Start / Ausgaben / BioPress 47 - Mai 2006 / Ein rundes Service-Paket

Ein rundes Service-Paket

Die Bio-Zentrale bietet dem Handel geprüfte Qualität und umfangreiche Dienstleistungen

Im niederbayerischen Stubenberg, fernab allen großstädtischen Treibens, ist die Bio Zentrale zu Hause. Das Unternehmen ist mit einem Umsatz von mehr als 70 Millionen Euro hinter Alnatura und Rapunzel das drittgrößte deutsche Naturkostunternehmen und ein bedeutender Bio-Lieferant des Lebensmitteleinzelhandels. Mittlerweile sind die Bayern national in 10.000 Verkaufstellen vertreten und haben die höchste Distributionsdichte unter den Bio-Herstellern. Das Geschäft mit den Premium-Lebensmitteln floriert. Aktuell wird jedoch die Beschaffung immer schwieriger. Gegen wachsenden Wettbewerb behauptet sich die BZ mit geprüfter Qualität und einem umfangreichen Leistungspaket für den Handel.


Der Verzicht der biologischen Landwirtschaft auf synthetische Pflanzenschutz-, Düngemittel und Gentechnik erfüllt den Wunsch von immer mehr Verbrauchern nach möglichst natürlichen Lebensmitteln und Produktsicherheit. Unternehmensziel der 1975 gegründeten Bio-Zentrale, die aktuell 130 Mitarbeiter zählt, ist es, geprüfte Bio-Produkte nach den Wünschen der Verbraucher in die Regale des Handels zu bringen. Eine dreiköpfige Abteilung kümmert sich um die Qualitätssicherung. "400.0000 bis 500.000 Euro investiert die Bio Zentrale im  Jahr in die Produktsicherheit", verweist Vertriebsleiter Bernd Schmitz-Lothmann auf die Anstrengungen. Qualitätsmanagement ist für ihn das A und O in einer komplizierter werdenden Bio-Welt mit internationalen Warenströmen. Die erforderliche Transparenz erreicht die BZ mit umfangreicher Technik und geeigneter Organisation. Vorlieferanten übernehmen in dieser Kette ebenfalls einen wichtigen Part, da die Rohwaren-Kontrolle in quantitativer wie qualitativer Hinsicht angesichts der Turbulenzen auf den Märkten eine immer größere Bedeutung einnimmt. So wird zum Beispiel das Getreide für die Mühlenprodukte chargenweise separat gelagert. Die Mühle arbeitet durch Luftfilter und Überdruck in den Produktionsräumen besonders hygienisch.

Am Anfang stehtdie Qualität

Am Anfang stehen die optische und sensorische Qualität der Rohstoffe. "Auch Farbe und Kalibrierung müssen stimmen", nennt der Vertriebsleiter einige der Anforderungen. Trotz der Engpässe in der Beschaffung ist QS das Gebot der Stunde, meint man in Stubenberg: "Wir sagen oft nein".  Denn die Zertifikate der Erzeuger bilden nur die Basis. Pestizide, Lagerschutzmittel, Pilz-, Insektenbefall und Belastung mit Schwermetallen drohen bei Saaten, Kernen, Trockenfrüchten und Getreide die Qualität zu beeinträchtigen.


Daher wird in externen Labors die Belastung mit Rückständen oder Schwermetallen sowie der mikrobiologische Zustand un­tersucht. Ein breites Analysespektrum garantiert eine weitgehende Rohwaren-Sicherheit. Vor der Verarbeitung wird durch die betriebseigene Druckkammeranlage gewährleistet, dass die Bio-Rohstoffe von unerwünschten Insekten befreit sind. Erst dann erhalten die Zutaten die Freigabe für die Produktion.

