Start / Ausgaben / BioPress 47 - Mai 2006 / Aupperle lockt mit Bio

Aupperle lockt mit Bio

Rewe-Händler aus Fellbach baut ein umfangreiches Sortiment auf

Im Industriegebiet von Oeffingen steht einer von drei Rewe Märkten der Familie Aupperle. Eine großzügige Fläche von 2.500 Quadratmeter erlaubt nicht nur die Pflicht, sondern lässt Platz für die Kür mit Bio.


Ein großzügiger Parkplatz bietet 200 Fahrzeugen eine Abstellmöglichkeit. Ein separater Getränkemarkt rundet den Komplex ab. Im Vorkassenbereich befindet sich eine Bäckerei mit Café. Das Gebäude beherbergte bis 2005 einen Extra. Die Rewe hat zahlreiche Märkte dieses Formats von der Metro übernommen und überlässt sie Selbstständigen. Bereits im ersten Jahr hat der Kaufmann den Umsatz im Vergleich zum einstigen Regiebetrieb um zehn und im Bio-Bereich um 50 Prozent gesteigert. Die Selbstständigen schaffen einfach eine höhere Flächenleistung. Junior Sebastian Aupperle, der nach der Berufsakademie in den väterlichen Betrieb einstieg, verdient sich hier seine ersten Sporen und bringt Bio voran und mit Bio die Verkaufsstelle.

Zehn Prozent Bio keine Utopie


Der Süden Deutschlands, besonders die Ballungsräume, sind ein El Dorado für Bio-Produkte. Fünf bis sechs Prodzent setzt der Rewe-Selbstständige aktuell damit um und liegt damit weit über dem Durchschnitt im LEH von einem Prozent. Einen Anteil von zehn Prozent will er mittelfristig erreichen. Das ist keine Utopie, denn das Umfeld stimmt. Die Autoindustrie sorgt für gesunde Einkommen und die entsprechende Nachfrage. "Der Verbraucher springt auf Bio an", hat der Kaufmann bemerkt.   

Das Konzept sieht eine starke regionale Schiene und einen hohen Bio-Anteil vor. Damit macht er sich unverwechselbar. In Fellbach geht man nicht zur Rewe, sondern zu Aupperle. Der Kaufmann repräsentiert in seinem Stammmarkt im weißen Kittel: "Den ziehe ich schon zuhause an, und so laufe ich auch zur Post". Aupperle sticht heraus aus der Namenlosigkeit des Discounts und der Regiebetriebe. Hier steht der Chef im Laden. "Ich verkaufe Mittel zum Leben", lautet sein Motto.

Kundenfreundliche Öffnungszeiten von sieben bis 20 Uhr von Montag bis Samstag sorgen für Akzeptanz. "Wir würden auch bis 22 Uhr öffnen", merkt der Senior an. Von 16.30 Uhr bis Ladenschluss ist reger Betrieb in den Fluren. Zwischen 13 und 15 Uhr herrscht dagegen Flaute. "Da könnte ich zu machen", berichtet der Junior.


Das Einzugsgebiet reicht über den 8.000 Einwohner zählenden Stadtteil Oeffingen hinaus. Die Kunden kommen auch aus den Nachbarorten Schmiden, Hegnach und Remseck. Die Frequenz liegt aktuell bei 1.700 Kunden am Tag. Das Potenzial ist aber noch nicht ausgereizt. Fritz Aupperle betreibt diese große Fläche als Testmarkt für Bio. "Hier haben wir den Platz etwas rüberzubringen". Kleinere Verkaufsstellen um 1.000 Quadratmeter sind mit dem Pflichtprogramm schon voll.
18.000 Artikel stehen in dem Markt. Rund 1.000 davon sind in Bio-Qualität und ständig werden es mehr. Er liegt damit weit über dem Schnitt im deutschen LEH. "Wir haben das Potenzial in diesem Raum. Das funktioniert nicht überall. Wir haben hier einen hohen Kaufkraft-Index", klärt der Lebensmittelhändler über die Struktur am Ort auf. Die Zentrale lässt ihm freie Hand, und er ist ständig auf der Suche nach neuen Produkten. 30 Bio-Lieferanten hat er bereits gefunden. 

Bio in allen Warengruppen

Bio ist in allen Warengruppen präsent: Bei O+G, Mopro, Wurst, TK, bei den Getränken und selbstverständlich gibt es bei den Trockenprodukten zu den herkömmlichen Lebensmitteln Alternativen aus kbA. Lediglich die untervermietete Fleischtheke und der Backshop sind noch bio-frei. Der Rewe-Händler nutzt auch die Werbemittel der CMA. Nach der Schranke lockt gleich das Motiv mit der jungen Frau im T-Shirt und dem Titel "Alles Bio. Alles echt". Die Kampagnen beurteilt man in Fellbach positiv: "Das holt Bio aus der Ecke raus. Bio muss normal werden". Bei Feinkost, Konserven, Wein und Früchten liegt aktuell die Stärke des Bio-Sortiments. 


In der großzügigen Obst- und Gemüseabteilung wird Bio in einer Insel mit mehr als 30 Produkten breit präsentiert. Die Ware wird genussreif angeboten. Auswahl macht auch hier das Plus des SEH. Kartoffeln führt inzwischen jeder Discounter. Aupperle kontert mit insgesamt fünf Sorten in der Tragetüte, im Netz und in der Schale. Ein bunter Garten mit Topfkräutern, Mais, Pilzen und Erdbeeren tut sich auf. Spanien, Italien, Frankreich, Niederlande Argentinien und Deutschland sorgen für Farbe im Einkaufskorb. 

