Bio fast schon Standard ist und den Markt dominiert.
Im Trockensortiment spielen die Discounter bislang eine Nebenrolle. Hier mischen die Drogeriemärkte kräftig mit und bedienen bei Babyglaskost mehr als die Hälfte, bei Müsli, pflanzlichen Brotaufstrichen, Mehl und Süßgebäck etwa ein Viertel der Nachfrage.

Auch das Jahr 2006 verspricht Einiges für die Bio-Branche. In einer Umfrage der Fachzeitschrift Lebensmittelpraxis bei zirka 500 Entscheidern des Lebensmitteleinzelhandels belegen Bio-Produkte Platz Eins der Sortimente mit positiver Umsatzerwartung. Dies zeigt, dass die Vollsortimenter dem Discount nicht ohne weiteres das Feld überlassen wollen. Der Wettbewerb um qualitätsbewusste und zahlungskräftige Kunden geht in die nächste Runde.

Erzeuger und Erzeugung


In der strukturellen Entwicklung des ökologischen Landbaus spiegeln sich die stark wachsenden Märkte aufgrund der Auswirkungen der starken Importkonkurrenz der vergangenen Jahre auf die deutschen Erzeuger bislang kaum wider. Große Mengen importierter Öko-Produkte übten in der Vergangenheit in vielen Produktbereichen Preisdruck aus und zwangen deutsche Erzeuger, ihre Erzeugnisse teilweise auf dem konventionellen Markt abzusetzen oder gar die Öko-Erzeugung einzustellen.

So wuchs die ökologisch bewirtschaftete Fläche vergleichsweise moderat mit vier bis fünf Prozent und umfasst nach ersten Schätzungen für das Jahr 2005 zirka 800.000 Hektar. Das entspricht rund 4,7 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche Deutschlands. Diese Fläche wird von knapp 17.000 anerkannten Öko-Betrieben bewirtschaftet. Damit sind gut vier Prozent aller Landwirtschaftsbetriebe Deutschlands Öko-Betriebe.

Die stark wachsende Verbrauchernachfrage, unterstützt durch ein zunehmendes Bio-Engagement des LEH und dem ungebrochenen Gründungsboom neuer Bio-Supermärkte, sowie witterungsbedingte Ertragseinbußen haben in 2005 zu einem Versorgungsengpass bei einzelnen Bio-Gemüsearten, Bio-Kartoffeln, Bio-Getreide, Bio-Milch und Bio-Fleisch geführt.


Die sich erholenden Erzeugerpreise wie auch die positiven Absatzperspektiven werden wieder zu einem wachsenden Umstellungsinteresse der deutschen Landwirte in den nächsten Jahren führen. Das wird allerdings in den Bundesländern Baden-Württemberg, Brandenburg, Hessen, Sachsen, Schleswig-Holstein und neuerdings auch Nordrhein-Westfalen durch die Streichung der Umstellungsförderung, im Gegensatz zu früheren Jahren, nicht unterstützt. Zum Teil wird argumentiert, dass man sich auf eine durch Knappheit bedingte Marktpreiserholung konzentrieren sollte, um eine marktgerechte Produktionsausweitung zu gewährleisten. Jedoch wird bei dieser Diskussion außer Acht gelassen, dass man mit dieser Haltung den stark wachsenden Import von Öko-Lebensmitteln weiter fördert und das deutsche Marktwachstum der heimischen Öko-Landwirtschaft kaum zugute kommt. Denn die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass auch bei knapper heimischer Versorgung mit Öko-Rohstoffen nicht immer auch eine Preisbefestigung die Folge ist, sondern preisgünstige Importe dies verhindern. Damit können deutsche Landwirte z.B. Ertragseinbußen nicht über Preissteigerungen kompensieren, sondern müssen erhebliche Einkommensverluste hinnehmen.

Markus Rippin


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