Die Analysen sind kein Selbstzweck. Es werden immer wieder Rohwaren-Partien abgelehnt, wie aktuell bei Reis, weil sie nicht frei von Rückständen sind. "Wir haben enge Spezifikationen und müssen die Ware dann streichen",  wie Geschäftsführer Guido Gabisch mitteilt. Das führt zu Lieferschwierigkeiten, denn Reis ist knapp. Schon durch die riesige Nachfrage nach Reiswaffeln ist der Rohstoff-Markt fast leergefegt.

IFS gehört dazu

Neben der EU-Ökoverordnung hat die BZ erfolgreich die IFS (International Food Standard) -Zertifizerung erlangt.  Handels­unternehmen haben das  Sys­tem ins Leben gerufen, um Kriterien für die Produktion der Eigenmarken festzulegen. Er formuliert Anforderungen an Lagerung, Maschinenpark, Hygiene und Personal. Für Transparenz sorgt eine Dokumentation. Die Lebensmittelketten ersetzen mit IFS zunehmend ihre eigenen Audits bei den Herstellern. Wer Handelsmarken produzieren will, ist gezwungen, die Standards zu erfüllen. 

Die Rückverfolgbarkeit, ein Hauptanliegen der Bio-Branche, hat die BZ 2005 über die EDV umgesetzt. Vom Regal bis zum Feld kann dem Warenfluss nachgegangen werden. Durch die Komplexität der Warenströme ist die Umsetzung nur noch mit Hilfe der EDV zu gewährleisten. Die Informationen werden im EAN-Code vom Beutel über den Karton bis zur Palette weitergegeben. "Wir wissen immer, wo die Ware ist", berichtet Geschäftsführer Gabisch. "Bei Qualitätsproblemen können wir dem Kunden innerhalb kürzester Zeit mitteilen, in welche Märkte bestimmte Chargen geliefert  worden sind", ergänzt Schmitz-Lothmann. Bei einer etwaigen Rückholaktion kann der eigene Außendienst dann gezielt reagieren. Die Bayern offerieren dem Handel geprüfte Qualität durch ein ausgeklügeltes System an Kontrollen und Analysen.

Durch die Computerisierung wird inzwischen auch papierlos kommissioniert. Dadurch wurde die Fehlerquote gegen Null geführt. Streckenlieferung und Regalpflege durch den eigenen 55-köpfigen Außendienst zählen zu den weiteren Stärken der Stubenberger. Die Mitarbeiter erledigen zusätzlich die Kontrolle des MHDs. Sie stimmen mit dem Handel Aktionen zur Verkaufsförderung  ab und nehmen Bestellungen auf. Dieser Service erleichtert dem Handel die Arbeit enorm.

Über die Zentrallager der Großhandlungen läuft nur ein kleiner Teil der Ware. Durch EDI (elektronischer Datenaustausch) können Aufträge und Abrechnungen rationell abgewickelt werden. Mit den Standards zum elektronischen Austausch von Geschäftsdokumenten ist es möglich, über Unternehmensgrenzen hinweg prozessorientiert zusammenzuarbeiten.

Bio ist erklärungsbedürftig. Verkäufer und Kaufleute im LEH haben die entsprechende Warenkunde in der Regel nicht gelernt. Die BZ vermittelt die Kenntnisse durch Weiterbildung. Schulungsleiterin Rebekka Sahm sorgt für den Transfer des Fachwissens zum Markt-Personal. 

Verkaufsförderung am POS

Der Kunde wird mit umfangreichen verkaufsfördernden Maßnahmen am POS anvisiert. Verkostungen erledigt ein Pool geschulter Werbedamen, die das Thema Bio vermitteln können. "Wir führen über 1.000 Verkostungen pro Jahr durch. Wir haben eine Menge Aufbauarbeit für die Bio-Vermarktung geleistet und bieten ein großes Paket unterschiedlicher  Dienstleistungen an, mit dem wir uns von der Konkurrenz unterscheiden", betont Schmitz-Lothmann.