Im Kühlregal geht es munter weiter mit Bio. Da sind Abgriffe zu sehen, teilweise sogar Fehlartikel wie Lachs und frische Teigwaren. Bio geht, keine Frage. Bei den Milchprodukten dominiert Füllhorn. Als Alternative gibt es den Fallers Joghurt von Breisgau-Milch mit Preisdifferenzierung zur Eigenmarke. Um zehn Cent liegt die Herstellermarke moderat darüber. Andechser, gerade erst im zweiten Quartal eingeführt,  deckt ebenfalls das obere Preissegment ab.


Bei den Trockenprodukten wird das Grundsortiment von Füllhorn durch Gut & Gerne ergänzt. Zusätzlich bietet der Rewe-Markt seinen Kunden Feinkost von BioGourmet in der Warengruppe platziert und mit Regalstoppern vorbildlich kenntlich gemacht. "Damit machen wir gute Umsätze", lobt der Kaufmann das feine Sortiment der Rapunzel-Tochter.

Die Regionalität pflegen

Daneben wird die Regionalität auch im Bio-Bereich gepflegt. Im umfangreichen Wein-Sortiment spiegelt sich das wieder. Hier werden Württemberger in Bio-Qualität offeriert. "Wir beziehen Wein von zwei Ecovin-Winzern aus dem Remstal. Das ist sauberer gut ausgebauter Öko-Wein", lobt Aupperle sen. fachkundig. Da gibt's seltene Rebsorten wie den Zweigelt und Anspruchsvolles wie eine Cuvée im Barrique ausgebaut. Mit 4,80 Euro ist man dabei. Bis auf 15 Euro kann man sich hocharbeiten. 

Sauerkonserven haben im Schwabenland ebenfalls Tradition. Schweizer aus Filderstadt packt das Filder-Kraut ins Glas. Mit Gurken, Rotkraut, Silberzwiebeln und Rote Beete sind noch mehr heimische feinsaure Köstlichkeiten verfügbar. Bio-Obst im Glas kommt ebenfalls von der Schweizerschen Fabrik. Bio-Konserven sind im LEH eher ein unbeschriebenes Blatt;
Rewe Aupperle ist einer der Wenigen, der sie hat und mit Erfolg verkauft. Die Heimatsmühle aus Aalen ist ebenfalls mit ihren regionalen Getreideprodukten von Bauern aus Baden-Württemberg im Regal. "Wir sind auf einem guten Weg. Mit regionalen und mit Bio-Produkten erweitern wir unseren Kundenkreis", erläutert der Inhaber.  

Teigwaren von Brändle geben Lokalkolorit. Soja-, Dinkel- und Vollkorn gehen als Spätzle, breite Nudeln und Spiralen über den Ladentisch. Huober, der im nahen Erdmannhausen seine Knabbergebäck produziert, wird geführt. Bio-Kindergebäck als Sesamstraße-Lizenzprodukte von Allos bereichern das Sortiment. Die Käsetheke wird ebenfalls gepflegt. Auch hier hat man sich Regionalität auf die Fahne geschrieben. Die Dorfkäserei Geifertshofen aus dem Raum Schwäbisch Hall bereichert das Bio-Angebot.

Kultigesin Bio-Qualität

Bei der Rewe-Zentrale erkennt er ebenfalls Anstrengungen, das Bio-Sortiment zu verbessern. Die hauseigene Großbäckerei bietet unter der Marke Mühlenhof Aufbackware an. "Das hat eingeschlagen", kommentiert der Händler. Vollkorntoast, Brötchen und Croissants kommen an bei der Supermarkt-Kundschaft. Außerdem plant die Rewe, SB-Biofleisch wieder zu beleben, das es schon mal gab und wieder abgeschafft wurde. Bestrebungen, die Aupperle gerne sieht. Geschnittene SB-Wurst wurde aktuell eingeführt: Paprika-, Schinkenwurst und Fleischkäse sind erhältlich. Wurstkonserven in der Dose gehören ebenfalls dazu.  Auch das Kultgetränk Bionade läuft super, wie die Kaufleute bekunden. Ebenso Kaffee-Pads von Neuteboom. Moderne Produkte, die den Lebensstil des 21. Jahrhunderts verkörpern, lassen sich in der technikgeprägten Automobilregion gut verkaufen. 


In der Tiefkühltruhe beherrscht Füllhorn das Feld: Gemüse und Hackfleisch gibt es schon lange. Pommes Frites liegen jetzt zum gleichen Preis wie die des konventionellen Marktführers McCain aus, nämlich 1,59 Euro für 750 Gramm. Bio muss nicht teuer sein.

Immer mehr junge Leute entdecken, dass Essen nicht nur satt macht, sondern auch Freude bereiten kann. Juniorchef Sebastian leitet den Markt nicht vom Schreibtisch aus, sondern steht auf der Fläche und hat die Antennen ausgefahren. Natürlich besitzt er einen Draht zur nachwachsenden  Generation. "Auch junge Leute nehmen Mal eine Flasche Bio-Wein für sieben Euro." Das ist gut so. "Am Essen und Trinken dürfen wir nicht sparen", propagiert der Händler.

Anton Großkinsky


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