Broschüren und Rezeptkarten vermitteln den Konsumenten den Nutzen und die Verwendung der biologisch erzeugten Mittel zum Leben. Durch Displays sind Sonderplatzierungen zum Beispiel für Saisonware wie Weihnachtsgebäck möglich, um zusätzliche Umsätze zu generieren. Nach der Saison können sie aus dem Markt genommen werden, ohne dass die Regale umgeräumt werden müssen. Eine einfache und schnelle Lösung.


Die eigene Produktion ist ein weiterer Vorteil der Bio Zentrale. Trockenfrüchte, Kerne, Saaten und Müsli werden von der BZ selbst abgepackt. Für Riegel wurde in eine moderne Produktionsstraße investiert. Die flexible Anlage erlaubt den Ausstoß von 2,5 Tonnen pro Tag. Eine bescheidene Menge im Vergleich zu großen Industrieanlagen. Dafür kann eine Vielzahl von Sorten hergestellt werden mit Oblaten, zwei Schichten und Schokolierung. Die Kokos-Variante findet den besten Anklang, aber auch Erdnuss-Karamell ist beliebt. Sorten, die den bekannten Ge­schmacksrichtungen im konventionellen Sektor entsprechen.

Die Industriemarke Gut & Gerne bildet die Grundlage für den Vertrieb. Sie wurde 1985 eingeführt und umfasst inzwischen rund 250 Trockenprodukte. Zwölf  Prozent davon werden, überwiegend in EU-Länder, exportiert. Die Marke hat eine 20-jährige Erfolgsgeschichte hinter sich. In 10.000 Verkaufsstellen ist das Logo mittlerweile zu sehen. Eine solche Distributionsdichte ist für eine Bio-Marke nicht selbstverständlich. Alle Vertriebskanäle vom Supermarkt, Großfläche, C&C bis zu den Drogeriemärkten werden  von der Bio-Zentrale beliefert. Für den Cash und Carry gibt es Großgebinde, um auch eine Klientel wie Restaurants und Imbisse bedienen zu können.

Grundsortiment aus einer Hand

Der Lebensmittelhandel kann mit Gut & Gerne ein breites Grundsortiment erprobter Produkte aus einer Hand bekommen und damit ein kompetentes Bio-Sortiment präsentieren. Das Preisniveau ist vergleichbar mit dem konventioneller Markenartikel. Die Artikelzahl von Gut&Gerne übertrifft das Angebot, das in vielen Supermärkten geboten wird. 100 Bio-Produkte sind die Realität, mit der sich viele Verbraucher abfinden müssen. Für einen Ausbau der Sortimente empfiehlt sich die Bio-Zentrale als kompetenter Partner.

Zweites wichtiges Standbein der Bio Zentrale ist das Geschäft mit Bio-Handelsmarken. Zwischen 70 bis 140 Artikel werden für die Supermarktketten hergestellt, die ihre Eigenmarken meist noch mit Gut & Gerne ergänzen. Auch auf diesem Feld ist die Bio Zentrale gut  aufgestellt.

Einige Produktgruppen, wie zum Beispiel Körner, sind inzwischen ausgereizt. Aber der Markt bewegt sich. Dinkelprodukte zählen aktuell zu den Aufsteigern. Die Range wird permanent erweitert. Durch ein Rot mit Signalwirkung heben sich die Dinkel-Produkte vom übrigen Sortiment ab. Die Verpackungsausstattung ist hochwertig, ähnlich dem Trend im konventionellen Bereich. Bedruckte Folien statt Etiketten und kräftige Farben lösten das Öko-Image ab.

Der Handel hat die Leistungsfähigkeit der Stubenberger im Laufe der Jahre zu schätzen gelernt. Gerade die vielfältigen Maßnahmen am POS, die die BZ anbietet, untermauern den Erfolgskurs, wie Schmitz-Lothmann erklärte. "Das erste Quartal 2006 ist äußerst erfolgreich verlaufen", bestätigt Gabisch, der als Gründer von Anfang an dabei war. 

Anton Großkinsky


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